Re^2: Hiroshima - das kleinere Übel?
Hallo datafox,
ich freue mich über Deinen guten
Artikel und möchte ihn kommentieren
anscheinend haben hier alle das thema verfehlt! alle machen
sich emsig daran, das geplante statement abzuschmettern LOL.
dabei war es doch die AUFGABE, mit voller ABSICHT provokant zu
sein!
Hier haben wir das semantische Problem von "provokant".
Dieses setzt natürlich voraus, dass je schon klar sein
muss, was wo und für wen "provokant" erscheinen kann -
um dieses auch zu bewirken.
zb. "der abwurf war nützlich, daher strategisch
voll gerechtfertigt"
Das war über Jahre der Tenor der Mainstream-
Geschichtsschreibung sowohl in den USA als
auch in der Bundesrepublik. Möglicherweise
würden die meisten Zuhörer nicht mal zwinkern.
aber um richtig zu provozieren würde ich das
thema ausweiten und am besten sehr pauschal werden:
OK
"atomenergie ist eine gute sache. atomwaffen sind
wichtig und dienen der abschreckung."
Das ist einerseits korrekt (und ebenfalls der
Mainstream während des kalten Krieges gewesen)
und andererseits auch "erwiesen" - eben dadurch,
dass der 'showdown' auf wirtschaftlicher Ebene
(und nicht durch A-Waffen-Einsatz), die eine
Kriegsmacht des kalten Krieges hatte sich "totge-
rüstet" beim Versuch, immer größere und bessere
und teurere Atomwaffen bzw. Trägersysteme und
Interzeporen herzustellen und bereitzuhalten.
(Anmerkung: aus diesem Grunde wären iranische
Kernwaffen möglicherweise der Schlüssel, um
Israel totzurüsten.)
wenn das noch nicht genug ist, dann sage:
"das leben des feindes ist immer weiter
weg als das eigene."
1 Samuel 17:46
This day will the LORD deliver thee into my hand;
and I will smite thee, and take thy head from thee;
and I will give the carcasses of the host of the Philistines
this day to the fowls of the air, and to the wild beasts of the earth;
Hier sollte man eine Abstufung einführen: das
"Leben des Feindes" ist um so weniger wert,
je weiter er "rassisch" oder "ideologisch" von den
eigenen Leuten entfernt ist.
Das bezieht man dann sehr effizient
auf die USA, in den erst 20 Jahre nach dem
Kernwaffenabwurf "Neger" eine Universität be-
suchen durften. Und die "Japse", das werden
Dir alte Amerikaner bestätigen, waren nicht
mehr als "böse hinterlistige Neger".
spätestens dann sollte sich der saal leeren.
und DANN, nur dann, war es provokant!!
Ich glaube ja am Ende doch nicht so recht daran,
dass mit Deinen Vorschlägen so leicht "Provokanz"
zu erreichen wäre.
Dann schon eher mit:
Der bewusste und "achtlose" Mord an 100,000'en
Zivilisten wird durch die blühenden Jahre des (West-)Eu-
ropäischen Wiederaufbaus unter dem Schatten der glaubwürdigen
atomaren Drohung aufgewogen.
Die tatsachenbewehrte Rechtfertigung eines
offensichtlichen Verbrechens durch "positive
Resultate" ist imho immer "provokant". So
müsste man vielleicht vorgehen.
Die eigentliche "Tat" moralisch umzudefinieren-
ist imho selten "provokant", da es genügend
Moralen gibt, die das eh schon taten.
Grüße
CMБ