Protestantismus

Von: , Frage gestellt am Do, 20. Sep 2007

Hallo Experten,
die Reformation hat ja als historischen Auslöser gravierende Missstände in der damals noch nicht gespaltenen - heute wohl entsprechend der katholischen - Kirche. Ablasshandel und was einem da so einfällt.

Dazu die Frage: Gibt es Überlegungen von Protestanten, was aus dem Protestantismus wird, wenn die katholische Kirche ihre Lektion lernt und die Missstände behebt?
Die Existenz des Papstes als solche kann es ja kaum sein, die hat Luther ja nicht angegriffen.

38 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Stunden 2 hilfreich
    Re: Protestantismus

    Hallo Experten,
    die Reformation hat ja als historischen Auslöser gravierende
    Missstände in der damals noch nicht gespaltenen - heute wohl
    entsprechend der katholischen - Kirche. Ablasshandel und was
    einem da so einfällt.
    Jede kirchenspaltende Bewegung, die gläubige Leute an sich zieht, deckt zunächst etwas Wahres auf, etwas, was wirklich verbesserungsbedürftig ist, sie spricht Missstände - oder, wie es die Katholiken eher betrachten: Missverständnisse - an, die im Volk tatsächlich existieren. Darum laufen ihr die Leute hinterher. So war es auch beim Protestantismus in seinen Anfängen - in den Augen des Papstes eine "Ketzerei" (womit nicht gesagt werden soll, dass die ganzen reformatorischen Gemeinschaften lauter Ketzertum im Kopf hätten), deckte der Protestantismus zunächst so grosse echte, real existierende Schwierigkeiten der Kirche auf, dass ihm gerade deswegen die Menschen nachliefen. Das Problem ist aber nicht der Inhalt allein, sondern die darauf basierende Spaltung.

    Luther ist von der Kirche ausgeschlossen worden, weil er sich der Autorität des Papstes nicht mehr unterwerfen wollte, übrigens auch der Autorität der Konzilien nicht mehr. Dazu die Frage: Gibt es Überlegungen von Protestanten, was aus
    dem Protestantismus wird, wenn die katholische Kirche ihre
    Lektion lernt und die Missstände behebt?
    Diese Frage möchte ich als Katholik umgehen, da zuerst die Missstände beschrieben werden müssten, um die es geht; aber es ist zu erwähnen, dass die Missverständnisse von damals (historisch betrachtet) bis auf ein einziges ausgeräumt sind. Prominenteste Beispiele finden sich in den ökumenischen Konvergenzerklärungen gläubiger Gemeinschaften des 20. Jahrhunderts, z. B. von Lima (Anf. der 80er Jahre) oder auch seither. So gab es noch Ende der 90er Jahre wieder eine gemeinsame Erklärung von Lutheranern und Katholiken, diesmal über die Lehre von der Rechtfertigung der Seele vor Gott, die wichtige dogmatische Differenzen ausräumt - da ging es etwa darum, ob der Mensch durch seinen Glauben allein (wie Luther betonte) vor Gott gerechtfertigt wird oder auch durch seine Werke (wie die katholische Kirche lehrt).

    Einziger Unterschied zwischen den Gemeinschaften bleibt in letzter Konsequenz der, dass die einen den Papst und die Autorität der (irdischen) Kirche als gottgegeben anerkennen und die anderen nicht. Die Existenz des Papstes als solche kann es ja kaum sein, die
    hat Luther ja nicht angegriffen.
    Luther hat seine Autorität, insofern also auch die Existenz des Papstamtes, nicht mehr anerkannt, das ist heutzutage das einzige noch wirklich übriggebliebene dogmatische Problem zwischen Lutheranern und Katholiken. Luther glaubte, dass der Menschenverstand, Gewissensentscheid und die Heilige Schrift für Christen die ausreichenden und letzttragenden Autoritäten der Glaubenslehre sind, während die Katholiken glauben, dass sich Glaubenswissen sowohl aus der Schrift, dem Lehramt, der Überlieferung, der Wissenschaft und dem Allgemeinglauben als auch dem Gewissen und Verstand des Menschen herleitet - und sie gaben diesen Letzteren, dem Gewissen und dem Menschenverstand, im Laufe der Geschichte meist weit weniger Gewicht als die Protestanten. Deswegen ist es auch ein ökumenisch sinnvolles Zeichen, wenn Benedikt XVI. darauf hinweist, dass das menschliche Gewissen in bestimmten Augenblicken die einzige und höchste massgebende Autorität im Menschen ist, wie es Thomas von Aquin im Mittelalter bereits betonte.

