Hinweise zu Braucht der Mensch Religion?
Von: , Frage gestellt am Mo, 11. Sep 2000
Was meint ihr? Braucht der Mensch Religion??
Was meint ihr? Braucht der Mensch Religion??
Hallo Barbara.
Mich verwirrt das alles ziemlich. Vermutlich wär mir schon
geholfen, wenn du mir sagst, wie das "durchschnittliche"
Judentum zu Jesus steht. Ich wäre sehr froh, wenn du das tun
könntest, und es tut mir leid das ich für diese Frage so einen
langen Anlauf gebraucht habe.
Was mich wiederum verwirrt ist, warum Du zum Judentum übertreten willst. Deinen eigenen Aussagen konnte ich bisher nichts entnehmen, was dieses für micht verständlich machen würde.
Die Vorstellung "Christemtum - Jesus = Judentum" ist leider ein weitverbreiteter, christlicher Irrtum (Eigentlich sogar recht arrogant, da es nahelegt, dass das Christum das Judentum umfasst und sagar noch etwas mehr zu bieten hat). Ich denke Du solltest Dich in dieser Frage weniger mit der verbleibenden Bedeutung von Jesus für Dich beschäftigen, als mehr mit der Frage, welche Bedeutung das Judentum für Dich hat.
Ich (kein Durchschnitt) kann nur schreiben, dass Jesus für mich keine Bedeutung hat. Meine Umwelt ist christlich und in diesem Zusammenhang muss ich mich mit deren Glauben auseinander setzen (auch wegen deren Missionierung :-(, aber dieses betrifft nur diese Beziehung und weniger meine Person.
Nach meinen Erfahrungen ist es oft auch, dass 'Missverständnisse' bezüglich des Judentums dazu führen, an Teilen des christlichen Glaubens festhalten zu müssen. Das Judentum lebt aber munter und fröhlich ohne dieser Anleihen zu bedürfen.
Vielleicht hilft es weiter, wenn Du versucht herauszufinden, welche Position das Judentum zu den Fragen hat, welche Dir an Jesus noch wichtig sind (auch hier im Forum).
Schalom,
Eli
Hallo!
Ich hoffe, du wolltest nicht sagen, daß ausgrechnet ich mich arrogant aufführe. Ich glaub schon zu verstehen, daß es als hochgradig ungut und "herablassend" empfunden wird, wenn jemand der kein Jude ist mit der größten Präpotenz versucht, "das Judentum" in seinen Vorstellungen und Argumentationen zu vereinnahmen, ohne sich auch nur einen Moment lang zu fragen ob er/sie das Recht dazu hat.
Ich seh das Judentum auch nichgt einfach als "Christentum - Jesus". Den Darstellungen Jesus gemäß - und darüber hinaus, vielleicht- , mit denen ich Zeit meines Lebens konfrontiert war, und den Gefühlen und Gedanken die sich dadurch in mir entwickelt haben, bedeutet er mir viel - als eine historisch, menschliche Figur. Ich glaube -was heißt ich glaube, ich spüre und verstehe - das das Judentum ohne Jesus speziell wichtig zu nehmen oder zu beachten, eine für den jeweiligen Gläubigen erfüllende, lebendige Religion ist. Aber warum soll ich mich dafür rechtfertigen müssen, daß es wohl keinen Verdächtnisverlust bezüglich meines Aufwachsens mit sich brächte, wenn ich in einen anderen Glauben wechseln würde. Meine Kindheit würde mir immer bleiben. Aber ich war auch schon in meiner Kindheit nicht "katholisch".
Wie dem auch sei, ich weiß ja selbst nicht wue ich die Wirkung des Wenigen was ich von Judentum weiß und erlebe, auf mich selbst erklären soll.
Wahrscheinlich gibt es für Leute wie mich, oder zumindest für mich, kein wirklicxhes religiöses zu Hause, und wirds nie geben. Und vielleicht ist das auch in jeder Hinsich besser, auch wennich dadurch nicht besser bin. Was weiß ich denn schon. Ich kenne momentan nur meine eigene, zerrissene, Verzweiflung.
In der Annahme, daß wir doch denselben Gott haben könnten:
Shalom,
Barbara
Ein Tippfehler, der sich so blöd anhört, daß ich ihn doch allzu gern ausbessern möchte: Ich habe natürlich "GEdächtnisverlust" gemeint.
So was Blödes.
Grüsse,
Barbara
Hallo Barbara,
nun liegt es wohl an mir, mich zu entschuldigen. So hatte ich es nicht gemeint und die Arroganz bezog sich eigentlich auf das Forum (diverse Aussagen diesbezüglich).
