Papst vs. Islam?

Von: , Frage gestellt am Do, 21. Sep 2006

Hallo,

ich möchte mal einige Zitate aus einer Presseerklärung von einer islamischen Gemeinde wiedergeben, das die Diskussion vielleicht auf eine inhaltliche Richtung lenkt.

Denn die Frage ist doch, ob der Papst mit seinen Andeutungen recht hat?! Ich meine nein, denn die frühe islamische Geschichte kennt keine gewaltsame Bekehrung von Andersgläubigen.

Gruss,
berlinmal

Die Aussagen des Papstes sind nicht geeignet Frieden zwischen den Religionen und Völkern zu fördern“
Mit Bedauern müssen wir feststellen, dass Papst Benedikt XVI. in seiner Vorlesung an der Universität Regensburg ein Zitat angeführt hat, in dem die Lehre und die Person des Propheten Muhammad saw äußerst verfälscht und verzerrt dargestellt werden. Dieses Vorgehen ist nicht dazu geeignet, Verständigung zwischen den Religionen und Frieden zwischen den Völkern zu fördern. Darüber hinaus enthält diese Äußerung sachliche Fehler.

Der Papst erwähnt, dass der Vers des Qur-ân „Es gibt keinen Zwang im Glauben“ (2:257), aus einer Zeit stamme, als der Prophet machtlos gewesen sei. Jedoch ist die ganze zweite Sure Al-Baqarah, in der dieser Vers vorkommt, in Medina offenbart worden. Hier war der Prophet keineswegs machtlos, er war anerkannter Herrscher von Medina, dessen Autorität von allen ansässigen Stämmen aufgrund eines Vertrages anerkannt wurde.

Der zweite Fehler ist, dass der Papst das Wort Jihaad, welches eigentlich Anstrengung bedeutet, mit „Heiliger Krieg“ übersetzt. Dieser weit verbreitete Fehler kann einem normalen Bürger nachgesehen werden, ist aber einer intellektuell so hochstehenden Person nicht würdig. Das Wort „Heiliger Krieg“ hat seinen Ursprung im Abendland. Es wurde im 11. Jahrhundert geprägt, um Kreuzzüge zu rechtfertigen.

Bedauerlich ist auch, dass durch die Vorlesung der Eindruck erweckt wird, der Islam befürworte die Verbreitung des Glaubens durch Gewalt. Das entspricht auf keinen Fall dem Islam, der Qur-ân sagt eindeutig:
„Lass den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will.“ (18:30)
Der Verweis auf den islamischen Gelehrten aus dem Mittelalter namens Ibn Hazm ist auch zu kritisieren. Dieser zitierte Gelehrte besitzt für islamische Theologie und Philosophie keine zentrale Autorität. Mit den Hauptquellen des Islam – Qur-ân und Hadith – lässt sich seine Aussage nicht vereinbaren. Vielmehr wird Allah im Qur-ân „Al-Hakim“ – der Weise – genannt. Gleichzeitig werden die Menschen in zahlreichen Versen aufgefordert, Vernunft und Verstand zu gebrauchen und weise zu handeln:

Der Papst zitiert in der Vorlesung solche Worte des Kaisers Manuel II. über den Propheten Muhammad saw, die sehr beleidigend und verletzend sind. Dieses Zitat ist völlig überflüssig. In der heutigen Zeit sind Worte und Taten notwendig, die dem Dialog und der Kommunikation zwischen den Religionen dienen. Diese Aussage ist nicht geeignet Frieden zwischen den Religionen und Völkern zu schaffen.

Eine detaillierte Erwiderung auf die aufgeworfenen Fragen und Themen von Benedikt XVI. werden wir in absehbarer Zeit folgen lassen.

i.V. Wagishauser
Ahmadiyya Muslim Gemeinde Deutschland e.V.

21 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 35 Minuten 0 hilfreich
    Re: Papst vs. Islam?

    Hallo,

    ich möchte mal einige Zitate aus einer Presseerklärung von
    einer islamischen Gemeinde wiedergeben, das die Diskussion
    vielleicht auf eine inhaltliche Richtung lenkt.

    Denn die Frage ist doch, ob der Papst mit seinen Andeutungen
    recht hat?! Ich meine nein, denn die frühe islamische
    Geschichte kennt keine gewaltsame Bekehrung von
    Andersgläubigen.

    Gruss,
    berlinmal
    Danke für den Beitrag.

    Kennt jemand die "Ahmadiyya Muslim Gemeinde Deutschland", ist das ihre Webseite http://www.ahmadiyya.de/ ?

    Bei der Webseite scheint es sich jedenfalls nicht um Mainstream-Islam zu handeln. Besonders irritierend ist, dass es offenbar nach Mohammed noch einen weiteren Propheten gab - das dürfte mit der klassischen Lehre nicht kompatibel sein.

    • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Papst vs. Islam?