    (Dass Benedikt auch weniger friedliche "Zeichen" gesetzt haben soll, mögen andere betonen, mir ist es wichtig, dass inhaltlich die Katholiken und Lutheraner sich heute bestens in der gleichen Gemeinschaft finden könnten.)
    Gruss
    Mike

    • Antwort von nach 3 Stunden 2 hilfreich
      Re^2: Protestantismus

      Jede kirchenspaltende Bewegung, die gläubige Leute an sich
      zieht, deckt zunächst etwas Wahres auf, etwas, was wirklich
      verbesserungsbedürftig ist, sie spricht Missstände - oder, wie
      es die Katholiken eher betrachten: Missverständnisse - an, die
      im Volk tatsächlich existieren. Darum laufen ihr die Leute
      hinterher.
      Tach Mike,

      da schaffst Du es aber prächtig, die verrotteten Zustände der katholischen Kirche im 14./15./16. Jhdt als "Missverständnisse" auszugeben! Und Deine Diktion, daß die Menschen, die mit diesen verlotterten Verhältnissen nicht zufrieden waren und sie ändern wollten, Luther "nachliefen", als sei er ein Verführer, scheint mir wenig angemessen (um es mal sehr freundlich auszudrücken.) Das Problem ist aber nicht der Inhalt
      allein, sondern die darauf basierende Spaltung.
      Ah ja, gut zu wissen: Es geht nicht um die Lehre und die Wahrheit, sondern um die Einheit, und zwar die Einheit mit und die Zugehörigkeit zu der katholischen Kiche. Luther ist von der Kirche ausgeschlossen worden, weil er sich
      der Autorität des Papstes nicht mehr unterwerfen wollte,
      übrigens auch der Autorität der Konzilien nicht mehr.
      Das ist - tut mir Leid - historischer Blödsinn: als Luther seine 95 Thesen sn die Schloßkirche nagelte, gab es noch gar keine verbindliche Lehre der Kirche über den Ablaß. Das wurde Kardinal Cajetan im Oktober 1518, als er Luther verhörte, schmerzlich bewußt. So konnte also jeder Katholik vom Ablaß glauben und denken, was er wollte.
      Also entwarf er schnell eine solche Lehre, die die bisher geübte Praxis aufnahm und rechtfertigte; diese Lehre ist dann von Leo X. senktioniert worden. Nun hatte man endlich etwas, was man Luther vorhalten konnte. Unterwarf er sich der eigens gegen ihn entworfenen Lehre nicht, dann konnte man ihn bannen. Und genau das hat die Kurie dann ja auch getan.
      Dies auf den Tatbestand sich der Autorität des Papstes nicht mehr unterwerfen
      zu reduzieren, ist intellektuell doch etwas abenteuerlich. So gab es noch Ende der 90er Jahre wieder eine
      gemeinsame Erklärung von Lutheranern und Katholiken, diesmal
      über die Lehre von der Rechtfertigung der Seele vor Gott, die
      wichtige dogmatische Differenzen ausräumt - da ging es etwa
      darum, ob der Mensch durch seinen Glauben allein (wie Luther
      betonte) vor Gott gerechtfertigt wird oder auch durch seine
      Werke (wie die katholische Kirche lehrt).
      Diese Erklärung gab es wirklich, Gott seis geklagt!
      Dazu später mehr, jetzt werde ich gerade anderweitig in Anspruch genommen.

