Hinweise zu eigentumsdelikte..

Von: , Frage gestellt am Di, 28. Jun 2005

.. sind in unserer kapitalistischen weltanschauung schwer in den griff zu bekommen, weil die "umverteilung " da anders, als geplant laeuft.

heute am stammtisch... viel bier... sagt jemand:

jedem dieb wird bei erstem vergehen eine sehr strenge verwarnung ausgesprochen - jedes weitere vergehen zieht den verlust eines fingers von links nach rechts nach sich.
wenn dir also jemand entgegenkommt, der versteckt an der linken hand ueberhaupt keine finger, und rechts nur noch zwei hat: obacht, da besteht gefahr fuer dein portemonnaie...

klar, die gegenseite wurde auch angesprochen: fehlurteile, arbeitsunfaelle, etc..

aber was spricht eigentlich ethisch dagegen?
ich habe die frage mal hier reingestellt,
weil

1. ich hoffe, dass sich nicht so viele populisten hier rumtreiben
2. ich gegenargumente gegen die biblische "auge-um-auge" philosophie erhoffe..

gruss
khs

35 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 16 Stunden 0 hilfreich
    Re: eigentumsdelikte..


    Hi Karl-Heinz

    Es gab und wird immer Menschen geben für die ein Eigentumsdelikt tabu ist weil es Ehre und Stolz verbieten und nicht irgendeine Bestrafung.

    mfg,oK

  2. Antwort von nach 19 Stunden 1 hilfreich
    Re: eigentumsdelikte..

    2. ich gegenargumente gegen die biblische "auge-um-auge"
    philosophie erhoffe..
    na das mußte kommen.

    nach diesem grundsatz dürfte man aber EBEN NICHT einem dieb einen finger abhacken, sondern ihn dazu verdonnern, das gestohlene plus entschädigung dem opfer zurückzugeben. "auge und auge" heißt: niemals mehr bestrafen, als schaden entstanden ist.

    gruß
    dataf0x

  3. Antwort von nach 21 Stunden 0 hilfreich
    Re: eigentumsdelikte..

    Hallo KHS aber was spricht eigentlich ethisch dagegen?
    Das kommt darauf an, welches ethische Konzept du anlegst! Ethik ist die Lehre vom "guten" Tun, aber was gut ist, kann eben ganz unterschiedlich definiert werden. Es gibt unzählige verschiedene "ethische Lehren"!
    Nach der Ethik mancher Stammtische spricht sicherlich überhaupt nichts dagegen, Finger mal eben abzuhacken. Nach christlichen, jüdischen und sicher auch islamischen Ethiken spricht - je nach dem, mit wem du genau sprichst - sehr sehr viel dagegen, nach meiner Ethik übrigens auch.
    Ich glaube, man kommt in der Frage eher weiter, wenn man, wie meine Vorredner - psychologische Überlegungen anstellt:
    Warum fordert jemand Fingerabhacken?
    - Sehnsucht nach klarer einfacher Lösung
    - diffuse Ängste
    - Rachegelüste

    Warum ist so etwas für die Gesellschaft höchst schädlich?
    - weil eine Gruppe von "Gebranntmarkten" entstände, die gar nicht anders könnten, als weiter kriminell bleiben, da sie ihr ganzes Leben lang als "Böse" gezeichnet wären
    - weil die gleiche Strafe für kleine und große Diebstähle zurecht bei vielen Menschen das Gefühl der totalen Ungerechtigkeit hervorrufen würde
    - weil dieser Akt der Gewalt (Verstümmelung) eine Gesellschaft roher, brutaler machen würde (Fingerabhacken live im Privatfernsehen?)

    Menschen, die Angst haben und ihre Angst mit Alkohol bekämpfen wirst du jedoch niemals mit noch so guten Argumenten überzeugen können!
    Gruß!
    Christian

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2 es ist alles relativ

      - weil eine Gruppe von "Gebranntmarkten" entstände
      eine kriminelle akte (wie nennt man das - fällt mir nicht ein) zu haben, ist im prinzip dasselbe. einmal vorbestraft, immer verdächtig. wenn ein vorbestrafter wieder etwas anstellt, wird er härter bestraft als ein ersttäter. - weil die gleiche Strafe für kleine und große Diebstähle
      zurecht bei vielen Menschen das Gefühl der totalen
      Ungerechtigkeit hervorrufen würde
      nun das könnte man durchaus verfeinern. - weil dieser Akt der Gewalt (Verstümmelung) eine Gesellschaft
      roher, brutaler machen würde (Fingerabhacken live im
      Privatfernsehen?)
      dieser akt der gewalt paßt einfach nicht mehr in unsere vorstellung von gerechtigkeit. das ist alles. in anderen zeiten bzw. anderen kulturen sieht man das schon anders (mittelalter, scharia).

