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Re: Satan und Schöpfung
Der "Satan" oder Teufel (von diabolos, 2Durcheinanderwerfer, Chaot") der Bibel ist keine einheitliche Gestalt, sondern ein Konglomerat aus verschiedenen Figuren:
Die "schlange" im Garten Eden wird mit dem Satan gleichgesetzt, obwohl das nicht ausdrücklich gesagt wird,
im Alten Testament ist er einer der "Söhne Gottes", (von einem Sturz in die Hölle ist da noch keine Rede)
bei Hiob wird er mit Gottes Einverständnis ermächtigt, einen Frommen in Versuchung zu führen und seinen Glauben zu prüfen,
im Neuen Testament ist er der 'Ankläger, der himmlische Staatsanwalt sozusagen, der die sünden der Menschen vor Gott aufzählt,
als "schöner Morgenstern" Luzifer wird er gleichgesetzt mit dem mächtigen heidnischen König von Tyrus.
Im Alten testament wird stellenweise gesagt, dass Gott selbst es ist, der Gutes und Böses bewirkt, der Teufel spielt bis nach der Babylonischen gefangenschaft keine besondere Rolle.
Die eigentliche Stellung des Satans im Christentum ist daher schwer auszumachen:
Entweder ist er genauso mächtig wie Gott und widerstrebt diesem (was eine glatte Erklärung für das Böse in der Welt wäre), dann ist er ein Gegengott (wie im persischen Dualismus, der das Judentum stark beeinflusst hat)und Gott ist nicht mehr allmächtig,
oder er ist machtlos, dann würde Gott ihn aber gewährenlassen oder sogar beauftragen, Elend über die Erde zu bringen und die Menschen in die Hölle zu stürzen.
Später wurde der Teufel obendrein mit einem alten vorchristlichen Gott, dem "Gehörnten" gleichgesetzt, der heute noch von den Wicca (Hexen) angebetet wird.
Der gegenwärtige Stand der Theologie ist so, dass die katholische Kirche durch Papst Johannes Paul II. dezidiert feststellen ließ, es gäbe einen Teufel,(sie führt auch Exorzismen durch)
die christlichen Fundamentalisten glauben ganz fest an seine Existenz und räumen ihm in einer Art Verfolgungswahn gewaltige irdische Macht ein (bgl. die "satanische Panik" der 90er Jahre),auch hier werden, oft von Laien, Exorzismen durchgeführt,
liberale Theologen wie Haag betrachten ihn als Mythos, der nur als sündenbock für das Böse im Menschen herhalten soll.
Übrigens gibt es nicht nur den judeo-christlichen Teufel, sondern noch eine Menge andere,ähnliche Gestalten, z.B. den persischen Gott des Bösen, Ahriman.
ein sehr empfehlsnwertes Buch ist "Der Teufel" von Alfonso di Nola, erschienen in dtv Wissenschaft.