      Gruß - Rolf




      Einziger Unterschied zwischen den Gemeinschaften bleibt in
      letzter Konsequenz der, dass die einen den Papst und die
      Autorität der (irdischen) Kirche als gottgegeben anerkennen
      und die anderen nicht. Die Existenz des Papstes als solche kann es ja kaum sein, die
      hat Luther ja nicht angegriffen.
      Luther hat seine Autorität, insofern also auch die Existenz
      des Papstamtes, nicht mehr anerkannt, das ist heutzutage das
      einzige noch wirklich übriggebliebene dogmatische Problem
      zwischen Lutheranern und Katholiken. Luther glaubte, dass der
      Menschenverstand, Gewissensentscheid und die Heilige Schrift
      für Christen die ausreichenden und letzttragenden Autoritäten
      der Glaubenslehre sind, während die Katholiken glauben, dass
      sich Glaubenswissen sowohl aus der Schrift, dem Lehramt, der
      Überlieferung, der Wissenschaft und dem Allgemeinglauben als
      auch dem Gewissen und Verstand des Menschen herleitet - und
      sie gaben diesen Letzteren, dem Gewissen und dem
      Menschenverstand, im Laufe der Geschichte meist weit weniger
      Gewicht als die Protestanten. Deswegen ist es auch ein
      ökumenisch sinnvolles Zeichen, wenn Benedikt XVI. darauf
      hinweist, dass das menschliche Gewissen in bestimmten
      Augenblicken die einzige und höchste massgebende Autorität im
      Menschen ist, wie es Thomas von Aquin im Mittelalter bereits
      betonte.

      (Dass Benedikt auch weniger friedliche "Zeichen" gesetzt haben
      soll, mögen andere betonen, mir ist es wichtig, dass
      inhaltlich die Katholiken und Lutheraner sich heute bestens in
      der gleichen Gemeinschaft finden könnten.)
      Gruss
      Mike

      • Antwort von nach 3 Stunden 1 hilfreich
        Re^3: Protestantismus

        Verzeih, Rolf! als Luther seine 95 Thesen sn die Schloßkirche nagelte
        Niemals hat Luther irgendwas an irgendeine Kirchntür genagelt.

        Das ist eine später erfunden Geschichte, ebenso wie sein Ausspruch:
        Hier stehe ich ... .

        Gruß Fritz

        • Antwort von nach 5 Stunden 5 hilfreich
          Re^4: Geschichte und Ideologie

          Hallo Fritz, Verzeih, Rolf!
          ich weiß ja nicht, ob Rolf verzeiht, aber ich vezeihe Dir schon, dass Du auf eine konfessionell orientierte Polemik hereingefallen bist. als Luther seine 95 Thesen sn die Schloßkirche nagelte
          Niemals hat Luther irgendwas an irgendeine Kirchntür genagelt.
          Selbstverständlich hat Luther seine Thesen an das "schwarze Brett" der Uni Wittenberg gehängt, denn dies war der völlig normale Weg, zu einer Disputation einzuladen und diese der Universtitätsöffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen.
          Letztlich behauptet, wer meint, diese Veröffentlichung bestreiten zu müssen, dass Luther schon vor dem danach entstehenden Ablassstreit gewusst hat, welch Empörung er auf der anderen Seite ernten würde.
          Wie kommt es zur Bestreitung?
          Zunächst ist wohl das 19.Jh. zu nennen und vor allem Bismarck (Stw. Kulturkampf), unter dem Luther zu einem deutschen Heros stilisiert wurde, der, die deutschen (faust'schen) Tugenden in sich vereinigend, tapfer gegen Rom in einer heroischen Geste einsam mit einem Hammer in der Hand seine Thesen an eine ansonsten leere Kirchentür nagelte.
          Die frühestens Bestreitungen dieser ja vor allem ikonogrpahischen Darstellung stammen (logisch) von rk Seite, womit sie natürlich - in der Bestreitung des heroischen Gestus - auch recht hatten. PSeudokirchenkritische Historiker haben das dann nach den WK II aufgenommen in Bestreitung des kompletten Vorgangs, wobei nun immer noch die Frage bleibt, wie Luther denn dann seine Thesen veröffentlicht haben soll, wenn nicht auf dem normalen Weg.
          Die Protestanten wiederum müssen sich vom Gestus verabschieden, denn selbstverständlich war diese Tür nicht ansonsten leer, sondern voll mit Ankündigungen für andere Disputationen.
          Was bleibt, ist der Thesenanschlag. Wichtig ist (historisch) der Öffentlichkeitscharakter dieser Thesen, wobei es sich hier (wie meist in der Geschichte) um einen völlig normalen, keineswegs rebellischen o.ä. Vorgang handelt.
          Aber es ist auf jeden Fall ein schönes Beispiel, wie Ideologie solide historische Forschung überdeckt. Das ist eine später erfunden Geschichte, ebenso wie sein
          Ausspruch:
          Hier stehe ich ... .
          Mh, so spät ist das "Hier stehe ich..." nicht,um es völlig zu bestreiten, jedenfalls sollte man hier etwas vorsichtiger sein. Es ist natürlich schön griffig, was natürlich misstrauisch stimmt.
          Wenn jedoch Luther in seinem Leben mutig war, dann wohl auf diesem Reichstag (nicht beim Thesenanschlag), und dazu bedarf es wohl kaum eines, zu schön in unser heutiges Individualitätsdenken passendes "Hier stehe ich".
          Um es zu klären, hier, was Luther laut dem Protokoll im frühestens Druck wirklich gesagt hat (und was wesentlich bedeutender ist als das doch etwas egozentrische "HIer stehe ich.."):
          "Wenn ich nicht durch Zeunisse der SChrift oder einsichtige Vernunftgründe widerlegt werde - denn ich glaube weder dem Papst noch den Konzilien allein, da es feststeht, dass sie öfter geirrt und suich widersprochen haben -, bin ich durch die von mir angeführten Schriftworte bezwungen. Und solange mein Gewissen in Gottes Wort gefangen ist, kann und will ich nichts widerrufen, weil es unsicher istund die Seligkeit vedroht, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen."
          Diese "O-Ton" zeigt zudem, dass Dahindens Darstellung Luthers und seiner Bewertung von Autoritäten grob falsch ist.