      Hallo, Bei der Webseite scheint es sich jedenfalls nicht um
      Mainstream-Islam zu handeln. Besonders irritierend ist, dass
      es offenbar nach Mohammed noch einen weiteren Propheten gab -
      das dürfte mit der klassischen Lehre nicht kompatibel sein.
      Ich meine mich zu erinnern, dass ich mal gelesen habe, dass sie auch nur in Deutschland/ Europa (?) als Muslime gezählt werden. Da ich die Quelle nicht mehr finde, bekommst du eben einen Ausschnitt aus Wikipedia ;-) Die Richtigkeit kann ich allerdings nicht bezeugen.
      Ahmadi-Muslime (Urdu: احمدیہ Ahmadiyya) verstehen sich als Nachfolger Hazrat Mirza Ghulam Ahmad (* 1835, † 1908 aus Qadian), der diese islamische Konfession am 23. März 1889 in Indien gegründet hat. Sie teilte sich 1914 in die Untergruppen Ahmadiyya Muslim Jamaat (arabisch: الجماعة الأحمدية)‎ und Lahore Ahmadiyya Movement (Ahmadiyya Anjuman Ishaat-i-Islam Lahore, AAIIL) auf.
      Die Ahmadi-Muslime verstehen sich als Reformbewegung innerhalb des Islam, wobei sie eine Rückbesinnung auf den Kern der islamischen Glaubenslehre anstreben, was von Teilen der islamischen Welt als häretische Anmaßung verstanden wird. Die Ahmadi-Muslime grenzen sich allerdings scharf von militant-fundamentalistischen Strömungen ab und betonen die friedlichen und toleranten Elemente des Islam.


      Kati

      • Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Papst vs. Islam?

        Aha, danke.
        Hazrat Mirza Ghulam Ahmad hat sich wohl selbst auch nicht als Propheten, sondern als Mahdi gesehen. Es gibt also keinen Widerspruch zum Koran.

        http://de.wikipedia.org/wiki/Mahdi [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 6 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Papst vs. Islam?

      Hallo PH, Bei der Webseite scheint es sich jedenfalls nicht um
      Mainstream-Islam zu handeln. ...
      Stimmt diese Organisation verbreitet den Islam aktiv durch Informationsarbeit, d.h. sie missionieren. Und Moslems die von ihrem Glauben so ergriffen sind, dass sie Ungläubige nicht verachten, sondern überzeugen wollen, das ist wirklich kein Mainstream.

      Gruß
      Carlos

    • Antwort von nach 20 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Papst vs. Islam?

      Hallo,

      nur als Information: Die Gemeinschaft hat nach eigenen Angaben über 80 Millionen Mitglieder. Quelle: www.alislam.org

      Gruß, Berlinmal [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  2. Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
    Re: Papst vs. Islam?

    Hallo, Denn die Frage ist doch, ob der Papst mit seinen Andeutungen
    recht hat?! Ich meine nein, denn die frühe islamische
    Geschichte kennt keine gewaltsame Bekehrung von
    Andersgläubigen.

    Ach nein???
    Und was war das, was zwischen 632 und 732 über ganz Nordafrika, die iberische Halbinsel und halb Frankreich hinweggezogen ist???
    Geschichte nachlesen!

    Gruß
    Barney

    • Antwort von nach 2 Stunden 1 hilfreich
      Re^2: Papst vs. Islam?

      Moin, die frühe islamische
      Geschichte kennt keine gewaltsame Bekehrung von
      Andersgläubigen.

      Ach nein???
      Und was war das, was zwischen 632 und 732 über ganz
      Nordafrika, die iberische Halbinsel und halb Frankreich
      hinweggezogen ist???
      Geschichte nachlesen!
      Ich habe nachgelesen und folgendes gefunden:

      http://www.sub.uni-goettingen.de/ebene_1/orient/docs...

      Demnach haben es die Muslime nach der Eroberung Spaniens freigestellt, zum Islam überzutreten oder ihren alten Glauben beizubehalten. Somit bestand zunächst lediglich eine geringe herrschende Schicht aus Muslimen. Viele Spanier insbesondere aus der Oberschicht traten im Verlaub der Zeit zum Islam über, unter anderem, weil sie sich davon Vorteile versprachen. Von den Juden in Spanien wurden die Muslime sogar als "Befreier" gefeiert, weil sie unter der vorherigen christlichen Regierung wohl ziemlich zu leiden gehabt hatten. In dem Text kann ich überhaupt keinen Hinweis auf "gewaltsame Bekehrung Andersgläubiger" finden, ganz im Gegenteil. Also klär uns doch bitte auf, was du meinst mit "nachlesen!" ?

      Gruß
      Marion

      • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Papst vs. Islam?

