Gladiator in roma aeterna

Hallo zusammen,
Nach Start des Filmes „Gladiator“ im vorigen Jahr wurden über diverse Medien die „Fehler“ des Filmes kolportiert.
U.a. auch, dass es in Rom NICHT üblich war, einen zu verurteilenden Gladiator den Daumen nach unten zu strecken.
In allen sonstigen Büchern und Zeitschriften (PM, Geo) fand ich aber nichts dergleichen beschrieben.
Weiss hier wer was?
Liebe Grüße#
Birgit

Hallo Birgit
Ein Gladiator (von lateinisch gladius: Schwert), war ein Sklave, Verbrecher oder Kriegsgefangener, der als berufsmäßiger Fechter ausgebildet wurde und bei Schaukämpfen in großen Arenen, wie dem Circus maximus oder dem Kolosseum, auftrat.
Der Brauch, Männer auf Leben und Tod kämpfen zu lassen, stammt wahrscheinlich von einem Ritual der Etrusker, das als Ersatz für die früher üblichen Menschenopfer eingeführt wurde.
So weit ich weiß, wandte sich ein Gladiator an das Publikum, wenn er seinen Gegner besiegt hatte.
Wenn die Zuschauer (oder der Kaiser) dem Besiegten das Leben schenken wollten, hoben sie den Daumen nach oben zum Zeichen der Begnadigung (missio), wollten sie jedoch seinen Tod, senkten sie ihn nach unten.
Gruß
Rainer

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Hallo Rainer,
genau das hab ich in den diversten Büchern auch gelesen.
ABER:
(siehe mein Posting)
Als der Film herauskam wurde mehrfach kolportiert, dass das mit dem Daumen nach untern als Zeichen für den Tod NICHT stimmt, als „richtig“ wurde gesagt, dass angeblich nur mit der blanken Faust gezeigt wurde (was ich mir nicht so recht vorstellen kann).
*ratlosbin*
Weißt Du da noch Genaueres?
Liebe Grüße#
Birgit

Hallo Birgit
das kenn ich noch vom Gymnasium so, hab 9 Jahre Latein gelernt, so wird es auch in der Literatur beschrieben.
Wer behauptet denn, das wäre falsch?
Gruß
Rainer

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Hi Rainer,
auch damit geplagt? *ächz, stöhn*

Also gelernt und eben gelesen in div. Lit. hab ich es auch so.
Allerdings wurde bei Erscheinen des Filmes dieser Fehler kolportiert und alle prahlten plötzlich mit Wissen über die Antike (hab im Netz gesucht, aber nix gefunden).
Zur Zeit lese ich Kurzbios über römische Kaiser (u.a. Commodus), da fiel mir das wieder ein. Is aber auch nicht soooo wichtig!
Ave :wink:
und liebe Grüße#
Birgit

Da haben sich die Leutchen wohl falsche Fehler ausgesucht *g*.
Richtig falsch waren die Flugblätter, so was gab es damals noch nicht, man meißelte noch feste auf Steintäfelchen, falsch waren auch die Sättel mit den Steigbügeln und so einige andere Kleinigkeiten.
Allgemeinbildung ist eben Glücksache *schmunzel*
Salve
Rainer

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Also die Schrift in SStein gemeiselt haben die Römer nun nicht mehr. Die kannten eigentlich 3 Dinge, die sie beschreiben haben:

Das erste waren Tontäfelchen, die hinterher wieder gelöscht wurden, das 2. war Papyrus (das lag ja unter anderem in der berühmten bibliothek von Alexandrie, bevor sie bei caesars Feldzug verbrannte) und das 3. war Pergament. Das hieß so nach pergmon, die hatten es dort erfunden, als die Äpypter den Export von Papyrus verboten hatten.
Die mußten als nicht mehr in Stein hauen. Das wäre auch teilweises recht schwierig geworden, zum Beispiel bei Caesars Kommentaren über den gallischen Krieg. Der hätte dan seine Berichte wagenweise als Felsen vor dem Senat abkippen müssen, und das hätte denn doch nicht erhaben sondern höchstens albern ausgesehen.
Außerdem hat ja Caesar auch die erste Zeitung erfunden, indem er die Stadtneuigkeiten und Bekanntmachungen des Senates kopieren und die Blätter in der Stadt öffentlich aushängen lies. Zumindest habe ich das mal so gelernt.

Gernot Geyer

Nur der Vollständigkeit halber …

Die kannten eigentlich 3 Dinge, die sie beschreiben haben:
Das erste waren Tontäfelchen
das 2. war Papyrus
das 3. war Pergament

Die Tontäfelchen wurden auch zur permanenten Aufzeichnung gebrannt.