          Grüße
          Taju

          • Antwort von nach 6 Stunden 1 hilfreich
            Re^5: Geschichte und Ideologie

            Liebe Taju ich weiß ja nicht, ob Rolf verzeiht, aber ich vezeihe Dir
            schon, dass Du auf eine konfessionell orientierte Polemik
            hereingefallen bist.
            Oder - hoffentlich nicht-: ...jetzt im Folgenden hereinfallen sollst. Selbstverständlich hat Luther seine Thesen an das "schwarze
            Brett" der Uni Wittenberg gehängt
            also nicht an die Schlosskirche!!!!Was einen wesentlichen Unterschied macht, denn sie waren nicht an das Volk, sondern an theologisch Interessierte und womöglich Gebildete gerichtet, zudem keine gefestigte Lehrmeinung, sondern Diskussionsgrundlage. Was bleibt, ist der Thesenanschlag. Wichtig ist (historisch)
            der Öffentlichkeitscharakter dieser Thesen, wobei es sich hier
            (wie meist in der Geschichte) um einen völlig normalen,
            keineswegs rebellischen o.ä. Vorgang handelt.
            Ach Gott, wie wohl wird mir ums Herz, weisst Du eigentlich, von wie vielen das bestritten wird, Luther war erst ab dem 10.12.1520 ein Kirchenrebell. ich glaube weder dem
            Papst noch den Konzilien[...]
            Hat Luther sich gegen die Autorität des Papstes gewandt oder nicht. Quod erat demonstrandum. Gott helfe mir.
            Amen.
            Diese "O-Ton" zeigt zudem, dass Dahindens Darstellung Luthers
            und seiner Bewertung von Autoritäten grob falsch ist.
            Bitte um nähere Erläuterung. Du hast mich voll bestätigt und nennst meine Darstellung falsch. Ich suche nicht den Streit, das kannst Du mir glauben, aber hier verstehe ich wirklich null und nichts von Deinem Schluss. Das Gegenteil ist wahr.
            Gruss
            Mike

            • Antwort von nach 7 Stunden 3 hilfreich
              Re^6: Geschichte und Ideologie

