Re: atheistisch an Gott glauben?
Hi Juliane
Kann man, behauptet die Theologin Dorothee Sölle.
Ja, schön daß du daran erinnerst und auf sie verweist.
Aber mir ist nicht mehr präsent, in welchem der in dem Link aufgezählten Sinne sie "atheistisch" meint. So weit ich erinnere, meint sie eine "Gottgläubigkeit" (mit allen moralischen Konsequenzen), die aber nicht voraussetzt, daß man die Existenz eines Gottes annimt? (denn es ist ja eine bewußt paradox Formulierung).
Dennoch hab ich mit:
Gibt ja in der Tat im Christentum immer wieder die Tendenz zur
Selbstauflösung.
jetzt Verständnisprobleme: Denn damit meinst du doch vermutlich (?) die Auflösung als Protestbewegung gegen konzeptionelle Indoktrinationen, die von Menschen, die mit wachen Sinnen in der kulturellen Gegenwart leben, nicht mehr akzeptiert werden können.
Dieser Protest (Kirchenaustritte) richtet sich aber sicher nicht gegen einen Gottestbegriff als solchen... aber vielleicht hast du da etwas Spezielles im Sinn?
Aber wie ich schon in den Artikeln zur Theodizee
u.a.
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...
u.w.m.
und auch in den Atheismusdiskussionen sagte, sehe ich in dem Atheismus, der manchmal "dogmatischer" A. bezeichnet wird (ich weiß nicht mehr warum) und den ich unter "4." in dem Atheismus-Link beschrieb. die einzige Möglichkeit, einen absoluten Gott zu denken... und daher mindestens für das Christentum die einzige Mögklichkeit:
Dieser A. besagt ja, daß weder die Existenz, noch die Nichtexistenz eines Absoluten ausgesagt werden könne, und daß der Theist dasselbe sagen müsse. Darin liegt ja auch das bedeutsame an diesem Standpunkt, daß von dieser Unmöglichkeit einer (Nicht)Existenzaussage das Glauben "an" einen Got überhaupt nicht berührt wird. Diese Art von Atheismus kann also (ich selbst meine: muß also) auch (und gerade) von einem Gläubigen vertreten werden.
(Beim Schreiben wird mir jetzt klar, daß die Sölle so ihre Aussagewohl nicht gemeint haben kann... wohl doch eher im Sinne von oben)
Man müsste hier auf etliche theologische Feinheiten eingehen...
Natürlich - das finde ich auch. Und erst recht, wenn man solch schwierige Fragen wie "Glauben", das "Böse", "Freiheit des Willens" oder "Schöpfung" u.a.m. mit befriedigenden Resultaten diskutieren möchte. Die Theologie ist ja nicht (nur *g*) erfunden worden um Menschen mit Spitzfindigkeiten zu quälen, sondern weil man ohne dies in den interessierenden Fragen wie der Hamster im Rad herumläuft...
Die alten Römer, die, wie du ja auch geschrieben hast, die
Christen wie vorher schon die Juden für Atheisten hielten,
lagen vielleicht nicht ganz falsch.
Bin ich nicht sicher - denn was bekannt ist, ist, daß sie wiederum mit "Atheisten" diejenigen bezeichneten, die nicht ihren (d.h. der Römer, Griechen) Göttern huldigen wollten.
Also deutlicher - der Römer sagte: "Ein Atheist ist einer, der nicht an meine Götter glaubt" - nach derselben Art wie in der Definition: "Ein Egoist ist einer, der nicht an mich denkt" :-)))
Insgesamt finde ich, daß der Atheismusbegriff sehr kompliziert ist, was mir auch erst durch diese Postings hier bewußt geworden ist. Aber wenn man ihn aufdröselt, hat man einen schönen Schlüssel, um Fragen (und Mißverständnisse) zu klären.
Grüße
Metapher