Wer wollte den Golfkrieg?

Wer wollte den Golfkrieg? Ein Film, den sich sah, unterstützt die These, dass die USA den Krieg wollten und jedmöglichen friedlichen Weg einer Lösung des KOnflikts von vornerrein ausschlossen. Ziel der USA war es, ständige Truppenpräsenz im Nahen Osten zu haben, um die Öllieferung zu überwachen. Dafür benötigten sie Saddam als den Bösen Dämon, vor dem sie die anderen Staaten beschützen mussten. Ist diese These nicht etwas gewagt? War Saddam wirklich so naiv, um in die Falle der USA hineinzutappen und Kuwait anzugreifen? Wusste er nicht, dass die USA dann militärisch eingreifen werden?
Und was ist mit den Sanktionen, die immer noch über den Irak verhängt werden. Wird damit nicht noch Saddams Position bekräftigt? Ist Saddam der liebste Bösewicht der USA, die ihn bekriegen, aber nicht stürzen wollen?

Danke für eure Antwort
Maxi

Über die Entstehung weiss ich nicht soviel, da war ihc noch zu jung. Aber er damals seine angeblichen in unglaublich grossen Mengen vorhandenen B und C-waffen nicht eingesetzt - komplett wahnsinnig wie ein vergleichbarer deutscher Diktator scheint er also nicht zu sein.
Irak wollte/will Hegemonialmacht im Mittleren Osten werden, und bei diesem Ziel hatte ihm der Westen ja auch schonmal geholfen, im 1. Golfkrieg.

Hallo Maxi,

auf alle Fälle hat die Geschichte den USA damals gut ins Konzept gepaßt. Denn bei den Völkermorden in Ruanda und später bei Bügerkrieg in Zaire hatte sie es nicht so eilig, zum Zuge zu kommen. Überhaupt gab und gibt es eine menge Konflikte, wo die Verinigten Staaten wenig Neigung zeigen, einzugreifen.
Hier ging es um Erdöl, die Moral war nur ein billiger Vorwand.

Hussein hat sich einfach verschätzt. Er hat nicht geglaubt, daß die USA dieses Mal mit voller Ladung zurückschießen.

Im Übrigen: Die USA brauchen wie es aussieht einen Bösewicht, immer. Und der ist dan die Verkörperung des Bösen schlechthin. Die Kriterien der Auswahl sind dabei allerdings schwer nachzuvollziehen. Hussein ist aber auf alle Fälle einer ihrer Lieblingsfeinde. Der Mann hat einfach Pech, er hat vergessen den Amis rechtzeitig den Hintern zu küssen.

Das Gerede von einer militärischen Bedrohung und atomaren, biologischen oder chemischen Waffen halte ich für Schwachsinn. Hussein hat deratige Waffen nie eingesetzt. Überhaupt ist seine militärische Macht wohl sehr aufgebauscht worden, sonst hätten die Amerikaner nicht so schnell gesiegt. Und seine Wunderwaffen… die UNO sucht ja immer noch danach. Komischerweise kommt keiner auf die Idee, daß es sie eventuell gar nicht geben könnte. Die technischen Ausrüstungen und Rohstoffe, die der Irak illegal beschafft hat, können schließlich für zivile Projekte genauso Verwendung gefunden haben wie für militärische.
Schließlich haben die USA ja auch schon im Sudan mal eine angebliche Fabrik für chemische Waffen bomardiert, die in Wirklichkeit nachweislich nur eine Arzneimittelfabrik war.

Vollends irrsinnig wird das Ganze beim angeblichen Schutz der Kurden. Im Irak werden sie vor hussein geschützt, aber in der Türkei dürfen die gleichen Leute gejagt werden. Aber die ist ja NATO-Verbündeter und hat deshalb dafür auch die alten NVA Schützenpanzer bekommen. Und nun greift die Türkei dabei sogar die Kurden auf irakischem Territorium an, weil sie von dortn aus operieren und Hussein ja sein eigenes Territrium nicht selbst kontrollieren darf.

