Hinweise zu Glaubensbekenntnis

Von: , Frage gestellt am Mi, 8. Sep 2010
Hallo Experten und Bibelkundler,

Ich will die Welt nicht umkempeln, aber Gedanken über den Inhalt mache
ich mir schon.
Wir sagen bei jedem Gottesdienst das Glaubensbekenntnis.
Jetzt in der Pension frage ich mich, ob das stimmt, wenn wir sprechen:
"abgestiegen in das Reich der Toten" War er dort? In den Evangelien steht nichts davon, eher sagt er zum Schächer:"du wirst noch heute bei mir im Paradies sein"
Die Juden nehmen den Wortlaut ihrer Schriften sehr ernst, bei uns Christen nehmen wir es gar nicht so genau. Seit dem Konzil von Nicäa hat sich nicht viel verändert, außer, dass es kürzer wurde.
Ja Zeit blieb nicht viel über, sich diese Frage zu stellen, sonst
wäre man als Ketzer gebrandmarkt

solong

peter s

61 Antworten zu dieser Frage

    • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
      Re^2: Glaubensbekenntnis
      G'Abend

      Irgendwie kommt es mir vor, wie der Text vom Totenreich hinein gerutscht ist wie Pilatus. Von der Auferstehung habe ich keine Zweifel, ist ja von dre Evang. berichtet, aber der Besuch im Totenreich.
      heile peter s
  1. Antwort von nach 21 Stunden 1 hilfreich
    anderer Ansatz
    Hallo stein, Ich will die Welt nicht umkempeln, aber Gedanken über den
    Inhalt mache ich mir schon.
    Gedanken machen, kann aber zu einem Wechsel des Weltbildes führen ;-) "abgestiegen in das Reich der Toten" War er dort?
    Eindeutig: ja!
    "In ihm ist er auch hingegangen und hat gepredigt den Geistern im Gefängnis" (1.Petr.3,19) In den
    Evangelien steht nichts davon, eher sagt er zum Schächer:"du
    wirst noch heute bei mir im Paradies sein"
    Hier muss die Frage gestellt werden, was Jesus mit "Paradies" meinte.
    Wo befinden sich denn die Toten zwischen Tod und Auferstehung?
    Jesus erzählte:
    "Es begab sich aber, dass der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß." (Lk.16,22)
    Ebenso sagte Gott zu Daniel: "Du aber, Daniel, geh hin, bis das Ende kommt, und ruhe, bis du auferstehst zu deinem Erbteil am Ende der Tage!" (Dan.12,13)
    Wohin "ging" Daniel?

    Jedenfalls nicht in den "Himmel".
    Da war Jesus nicht zwischen Tod und Auferstehung.
    "Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater." (Joh.20,17) Die Juden nehmen den Wortlaut ihrer Schriften sehr ernst, bei
    uns Christen nehmen wir es gar nicht so genau.
    Ich schon!

    Gruss Harald
    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re: anderer Ansatz
      Hallo Harald

      Manche Gruppen sagen, die Seele schläft und werden am Gerichtstag "auferweckt", Von mir aus ja, was sollte man sonst tun?
      Den Berg hochwandern wie in der devina comedia? oder im Fegefeuer Solitär spielen? Von den paradiesischen Vorstellungen der Moslims mit x Jungfrauen und Bäche vom Wein will ich nicht sprechen, da kenne ich mich nicht aus. Und übrigens ist der Satz "abgestiegen in das Totenreich früher: in die Hölle* nicht der Rede Wert. Da ist Pilatuus schon wichtiger, der war historisch wahr,(im Wert von Augustus bei Lukas).
      Gruß peter s
  2. Antwort von nach 22 Stunden 2 hilfreich
    Re: Glaubensbekenntnis
    Hallo stein203,

    ich möchte versuchen deine Fragen von einem rein biblischen Standpunkt aus zu erklären, denn ich denke dann klärt sich einiges von selbst. War er dort?
    In den Evangelien steht nichts davon
    In Matthäus 28:7 lesen wir, dass er
    "von den Toten auferweckt worden ist" oder "auferstanden sei von dne Toten."

    Aus dem vorhergehenden Vers (Mat. 28:6 ) erkennen wir, dass
    Jesus selbst wusste was ihm widerfahren sollte.

    "Er ist auferweckt worden, wie er gesagt hat"
    (Vergleiche bitte Mar. 8:31, Mat. 16:21, Apg. 17:3)

    Er sollte eine Zeit lang wirklich tot sein, also in einem Zustand von Nichexistenz (Pred. 9:5 ). Doch wie lange ?

    In Apostelgeschichte 2:31,32 finden wir die Antwort:

    "Er (Gott) gibt ihn der Unterwelt/dem Hades nicht preis
    und sein Leib sieht die Verwesung nicht."

