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Lieber Carlos, ich hoffe, dass das, was ich geschrieben habe, für sich erst einmal verständlich gewesen ist. Die Eigenart des Gottesnamens ist schon sehr lange gesehen worden, was auch die Vokalzeichen betrifft. Wie es im Deutschen Namen mit „Gott“ als Namensteil gibt (Gottfried, Traugott usw), so ist es in Israel auch. Die Menschen hängten einfach die Kurzform des Gottesnamens, ein Jod, an den Namen und ergänzten in der Schrift dann den dazugehörigen Vokal. Diese Namen sind sehr sehr häufig, Elija, Jesaja, Jeremija, Obadja, Zedekija. Aber auch vorgeschaltet gibt es den Gottesnamen: Johannes, Jojakim, Joel. Dass hier niemals ein E bei dem J begegnete, macht an sich schon stutzig. Man kann anhand von Inschriften auf Steinstelen sagen, dass das Nichaussprechen des Namens Gottes ca. 300 vor Christus sich durchgesetzt hatte. Vorher begegnet der Gottesname „Jahwe“ auf der sogenannten Mesastele aus dem 9.Jahrhundert vor Christus und in den Lachischbriefen aus der Zeit der Zerstörung Jerusalems 589 v.Chr. Die Erkenntnis, dass der Name Gottes, Jahwe und nicht Jehowa lautet, setzte sich aber erst dann eindeutig durch, als man Schriften entdeckte von den Christen der ersten Jahrhunderte. Diese Schriften waren vorher unbekannt. Genau gesagt handelt es sich um Schriften der frühchristlichen Gelehrten Theodoreth und Klemens von Alexandrien. Dort ist der Gottesname Jahwe in griechichen Buchstaben zu finden. Allerdings gibt es auch etwas andere Lesarten wie z.B. die Kurzform Jahu. Entscheidend ist, das allerdings läßt sich schwer erklären für jemanden, der kein Hebräisch versteht, dass das W von JHWH nicht doppelt verwendet wird, wie es bei Jehowa der Fall wäre. Wenn du Interesse hast, erkläre ich dir das gerne ausführlich, will aber jetzt nicht so weit ausholen und nachher interessiert es keinen.
Zu der Frage der Gottheit Jesu. Ich bin nicht verzweifelt, wie du dich leider recht bissig ausdrückst. Dass nicht nur die Zeugen Jehowas, sondern auch manche Christen die Gottheit Jesu ablehnen, hängt damit zusammen, dass sich die göttliche Tatsache der Gottheit Jesu eben nicht wie eine mathematische Formel aufdröseln läßt. Gott ist Gott und seine Menschwerdung in Jesus Christus das größte Geheimnis der Weltgeschichte. Anmaßend ist der, der meint sie für einen kleinen Menschenverstand logisch nachvollziebar und sezierbar „auftischen“ zu können. Wenn du jetzt schon in dich hinein schmunzelst und wieder vermutest, ich sei verzweifelt, dann muß ich dich enttäuschen, denn es gibt eine Vielzahl harter biblischer Belege für die Gottheit Jesu. Aber die Vorbemerkung war mir wichtig, weil ich nicht von Gott erwarte, dass er mir, einem Menschen, jede Einzelheit seines Wesens entschlüsseln müßte.
Nun die Fakten, die du allerdings mit deiner Eine-Welt-Übersetzung, aus der du in deinem letzten Artikel zitiert hast, nicht immer nachvollziehen können wirst, weil in dieser Übersetzung einige schwerwiegende Ungenauigkeiten zu finden sind, von denen ich nicht sofort unterstelle, dass sie beabsichtigt sind. Die Zeugen Jehowas haben früher die Elberfelder Bibel benutzt, also werde ich mich auf diese Übersetzung beziehen, die ja demnach auch von Euch anerkannt sein müßte. Ab und an werde ich mich dann auch auf den griechischen Urtext beziehen, der ja der Ursprung jeder Übersetzung ist. Ich beziehe mich jetzt nur auf die Stellen, die wörtlich Jesus Gott nennen, viele andere Stellen in der Bibel sind zum Teil noch eindeutiger, müßten aber intensiver betrachtet werden.
1. Johannes 1,1+2: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott.“ Wir sind uns sicher einig, dass Johannes mit dem Wort natürlich Jesus meint, von dessen Menschwerdung ab Vers 14 die Rede ist. Nun sind zwei Aussagen hier von besonderer Bedeutung. Dieses Wort war Gott und es war bei Gott. Das trifft genau meine Auffassung. Jesus, also das Wort, ist Gott, aber mit der Aussage, dass es bei Gott war, wird deutlich gesagt, dass Gottes Wesen damit noch nicht erschöpft ist. Jesus ist also kein zweiter Gott. Das Wort läßt sich nicht von Gott lösen. Es ist ihm weder untergeordnet noch nebengeordnet, sagt Johannes. Die Bibel ist an die Menschen gerichtet und will davon berichten, wie sich Gott uns Menschen offenbart hat. Indem sich Gott offenbart, ist er das Wort.
