Re^2: Alltagsleben zur Zeit des Wirtschaftswunders
Hallo !
>Was mich besonders interessiert sind die alltäglichen Dinge.
Alles von den Sanitärenanlagen<
Jetzt etwas ausführlicher :
Die Zeit des Wirtschaftswunders war keine Zeit, in der jeder alles hatte. Es war die Zeit, in der es aufwärts ging.
Die Leute verdienten wieder und gaben das Geld aus. Zum Feiern, man hatte einen riesen Nachholbedarf.
Es gab Kneipen an jeder Ecke. Sie waren alle gerammelt voll. Man soff und machte Lärm, als wenn man Jahre nachholen müßte. Was ja auch stimmte.
Der "Badenweiler Marsch", der Lieblingsmarsch des Führers, war verboten, aber er dröhnte aus jeder Musikbox in den Kneipen. Naziparteien, wie die SRP (Soz. Deutsche Reichspartei) hatten Hochkonjunktur.
In einem Haus, in dem sonst zwei Familien wohnten, hausten 6 - 7 Familien.
Ein Plumsklo in der Waschküche reichte für das große Geschäft. Der Garten wurde für das kleine benurtzt. Im Winter, bei Frost, baute sich der Kothaufen so weit auf, dass man sich draufsetzte, wenn man ihn nicht mit einer Schaufel wegschob. Im Sommer wimmelte es von dicken langen Maden. Als Kinder und Jugendliche hatten wir Angst, uns dort drauf zu setzen.
Die tägliche Waschung fand in der Küche über dem Spülbecken statt. Samstags in der Zinkbadewanne. Die meisten Einwohner hatten aber nur ein Zimmer und verrichteten dort alles. Von der täglichen Waschung bis zur Zeugung des Bruders.
Die Leute, die nur ein Zimmer hatten, holten sich ihr Wasser aus der Küche, die es im Haus gab, aber von anderen bewohnt wurde. So kam es jeden Tag ein paarmal vor, dass "Oma Flüchtling" während der Mahlzeiten durch den Raum trampelte und Wasser im Eimer holte.
Minuten später rief sie aus dem Fenster ihren Enkel : "Achim, nuffkumma Fiesse waschen. Ich brauch die Schissel fürn Salat".
Wäsche wurde mit vollem Einsatz der ärmeren Nachbarsfrauen gewaschen. Meistens Kriegerwitwen, die wenig Rente bekamen, halfen bei den anderen Familien mit. Morgens um 05.00 Uhr wurde der große 150 Ltr Kessel angeheizt und die Wäsche gekocht. Ab 10.00 Uhr stank die Gegend wie eine öffentliche Bedürfnisanstalt. Wäsche wurde nicht täglich gewechselt, sondern wöchentlich. Man hätte, aber es gab nicht. Nach zwei Tagen vollem Einsatz war man dann fertig.
Damenbinden sahen aus wie 0,30 cm lange dicke Shawls, die auch, wie die andere Wäsche, gekocht wurden und dann an die Leine im Garten kamen.
Geheizt wurde ein Zimmer, die Küche.
Nie wieder Wirtschaftswunderzeit, wie damals!!!
mfgConrad