    Gott würde also Jesus noch bevor die Verwesung seines irdischen Leibes einsetzt auferwecken.Dies geschah nach drei Tagen.
    Jesus war also tot, sollte aber nicht der Unterwelt oder dem Hades bleibend überlasssen werden, denn er sollte zur Rechten seines
    Vaters gerufen werden(Röm. 8:33; Apg. 2:24,25, 32,33) eher sagt er zum Schächer:"du wirst noch
    heute bei mir im Paradies sein"
    Andere Bibelüberstezer setzen eine andere Interpunktion in Lukas 23:43. Im grieschichen Text gibt es an dieser Stelle keine Satzzeichen, sodass der Satz bei anderer Interpunktion einen völlig anderen Sinn bekommt

    "Wahrlich ich sage dir heute: Du wirst mit mir im Paradies sein"

    Jesus unterstrich nur das er es ihm HEUTE versprach, dass er einmal
    ins Paradies einziehen darf. Diese Redewendung war sehr verbreitet im Altertum. "Ich sage dir heute: ...", "Heute gelobe ich..." ...

    Es wurde ihm wie Daniel sozusagen versprochen:

    "Und was dich selbst betrifft, geh dem Ende entgegen; und du wirst ruhen, aber du wirst aufstehen zu deinem Los am Ende der Tage.“
    (Daniel 12:13)

    Und dieses Los am Ende der Tage ist die Auferstehung der Menschen, die bei Gott im Gedächtnis blieben und die es verdient haben einmal
    ewig in einem Paradies zu leben in vollkommener Gesundheit und Frieden.

    Jesus Christus war der erste der von den Toten auferweckt wurde
    (Apg. 26:23) und wir haben auch diese einmalige Gelegenheit,denn
    Gott wird "nicht zulassen, daß sein Loyalgesinnter die Grube sieht" (Psalm 16:10).


    Viele Grüße
    F.K.
  3. Antwort von nach einem Tag 15 hilfreich
    frühchristliche Totenreich-Vorstellungen
    Hi Peter,

    wie bei vielen Fragwürdigkeiten und widersprüchlich erscheinenden Passagen des NT kommt man nicht weiter ohne Kenntnisse der Mythologie der Zeit der Abfassung der jeweiligen Texte. Denn diese Mythologie erhellt sich nicht allein aus den ntl. Texten selbst. Sie ist auch nicht eine allein jüdische, sondern sie ist in diesen ersten Jahrhunderten der Anfänge des Christentum sehr durchsetzt mit ägyptischen, zarathustrischen und mesopotamischen Elementen.

    So löst sich auch der Widerspruch, den du in den beiden Aussagen entdeckt hast:

    1. "abgestiegen in das Reich der Toten" aus dem apostolischen Glaubenbekenntnis. Der ursprüngliche griechische Ausdruck lautet to katotaton: wörtlich "das unterste Unten" oder "die tiefste Tiefe", lateinisch entsprechend infernum.

    2. "Amen ich sage dir: heute wirst du bei/mit mir im Paradies sein" aus Lk. 23.44

    Hier darf man nicht die sehr viel spätere Identifizierung der christlichen Volksmythologie rückwärts interpretieren, in der mit "Paradies" - pari-daeza/paradeisos, also der persisch/griechische Ausdruck für den hebräischen gan eden (Garten Eden) - der Aufenthaltsort der Auferstandenen identifiziert wird. Also je nach tradition mit dem "Himmelreich" bzw. dem Ort wor sich das "ewige Leben" abspielt.

    In der jüdischen Mythologie des Totenreiches bzw. der Frage, wo halten sich die Toten auf (egal, ob es eine Auferstehung gab, wie z.B. die Pharisäer glaubten, oder nicht, wie z.B. die Sadduzäer glaubten), gilt in dieser Zeit: Die Toten befinden sich im שאול Scheol, der griechisch mit ᾍδης Haides (genauer: Haus des Hades) wiedergegeben wird. Und dieser Scheol/Hades befindet sich tief in der Erde. Daher auch Mt 12.40: εν καρδια της γης en kardía tes ges "im Herzen der Erde".

    Und dieser Scheol/Hades ist aufgeteilt in zwei Regionen:

    1. der παράδεισος, paradeisos, das Paradies: Hier halten sich die Toten auf, die im Leben nicht oder nicht allzusehr gefrevelt haben. Ein Ort relativer Glückseligkeit.

    2. die φυλακη, phylake, das Gefängnis: Hier halten sich die Toten auf, die sich im Leben heftig was auf die Kappe geholt haben. Ein Ort der Qualen. Wobei dazu zu sagen ist, daß die "Qualen" erst sehr viel später, genauer in der (äthiopischen Version der) Petrus-Apokalypse (Mitte 2. Jhdt.) zu jenem unglaublich sadistischen Szenarium ausgemalt wurden, wie sie heute noch in der christlichen Volksmythologie (nicht in der kirchlichen offiziellen Lehre!) kursieren.

