Sklaverei in Antike und Mittelalter
Von: , Frage gestellt am Di, 11. Sep 2007
War nicht sogar nach Augustinus
und anderen "kirchlichen" Philosophen die
Sklaverei natürlich (göttlich) legitimiert?
War nicht sogar nach Augustinus
und anderen "kirchlichen" Philosophen die
Sklaverei natürlich (göttlich) legitimiert?
War nicht sogar nach Augustinus
und anderen "kirchlichen" Philosophen die
Sklaverei natürlich (göttlich) legitimiert?
Soso, Bildungsbürger nennst Du Dich.
Mir haben meine Eltern, die auch Bildungsbürger waren, beigebracht "Guten Tag" zu sagen, wenn ich einen raum mit fremden Menschen betrete.
Ich habe diese Angewohnheit beibehalten; es ist wie eine Sucht.
Die Sklaverei als Teil der Gesellschafts- und Wirtschaftsform in der Antike war eine Selbstverständlichkeit, die nicht hinterfragt oder in Zweifel gezogen wurde. Wenn Menschen in einer solchen Gesellschaft leben, deren Form sie für selbstverständlich halten und über die sie nicht hinausdenken können - woher hätten sie auch Beispiele für andere Lebensformen nehmen sollen? -, neigen sie dazu, diese selbstverständlichen Formen für natur- oder gottgegeben zu halten.
Wir, die wir 1600 Jahre später als Augustin leben, haben es leicht, ihn des Irrtums zu zeihen und auf ihn hinabzuschauen. Immerhin hat Paulus, dem die Sklavenhaltergesellschaft auch selbstverständlich war, dem Philemon seinen Sklaven Onesimus zurückgeschickt. Der hatte die Predigt des Paulus von der Befreiung in Christus offenbar so wörtlich genommen, daß er seinem Herrn entlaufen war. (Dies ist übrigens eine Parallele zu den Bauern im 16. Jhdt, sie dann im Bauernkrieg so fürchterlich zusammengeschlagen wurden)
Die Erkenntnis geht eben auch weiter, mit wachsender Erfahrung müssen wir zugeben, daß unsere Wirtschaftsformen eben nur Menschenwerk sind.
(Dies sollte übrigens mal jemand einigen amerikanischen Predigern sagen, die heute den Kapitalismus für Gottes eigenes Werk halten - aber das ist ein anders Thema.)
Wir haben lernen müssen, daß auch die Verkündigung der Kirche den wechselnden Vorstellungen der Zeit unterworfen ist. Deshalb ist es wichtig, immer wieder eine neue Sprache und neue Begriffe und Bilder für die alte Verkündigung zu finden, denn mit den alten Formeln kannst Du der anderen, neuen Wirklichkeit nicht mehr gerecht werden.
Dies war - dies aber nur als Anmerkung, um Deiner Bildung aufzuhelfen - ein Beweggrund Rudolf Bultmanns, das Konzepr der Entmythologisierung zu entwerfen.
Gruß - auch das haben meine Eltern, die, wie gesagt, ebenfalls Bildungsbürger waren, für bei einem zivilierten Menschen für unerläßlich gehalten -
Rolf
Danke für Eure Kritik und vor allem die Beiträge!
Auf dem "Postweg" erreichte mich noch diese Ergänzung:
"....übrigens billigte auch das Judentum den Verkauf der eigenen Kinder in die Sklaverei, durchaus nicht unüblich in der Menschheitsgeschichte."
Sicher ist es so, dass auch das Christentum und seine Interpreten (Augustinus) aus diesem "Zeitgeist" so einfach nicht ausbüchsen konnten...
Gruss
MultiVista (Michael) aus Frankfurt
Hallo Michael,
Auf dem "Postweg" erreichte mich noch diese Ergänzung:
"....übrigens billigte auch das Judentum den Verkauf der
eigenen Kinder in die Sklaverei, durchaus nicht unüblich in
der Menschheitsgeschichte."
Ich weiß nicht, wer dir diese Ansicht schickte, aber es wäre "wider das Gesetz" gewesen:
3 Mose 25, 4ff: Willst du aber Sklaven und Sklavinnen haben, so sollst du sie kaufen von den Völkern, die um euch her sind, und auch von den Beisassen, die als Fremdlinge unter euch wohnen, und von ihren Nachkommen, die sie bei euch in eurem Lande zeugen. Die mögt ihr zu eigen haben und sollt sie vererben euren Kindern zum Eigentum für immer; die sollt ihr Sklaven sein lassen. Aber von euren Brüdern, den Israeliten, soll keiner über den andern herrschen mit Härte.