              Hallo Dhainden,
              es sollte zur Genüge klar sein, dass nichts daran hängt, wenn Luther seine Thesen wohin auch immer gehängt hat.
              Er hat sie aber, das scheinst auch Du nicht bezeweifeln zu wollen, an das "schwarze Brett" der Uni gehängt. ich weiß ja nicht, ob Rolf verzeiht, aber ich vezeihe Dir
              schon, dass Du auf eine konfessionell orientierte Polemik
              hereingefallen bist.
              Oder hoffentlich nicht: Jetzt im Folgenden hereinfallen
              sollst.
              Jetzt hoffe ich auf Fritz, der vielleicht Zweifel an der von mir vetretenen KOnfession hat, aber doch wohl kaum an historischer Forschung, deren Ergebnisse eh grundsätzlich kaum geeignet sind, eine KOnfession zu unterstützen. als Luther seine 95 Thesen sn die Schloßkirche nagelte
              Niemals hat Luther irgendwas an irgendeine Kirchntür genagelt.
              Selbstverständlich hat Luther seine Thesen an das "schwarze
              Brett" der Uni Wittenberg gehängt
              also nicht an die Schlosskirche!!!!Was einen wesentlichen
              Unterschied macht, denn sie waren nicht an das Volk, sondern
              an theologisch Interessierte und womöglich Gebildete
              gerichtet, zudem keine gefestigte Lehrmeinung, sondern
              Diskussionsgrundlage.
              Du hängst Dich also offensichtlich auch an der Ideologie fest, hautpsache, es war nicht die Schlosskirche.
              Ich betone, was ich hier schon oft genug betont habe:
              http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...
              Disputationthesen sind Thesen für einen gelehrten Diskurs, sicher nich t für das Volk. Du unterstellst mir hier etwas, was ich nicht gesagt habe.
              Aber, so leid es mir tut, das "schwarze Brett" der Uni Wittenberg w-a-r die Tür der SChlosskirche. Da ingen übrigens auch die Gegentthesen zu Luther - die, aus den von Dir richtig genannten Gründen, auch nicht vom gemeinen Volk verstanden wurden.
              Es geht, um es noch einmal zu betonen, um eine historische Petitesse, wobei Deine Antwort zeigt, dass man durch eine ideologie darauf ein Drama machen kann. Gerade aber die Bewzeiflung der "normalen Veröffentlichungsform" an der Schlosskirchentür hätte aber einen eher revolutionären Akt als These zur Folge: Denn dann wäre die erste dieser Formen der Brief und dann schon die deutsche (!) ÜBersetzung in Druckform. Was bleibt, ist der Thesenanschlag. Wichtig ist (historisch)
              der Öffentlichkeitscharakter dieser Thesen, wobei es sich hier
              (wie meist in der Geschichte) um einen völlig normalen,
              keineswegs rebellischen o.ä. Vorgang handelt.
              Ach Gott, wie wohl wird mir ums Herz, weisst Du eigentlich,
              von wie vielen das bestritten wurde. Luther war kein Rebell
              vor 10.12.1520.
              Nun ja, es freut mich, wenn Dir wohl ums Herz wird. Eigentlich finde ich es eher dramatisch, wenn man die recht harmlosen Anfänge bedenkt aus denen ja nun nicht zu wenig Leid entstanden ist.... ich glaube weder dem
              Papst noch den Konzilien allein
              Hat Luther sich gegen die Autorität des Papstes gewandt oder
              nicht. Quod erat demonstrandum.
              Nicht ohne Grund habe ich mir die Mühe gemacht, komplett zu zitieren. Denn Luther spricht ja davon, dass beide Institutionen sich geirrt haben. Eine Autorität nicht als absolut anzuerkennen ist etwas anderes, als sie überhaupt nicht anzuerkennen. Tatsächlich hat Luther sich vom Papstamt sehr schnell abgewandt (wenn es ja auch, unter der BEdingung, dass der Papst sich als von Menschen gewählt erklärt, anerkannt), aber sicherlich nicht von den Konzilien, wobei er bereit war, sich vom Verlauf der Geschichte auch eines Besseren belehren zu lassen - eben aufgrund der Erkenntnis, dass Menschen immer irren können. Gott helfe mir.