Für den täglichen Gebrauch - so als Notizzettel verwendete man dick mit Wachs beschichtete Tafeln, dazu als Schreibgerät den „Stylus“, einen an einem Ende spitzen Griffel, der am anderen Ende über einen Spatel verfügte, mit dem man das Geschriebene wieder löschen konnte.

Gruß
Eckard.

Hallo Gernot
Das ist ein interessantes Thema.
Flugblätter gab es damals nicht, weil man das Drucken nicht kannte, mußte alles von Hand geschrieben werden.

Das erste waren Tontäfelchen, die hinterher wieder gelöscht
wurden, das 2. war Papyrus (das lag ja unter anderem in der
berühmten bibliothek von Alexandrie, bevor sie bei caesars
Feldzug verbrannte) und das 3. war Pergament. Das hieß so nach
pergmon, die hatten es dort erfunden, als die Äpypter den
Export von Papyrus verboten hatten.

Die Tontäfelchen waren so eine Art Notizblock, um sie dauerhaft zu machen, mußte man sie brennen.
Wichtige Dinge für die Öffentlichkeit wurden in Stein gemeißelt, deshalb findet man so viele Inschriften an antiken Gebäuden.
Papyrus und Pergament wurden für Schriften, Urkunden usw. benutzt.
Papyrus ist ein Sauergras, das bis zu 3 Meter hoch wird und armdicke Stengel entwickelt.
Zur Herstellung von Papyrus (=Papier) schnitt man das Mark in dünne Streifen und legte sie rechtwinklig übereinander.
Dann wurde mit Wasser angefeuchtet, gepresst, getrocknet und glatt gerieben. Der Papyrussaft verklebte beim Trocknen die Schichten.
Anschließend klebte man die Blätter zu Rollen zusammen, die bis zu 40 Meter lang sein konnten, geschrieben wurde mit Tusche, die Ruß oder Ocker als Farbpigmente enthielt.
Pergament ist dauerhafter als Papyrus, es wurde aus Tierhäuten hergestellt, meist Schaf- oder Ziegenfell, in Gegensatz zu Leder aber nicht gegerbt.
Aus Pergamon kam besonders feines Pergament (pergamena), daher der Name.
Die Tierhäute legte man zur Enthaarung in Kreideschlamm, sie wurden gründlich abgeschabt, geglättet und mit Bimssteinpulver eingerieben.
Feines Pergament machte man aus den Häuten von Jungtieren, für grobes Pergament zum Bespannen von Trommeln nahm man die Häute älterer Tiere.
Pergament gibt es schon sehr lange, seit etwa 1500 vor Christus, Papyrus noch länger, seit etwa 2800 vor Christus.
Gruß
Rainer

Hallo Rainer,

na sicher gab es keine Flugblätter in dem Sinne. Dazu waren Material und Herstellung viel zu teuer.
Aber umfachreiche Staatsarchive gab es und auch Bibliotheken. Jeder Patrizier, der etwas auf sich hielt, hatte ja eine mit berühmten Schriften und so was. Also hatte die Herstellung und Kopererei schon ziemliche Formen angenommen.

In Stein gehauen wurden wohl nur wirklich wichtige Dinge, die für die Ewigkeit halten sollen, Gesetzestexte und so etwas.

Was die Inschriften an den Bauwerken betrifft… Schau Dir doch mal unsere Straßen an! Reklameschilder und Straßenschilder und Firmenschilder und so was gab es ja nicht. Also wird da auch viel Banales in Stein gehauen sein, Entfernungsangaben, Adressen, sicher auch Sinnsprüche und Zitate, die teilweise auch schmückende Funktion hatten, so wie heute in manchen gegenden der Spruch über der Haustür oder die Malerei an der Gaststätte.

Denk doch mal nach, es würde in 2000 Jahren jemand unsere Zeit ausgraben. Was würde er finden? Reklamezettel, Verpackungsmüll und Straßenschilder. Und dann würde er vor dem alten Schild vom Haus 4 Eingang C des Liegenschaftsamtes des Innenministeriums des Freistaates Thüringen oder so sitzen und grübeln, welcher tieferer Sinn hinter dieser Beschriftung steht…

Gernot Geyer

Die kannten eigentlich 3 Dinge, die sie beschreiben haben:
Das erste waren Tontäfelchen
das 2. war Papyrus
das 3. war Pergament

Die Tontäfelchen wurden auch zur permanenten Aufzeichnung
gebrannt.