Das Ganze ist eine Geschichte, die mit de Schablonendenken in den USA zusammenhängt. Dort neigt ja die Gesellschaft generell zu Extremen. Entweder ganz gut oder ganz böse - dazwischen ist nichts. Und natürlich haben die Vereinigten Staaten Interesse daran, die Ölquellen am Golf zu kontrollieren. DAs ist wichtiger als die Frage, wie demokratisch Kuweit regiert wird (es ist nämlich auch keine Demokratie), wenn es nur Verbündeter der vereinigten Staaten ist. Militärisch präsent sind die USA sowieso schon immer, in Saudarabien nämlich. Aber dort ist auch egal, daß das Land eine absoulute Monarchie ist mit mittelalterlicher Gesetzgebung. Dort wird Dieben noch die Hand abgehackt.

Gernot Geyer

Irak hat einen gut begründeten Anspruch auf Kuweit
Es wird immer so getan, als wäre eine aus der Luft gegriffene Begierde Saddam Husseins nach dem Staate Kuweit die Ursache des Golfkonflikts. Dabei wird zweierlei übersehen: Der irakische Staat hat erstens einen rechtlich gut begründbaren Anspruch auf das Territorium von Kuweit, und zweitens wurde dieser Anspruch bereits erhoben, als an Saddam Hussein noch nicht zu denken war.

Das Zweistromland, in dem der Irak und Kuweit liegen, wurde im 16. Jahrhundert von den Türken erobert. Die osmanischen Herrscher setzten dabei die unterworfenen örtlichen Fürsten nicht ab, sondern legten ihnen nur die türkische Oberherrschaft sowie laufende Tributzahlungen auf und beließen den Unterworfenen eine Art Selbstverwaltung; das war die Herrschaftstechnik der Osmanen. Für das Territorium Kuweit läßt sich dieser Zustand seit 1828 sicher belegen: Die Landschaft um die Stadt Kuweit gehörte zur türkischen Provinz Basra und damit zum Osmanischen Reich; der Scheich von Kuweit übte die örtliche Verwaltung aus, mußte Tribut zahlen, in bestimmten Fragen die Weisungen des Provinzgouverneurs in Basra ausführen, und seine Schiffe führten die türkische Flagge. Dabei blieb es bis 1899.

In diesem Jahr erhielt die Deutsche Bank von der osmanischen Regierung die Konzession zum Bau der Bagdad-Bahn. Diese sollte von Berlin über Istambul bis Bagdad verlaufen. In Berlin verlautete, man erwäge den Weiterbau bis in die Stadt Kuweit. Die britische Diplomatie versuchte dem vorzubeugen und schloß 1899 mit dem Scheich von Kuweit einen geheimen Vertrag, durch den sich dieser verpflichtete, ohne britische Zustimmung keine Gebiete an dritte Mächte abzutreten. Im Jahre 1906 erklärte Großbritannien das „Protektorat“ über Kuweit, was der Scheich durch einen zweiten Vertrag akzeptierte.
Die Verträge von 1899 und 1906 sowie das „Protektorat“ waren aber weiter nichts als Brüche des Völkerrechts und imperiales Gehabe der Briten, denn der Scheich hatte keinerlei Befugnis, eigene Außenpolitik zu betreiben, und Kuweit war, um es noch einmal hervorzuheben, Bestandteil einer Provinz des souveränen türkischen Staates - der sich allerdings schon längere Zeit in einer Krise befand. Als die Türkei im ersten Balkankrieg 1912/13 in große Gefahr geriet, fischte Großbritannien im trüben und ließ sich einen Tag vor dem Friedensschluß im Balkankrieg, d.h. am 29.5.1913, von der hart bedrängten türkischen Regierung ihren Vertrag von 1899 und das „Protektorat“ über Kuweit bestätigen.