Ich denke aber weiterhin, dass Du um Deine Gefühle zu klären vielleicht nach Antworten im Judentum suchen solltest. Dazu musst Du Dich auch nicht von Deiner Vergangenheit lösen. Immerhin hat diese es Dir ermöglicht dahin zu kommen, wo Du heute bist. Vielleicht findest Du durch Deine Klärung auch wieder zurück (zum Christentum), wer weiss das schon. Oder Du entdeckst, dass vieles von dem, was Dir die Figur Jesus noch sagt, Du auch im Judentum finden kannst und Du so die inneren Widersprüche auflösen kannst.
Schalom,
Eli
Hallo Eli!
Ich danke dir für deine beiden Antworten. Die erste hat mich ziemlich aufgewühlt, die zweite hat mich beruhigt.
Wahrscheinlich hat mich die erste deshalb so aufgewühlt, weil ich anscheinend versuche, mir selbst eine Entscheidung abzuringen, für die es einfach noch zu früh ist. Weil ich mich wohl weiterhin zum Judentum hingezogen fühlen werde, werd ich mich auch weiter damit beschäftigen. Und wenn meine Einsicht in alle Zusammenhänge größer wird, wird es ganz natürlich so geschehen, daß ich auch endlich mal im Alltagsleben die Bekanntschaft von Juden/Jüdinnen mache - in Wien gibt's dazu eh Gelegenheiten. Wie es dann weiterginge - hmm? Wer weiß. Auf jedenfall wär es besser so, und dann. Ich bin froh das du mir zu der Erkenntnis verholfen hast.
Wer weiß, wohin ER mich führt - irgendwohin sicher.
Viele Grüsse, und Schalom!
Barbara
Hallo Iris,
Der Eindruck ist richtig. Ich beziehe mich auf jüdische
Positionen. Harald befindet sich argumentativ auf dem Niveau
der christlich antijudaistischen Polemik.
bin ich hier einem Mißverständnis oder einem Vorurteil zum Opfer gefallen?
Meine Argumentation ist weder antijudaistisch noch polemisch.
Stimmt! Die messianischen Juden sind dann die guten Juden,
weil sie ja genau tun, was die Christen von Ihnen religiös
wollen - nämlich das Judentum hinter sich lassen und das
Christentum annehmen. Es bleibt dann eine Art jüdischer
Zuckerguß übrig - daß jüdische Feste dann christlich
umdefiniert werden etc.
Genau das habe ich nicht gefordert.
Es ist völlig verkehrt, von einem Juden zu verlangen, das Judentum zu verlassen oder zu verleugnen.
Die Diskussion sollte sich nur um folgenden Aspekt handeln.
1. Ist es den prophetischen Aussagen zufolge möglich, dass Jesus der Messias ist?
2. Waren die ersten Jünger Jesu keine richtigen Juden?
Das Christentum in seiner jetzigen Form anzunehmen wäre der falsche Weg. Im Gegenteil, ich möchte das Christentum (für mich persönlich) zu den Ursprüngen zurückführen. Also zu jenen Grundsätzen, die Petrus am Pfingsttag verkündet hat.
Der Umgang mit der Torah und die Auslegungstraditionen von
Juden unterscheidet sich grundsätzlich von der Art wie
Christen mit diesen Texten umgehen.
Mein Umgang mit den Texten der Torah gründet sich auf die Frage Jesu: "Was steht geschrieben in der Torah? Wie liest du es?" (Lukas 10,26)
Gruss Harald
Hallo Harald,
Die Diskussion sollte sich nur um folgenden Aspekt handeln.
1. Ist es den prophetischen Aussagen zufolge möglich, dass
Jesus der Messias ist?
Nach jüdischer Auffassung nicht. Aber die Christen legen diese Stellen soweit aus, dass es doch möglich ist. So kommst Du hier nicht weiter ;-)
2. Waren die ersten Jünger Jesu keine richtigen Juden?
Was meinst Du damit genau? Oder was folgt daraus?
Nach meiner Auffassung sind obige Aussagen irrelevant, da viele Aussagen im 'neuen Testament' der Offenbarung G'ttes widersprechen. Hier die genaue jüdische Haltung der Figur Jesus herauszuarbeiten erscheint mir unmöglich und aus jüdischer Sicht auch unnötig.
Iris fragte schon berechtigt, was blieben dann vom Christentum noch übrig?
Schalom,
Eli
Hallo Eli,
Die Diskussion sollte sich nur um folgenden Aspekt handeln.
1. Ist es den prophetischen Aussagen zufolge möglich, dass
Jesus der Messias ist?
Nach jüdischer Auffassung nicht. Aber die Christen legen diese
Stellen soweit aus, dass es doch möglich ist. So kommst Du
hier nicht weiter ;-)
schade, dass Du meinst, ich käme nicht weiter.
Ich bin aber manchmal recht hartnäckig. Deshalb formuliere ich die Frage noch einmal um.
Wie ist es möglich, eine Stelle der Torah soweit auszulegen, dass sie dem christlichen Konzept passt, aber nach jüdischer Überlieferung falsch ist?
