Rolle Thälmanns in der KPD

Guten Tag!

Ich hätte gern einige Infos über die Rolle Ernst Thälmanns in der KPD. Habe nämlich vor kurzem gehört, das er damals in einen Parteispendenskandal verwickelt gewesen sein soll.

Wer weiss mehr?

Danke
Hui Tsien

Hallo !
Über einen Parteispendenskandal weiß ich nichts, habe aber mal ein Gerücht gehört, dass man ihn innerhalb der Partei hat verraten und dann über die Klinge springen lassen, während sich die andern Funktionäre in die U.d.S.S.R. in Sicherheit brachten. Möglicherweise hängt das zusammen. Im „ddr“ - Geschichtsunterricht freilich hat man davon nichts erfahren.

HM

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Hallo,

ich glaube eigentlich beide Geschichten nicht recht.

Zur Parteispende: Thälmann kam ja erst relativ spät zur KPD, er war vorher in der USPD. Und von dort brachte einen ganzen Teil der Mitgleider bei seinem Wechsel mit.
Auf Grund dessen landete er in der KPD schnell im ZK und modelte die Partei im stalinistischen Sinne um. Da brauchte er dann keine illegalen Tricks mehr, in kommunistischen Parteien hatten ja sowie die Führer immer recht.

Und die Geschichte mit der Verhaftung: Soweit ich weiß, sollte Thälmann ja in die UdSSR. Er konnte aber als Vorsitzender aus Prstigegründen schlecht vor der Machergreifung Hitlers abhauen (schließlich kanditierte er ja im Wahlkampf noch). Und danach tauchte er sofort unter. Er ist dann blos durch Verrat (aber nicht aus den eigenen Reihen, er wurde in seinem Versteck von einem Nachbarn erkannt) schneller geschnappt worden, als er türmen konnte.
Natürlich hat das nie einer zugegeben. Ein illegaler Parteichef im Wiederstand wirkt schließlich in der Öffentlichkeit weitaus besser, als einer auf der Flucht.

Gernot Geyer

hallo,

Über einen derartigen Skandal ist mir nichts bekannt.

Soviel : Herr Thälmann wurde geopfert. Das war seinerzeit Herrn Stalin, der bis vor Ausbruch des II. Weltkrieges ,mit den Nazis
gedealt hat - auch bekannt. Es wurde überliefert, daß er die Nazis nicht erzürnen wollte, eine mögliche Freilassung Thälmanns, der bis 44`im KZ gesessen hat, anzusprechen. Für ihn war es eher ein Bauernopfer, um seine Kontrahenten "ruhigzustellen. Das auch das ein sehr schwerer Irrtum war, dem Stalin unterlag, stellte sich ja dann später heraus.

Die DDR Geschichtsschreibung hat sich aber weder mit der einen noch der anderen Problematik diesbezüglich jemals öffentlich auseinandergesetzt. Thälmann - das war ein Heiligtum, unmöglich zu erklären, daß er das Opfer der eigenen Genossen bzw. deren
Unvermögen wurde.

Gruss TOM

Guten Tag!

Ich hätte gern einige Infos über die Rolle Ernst Thälmanns in
der KPD. Habe nämlich vor kurzem gehört, das er damals in
einen Parteispendenskandal verwickelt gewesen sein soll.

Hi Hui Tsien
Thälmann war vorsitzender der KPD ab 1925, er stürzte, mit unterstützung Stalins, Ruth Fischer, die einen (für Stalin) zu unabhängigne Kurs verfolgte.
Thälman war mehr oder weniger Stalins verlängerter Arm.

Er war tatsächlich in einen parteiinternen Korruptionsskandal verwickelt
Die sog. Wittdorf-Affäre vom Mai 1928 führte auf einem KPD-Parteitag zum vorübergehenden Sturz des damaligen Vorsitzenden Thälmanns durch „rechte“ Kreise (Anhänger Bucharins). Thälmann hatte versucht, die Sache unter den Teppich zu kehren.
Aufgrund der Unterstützung Stalins wurde Thälman wieder eingestzt, und seiner Gegner aus der Partei rausgeschmissen…
(ein echtes Vorbild)
Wittdorf war übrigens, wie Thälmann, ein Vertreter des stalinistischen Kurses…

Gruß
Mike

Ist wirklich nur ein Gerücht. (oT)
.