              Amen.
              Diese "O-Ton" zeigt zudem, dass Dahindens Darstellung Luthers
              und seiner Bewertung von Autoritäten grob falsch ist.
              Bitte um nähere Erläuterung. Du hast mich voll bestätigt und
              nennst meine Darstellung falsch. Ich suche nicht den Streit,
              das kannst Du mir glauben, aber hier verstehe ich wirklich
              null und nichts von Deinem Schluss. Das Gegenteil ist wahr.
              Den einen teil habe ich schon erläutert. ZUdem hast Du geschrieben: Luther hat seine Autorität, insofern also auch die Existenz des :Papstamtes, nicht mehr anerkannt, das ist heutzutage das einzige noch :wirklich übriggebliebene dogmatische Problem zwischen Lutheranern und :Katholiken.
              Naja, die Existenz hat er kaum leugnen können;) Jedoch das biblische Fundament.
              Heute steht immer noch die BIbel zwischen rk und ev - schlicht, weil es ja beim Papst eigentlich nicht um eine organisatorische Frage, sondern eben um eine theol. handelt. Weder lässt sich biblisch das Papstamt beweisen, die behauptete apostolische Sukzession ist historisch dann tatsächlich als nicht existent zu bezeichnen. Die Priesterweihe, letztlich Bedingung für eine gültige Eucharisite, findet sich in der Bibel überhaupt nicht. Luther glaubte, dass der Menschenverstand, Gewissensentscheid und die Heilige Schrift für Christen die ausreichenden und letzttragenden Autoritäten der Glaubenslehre sind,
              Tatsächlcih zeigt das Zitat deutlich, dass Luther zu sehr ein Mensch des Mittelalters ist, um so modern wie von Dir dargestellt zu denken. Denn er spricht zunächst nicht vom "Menschenverstand" (was nun tatsächlich ein missverständlicher Befriff ist, wer will schon dem "gesunden Menschenverstand ausgeliefert sein?).Vor allem aber bindet er den ganzen Menschen an die SChrift und an nichts anderes. während die Katholiken glauben, dass sich Glaubenswissen sowohl aus :der Schrift, dem Lehramt, der Überlieferung,
              Diese drei "Säulen" find auch ich in der rk Fundamentaltheologie. der Wissenschaft und dem Allgemeinglauben als auch dem Gewissen und :Verstand des Menschen herleitet - und sie gaben diesen Letzteren, dem :Gewissen und dem Menschenverstand, im Laufe der Geschichte meist weit :weniger Gewicht als die Protestanten.
              Nun ja, diese letzten Punkte gehören eigentlich nicht mehr zur Quelle des "GLaubenswissens", sondern eher steht das Glaubenswissen darüber. Deswegen ist es auch ein ökumenisch sinnvolles Zeichen, wenn :Benedikt XVI. darauf hinweist, dass das menschliche Gewissen in :bestimmten Augenblicken die einzige und höchste massgebende Autorität :im Menschen ist, wie es Thomas von Aquin im Mittelalter bereits :betonte.
              Nun mal ehrlich, ich habe nicht gegen BenXVI als INteressensvertreter einer Religionsgemeinschaft, aber verkaufe ihn mir nicht als Ökumeniker.
              Auch wenn einige Protestanten es anders meinen, so kann ich auch im VatII weder Anerkennung noch einen echten Fortschritt entdecken, so dass es eben keine Ökumene geben kann.
              IM eigentlich auch nicht von protestantischer Seite, die, so hoffe ich doch, Luther ebenfalls mittlerweile hinter sich gelassen hat insofern, als auch seine Irrtümer kaum zu leugnen sind.