Das osmanische Reich brach im ersten Weltkrieg zusammen. Der sich bildende moderne türkische Staat beschränkte sich auf Kleinasien und das Vorland von Istambul. Die östlichen Provinzen fielen ins Leere. Auf einer allierten Konferenz in San Remo, 19.-26.4.1920, ließ sich Großbritannien ein „Mandat“ zur Regelung der Angelegenheiten des Zweistromlandes geben, welches vom Völkerbund bestätigt und (nachträglich) auch von der modernen türkischen Regierung (im Friedensvertrag von Lausanne, 24.7.1923) anerkannt wurde. Kraft dieses Mandats schuf Großbritannien aus den früheren osmanischen Provinzen den Staat Irak und setzte am 23.8.1921 den Aristokraten Faisal als König des Irak ein. Mit der Aufnahme des Irak in den Völkerbund (3.10.1932) erlosch das britische „Mandat“.

Diese Vorgeschichte muß man kennen, um zu verstehen, was später geschah. Eine Erhebung des Militärs stürzte am 14.7.1958 die Monarchie im Irak. Großbritannien verzichtete am 19. Juni 1961 auf das „Protektorat“ über Kuweit. Die irakische Regierung verkündete am 25. Juni 1961, daß durch den soeben erfolgten britischen Verzicht auf die Verträge von 1899 und 1906 die Verhältnisse vor 1899 wiederhergestellt wären. Der Irak sei unter anderem aus der türkischen Provinz Basra geschaffen worden, und zu Basra habe auch Kuweit gehört, also sei Kuweit rechtmäßigerweise ein Bestandteil des Irak; es gäbe kein Dokument, das anderes besagen würde.

Das ließ sich hören. Bei der Gründung des Irak hatte Großbritannien in der Tat den Status seines „Protektorats“ Kuweit nicht geklärt; auch nach 1921 war Kuweit von Großbritannien und anderen nie als ein souveräner Staat behandelt worden, sondern wie eine Sache, deren Eigentümer noch nicht festgestellt ist, und die deshalb zwangsverwaltet werden muß. Die Staatengründung auf den Trümmern des Osmanischen Reichs enthielt also einen Baufehler, der eine Forderung des armen Staates Irak nach dem reichen, „auf Erdöl schwimmenden“ Kuweit förmlich provozierte.

Obwohl der Irak nach der Erklärung vom 25.6.1961 keine militärischen Schritte unternahm, marschierten 5.000 britische Soldaten „zum Schutz“ in Kuweit ein. Auf Beschwerde des Irak forderte der UNO-Sicherheitsrat am 2.7.1961 Großbritannien zum Rückzug auf. Die Briten zogen tatsächlich ab. Das war die erste „Kuweit-Krise“, lange vor Saddam Hussein.

Anfang 1963 brachen im Irak innere Auseinandersetzungen aus. Die seit 1958 bestehende Regierung des Ministerpräsidenten Kassem wurde am 8.2.1963 gestürzt, der Ministerpräsident selbst ermordet, Metzeleien mit Tausenden Opfern nahmen ihren Anfang. Der Scheich von Kuweit hatte die Umstürzler zuvor mit Geld unterstützt; daraufhin verzichteten diese auf ihre Ansprüche hinsichtlich Kuweits, und Kuweit wurde am 7.5.1963 Mitglied der UNO. Aber die Machthaber von 1963 blieben nicht lange auf ihren Stühlen, Flügelkämpfe und Putsche folgten aufeinander. Erst 1971 erlangte der Irak die innenpolitische Stabilität zurück. Die Verzichtserklärung von 1963 wurde nicht akzeptiert, weil sie durch Bestechung und Umsturz zustande gekommen war.

Her wie hin: Man kann heute einen Staat nicht mehr wie ein großes Grundstück einfach vereinnahmen, selbst wenn man einen Anspruch darauf hat. Aber es wäre denkbar, die Ansprüche des Irak auf Kuweit mit einer (dicken) einmaligen Zahlung abzufinden; das wäre wirksamer als erkaufte oder erzwungene „Verzichte“ bzw. auch billiger als alle Militäraktionen seit 1990. Und Geld ist ein toller Problemlöser.

