Atheistische Kulturen

Von: , Frage gestellt am Do, 26. Apr 2001

Hallo Leute,

ist jemandem bekannt, ob es atheistische Kulturen gab oder gibt?
Und wenn ja, wo?

Ich meine damit nicht verordneten Staatsatheismus, sondern Kulturen, die weder Gott noch Götter kannten oder in ihrem Sprachschatz hatten.

Gruß Maitre

11 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 18 Stunden 1 hilfreich
    Re: Atheistische Kulturen

    "Der Budhismus ist eine Sammlung atheistischer Lehren."
    Hat der Papstes während seiner Asienreise vor ein paar Jahren gesagt - und der wird's ja wohl wissen.

    Gruß, Stucki

    • Antwort von nach 19 Stunden 5 hilfreich
      Re^2: Atheistische Kulturen

      Hallo, "Der Budhismus ist eine Sammlung atheistischer Lehren."
      Hat der Papstes während seiner Asienreise vor ein paar Jahren
      gesagt - und der wird's ja wohl wissen.
      aus der Sicht des Papstes stimmt das natürlich.
      Für den Ur-Buddhismus kann man das vielleicht sogar zutreffend sagen. Während aber im Hinayana dieses Ideal in verschiedenen Strömungen (bis hin zum Zen-Buddhismus) weiterlebte, so aber nur für eine Minderheit (nämlich für die Mönche) ansprechend war, führte man im Mahayana (dem Buddhismus für eine breitere Schicht) theistische Momente wieder ein.

      Man kann also sagen, dass der Buddhismus als atheistische Lehre sich auf den Gründer selbst und einige wenige Nachfolger beschränkt.

      Gruß

      Thomas Miller

      • Antwort von nach 19 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Atheistische Kulturen

        Hi, "Der Budhismus ist eine Sammlung atheistischer Lehren."
        Hat der Papstes während seiner Asienreise vor ein paar Jahren
        gesagt - und der wird's ja wohl wissen.
        aus der Sicht des Papstes stimmt das natürlich.
        Für den Ur-Buddhismus kann man das vielleicht sogar
        zutreffend sagen. Während aber im Hinayana dieses Ideal in
        verschiedenen Strömungen (bis hin zum Zen-Buddhismus)
        weiterlebte, so aber nur für eine Minderheit (nämlich für die
        Mönche) ansprechend war, führte man im Mahayana (dem
        Buddhismus für eine breitere Schicht) theistische Momente
        wieder ein.

        Man kann also sagen, dass der Buddhismus als atheistische
        Lehre sich auf den Gründer selbst und einige wenige Nachfolger
        beschränkt.

        hat der Buddhismus in Tibet eine vorherige Religion ersetzt oder waren die Tibeter vorher atheistisch?

        Gruß Maitre

        • Antwort von nach 19 Stunden 5 hilfreich
          Re^4: Atheistische Kulturen

          Hallo, hat der Buddhismus in Tibet eine vorherige Religion ersetzt
          oder waren die Tibeter vorher atheistisch?
          das weiß ich nicht. Der tibetische Buddhismus ist eine Sonderform. Aber auch hier ist - soweit ich sehe - der Unterschied zwischen "vorher" und "nachher" kleiner als der Unterschied zwischen "Mönch" und "Nicht-Mönch", jedenfalls heute.

          Gruß

          Thomas Miller

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            nirgendwo krasser


            Hi Thomas,

            ist zwar irgendwie seltsam und auch neu, daß es für ein "das weiß ich nicht" zweistellige Sternchen gibt *schallenlach*

            aber die Frage nach dem Vorgänger des Lamaismus in Tibet hab ich ja oben schon angedeutet. Deinen Aphorismus über das "vorher-nachher" ist mir absolut unverständlich, sowohl bezüglich der Wechsel zu anderen religiösen Konzepten in einer Region überhaupt, als auch speziell hier in Tibet. Es gibt in der ganzen Geschichte der Religionen kaum einen krasseren Unterschied zwischen einer Volksreligion wie dem Bon (oder Bön) und dem Buddhismus, der sich im 8. + 9.Jhdt (die Grenze der historischen Kenntnisse über Tibet) aus China und Indien kommend, teils noch mit iranischen Einflüssen versetzt, dem überlagerte.

            Wenn man sich alleine mal die Rituale des mdos, yas, glud und gto anschaut, dazu die unglaublich reichhaltiges Sphäre von Bergdämonen und die überaus reichhaltigen Künste und Techniken, mit ihnen umzugehen, sie zu manipulieren, um sie sich gefügig zu machen, dann sieht man leicht, welche Welten dazwischen und den neuen buddhistischen Ideen liegen.