    Die "Phylake" und der "Pardeisos" sind dabei - nach einigen Traditionen - durch eine unüberwindliche Kluft getrennt, wie man zB. in Lk 16.23 nachlesen kann. Die Toten erreichen entweder das eine oder das andere Gebiet. Das sieht durchaus wie eine Art Vorverurteiloung aus, denn das Endgericht steht den Toten ja noch bevor. Nach anderen Traditionen, da das "Gefängnis" das "Paradies" ringförmig umgibt, müssen auch die "guten" Gestorbenen durch dieses hindurch, aber ihr Aufenthalt ist dort nur sehr kurz. Daher wird die Aussage "heute (noch) wirst du mit mir im Paradies sein" mythologisch sinnvoll, sie ist nämlich ein (eschatologischer) Trost für den Mitgefolterten.

    Wenn also Lukas in seinem Evangelientext Jesus diesen Satz sagen läßt, dann bezieht er sich auf diese Totenreichskonzeption, in der der glückselige Teil des Totenreiches zeitgenössich "Paradies" genannt wurde. In den etwas später erst niedergeschriebenen talmudischen Textsammlungen sind diese schon früher vorhandenen Vorstellungen festgehalten. Z.B. im Bereshit Rabba usw.

    Man sieht: Die Evangelientexte halten sich durchaus in der allgeneinen Mythologie bzw Eschatologie der damaligen jüdischen Umgebung auf. Sie sind durchweg nicht erst durch die Evangelienautoren "erfunden". Wie sich diese Vorstellungen aus Beeinflussungen der obengenannten anderen religösen Vorstellungen entwickelten, steht auf einem anderen Blatt und das war ja auch mit deiner Frage nicht angesprochen.

    Ich hoffe, du siehst deine Zweifelfrage dadurch etwas gelichtet :-)

    Gruß
    Metapher
    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      *verneig*
      Lieber Metapher,

      w-w-w sollte Dich zum Obermoderator oder Ehrenmitglied dieses oft so wissenschaftslosen Brettes ernennen!

      Voller Hochachtung
      Andreas
    • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
      FAQ 3316
      Der Artikel ist jetzt - ein wenig überarbeitet - als FAQ:3316 vorhanden.

      Danke an Harald!

      Gruß
      M.
  4. Antwort von nach 2 Tagen 1 hilfreich
    Re: Glaubensbekenntnis
    Hallo
    Da der Mensch Mensch gern wissen möchte wohin der Lebensweg so führt, fand ich nach einigem Suchen die logische Antwort in der Bibel.
    @ stein: eher sagt er zum Schächer:"du wirst noch heute bei mir im Paradies sein".
    Es wäre gar nicht möglich gewesen. Jesus war 3 Tage im Grab und dort ist kein Paradies. Irgendwer hat den Doppelpunkt versetzt…
    Luk.23:42 Und er sprach zu Jesus: Herr, gedenke an mich, wenn du in deiner Königsherrschaft kommst! 43 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein! (falsch)
    Wahrlich, ich sage dir Heute: (DU wirst du mit mir im Paradies sein!) Das ist korrekt Zitat: Luk. 24: 45 Da öffnete er ihnen das Verständnis, damit sie die Schriften verstanden, 46 und sprach zu ihnen: So steht es geschrieben, und so mußte der Christus leiden und am dritten Tag aus den Toten auferstehen,… Ps.115:16 Der Himmel ist der Himmel des Herrn; aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben.37:11, 29,… Matth.19:26 Bei Gott sind alle Dinge möglich. Alles weitere muss man abwarten. speedytwo
    • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: Glaubensbekenntnis
      Hallo,
      dass nenne ich mal einen kreativen fast schon surrealen Zugang.
      Gruß
      Werner
    • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: Glaubensbekenntnis
      Hallo speedytwo,

      das sind die Stellen, die ich an der "Neue-Welt-Übersetzung" nicht mag. Da wird nach Gutdünken "übersetzt/interpretiert", damit der Text zur Lehre passt. ;-(( @ stein: eher sagt er zum Schächer:"du wirst noch heute bei
      mir im Paradies sein".
      Es wäre gar nicht möglich gewesen. Jesus war 3 Tage im Grab
      und dort ist kein Paradies.
      Wo bitte ist denn das Paradies? Irgendwer hat den Doppelpunkt versetzt…
      Ja, die Watchtower Bible and Tract Society of New York INC. Luk.23:42 Und er sprach zu Jesus: Herr, gedenke an mich, wenn
      du in deiner Königsherrschaft kommst!
      Das würde ja voraussetzen, dass der Schächer um die Wiederkunft Jesu wusste. Das hat Jesus aber nur zu seinen Jüngern gesagt.
      In Wirklichkeit steht da:
      "Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!" 43 Und Jesus sprach zu
      ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im
      Paradies sein! (falsch)
      Nein, RICHTIG!

      siehe die Ausführungen von Metapher
      http://www.wer-weiss-was.de/article/6068472

      Gruss Harald


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