Re^2: Das Jahr 1939
(Autor: G e r n o t G e y е r, Antwort nach 16 h, 2 Min)
Hallo,
eine exakte Umrechnung wird schwierig.
Vor allem deshalb, weil man ja auch die preise anderer notwendiger Waren im Zusammenhang dazu sehen muß.
Ich bringe da im Zusammenhang mal den Vergleich zwischen DDR und Bundesrepublik vor 1990. Ein Kilo Brot kostete in der DDr 62 Pfennige - das war wesentlich billiger als in der BRD. Für Wohnungsmiete (ohne Heizung) wurden 30 - 60 Mark bezahlt. Die Straßenbahnfahrt in Erfurt kostete 12 Pfennig. Dagegen stehen dann wieder Preise wie das Kilo Bananen (falls es welche gab) von 5 Mark und der Farbfernseher für 4.000 - 6.000 Mark.
Wie will man da einen halbwegs normalen Durchschitt finden? Wir hatten nach der Wende übrigens tatsächlich massig Bwertungsprobleme und haben sie manchmal heute noch. Ich werde z.B. nie begreifen, wieso ein fernseher billiger sein kann als eine Monatsmiete - da sind Dimensionen total verrutscht.
Das lag u.a. aber auch an folgender Geschichte:
NAch 1945 orientierten sich im Osten die Preise für die ja meist rationierten Güter und stäter auch für Industriegüter an den Vorkriegspreisen. Und 1952 wurden diese Preise dann festgeschrieben - neuentwickelte Produkte wurden dann irgendwie da eingeordnet, wobei die Vergleichbarkeit der Nutzung eine wesentlich größere Rolle spielte, alös der tatsächliche Produktionsaufwand. Von daher dürften die Preisrelationen der DDr der Vorkriegszeit eher entsprochen haben, wie die der BRD.
Du nennst das Jahr 1939 - da begann der 2. Weltkrieg und die Rationierung. Und damit war ab September 39 eigentlich der Preis zweitrangig - das Vorhandensein von Punkten auf der Kleiderkarte war ja danach die Grundlage, überhaupt erst einmal Stoff oder Bekleidung kaufen zu dürfen.
Und generell würde ich sagen, der Preis dürfte erschwinglöich gewesen sein, nach den Erzählungen, die ich von meinen großeltern her kenne.
Gernot Geyer
eine exakte Umrechnung wird schwierig.
Vor allem deshalb, weil man ja auch die preise anderer notwendiger Waren im Zusammenhang dazu sehen muß.
Ich bringe da im Zusammenhang mal den Vergleich zwischen DDR und Bundesrepublik vor 1990. Ein Kilo Brot kostete in der DDr 62 Pfennige - das war wesentlich billiger als in der BRD. Für Wohnungsmiete (ohne Heizung) wurden 30 - 60 Mark bezahlt. Die Straßenbahnfahrt in Erfurt kostete 12 Pfennig. Dagegen stehen dann wieder Preise wie das Kilo Bananen (falls es welche gab) von 5 Mark und der Farbfernseher für 4.000 - 6.000 Mark.
Wie will man da einen halbwegs normalen Durchschitt finden? Wir hatten nach der Wende übrigens tatsächlich massig Bwertungsprobleme und haben sie manchmal heute noch. Ich werde z.B. nie begreifen, wieso ein fernseher billiger sein kann als eine Monatsmiete - da sind Dimensionen total verrutscht.
Das lag u.a. aber auch an folgender Geschichte:
NAch 1945 orientierten sich im Osten die Preise für die ja meist rationierten Güter und stäter auch für Industriegüter an den Vorkriegspreisen. Und 1952 wurden diese Preise dann festgeschrieben - neuentwickelte Produkte wurden dann irgendwie da eingeordnet, wobei die Vergleichbarkeit der Nutzung eine wesentlich größere Rolle spielte, alös der tatsächliche Produktionsaufwand. Von daher dürften die Preisrelationen der DDr der Vorkriegszeit eher entsprochen haben, wie die der BRD.
Du nennst das Jahr 1939 - da begann der 2. Weltkrieg und die Rationierung. Und damit war ab September 39 eigentlich der Preis zweitrangig - das Vorhandensein von Punkten auf der Kleiderkarte war ja danach die Grundlage, überhaupt erst einmal Stoff oder Bekleidung kaufen zu dürfen.
Und generell würde ich sagen, der Preis dürfte erschwinglöich gewesen sein, nach den Erzählungen, die ich von meinen großeltern her kenne.
Gernot Geyer
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Re^3: Das Jahr 1939 / Krümelchen
(Autor: M а r t і n М а ү, Antwort nach 19 h, 54 Min)
Hallo Gernot,
die Reichskleiderkarte wurde am 14.11.1939 eingeführt - sei es, dass man in Berlin tatsächlich an reiche Beute aus dem Blitzkrieg glaubte, sei es, dass es für opportun erachtet wurde, nicht zusammen mit dem Kriegsbeginn gleich alle Erinnerungen an den Steckrübenwinter und dergleichen wieder wach zu rufen.
Insofern ist der größte Teil von 1939 auch noch nach dem 1. September ohne Rationierung von Textilien geblieben.
Bedeutung von Geld in der administrierten NS-Wirtschaft kann man sich sicherlich in Grundzügen mit dem EVP-Wesen vergleichbar vorstellen. Bloß ohne Delikat, Intershop und Quelle-Versand von den Verbrauchern vielleicht subjektiv als "gerechter" erlebt.