            Ferne hatte es vorher soetwas wie eine Mönchstradition überhaupt nicht gegeben (weshalb man u.a. den Ausdruck "Volksreligion" in der Religionswissenschaft dafür hat).

            Die Auseinandersetzungen zwischen diesen Vorstellungen und komplexen Gebräuchen und den buddhistischen Mönchstraditionen gingen über Jahrhunderte.... und wenn auch der Lamaismus letztlich ein Amalgam dieser Kulturen präsentiert, das enorm viele Rituale und Psychotechniken enthält, die gar nicht aus dem Buddhismus kommen (wie z.B. die spezielle Form des tibetischen Yoga, die Techniken des Träumens, des Halluzinierens, die magischen Techniken zum Zweck, Lebenselixiere zu finden - sie wurden vorzüglich durch Alexandra David-Neel und Lama Anagarika Govinda studiert und dokumentiert), dann ist es dennoch wohl etwas SCNR sehr abwegig, den Unterschied vorher-nachher und den von Mönch und Nichtmönch für einen geringen zu erachten... :-))))

            Gruß
            Metapher

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re: nirgendwo krasser

              Hallo Metapher, Deinen Aphorismus über das
              "vorher-nachher" ist mir absolut unverständlich, sowohl
              bezüglich der Wechsel zu anderen religiösen Konzepten in einer
              Region überhaupt, als auch speziell hier in Tibet.
              wie ich sagte, kenne ich mich hiermit nicht so aus. Meine Redeweise vom "vorher" und "nachher" sollte besagen, dass ich nur den Status quo (etwas) beurteilen kann und mir die Frage nach dem Unterschied zwischen den Wenigen, die ohne Götter leben, den Mönchen, und den vielen anderen, die (anscheinend) Götter benötigen, bedeutender erscheint.

              Ich weiß ja schon, dass dein Ausgangspunkt die Geschichte ist. (Wir sind im Rahmen der Diskussion über den Begriff "Agnostizismus" kurz aneinander geraten.) Ich möchte aber nicht, dass du mich missverstehst. Natürlich ist die Geschichte wichtig, aber sie ist - aus meiner Sicht - kein Garant für das Vorkommen oder Nichtvorkommens eines Phänomens.
              Ich hatte damals einen Begriff von Agnostizismus vertreten, der so in der Geschichte nach deiner Auffassung nicht vorgekommen ist. Meiner Ansicht nach war diese Form von Agnostizismus aber immer latent vorhanden, nur durfte man sie nicht öffentlich äußern, ohne sich selbst zu diskreditieren. Das ist allerdings ein "religionspolitisches" Problem (Toleranz).

              So ist es auch hier bei unserer Tibetfrage: Die Entwicklungsgeschichte ist zwar wichtig, aber sie scheint mir nicht das Wesentliche der gestellten Frage zu treffen, nämlich ob es atheistische Kulturen gibt. Der Frager möchte also - so habe ich ihn interpretiert - wissen, unter welchen Bedingungen es so etwas geben kann. Und da war meine Antwort, dass es wohl nur im Bereich des Mönchtums vorkommt. Ist das so in Ordnung?


              Noch eine Bemerkung zu deinem Eingangssatz: ist zwar irgendwie seltsam und auch neu, daß es für ein "das
              weiß ich nicht" zweistellige Sternchen gibt *schallenlach*
              ja, mir ist das auch schleierhaft, aber vielleicht ist es manchmal besser zu sagen, dass man etwas nicht weiß. Das Prinzip der Sternchen habe ich zwar schon verstanden, aber die Auswirkungen sind kaum nachvollziehbar. In den letzten zwei Tagen ist bei mir die Anzahl der Sternchen von 40 auf 240 gestiegen. Unbegreiflich! Aber ich bin erst seit 2 Monaten bei "wer-weiss-was" dabei. Vielleicht finde ich ja noch heraus, wer so verschwenderisch ist und vor allem warum.

              Herzliche Grüße
              und ein schönes Wochenende wünscht dir

              Thomas Miller

  2. Antwort von nach 21 Stunden 3 hilfreich
    keine atheistischen Religionen

    Wenn man den Begriff Atheismus so nimmt, wie er seine Rolle in der Philosophiegeschichte und in der Geschichte der religionen und religionskritik gespielt hat, dann gibt es keine atheistischen Ideensysteme.

    Zum Begriff Atheismus siehe mein Posting:
    http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...

    Der Papst liegt also mit seiner Äußerung über den Buddhismus voll daneben (und nicht nur da).

    Es gibt aber zahlreiche Religionen/Ideensysteme, die keine Gottes- bzw. Götterbegriffe enthalten (das ist etwas anderes als Atheismus): So der Buddhismus (sowohl der Hinayana als auch der Mahayana, der popularisierte Mahayana allerdings nimmt einige hinduistische Elemente wieder auf), Der Yoga, der Taoismus, und natürlich auch der Ch'an (bzw. Zen).