Wenn eine Stelle falsch ausgelegt wird, muss doch bewiesen werden können, dass die Auslegung falsch ist.
2. Waren die ersten Jünger Jesu keine richtigen Juden?
Was meinst Du damit genau? Oder was folgt daraus?
Diese Frage ergab sich aus der Bemerkung von Iris, dass die messianischen Juden keine Juden seien.
Nach meiner Auffassung sind obige Aussagen irrelevant, da
viele Aussagen im 'neuen Testament' der Offenbarung G'ttes
widersprechen. Hier die genaue jüdische Haltung der Figur
Jesus herauszuarbeiten erscheint mir unmöglich und aus
jüdischer Sicht auch unnötig.
Dass es aus jüdischer Sicht unnötig ist, sehe ich ein. Aber aus christlicher Sicht wäre die Haltung Jesu zur jüdischen Tradition wichtig.
Iris fragte schon berechtigt, was blieben dann vom Christentum
noch übrig?
Na ja, die Bergpredigt, die Lehre Jesu allgemein, die Botschaft der Apostel und die Briefe des Paulus.
Ist das nichts ??
Gruss Harald
Hallo Harald.
Wie ist es möglich, eine Stelle der Torah soweit auszulegen,
dass sie dem christlichen Konzept passt, aber nach jüdischer
Überlieferung falsch ist?
Weil das christliche Konzept schon nicht mehr jüdisch ist.
Wenn eine Stelle falsch ausgelegt wird, muss doch bewiesen
werden können, dass die Auslegung falsch ist.
Aus meiner Sicht muss ein Christ die Torah anders auslegen, damit die christliche Botschaft war bleibt. Ansonsten würde die Widersprüche im 'neuen Testament' dazu führen, dass alle Aussage über Jesus negiert werden müssten. Damit würde aber das Christentum als eigentständige Religion seine Basis verliehren. Das was aus meiner Sicht wesentlich für das Christentum ist (Rolle Jesus, G'tt, Sünden, Kirche, etc.), ist halt gerade nicht mit dem Judentum vereinbar.
Na ja, die Bergpredigt, die Lehre Jesu allgemein, die
Botschaft der Apostel und die Briefe des Paulus.
Ist das nichts ??
Ja, wenn dieses übrigbleibt dann stimmt ja wohl die anfängliche Aussage, dass dieses eben nicht mit dem Judentum gleichzusetzen ist.
Vielleicht noch einmal eine Anregen, warum im Christentum kein Judentum mehr zu finden ist: Nach jüdischer Auffassung gibt es neben der Schriftlichen Lehre auch eine mündliche Lehre. Sowei ich das beurteilen kann, kannte Jesus beides, da er einige Dinge praktizierte, welche sich so nur in der mündlichen Überlieferung finden. Letzter fand aber keine Aufnahme in das Christentum, ist aber wesentlich für das heutige (und damalige) Judentum. Ansonsten müssten alle Christen, die zu den 'Wurzel' zurückkehren auch wieder anfangen sich zu steinigen, den Tempel aufzubauen und Opfer darzubringen...
Schalom,
Eli
Hallo Eli.
Vielleicht noch einmal eine Anregen, warum im Christentum kein
Judentum mehr zu finden ist: Nach jüdischer Auffassung gibt es
neben der Schriftlichen Lehre auch eine mündliche Lehre. Sowei
ich das beurteilen kann, kannte Jesus beides, da er einige
Dinge praktizierte, welche sich so nur in der mündlichen
Überlieferung finden.
Natürlich kannte Jesus die mündlichen Überlieferungen.
Er hat auch (zumindest nach Darstellung des NT) einige dieser Überlieferungen kritisiert.
Ganz sicher sind auch seit der Zeit Jesu noch einige dazugekommen.
Letzter fand aber keine Aufnahme in das
Christentum, ist aber wesentlich für das heutige (und
damalige) Judentum.
Warum wurden diese Überlieferungen nicht schriftlich festgehalten?
Und inwiefern wiedersprechen diese dem NT?
Ansonsten müssten alle Christen, die zu
den 'Wurzel' zurückkehren auch wieder anfangen sich zu
steinigen, den Tempel aufzubauen und Opfer darzubringen...
Na ja, die Juden steinigen doch heute auch niemanden mehr, oder?
Und wie verhält es sich mit den Opfern? Die Christen bringen auch Opfer dar.
Und dass wir Christen den Tempel nicht aufbauen, darfst Du uns nicht übel nehmen. Hätten wir dazu Gelegenheit? Bauen die Juden den Tempel in Jerusalem wieder auf?
Nimm mir bitte die beiden letzten Fragen nicht übel. Ich bin sicher, dass es wieder einen Tempel in Jerusalem geben wird, wenn die Zeit reif ist.
Schalom
Harald