        HAllo Marion,

        nein - es gab im Islam keine Bekehrung mit Gewalt.
        Aber Fakt ist nun einmal, daß unter dem Banner Islam die Eroderung der iberischen Halbinsel erfolgte und daß die Türken unter dem gleichen Banner auch schon vor Wien standen. Und Fakt ist genau so, daß Byzanz einmal eine der heligen christlichsten Städte der Welt war - und daß Istanbbaul heute alles andere als christlich ist. Übrigens: versuche doch mal, in der Türkei eine christliche Kirche zu bauen und eine christliche Gemeinde zu gründen, dann wirst Du erfahren, was Restriktionen von staatlicher Seite sind und wie weltoffen ider auch nicht die Türkei ist.
        Denn da liegt das eigentliche Problem - es gab nie eine Gleichberechtigung von Christen in islamischen Ländern. Sie wurden geduldet und verachtet - aber sie hatten keine Chance z.B. in irgendwelche Staatsämter zu kommen. Sie wurden rechtlich nuicht so behandelt wie Moslems, mußten oft mehr Steuern zahlen, ihre Meinung war für das allgemeine Leben bedeutungslos.
        Klar - die christlichen Staaten gingen mit ihren Juden früher auch nicht anders um.
        Aber trotzdem wäre es eine Lüge, zu sagen der Islam wäre tolerant. Das kann er gar nicht, genau so wenig wie jeder andere Glauben. Einfach weil nach seinem verständnis nur der Moslem Recht hat und alle anderen automatisch nicht recht haben können.
        Das ist modernen Europa nicht so tragisch, weil es hier keine Staatsreligionen mehr gibt und Staat und Kirche getrennt sind. Da gibt es Gesetze für Gleichberechtigung, auch wenn die Kirche immer wieder kautstarke Rückzugsgefecht führt gegen viele Maßnahmen.
        Aber es wird problematisch, wenn z.B,. der Islam Staatreligion ist und sich das Land bzw. die Nation dementsprechend sieht. Dann nämlich kann von einer Gleichberechtigung und von echter Toleranz keine rede mehr sein - allenfalls noich von Duldung. Dann wird das Recht, weiner anderen relegion anzugehören und diese ausüben zu dürfen zu einem Akt der Gnade oder Ungnade von Seiten der herrschenden religion - und oft wird das sehr sehr restriktiv gehandhabt. ich erinner da nur daran, daß es schon Todesurteile wegen angeblicher christlicher Missionierung gab in jüngster Vergangenheit, daß manche Staaten gar keine Kirchen dulden, daß die Ausübung christlicher Gottesdienste oft strafbar ist und daß mitunter schion der Besitz einer Bibel bestraft werden kann.
        Das ist sicher von Land zu Land verschieden - aber es hängt einfach mit dem Selbstverständnis zusammen, daß die Anhänger der wahren Religion ganz natürlich darüber verfügen wollen, ob und wie andere Irrlehren vertreten werden dürfen. Es ist nämlich nicht die gleiche Augenhöhe, mit der wir uns gegenüberstehen, wenn ich absolut davon überzeugt bin, Recht zu haben und der einzig wahren Lehre anzugehören, während Du meiner Meinung nach irrst und eh zur Verdammnis veruteilt bist.


        Gernot Geyer

        • Antwort von nach 5 Stunden 3 hilfreich
          Re^4: Papst vs. Islam?

          Moin, Aber Fakt ist nun einmal, daß unter dem Banner Islam die
          Eroderung der iberischen Halbinsel erfolgte und daß die Türken
          unter dem gleichen Banner auch schon vor Wien standen.
          Und jetzt stehen christlichen Truppen in Bagdad. Und? Sagt das irgendwas über das Christentum aus? Übrigens: versuche doch mal,
          in der Türkei eine christliche Kirche zu bauen und eine
          christliche Gemeinde zu gründen,
          Versuch doch mal in der Türkei als Frau mit Kopftuch ein öffentliches Amt zu bekleiden. Und was sagt das jetzt über "den Islam" aus? Das "der Islam" dagegen ist, dass Frauen Kopftücher tragen?

          Es hat unter islamischen Herrschern Blütezeiten der religiösen Toleranz gegeben (und das auch ohne die hier immer wieder geforderte "Aufklärung" oder Säkularisierung( und es hat unter islamischen Herrschern Blütezeiten von Intorleranz und Verfolgung gegeben. Was sagt das jetzt über "den Islam" aus?

          Genau das gleiche kann man übrigens auch über christliche Herrscher sagen. Was sagt das dann über "das Christentum" aus? Denn da liegt das eigentliche Problem - es gab nie eine
          Gleichberechtigung von Christen in islamischen Ländern.
          Meine Güte Gernot, wie kommst du auf dieses schmale Brett? Im Libanon werden führende politische Ämter von Christen ausgefüllt, gleiches gilt für Agypten. Eine der reichsten und einflussreichsten Familien in Ägypten, die Sawiris, sind Christen. Im palästinensischen Parlament gibt es sogar ein Minderheitsgesetz, dass auch Christen im Parlament vertreten sind. Gleiches gibt es im Iran für die iranischen Juden. Vielleichst machst du dich erstmal ein wenig schlau, bevor du solche Dinge behauptest?

          Gruß
          Marion



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