2. Diese Aussage der Gottheit Jesu ist wie ein Rahmen des Johannesevangeliums. Wie am Anfang in 1,1 so ist auch am Ende in Johannes 20,28 ein klares Bekenntnis zur Gottheit Jesu ausgesprochen. Thomas begegnet dort dem Auferstandenen und sagt zu ihm „mein Herr und mein Gott“.
3. Im Hebräerbrief wird deutlich gesagt, dass Jesus einzigartig unterschieden ist von den Engeln. In Kap 1 wendet er zwei Psalmstellen auf Jesus an. Der Text ist nicht ganz einfach zu verstehen, man muß ihn aufmerksam lesen: ab Vers 7:„Und von den Engeln zwar spricht er (Gott): „Der seine Engel zu Winden macht und seine Diener zu einer Feuerflamme, von dem Sohn aber: „Dein Thron, o Gott, ist in alle Ewigkeit...“ In Vers 9 wird Jesus dann in gleicher Weise noch einmal „Gott“ genannt.
4. Im Philipperbrief Kap. 2,6 schreibt Paulus, daß Jesus es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein, sondern daß er sich seiner Göttlichkeit entäußerte, um Mensch zu werden. „Jesus war in Gottes Gestalt und hielt es nicht wie einen Raub fest, Gott gleich zu sein. Aber er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist....“ Jesus ist also Gott. Um Mensch zu werden, hat er aus Liebe zu uns Menschen seine Göttlichkeit abgelegt. Er hielt sie nicht wie einen Raub, also wie einen Besitz, fest, sondern ließ sie los für uns. Gleichzeitig macht auch dieser Text vor allem Vers 9 „Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist“ deutlich: Jesus ist Gott insofern er sich uns offenbart. Der Name der über alle Namen ist, kann kein anderer sein als der Name Gottes, denn nur der ist über alle Namen. Wenn Gott Jesus diesen Namen verliehen hat, heißt das nichts anderes, als daß Jesus nach seiner Menschwerdung, nach Kreuz und Auferstehung, wieder zu seiner Göttlichkeit zurückgekommen ist. Diese Stelle ist die wichtigste und auch die, an der die Neue-Welt-Übersetzung den Bibeltext in leider extremer Weise unkorrekt übersetzt.
5. Man kann nur zu Gott beten, das sagen auch die Zeugen Jehowas und beten deshalb nicht zu Jesus. Korrigiere mich, wenn das nicht stimmen sollte. Ich bin der gleichen Auffassung, daß man nur zu Gott beten kann. Paulus übrigens auch, aber er spricht davon, daß er zu Jesus gebetet hat und er ihm auch geantwortet hat. In 2 Kor 12,8+9 Paulus spricht davon, daß er irgendein Leiden hat, das er als Engel Satans bezeichnet :„Um dessentwillen habe ich dreimal den Herrn angerufen, daß er von mir ablassen möge. Und er hat zu mir gesagt: ‚Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung.‘ Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne.“ Paulus ruft den Herrn an und der, der ihm da antwortet, sagt, daß seine Kraft in der Schwachheit wirkt. Paulus sagt dann im Nachsatz eindeutig, daß die Kraft Christi bei ihm wohnen soll. Also ist der, zu dem er da gebetet hat und der ihm seine Kraft verspricht, Christus, der Sohn Gottes, der mit seinem Vater eins ist - um auf die Johannesstellen, die weit mehr bedeuten als eine Einmütigkeit zwischen Gott Vater und Jesus, hinzuweisen.
6. Eine letzte Stelle bringe ich noch, dann muß ich erst einmal aufhören und arbeiten. Ich werde diesen letzten Bibelvers aus dem Kolosserbrief (2,9) auch nicht groß kommentieren, denn er spricht für sich: „Denn in ihm (Jesus) wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“. Die ganze Fülle, Jesus war nicht nur von Gott mit großer Kraft und Weisheit ausgerüstet, Gott in seiner ganzen Fülle ist in Jesus.
Ich hoffe, meine Ausführungen waren verständlich. Wenn du weiterreden willst, gern.
Gruß Ernst
Hallo Ernst,
Die Zeugen Jehowas
haben inzwischen auch in einer kleinen
Schrift zugegeben, sich an diesem Punkt
geirrt zu haben.
So klein war die gar nicht; 23 cm x 17,8
cm.
*g*
Könntest du mir bitte erklären, wie man
herausgefunden hat, daß die die korrekte
Aussprache Jahweh lautet. Bisher konnte
mir niemand eine verständlicher
Erläuterung geben.
Im Gegensatz zu den Zeugen Jehowas glaube
ich, dass Jesus Gottes Sohn war und dass
er Gott gleich ist, wie er es in Johannes
17,11 und 21 und öfter selber sagt.
Johannes Kapitel 17 Vers 11:
"Auch bin ich nicht länger in der Welt,
doch sie sind in der Welt, und ich komme
zu dir. Heiliger Vater, wache über sie um
deines Namens willen, den du mir gegeben
hast, damit sie eins seien, so wie wir es
sind."
Hier spricht Jesus davon, daß seine
Jünger genauso einig sein sollen, wie
Jesus es mit seinem Vater war. Um mit
diesem Text eine Wesensgleichheit von
Jesus und Jahweh belegen zu wollen muß
man schon ziemlich verzweifelt sein.
Freundlicher Gruß von
Carlos