  • Django -

Kleiner Nachtrag
Hi Gernot
Das mit den Chemiewaffen war gar nicht so aus der Luft gegriffen
Immerhin setzten im 1 Golfkrieg beide Seiten Giftgas ein.

gegen die USA wäre dieses Vorgehen dem Irak aber schlecht bekommen, da die USA (und auch Israel, by the way) über andere massenvernichtungswaffen verfügen (Nuklearwaffen) die dann möglicherweise zum Einsatz gekommen wären.

Und dann wäre es wirklich Nacht geworden…

auf alle Fälle hat die Geschichte den USA damals gut ins
Konzept gepaßt. Denn bei den Völkermorden in Ruanda und später
bei Bügerkrieg in Zaire hatte sie es nicht so eilig, zum Zuge
zu kommen. Überhaupt gab und gibt es eine menge Konflikte, wo
die Verinigten Staaten wenig Neigung zeigen, einzugreifen.
Hier ging es um Erdöl, die Moral war nur ein billiger Vorwand.

Und es war eine einfache Situation, da die Bösen, hier die Guten.
In Zaire ist die politische Situation ein Alptraum… Und es sind keine westlichen Sicherheitsinteressen betroffen, um es mal zynisch auszudrücken, es intressiert keinen hier.

Hussein hat sich einfach verschätzt. Er hat nicht geglaubt,
daß die USA dieses Mal mit voller Ladung zurückschießen.

das wirds wohl gewesen sein.

Gruss
Mike

Der Scheich von Kuweit hatte die Umstürzler zuvor mit
Geld unterstützt; daraufhin verzichteten diese auf ihre
Ansprüche hinsichtlich Kuweits, und Kuweit wurde am 7.5.1963
Mitglied der UNO.

-> Sehr interessant!

Aber die Machthaber von 1963 blieben nicht
lange auf ihren Stühlen, Flügelkämpfe und Putsche folgten
aufeinander. Erst 1971 erlangte der Irak die innenpolitische
Stabilität zurück. Die Verzichtserklärung von 1963 wurde nicht
akzeptiert, weil sie durch Bestechung und Umsturz zustande
gekommen war.

Her wie hin: Man kann heute einen Staat nicht mehr wie ein
großes Grundstück einfach vereinnahmen, selbst wenn man einen
Anspruch darauf hat. Aber es wäre denkbar, die Ansprüche des
Irak auf Kuweit mit einer (dicken) einmaligen Zahlung
abzufinden; das wäre wirksamer als erkaufte oder erzwungene
„Verzichte“ bzw. auch billiger als alle Militäraktionen seit
1990. Und Geld ist ein toller Problemlöser.

Recht hast Du, aber wer sagt Dir, daß in 15 oder 20 Jahren, wenn S.H. mal nicht mehr ist, sich noch jemand erinnert, daß mal Geld geflossen ist? Da können schnell mal Verträge vergessen werden die sowieso mit „Bestechung“ erkauft worden sind. Was anderes wäre ein solches Vorgehen z.Zt. übrigends nicht! Dem Irak gehts schelcht, also bekommt er etwas Geld, um seinen Anspruch auf Kuwait zu verzichten.
Was wird wohl S.H. mit einem solchen Angebot machen: einfach ablehnen!

Grüße
Lemmy

Danke euch allen für eure Antworten und Anregungen.

Maxi

Hi Maxi,

naja, viele Loesungen hats dafuer, aber :

Sadam hat jedenfalls bewusst Macht und Einfluss wg. Oel und Politik gesucht, wie ALLE diese Typen Politiker die wie Hitler und Co. IMMER MEHR wollen- mit Gewalt, das dann USA/EU mit UNO-Mandat eingreifen, ist logisch.

Wie die Israelis das sehen sehen , siehst Du hier:

http://www.jerusalem-schalom.de/der5.htm

Auch dort griff SADAM an , zu Verhandlungen nicht bereit; wenn wiederholt nichts hilft, bleibt- leider - nur diese Wahl, die Verbrecher der Welt zu canceln bzw. zu begrenzen.

Bye
Hans

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

das hört sich aber aus der sicht der kuweitis ganz anders an. die fühlen sich partout nicht als irakis - und das seit längerem ;o)

gruss marian