Hinweise zu Beerdigung-Frage an Nicht-Christen

Von: , Frage gestellt am Di, 22. Okt 2002

Hallo...

mich würde mal interessieren ob sich der ein oder andere schon mal gedanken gemacht hat, was mit seinen überresten geschehen soll, wenn er gestorben ist.
gerade auf dem land gibt es fast ausschließlich kirchliche friedhöfe.
ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich für meinen teil hab zu lebzeiten nichts mit der kirche am hut und möchte auch nicht im christlichen sinne beigesetzt werden.
weiß jemand, ob und wie man das umgehen kann? da ich mich verbrennen lassen möchte, verstehe ich nicht, warum man letztendlich mit der asche nicht tun kann, was man möchte.
ich würde viel lieber an einem schönen ort verstreut oder unter einer birke begraben werden.
ich hab lang im internet gesucht und letztendlich nur eine relevante seite gefunden, die sich mit diesem thema auseinandersetzt. sie heißt www.postmortal.de
ich würde mich sehr über eure meinung oder auch vorschläge freuen.
danke schonmal
liebe grüße
lunatics wife

34 Antworten zu dieser Frage

    • Antwort von nach 17 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Beerdigung-Frage an Nicht-Christen


      hallo chris...

      ich hatte ein erlebnis in jungen jahren, daß vielleicht meine sicht über beerdigungen geprägt hat.
      meine beste freundin starb quasi über nacht. umgefallen-tot. ich war froh in ihren letzten minuten dabei sein zu dürfen.
      dann die beerdigung. ein kleiner friedhof mit einer noch kleineren kirche, mitten auf dem land. hunderte von menschen dort, klar ist ja ein ereignis, sonst trifft man sich wohl nur auf maibaumfesten.
      erst eine absolut unpassende rede vom pfarrer, der meine freundin wohl nicht kannte, denn der mensch, über den er redete, war nicht SIE. dann anschließend gottesdienst. die kirche war viel zu klein für diese menschenmassen, also wartete ich mit vielen anderen draußen an ihrem grab.
      während der "trauerfeier" fingen dann irgendwelche bauhofarbeiter an, den sarg einzugraben. sie hatten viel spaß, stellten während ihrer arbeiten ihre bierflaschen auf dem sag ab und wüteten rum wie die wahnsinnigen.
      das war für mich der traurigste moment überhaupt.
      keine achtung, keinen respekt davor, daß hier ein mensch gegangen ist, daß hier ( wenn auch nur einige wenige )menschen trauern, weil sie jemanden wertvollen verloren haben.
      das ist nun über 20 jahre her und ich war seitdem nie wieder auf diesem friedhof.
      aber ich habe meine freundin noch heute in schöner erinnerung, habe viel mit ihr geprochen und ausreichend abschied von ihr genommen.
      genau da hab ich wohl entschieden, ich möchte soetwas nicht mehr erleben müssen. bei den menschen, wo ich die möglichkeit habe, einfluss darauf zu nehmen, wie sie bestattet werden, möchte ich dies auch nutzen.
      darum denke ich, ist es wichtig zu lebzeiten sich mit diesem thema auseinanderzusetzen und auch wünsche zu äußern.
      auch für die, die zurückbleiben ist es wohl schöner, den zeitpunkt des abschieds mitbestimmen zu können, also z.b. die asche erst zu verstreuen, wenn sie soweit sind. und wenn sie mich "besuchen" mögen, einen platz zu haben, der nicht nur ein platz des todes ist, sondern ein platz des lebens.
      liebe grüße
      lunatics-wife

  1. Antwort von nach 16 Stunden 0 hilfreich
    Keine Beerdigung!

    Mir ist völlig gleich, wie jemand an meinem Grab oder an meiner Urne empfinden würde. Mir ist egal, was er dort sucht oder erwartet, ob ihm das etwas bringt oder ob es ihn erleichtert. Hier entscheide ich allein für mich und danach, was es mir bringt, einen Toten zu besuchen. Nichts bringt es mir! Dort finde ich keinen Menschen, nur eine Leiche oder noch weniger. Maximal würde ich den Menschen noch mehr vermissen. 1996 starb mein Vater. Ich werde nie an seinem Grab stehen. Und an meinem wird auch keiner stehen, weil es keines geben wird.
    Angenehmer Nebeneffekt: Grabpflege ist eine Pein! Und damit werde ich niemanden belasten.