Schöne Grüße
MM
der anlässlich von Besuchen im Bezirk Löbau den Wert von Gegenständen kennen gelernt hat, mit denen er sich sonst nie beschäftigt hätte: Badezimmerarmaturen, Messerblöcke, Fahrradschläuche, Dosenöffner...
die Reichskleiderkarte wurde am 14.11.1939 eingeführt - sei es, dass man in Berlin tatsächlich an reiche Beute aus dem Blitzkrieg glaubte, sei es, dass es für opportun erachtet wurde, nicht zusammen mit dem Kriegsbeginn gleich alle Erinnerungen an den Steckrübenwinter und dergleichen wieder wach zu rufen.
Insofern ist der größte Teil von 1939 auch noch nach dem 1. September ohne Rationierung von Textilien geblieben.
Bedeutung von Geld in der administrierten NS-Wirtschaft kann man sich sicherlich in Grundzügen mit dem EVP-Wesen vergleichbar vorstellen. Bloß ohne Delikat, Intershop und Quelle-Versand von den Verbrauchern vielleicht subjektiv als "gerechter" erlebt.
Schöne Grüße
MM
der anlässlich von Besuchen im Bezirk Löbau den Wert von Gegenständen kennen gelernt hat, mit denen er sich sonst nie beschäftigt hätte: Badezimmerarmaturen, Messerblöcke, Fahrradschläuche, Dosenöffner...
Re^4: Das Jahr 1939 / Krümelchen
(Autor: G е r n ο t G е ү е r, Antwort nach 21 h, 43 Min)
Hallo,
es ging mir ja nicht vordergründig um Gerechtigkeit oder so, sondern einfach um die Tatsache, das generell das wertsystem nicht so ohne weiteres vergleichbar ist auf Grund einzelner Preisangaben.
Deshalb muzß man eigentlich immer 2 Fragen stellen:
1. Wie ist der Preis zu sehen in der Relation mit anderen Gebrauchsgütern? und
2. Wie erschwinbglich ist das Ganze überhaupt gemessen am Durchschnittseinkommen?
Gernot Geyer
Übrigens: Es gibt fast noichts, was in der DDR nicht irgendwann mal knapp war. Und ich erwische mich heute noch manchmal, Dinge einfach mit dem Argument zu kaufen "Die gab es gerade mal." So werde ich wohl immer zwei Paar Schuhe in reserve neu herumstehen haben, weil ich schlichtweg im entsprechenden Moment nie auf den gedanken komme, daß es ja IMMER Schihe der Größe 47 geben könnte...
es ging mir ja nicht vordergründig um Gerechtigkeit oder so, sondern einfach um die Tatsache, das generell das wertsystem nicht so ohne weiteres vergleichbar ist auf Grund einzelner Preisangaben.
Deshalb muzß man eigentlich immer 2 Fragen stellen:
1. Wie ist der Preis zu sehen in der Relation mit anderen Gebrauchsgütern? und
2. Wie erschwinbglich ist das Ganze überhaupt gemessen am Durchschnittseinkommen?
Gernot Geyer
Übrigens: Es gibt fast noichts, was in der DDR nicht irgendwann mal knapp war. Und ich erwische mich heute noch manchmal, Dinge einfach mit dem Argument zu kaufen "Die gab es gerade mal." So werde ich wohl immer zwei Paar Schuhe in reserve neu herumstehen haben, weil ich schlichtweg im entsprechenden Moment nie auf den gedanken komme, daß es ja IMMER Schihe der Größe 47 geben könnte...
Re^2: Vielen Dank für die Auskunft...
(Autor: T і f f y, Antwort nach 20 h, 17 Min)
Hallo liebe WWWler!
Aufgrund eurer Berichte gehe ich davon aus, das es eigentlich ein relativ teurer Spaß gewesen sein muss (Bei den geringen Stundenlöhnen!!!), diese Bekleidungsstoffe zu kaufen und auchnoch selbst zu verarbeiten. Aber sicherlich war dieser Weg immernoch günstiger, als fertige Bekleidung zu kaufen, zumal die Massenproduktion noch nicht in diesem Mass erfolgte, wie das heute der Fall ist.
Nochmals
Danke und Grüße Tiffy
Re^3: Preise von Stoffen im Zeitvergleich
(Autor: Μ a r t і n Μ а ү, Antwort nach 22 h, 10 Min)
Hallo nochmal,
es gibt hier sicherlich ein ziemlich weites Spektrum von Dingen, die man vergleichen muss, um ein brauchbares Gesamtbild zu erhalten.
Etwa Werklöhne von Schneidern. Auch Lebensdauer von Haushaltsnähmaschinen - eine bedeutende Investition, aber auf rund vierzig Jahre abzuschreiben (für den Fall des nicht Ausgebombtwerdens, der aber 1939 noch nicht gedanklich präsent war).
Meinen Vater, Jahrgang 1922 und auf diese Weise noch mit den Gewohnheiten der Zwischenkriegszeit vertraut, haben wir 2003 in dem Anzug begraben, den er sich 1952 zur Promotion hat machen lassen: Eine Jacke, zwei Hosen.
Schöne Grüße
MM
es gibt hier sicherlich ein ziemlich weites Spektrum von Dingen, die man vergleichen muss, um ein brauchbares Gesamtbild zu erhalten.
Etwa Werklöhne von Schneidern. Auch Lebensdauer von Haushaltsnähmaschinen - eine bedeutende Investition, aber auf rund vierzig Jahre abzuschreiben (für den Fall des nicht Ausgebombtwerdens, der aber 1939 noch nicht gedanklich präsent war).
Meinen Vater, Jahrgang 1922 und auf diese Weise noch mit den Gewohnheiten der Zwischenkriegszeit vertraut, haben wir 2003 in dem Anzug begraben, den er sich 1952 zur Promotion hat machen lassen: Eine Jacke, zwei Hosen.
Schöne Grüße
MM
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