      dafür frage ich mich, ob es humaner ist, jemanden ein paar jahre einzusperren und ihn täglich vergewaltigt werden zu lassen und zum drogenabhängigen zu machen?

      alles ist relativ. mit der nötigen portion sarkasmus und einem schuß bitterem humor kann ich am fingerabhacken gefallen finden.

      gruß
      dataf0x

  4. Antwort von nach 22 Stunden 3 hilfreich
    Re: eigentumsdelikte..

    Hallo Allerseits,

    zunächst einmal möchte ich einen Umstand erwähnen der relativ unbekannt ist.
    Zitat aus dem Buch Einsichten in die Heilige Schrift, Stichwort Dieb
    Ein Dieb mußte das Gestohlene gemäß den entsprechenden Bestimmungen des Gesetzes doppelt, vierfach oder sogar fünffach ersetzen. Konnte er dies nicht, so wurde er in die Sklaverei verkauft und erlangte seine Freiheit erst wieder, wenn er vollen Ersatz geleistet hatte (2Mo 22:1-12). Der in Schande geratene Dieb (Jer 2:26) mußte aber nicht nur Ersatz leisten, sondern er mußte auch ein Schuldopfer darbringen und den Priester für seine Sünden Sühne leisten lassen (3Mo 6:2-7).

    Nach den heutigen Maßstäben war die Strafe für Eierdiebe lächerlich gering. Anderseits mussten Schwerkriminelle kräftig blechen.
    Die Idee dahinter ist nicht die Strafe, sondern der Schadenersatz.
    In unserer heutigen Rechtsordnung werden die Strafe und die Ansprüche des Staates vorangestellt. Der verurteilte Täter muss erst mal die
    Strafe und Kosten des Gerichts begleichen und danach wird nachgeschaut, ob etwas für das Opfer übrigbleibt.

    Bei einer Verstümmelung des Täters, bleiben drei Fragen offen:
    1.) Was hat das Opfer davon, außer der Befriedigung seiner Rache?
    2.) Wieviel ist ein Glied wert, wenn man seinen Wert in Geld messen würde und in welchem Verhältnis kann es zum Wert der gestohlenen Güter stehen? Wann kann eine Verstümmelung angemessen sein?
    3.) Gemäß unserer Rechtsordnug ist die Unversehrtheit des Körpers
    ein sehr hohes Rechtsgut. Wir haben keine demütigenden Strafen, wie Pranger, keine Todesstrafe, keine Folter. Wieso sollte eine so massive Strafe, wie Verstümmelung bei bei so etwas "Geringfügiges", wie Diebstahl angewendet werden.

    Insgesamt erinnert mich die Idee irgendwie an einen Sketch von Badesalz, was man mit Hausbesitzern machen muss, die Samstags nicht die Straße fegen.

    Gruß
    Carlos

  5. Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
    DANKE leute!!!!!!!!!!

    moin!
    eine vielzahl der antworten erbrachte erstaunliche, bekannte, abgedroschene und sonstwas meinungen zu diesem thema.. auf jeden fall ist es so, dass meine "erwartungshaltung" ueppig erfuellt wurde!

    diese erwartung moechte ich kurz beschreiben: unser "stammtisch" befindet sich in einem brennpunkt der stadt frankfurt - fast jeder beteiligter ist entweder direkt oder in nahem umkreis indirekt opfer von eigentumsdelikten geworden/gewesen - persoenliche ueberfaelle, einbrueche, das gesamte spektrum halt.

    es gab nun vor wenigen tagen eine "diskussion" ( wie ueblich mit viel alk ) , wie so eine problematik geloest werden kann - ergebnis war meine fragestellung.

    am besagten abend war die mehrheit der anwesenden bereits gegen meine geschilderte verfahrensweise, uns fehlten nur die wahrhaft ethischen gruende, gegen diese bestrafungsprinzip zu argumentieren.

    diese gruende wurden hier unter vielen aspekten aufgezaehlt - das wird nun auch in die naechste runde darueber eingebracht.

    noch eins: es bestand nie die absicht, das "auge-um-auge" prinzip irgendjemandem in die schuhe zu schieben -rechtfertigungen/erlaeuterungen hier dieser art waren absolut nicht erforderlich und gefragt - die erklaerungs- + rechtfertigungsversuche in dieser richtung werden bei mir neue fragen freisetzen.!

    also danke nochmal fuer die anregenden konstruktiven beitraege
    und herzlichen gruss
    kuddel



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