Innerjüdische Sklaverei mag es in Ausnahmefällen gegeben haben, üblich oder verbreitet war sie wohl nicht. Wobei man natürlich nun (jetzt bewegen wir uns thematisch vom Religions- zum Philosophiebrett)darüber diskutieren könnte, wo fängt Sklaverei an und wo hört Schuldknechtschaft und Leibeigenschaft auf...
Zumal ohne Quellenenangabe auch nicht ersichtlich ist, woher diese Annahme kommt,
die Juden sollen auch die Pest durch Brunnenvergiftung verursacht haben, und ihnen wurden noch so allerlei unschöne Dinge angedichtet...damit man sie in schöner Regelmäßigkeit als vernichtens- oder wenigstens verachtenswerte Bösewichte hinstellen konnte.
Drum großes Fragezeichen???? Wer weiß Wer dir also diesen "Tip" gab und wes geistig Kind er ist...
Gruß Susanne
Die Sklaverei als Teil der Gesellschafts- und Wirtschaftsform
in der Antike war eine Selbstverständlichkeit, die nicht
hinterfragt oder in Zweifel gezogen wurde.
Solche Pauschalisierungen sind zu nix nutze. Insbesondere in Rom gab es einen lebhaften Diskurs hieruber.
War nicht sogar nach Augustinus
und anderen "kirchlichen" Philosophen die
Sklaverei natürlich (göttlich) legitimiert?
Guten Abend!
Durch die antike Geschichte geht die Tendenz zur Milderung des Schicksals der Sklaven, also die Tendenz zur Vergrößerung ihrer persönlichen Rechte. Ein schönes Zeugnis für diese Tendenz zur Humanisierung der Sklaverei ist:
Seneca: Epistulae morales 47:
Kernaussage: "Sklaven sind Menschen", zu denken etwa als Gegensatz zu einem der griech. Bezeichnungen für den Sklaven: andrápodon ("Werkzeug mit Menschenfüßen").
Diese Tendenz lässt isch auch in der Gesetzgebung feststellen.
Genau diese Humanisierung meint dann auch Paulus, wenn er sagt, dass die Sklaven ihren Herrn untertan sein sollen, dass die aber für sie ordentlich sorgen sollen.
Die Aufhebung der Sklaverei hätte das Ende der ganzen antiken Wirtschaftsordnung bedeutet; hierin haben Marx/Engels Recht.
Soll das überhaupt denkbar gewesen sein?
EINE der Rechtfertigungen der Sklaverei, von Platon und Aristoteles in der Diskussion vertreten: Es gibt Menschen, die zum eigenverantwortlichen Gebrauch der Vernunft und zu wirtschaftlichen Entscheidungen nicht fähig sind; diese müssen eben anderen gehorchen. Das kann dann freilich - wenn man annimmt, das Gott die Menschen so geschaffen hat - zu einer religiösen Begründung der Sklaverei führen. Diese Theorie war aber nicht maßgeblich für das Mittelalter.
Für die mittelalterliche Unfreiheit gilt: aus der spätantiken Wirtschafts- und Sozialentwicklung (besonders seit den Reformen unter Diokletian) mit der Schollengebundenheit der Bauern und dem Zunftzwang der Handwerker ergibt sich ein System abgestufter Unfreiheiten, die nahtlos ins frühe Mittelalter hinübergeht: Grundherrschaft als Machtausübung infolge der Verfügungsberechtigung über Grund und Boden.
Die Sklaverei gehört also zu den Dingen, die man für "mittelalterlich" hält? Wann war sie denn zuende? Ich erinnere mich, in einer Vorlesung von Prof. Lauffer, der grundlegend über die antike Sklaverei gearbeitet hat, in einer Vorlesung gehört zu haben, dass die Fabrikarbeiter des 19. Jahrhunderts größere Ähnlichkeit mit den antiken Sklaven als mit den Sklaven in den USA hatten: am Arbeitsplatz, im Alltagsleben und hinsichtlich der theoretischen Begründung.
Und heute gibt es keine Ausgebeuteten, die ein Skavenleben führen? Wenn WIR das als unvermeidlich und unabänderlich hinnehmen - wie können wir dann ANDEREN vorwerfen, sie rechtfertigten die Sklaverei?
Schöne Grüße!
Hannes
EINE der Rechtfertigungen der Sklaverei, von Platon und
Aristoteles in der Diskussion vertreten
Platon? Biste dir da sicher??
EINE der Rechtfertigungen der Sklaverei, von Platon und
Aristoteles in der Diskussion vertreten
Platon? Biste dir da sicher??
Glaubs nur!
http://www.textlog.de/35111.html