Immer langsam

Thälmann kam ja erst relativ spät zur KPD, er war vorher in der USPD. Und von dort brachte einen ganzen Teil der Mitgleider bei seinem Wechsel mit.

Thälmann war Mitglied der USPD von 1918 bis 1920. Die USPD beschloß (als Ganzes!) im Jahre 1920 ihre Vereinigung mit der KPD. Die KPD hieß dann bis 1922 VKPD (Vereinigte Kommunistische ~). Einige USPD-Mitglieder machten die Vereinigung nicht mit, blieben als USPD selbständig und schlossen sich 1922 der SPD an (diese dann VSPD s.o. genannt). Wieder blieb ein Restbestand, der sich in der 1931 gegründeten, einflußlosen Sozialistischen Arbeiterpartei SAP wiederfand.

Auf Grund dessen landete er in der KPD schnell im ZK und modelte die Partei im stalinistischen Sinne um.

Immer langsam. Stalin war selber erst ab etwa 1928 unumschränkter „Herrscher“ der Sowjetunion. Thälmann wurde 1925 Vorsitzender der KPD und kandidierte für sie um das Reichspräsidentenamt. Nachdem die KPD bei diesen Wahlen ganze 1,9 Mio Stimmen eingefahren hatte, gab es massive personelle Veränderungen an der Spitze. Von den 13 Mitgliedern des sog. „Thälmannschen“ Zentralkomitees von 1925 waren 1931 allerdings nur noch zwei „im Amt“ (Thälmann selber sowie Hermann Remmele).

Und die Geschichte mit der Verhaftung: Soweit ich weiß, sollte Thälmann ja in die UdSSR. Er konnte aber als Vorsitzender aus Prstigegründen schlecht vor der Machergreifung Hitlers abhauen (schließlich kanditierte er ja im Wahlkampf noch). Und danach tauchte er sofort unter. Er ist dann blos durch Verrat (aber nicht aus den eigenen Reihen, er wurde in seinem Versteck von einem Nachbarn erkannt) schneller geschnappt worden, als er türmen konnte.

Thälmann wurde am 3.3.1933 verhaftet. Damals war Hitler bereits über einen Monat an der Macht. Von Plänen, daß er hätte „türmen“ sollen, weiß ich nichts.

  • Django -

Die ‚Wittorf-Affäre‘

Ich hätte gern einige Infos über die Rolle Ernst Thälmanns in der KPD. Habe nämlich vor kurzem gehört, das er damals in einen Parteispendenskandal verwickelt gewesen sein soll.

Wer weiss mehr?

Ich. Entgegen anderslautenden Behauptungen an diesem Brett ist die sog. „Wittorf-Affäre“ vom Herbst 1928 im DDR-Geschichtsunterricht ausführlich behandelt worden, als Beispiel dafür, wie „die Partei“ ihre Fehler selbst korrigiert.

John Wittorf war „politischer Sekretär“ der KPD-Bezirksleitung Wasserkante. Im September 1928 kam heraus, daß Wittorf Parteigelder gestohlen hatte. Zu der Zeit lief gerade ein von der KPD eingeleitetes Volksbegehren gegen den Bau des „Panzerkreuzers A“, und um Negativschlagzeilen zu vermeiden, entschied Thälmann (am 17.9.), die Nachricht von dem Unterschlagungsfall vorerst geheim zu halten.