    Der Vorgänger des Buddhismus (Lamaismus) in Tibet ist die Bön-Religion und einige andere Bergdämonenkulte.

    Gruß
    Metapher

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      atheistisch an Gott glauben?

      Kann man, behauptet die Theologin Dorothee Sölle. Gibt ja in der Tat im Christentum immer wieder die Tendenz zur Selbstauflösung. Man müsste hier auf etliche theologische Feinheiten eingehen...
      Die alten Römer, die, wie du ja auch geschrieben hast, die Christen wie vorher schon die Juden für Atheisten hielten, lagen vielleicht nicht ganz falsch. Oder zeigt meine Frage nur, dass ich nichts verstanden habe? In dem Fall bitte ich um Tipps für meine philosophische Weiterbildung
      Gruß Juliane

      • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
        Re: atheistisch an Gott glauben?

        Hi Juliane Kann man, behauptet die Theologin Dorothee Sölle.
        Ja, schön daß du daran erinnerst und auf sie verweist.
        Aber mir ist nicht mehr präsent, in welchem der in dem Link aufgezählten Sinne sie "atheistisch" meint. So weit ich erinnere, meint sie eine "Gottgläubigkeit" (mit allen moralischen Konsequenzen), die aber nicht voraussetzt, daß man die Existenz eines Gottes annimt? (denn es ist ja eine bewußt paradox Formulierung).

        Dennoch hab ich mit: Gibt ja in der Tat im Christentum immer wieder die Tendenz zur
        Selbstauflösung.
        jetzt Verständnisprobleme: Denn damit meinst du doch vermutlich (?) die Auflösung als Protestbewegung gegen konzeptionelle Indoktrinationen, die von Menschen, die mit wachen Sinnen in der kulturellen Gegenwart leben, nicht mehr akzeptiert werden können.
        Dieser Protest (Kirchenaustritte) richtet sich aber sicher nicht gegen einen Gottestbegriff als solchen... aber vielleicht hast du da etwas Spezielles im Sinn?

        Aber wie ich schon in den Artikeln zur Theodizee
        u.a.
        http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...
        u.w.m.
        und auch in den Atheismusdiskussionen sagte, sehe ich in dem Atheismus, der manchmal "dogmatischer" A. bezeichnet wird (ich weiß nicht mehr warum) und den ich unter "4." in dem Atheismus-Link beschrieb. die einzige Möglichkeit, einen absoluten Gott zu denken... und daher mindestens für das Christentum die einzige Mögklichkeit:

        Dieser A. besagt ja, daß weder die Existenz, noch die Nichtexistenz eines Absoluten ausgesagt werden könne, und daß der Theist dasselbe sagen müsse. Darin liegt ja auch das bedeutsame an diesem Standpunkt, daß von dieser Unmöglichkeit einer (Nicht)Existenzaussage das Glauben "an" einen Got überhaupt nicht berührt wird. Diese Art von Atheismus kann also (ich selbst meine: muß also) auch (und gerade) von einem Gläubigen vertreten werden.

        (Beim Schreiben wird mir jetzt klar, daß die Sölle so ihre Aussagewohl nicht gemeint haben kann... wohl doch eher im Sinne von oben) Man müsste hier auf etliche theologische Feinheiten eingehen...
        Natürlich - das finde ich auch. Und erst recht, wenn man solch schwierige Fragen wie "Glauben", das "Böse", "Freiheit des Willens" oder "Schöpfung" u.a.m. mit befriedigenden Resultaten diskutieren möchte. Die Theologie ist ja nicht (nur *g*) erfunden worden um Menschen mit Spitzfindigkeiten zu quälen, sondern weil man ohne dies in den interessierenden Fragen wie der Hamster im Rad herumläuft... Die alten Römer, die, wie du ja auch geschrieben hast, die
        Christen wie vorher schon die Juden für Atheisten hielten,
        lagen vielleicht nicht ganz falsch.
        Bin ich nicht sicher - denn was bekannt ist, ist, daß sie wiederum mit "Atheisten" diejenigen bezeichneten, die nicht ihren (d.h. der Römer, Griechen) Göttern huldigen wollten.
        Also deutlicher - der Römer sagte: "Ein Atheist ist einer, der nicht an meine Götter glaubt" - nach derselben Art wie in der Definition: "Ein Egoist ist einer, der nicht an mich denkt" :-)))

        Insgesamt finde ich, daß der Atheismusbegriff sehr kompliziert ist, was mir auch erst durch diese Postings hier bewußt geworden ist. Aber wenn man ihn aufdröselt, hat man einen schönen Schlüssel, um Fragen (und Mißverständnisse) zu klären.

        Grüße
        Metapher



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