    Gruß!
    Tino

  2. Antwort von nach 17 Stunden 0 hilfreich
    Re: Beerdigung-Frage an Nicht-Christen

    Hallo Lunatics,

    (habe jetzt nicht alle Postings hier gelesen, hoffe, das kam noch nicht)

    1. Ist der Friedhofszwang in Deutschland (leider) eine amtliche Sache, keine kirchliche.

    2. Es gibt aber auch städtische Friedhöfe - und wie Diana richtig schreibt - sogar anonyme Urnenfelder. Auch auf den Dörfern sind das keinewegs immer konfessionelle, wenn dort auch Christen (aber nicht nur) beerdigt sind. (komme selbst vom Land und unsere Friedhöfe in der Umgebung waren alle städtisch)

    3. Solltest du über eine Seebestattung nachdenken:-). Neee, ehrlich das ist z.Zt. in Deutschland die einzige Möglichkeit seine sterblichen Übereste auf legale Weise außerhalb eines Friedhofs zu bekommen. Da wird die Urne aus einem speziellen Salzkristall ins Meer abgelassen und relativ schnell zersetzt vom Meerwasser.

    4. Gibt es Menschen, die sich z.B. in Holland verbrennen lassen. Da ist es dann eine Sache des Engagements deiner Hinterbliebenen, was weiter passiert...

    5. arbeiten die Interessenverbände der deutschen Bestatter an einer Aufhebung des Friedhofszwangs. Ich wünsche dir noch ein langes Leben, vielleicht kannst du von der zunehmenden Liberalisierung bei diesem Thema dann schon profitieren:-).

    Es gibt eine Broschüre von ahorn-grieneisen ( einem Bestattungsunternehmen in Berlin), die heißt: "Und am Ende ein Fest. Mut zu einer neuen Trauerkultur" und eine weitere über Bestattungsriten aller Religionen und Weltanschauungen. Wenn du willst, schick ich dir da jeweils ein Exemplar per Post! Melde dich einfach mit Adresse, wenn du Interesse hast (könnte man wahrscheinlich auch direkt bei denen bestellen, habe aber ein zweites Exemplar übrig). Ist sehr interessant, was man - von der letzten Ruhestätte abgesehen - so alles an Trauerkultur integrieren kann, was *nicht* spezifisch crhistlich ist, aber mit der Persönlichkeit des Toten zu tun hat.

    Viele Grüße,

    barbara

    • Antwort von nach 17 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Beerdigung-Frage an Nicht-Christen

      hallo barbara...

      danke erstmal für deine tips.
      das mit der seebestattung ist leider nicht so einfach. da muss man nämlich nachweisen, daß der verstorbene zu lebzeiten eine besondere bindung zum meer hatte ( matrose, etc .) ausserdem ist das unglaublich teuer.
      die möglichkeit über holland steht auch auf der seite, die ich erwähnt habe. hat auch den vorteil, daß das dort viel günstiger ist, als bei uns.
      nur halt sehr umständlich und wie du bereits gesagt hast, erfordert es engagement vonn den hinterblieben und da man ja vorher nie weiß, wer zurückbleibt, also auch schwierig.
      wegen dieser broschüren werde ich mich mit dir in verbindung setzen.
      vielen dank schon mal
      liebe grüße
      lunatics-wife




      • Antwort von nach 17 Stunden 1 hilfreich
        Re^3: Beerdigung-Frage an Nicht-Christen

        Hallo Lunatic,

        ja melde dich einfach:-)

        Ich habe gerade nochmal auf der entsprechenden Seite geschaut: Eine neue, vielleicht auch interessante Variante für dich ist der "Friedwald"

        Zitat:

        " Er bietet eine stimmungsvolle Ruhestätte außerhalb normaler Friedhöfe.

        Die Asche des Verstorbenen wird in den Wurzelbereich eines Baumes oder Strauches eingebracht, der zur Beisetzung oder bereits vorher im Auftrag gepflanzt oder ausgesucht wird. Der Baum nimmt die Asche als Nährstoff auf und wird so zu einem Sinnbild für das Fortbestehen des Lebens und ist zudem eine sehr persönliche Erinnerung an den Verstorbenen.

        Seit November 2001 ist es nun auch möglich, sein Baumgrab in einem deutschen Friedwald zu wählen.Nahe Kassel ist im Reinhardswald der erste deutsche Friedwald entstanden.
        (...)
        Knapp acht Monate nach der Entstehung des ersten Friedwaldes im nordhessischen Reinhardswald wurde am 21.06.2002 im südhessischen Michelstadt der zweite deutsche Friedwald eröffnet.
        Verwirklicht wurde er gemeinsam mit der Stadt Michelstadt und dem Landesbetrieb Hessen-Forst. "

        aus: http://www.ahorn-grieneisen.de/set_all.htm?content/b...
        vielleicht auch eine interessante Altrnative. Die Adresse ist dort angegeben, da erfährt man sicher auch etwas über die Kosten.

        liebe Grüße,

        barbara



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