Aber die schlechte Presse kam umso dicker. Thälmann wurde verdächtigt, von den geklauten Geldern etwas abbekommen zu haben. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Am 26.9.1928 beschloß das ZK der KPD, Thälmann aufzufordern, seine Funktionen „bis zur Klärung der Vorwürfe“ ruhen zu lassen. Dieser Beschluß wurde veröffentlicht. Peinlich übrigens (in der DDR NICHT gelehrt, aber aus der DDR-offiziellen Thälmann-Biographie herauszulesen): Wilhelm Pieck, später erstes Staatsoberhaupt der DDR, stimmte damals gegen Thälmann.

Nun war der Skandal da. Der Beschluß hatte aber zwei Schönheitsfehler. Erstens war Thälmann auch Bundesvorsitzender des (formal von der KPD unabhängigen und ihr gegenüber etwa zehnfach mitgliederstärkeren) Rotfrontkämpferbundes (der „Parteiarmee“ der KPD), und zweitens hatten am 26.9. sechs ZK-Mitglieder (darunter Walter Ulbricht) gefehlt, die noch auf dem Rückweg vom 6. Weltkongreß der Kommunistischen Internationale waren. Auf deren Protest (sowie den Protest von neun KPD-Bezirksleitungen sowie der Bundesleitung des RFB) wurde der Beschluß vom 26.9. am 5.10.1928 aufgehoben.

Ob an den Vorwürfen „an sich“ etwas dran war, weiß ich, wie gesagt, nicht. Ob die Proteste „echt“ oder organisiert waren, entzieht sich gleichfalls meiner Kenntnis.

  • Django -

Stimmt. Trotzdem ging sein Aufstieg an die Spitze der KPD verdammt schnell. Dazu hat sicher auch beigetragen, daß er durch den Hamburger Aufstand in den einschlägigen Kreisen ein recht goßes Ansehen hatte.
Und Stalin - aaalso ein Hort der Demokratie war die KPdSU auch vor 1928 nicht. Das wird mitunter so dargestellt, aber Stalin (der ja schon voerher ganz oben war) hat die geschichte ja nicht allein in diese Richtung gedreht.
Deshalb ist auch die Gleichschaltung der anderen kommunistischen Parteien von ihren Anfängen her schon älter, die Komintern hat von Anfang an klargestzellt, wer da der herr im Hause ist.

Und zu 1933: Nach dem 30.Januar herrschte ja erst einmal eine Art Halbdikatur bis zum reichstagsbrand. Hitler war Reichskanzler, aber er konnte die anderen Parteien (insbesondere die KPD) noch nicht offiziell ausschalten. Schließlich waren ja dernen Funktionäre als gewählte Reichtagsabgeordnete auch immun. Die KPD kanditierte ja sogar noch einmal für die Reichtagswahl. Erst nach dem Reichstagsbrand konnte Hitler seine Ermächtigungsgesetze durchsetzen.
Ganz offensichtlich herrschte auch bei der KPD einige Unklarheit darüber, wie es weitergehen sollte und wirklich vorbereitete Exilpläne gab es wohl auch nicht. >Sonst wäre es nicht zu erklären, daß ja außer Thälmann auch noch ein paar andere hohe Funktionäre geschnappt wurden und die meisten sich recht chaotisch über halb Europa verteilten. Die ganze Geschichte mit der Auslandsorganisation kam ja nur schwer in die Gänge.

Gernot Geyer

Thälmann war zu allem kompatibel

Stimmt. Trotzdem ging sein Aufstieg an die Spitze der KPD verdammt schnell. Dazu hat sicher auch beigetragen, daß er durch den Hamburger Aufstand in den einschlägigen Kreisen ein recht goßes Ansehen hatte.

Neben dem Hamburger Aufstand 1923 lag (denke ich) der Hauptgrund für den schnellen Aufstieg Thälmanns darin, daß er keine eigenen Ideen hatte. In der Sowjetunion herrschten damals Richtungskämpfe. Thälmann hätte auch „hineingepaßt“, wenn Trotzki oder Bucharin anstelle Stalins die damaligen inneren Auseinandersetzungen in der KPdSU gewonnen hätten. Und ob diese beiden hätten weniger Leute einsperren oder erschießen lassen, als Stalin das tat - ich glaube nicht.

  • Django -