Für den täglichen Gebrauch - so als Notizzettel verwendete man
dick mit Wachs beschichtete Tafeln, dazu als Schreibgerät den
„Stylus“, einen an einem Ende spitzen Griffel, der am anderen
Ende über einen Spatel verfügte, mit dem man das Geschriebene
wieder löschen konnte.

Gruß
Eckard

habe mir jetzt alles durchgelesen und mir fällt dazu noch folgendes ein: flugblätter gab es vermutlich wirklich nicht. viele sachen, wie z.b. „werbung“ wurde aber einfach an die wände gemalt und war so auch jedem vorübergehenden, der lesen konnte, zugänglich. kann man sich in pompeji noch ansehen. ob es ausrufer wie im m.a. gab, weiss ich nicht, wäre aber auch möglich. ein letztes: die bibliothek von alexandria ist nicht von caesar abgefackelt worden. es verbrannte lediglich ein lager mit büchern in hafennähe. die bibliothek wurde noch jahrhunderte genutzt bis sie von aufgehetzten christen in schutt und asche gelegt wurde. carsten

ein letztes: die bibliothek von alexandria ist nicht

von caesar abgefackelt worden. es verbrannte lediglich ein
lager mit büchern in hafennähe. die bibliothek wurde noch
jahrhunderte genutzt bis sie von aufgehetzten christen in
schutt und asche gelegt wurde. carsten

Hallo Carsten
Die Bibliothek von Alexandria wurde mehrmals ganz oder teilweise zerstört.
47 v. Chr. während des römischen Bürgerkrieges, als Julius Caesar von den Anhängern des Pompeius in Alexandria belagert wurde und ein Feuer, das die ägyptische Flotte zerstörte, auf einige Bücherlager übergriff, verbrannten etwa 40.000 Buchrollen.
Bei einem Bestand vom über 500.000 war das natürlich nicht ganz so dramatisch.
Die Bibliothek selbst wurde auch durch Feuer zerstört.
272 n. Chr. auf Anweisung des römischen Kaisers Lucius Domitius Aurelian und ein weiteres Mal, was Du wahrscheinlich meinst, 391, als der christliche Kaiser Theodosius I. im Zusammenhang mit seinem erbitterten Kampf gegen den heidnischen Glauben die Bibliothek und andere Gebäude zerstören ließ.
Gruß
Rainer

jetzt sind wir wirklich schon meilen von der ursprünglichen frage entfernt, den gladiatoren. nochmal zur bibliothek von alexandria. ich will dich nicht nörgelig korrigieren, aber caesar wurde nicht von anhängern des pompeius belagert. der wurde schon am 28.9.48 v.chr. in ägypten ermordet und sein kopf caesar bei dessen ankunft präsentiert. die belagerung erfolgte, weil caesar sich ungeschickt in den ägyptischen thronfolgestreit eingemischt hatte.
der wirklich letzte brand der bibliothek war im 640 oder 641, als die bücher auf befehl des kalifen omar zur beheizung der badehäuser verbrannt wurden (angeblich). zu diesem zeitpunkt war die bibliothek aber wohl schon überwiegend mit christlicher literatur angefüllt und die antiken schätze verschwunden. heute ist selbst der ort unklar, an dem die bibliothek mal gestanden hat. ein lesetip mit gut verdaulicher lektüre dazu: luciano canfora - die verschwundene bibliothek, rotbuch verlag, 18,90
wirklich nur um der vollständigkeit willen, nicht um dich kleinlich zu belehren
carsten

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der wirklich letzte brand der bibliothek war im 640 oder 641,
als die bücher auf befehl des kalifen omar zur beheizung der
badehäuser verbrannt wurden (angeblich). zu diesem zeitpunkt
war die bibliothek aber wohl schon überwiegend mit
christlicher literatur angefüllt und die antiken schätze
verschwunden. heute ist selbst der ort unklar, an dem die
bibliothek mal gestanden hat. ein lesetip mit gut verdaulicher
lektüre dazu: luciano canfora - die verschwundene bibliothek,
rotbuch verlag, 18,90
wirklich nur um der vollständigkeit willen, nicht um dich
kleinlich zu belehren
carsten

Passt aber nicht so ganz zu Deinem Posting von aufgehetzten Christen?
Das war doch wohl korrekt bei mir.
Aber wie auch immer, streiten darum lohnt nicht, hab jetzt wieder eine neue Information bekommen, die ich interessant finde, danke dafür.
Gruß
Rainer