              Grüße
              Taju

            • Antwort von nach 7 Stunden 1 hilfreich
              Populäre Irrtümer

              Liebe Taju,

              dass es ein "Schwarzes Bertt" in Wittenberg gab und die mit der Tür der Schlosskirche identisch war, ist mir neu.

              Da müsste man in der Geschichte der Univerität dort nachforschen.

              Ich beziehe mich darauf:

              Martin Luther hat seine Thesen an eine Kirchentür angeschlagen

              »Nur wenige Säulen der Allgemeinbildung scheinen so unverrückbar festzustehen wie Luthers Anschlag der 95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg«, schreibt der Historiker Gerhard Prause. Aber wie so viele Säulen unserer Allgemeinbildung steht auch diese auf sehr wackeligen Füßen.
              Mit großer Wahrscheinlichkeit hat dieses denkwürdige Ereignis nämlich niemals stattgefunden. Augenzeugen gibt es keine, Luther selbst hat niemals etwas derartiges behauptet, und auch andere Zeitgenossen können sich an diesen Thesenanschlag nicht erinnern. Einziges Zeugnis ist ein lateinisch abgefaßter, handschriftlicher Bericht von Luthers Famulus Agricola, der lange falsch übersetzt und mißverstanden wurde und korrekt so heißt: »Im Jahre 1517 legte Luther in Wittenberg an der Elbe nach altem Universitätsbrauch gewisse Sätze zur Disputation vor, jedoch in bescheidener Weise und ohne damit jemanden beschimpfen oder beleidigen zu wollen.«
              Von einem Anschlag an die Kirchentür ist weder hier noch in irgendeinem anderen zeitgenössischen Schriftstück die Rede; auch Luther selber hat an keiner Stelle seines eigenen umfangreichen Werkes jemals darauf Bezug genommen – daß er seine Thesen so dramatisch präsentiert hätte, dieser i-Punkt ist erst weitaus später aufgekommen.
              Vermutlich hat der Humanist und Reformator Philipp Melanchthon diese Legende in die Welt gesetzt, als er kurz nach Luthers Tod in der Vorrede zum zweiten Band von dessen Werken schrieb: »Luther, brennend von Eifer für die rechte Frömmigkeit, gab Ablaßthesen heraus ... Diese hat er öffentlich an der Kirche in der Nähe des Wittenberger Schlosses am Vortage des Festes Allerheiligen 1517 angeschlagen.«
              Über die Quelle dieses Fehlers können wir nur mutmaßen. Zum Zeitpunkt des fraglichen Ereignisses wohnte Melanchthon in Tübingen, und so ist denn diese Behauptung in den gleichen Topf zu werfen wie die vielen anderen Fehler, die Melanchthon in dieser Vorrede unterlaufen sind (etwa, der Ablaßprediger Tetzel habe Luthers Thesen öffentlich verbrannt, oder Luther hätte Vorlesungen über Physik gehalten, oder er sei 1511 in Rom gewesen).
              In Wahrheit hat Luther seine Thesen auf dem ganz normalen »Dienstweg« vorgetragen; handgeschrieben, nicht gedruckt und mit durchaus ehrerbietigen Erläuterungen versehen: an den Erzbischof von Mainz, der für die in Luthers Thesen angegriffenen Praktiken der Ablaßprediger verantwortlich war, sowie an den Bischof von Brandenburg, Luthers klerikalen Vorgesetzten. Erst später, im Januar 1518, ließen Freunde Luthers diese Thesen drucken; so konnte sie auch außerhalb des klerikalen Dienstwegs Leser finden.
              Aber auch nach dieser Drucklegung ist von einem Anschlag an die Kirchenpforten keine Rede; daß ein Professor der Wittenberger Universität eigenhändig Flugblätter an Kirchentüren nagelt, wäre dem durchaus auf »law and order« bedachten Martin Luther niemals in den Sinn gekommen.

              Lit.: Gerhard Ritter: Luther, Frankfurt 1985; Gerhard Prause: Niemand hat Kolumbus ausgelacht, Düsseldorf 1986 (besonders das Kapitel »Luthers Thesenanschlag ist eine Legende«).
              [Lexikon: Luther. DB Sonderband: Das digitale Lexikon der populären Irrtümer, S. 969
              (vgl. LexPI Bd. 1, S. 210)]


              Hier ist vom "Dienstweg" die Rede; somit stelle ich mir vor, dass es sich um Briefe an die Bischöfe von Mainz und Brandenburg handelte.

              Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Und mir muss kein Gott helfen.

              Gruß Fritz

            • Antwort von nach 8 Stunden 0 hilfreich
              Wenn man Euch so liest,...

              ... dann wundert es einen nicht, dass es mit der Ökumene so mühsam vorangeht und marginale Fortschritte vor himmelhohen Hürden stehen.

              Ob nun Luther seine Thesen an eine Tür nagelte, in der Wittenberger Zeitung inserierte oder auf andere Weise veröffentlichte, hat für die Beantwortung der Ausgangsfrage doch eher untergeordnete Bedeutung. Trotzdem dieses verbissene Hickhack...

              Ich korrigiere meine Vorhersage für die evangelisch-katholische Einigung auf das Jahr 4500.

              ;-) -Gruß
              Hardey

            • Antwort von nach 8 Stunden 1 hilfreich
              Re: Wenn man Euch so liest,...

              Trotzdem dieses verbissene Hickhack...
              Weder verbissen, noch Hickhack, jedoch off topic!

              Melds dem Moderator, dass er den Teilfaden abschließt!

              Gruß Fritz



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