Nazi-Hetze in Schulbüchern

Nazi-Hetze in Schulbüchern

Aus den Massenmedien haben wir gelernt, daß die Schulbücher der NS-Zeit so von menschenverachtender Hetze geprägt waren, daß selbst noch die mathematischen Textaufgaben zum Massenmord aufriefen.

Daß zumindest das Fach Biologie in der 8. Jahrgangsstufe eine Ausnahme bildet, habe ich bereits beschrieben.

Nun liegt mir vor, was wohl als Corpus delicti gemeint gewesen sein soll:
Grünholz-Dieden: „Schulmathematik“ Band II für Klasse 3 bis 5 höherer Schulen, 1943

Ich habe die Textaufgaben nach ideologischen Aspekten durchgesehen, und was ich dabei gefunden habe, dürfte deutlichmachen, mit welch großer Strenge ich dabei vorging.

Die Anzahl der Textaufgaben mit Geschichte im gesamten Buch schätze ich auf 350, wobei die Abgrenzung, ab wieviel Textanteil eine Aufgabe eine Textaufgabe sei, schwierig ist, für unser Thema aber auch ohne viel Bedeutung, denn Aufgabentexte, die z.B. nur von Zahlen handeln, stehen ohnehin nicht im Verdacht der Volksverhetzung.

Die 3. Klasse
wird in den Textaufgaben 4mal mit dem Wort „marschieren“ (im zivilen Zusammenhang) konfrontiert. Seite 36 enthält eine zum Angriffskrieg hetzende und eine fast schon militaristische Aufgabe:
„5. Deutscher Lebensraum und deutsches Volk. Während der Lebensraum vom Jahre 1180 1,5 mal so groß war wie jener von 1939, beträgt die Einwohnerzahl von 1939 10mal soviel wie i.J. 1180. Veranschauliche!“
„7. Paul und Franz standen in Reih und Glied nebeneinander. Paul erkannte, daß rechts von ihm ebenso viele Kameraden standen wie links, während Franz rechnete, daß links von ihm 1/5mal soviel standen wie rechts. Wieviele Schüler waren angetreten?“
8 Aufgaben beschäftigen sich mit der Flugzeugortung, 5 mit der Schiffsortung ohne militärische Thematik.
Auf S. 87 findet sich eine 16 Zeilen lange Aufgabe „Wie wird ein Maschinengewehr indirekt gerichtet?“

Die 4. Klasse
wird mit der einzigen antisemitischen Aufgabe des Buches (S. 100) indoktriniert:
„Der Kaufmann Adam hat an Herrn Bauer folgende Zahlungen zu leisten (…) Herr Adam will seine Gesamtschuld auf einmal bezahlen. Wann muß das geschehen, wenn auf keiner Seite ein Zinsverlust stattfinden soll?“
Auf S. 107 folgt die Verherrlichung einer NS-Organisation:
„Die Sportkurse der NS-Gemeinschaft " Kraft durch Freude“ wurden von 1934-1937 insgesamt von 18,64 Teilnehmern besucht. Die Beteiligung stieg im Verhältnis 1,6:8:10:21. Wie groß war die Zahl der Besucher in jedem Jahr?"
Militarismus (S. 121)
„16. Der Knall eines Geschützes wurde aus 2550 Entfernung in der Windrichtung 7,5 Sekunden nach der Beobachtung des Mündungsfeuers wahrgenommen (…) Welche Geschwindigkeit hatte der Wind?“
„37. Zum Bau des Westwalls benötigte man 5,6 Millionen t Zement mehr als Kubikmeter Holz (…) Wieviel Holz und Zement wurde verbraucht.“
„40. Die Anzahl der ursprünglich geplanten Panzerwerke wurde um 5100 erhöht; dadurch wurden es 1,3mal soviel wie ursprünglich geplant. Wie viele Panzerwerke sind vorhanden?“

Die 5. Klasse
ist verstärkt dem Militarismus ausgesetzt
38 und 39 auf S. 221 beschäftigen sich mit der relativen Bewegung eines Torpedobootes zum Flaggschiff. 44 mit zwei Flugzeuggeschwadern aus Saarbrücken und Stuttgart, die sich unterwegs treffen sollen. S. 239 f. beschäftigt sich mit dem Marschkompaß.
Und eine den Abschluß bildende Geschichtsbetrachtung erwähnt sogar:
„Umgeben von Ägyptern, Juden , Syriern, Babyloniern und Persern waren die Bewohner der arabischen Halbinsel zwar an den Rändern von den auf- und niedergehenden Kulturen beeinflußt, nie aber (…) politisch unterjocht worden.“

Mehr politisch bedenkliche Stellen habe ich nicht gefunden.

Wenn man zugesteht, daß im 4. Jahr des 2. Weltkriegs ein halbes Dutzend von 350 Textaufgaben eine (friedliche) militärische Thematik haben dürfen, dann bleibt durchschnittlich pro Klassenstufe eine einzige Textaufgabe mit ideologischer Prägung, die indes so milde ist, daß sie in der BRDeutschland allenfalls politisch inkorrekt, nicht jedoch illegal wäre.

Ist damit die vorherrschende Meinung, wonach die Schulbücher der NS-Zeit voller Hetzpropaganda waren, zunächst einmal widerlegt? Ob das wohl die einzige Offenkundigkeit der Zeitgeschichte ist, die nicht einmal einer oberflächlichen Prüfung standhält?

Gruß

Wolfgang Berger

Ist damit die vorherrschende Meinung, wonach die Schulbücher
der NS-Zeit voller Hetzpropaganda waren, zunächst einmal
widerlegt? Ob das wohl die einzige Offenkundigkeit der
Zeitgeschichte ist, die nicht einmal einer oberflächlichen
Prüfung standhält?

Hallo,

ist ein Lehrbuch eines naturwissenschaftlichen Fachs überhaupt geeignet, um einen Rückschluß über die Durchsetzung von Hetze und Propaganda im Schulunterricht zu ziehen?

Um ideologisch zu beeinflussen, wählt sicher niemand vorzugsweise Lehrbücher über Dreisatz und Hebelgesetze.

Btw: Während meines Studiums um 1980 herum standen Physik- und Mathe-Lehrbücher aus der DDR wegen ihres studentenfreundlichen Preises hoch im Kurs. Wer immer einen Abstecher nach Ostberlin machte, wurde vergattert, etliche Bücher mitzubringen. Abgesehen vom Vorwort mit der Lobeshymne auf den Arbeiter- und Bauernstaat war der ganze Rest nämlich sehr gut zu brauchen.

Wenn Du also etwas über den damals herrschenden Geist und über ideologische Beeinflussung erfahren möchtest, dann verwende geeignete Quellen, z. B. Bücher des Deutschunterrichts, Unterrichtsmitschriften, Klassenbücher, Plakate, Protokolle von Schulveranstaltungen, Mitteilungen an das Lehrerkollegium etc.

Gruß
Wolfgang

Jugend im Dritten Reich und Schule
Hallo Wolfgang,

ad 1. Jugen und Schule: Es war offensichtlich nicht die Schule, die den prägenden politischen Einfluss auf die Jugend hatte, sondern die HJ und die anderen Jugednorganisationen (das gilt zumindest für diese hier untersuchten Autobiographien)

Zitat------

Ich nenne einen vierten Befund: Die Schule scheint nach dem Ausweis der meisten Autobiographien im politischen Sozialisationsprozeß im Sinne nationalsozialistischer
Zielsetzungen eine relativ geringe, eher bremsende als fördernde Rolle gespielt zu haben. Sie hat in diesem Sinne im Bewußtsein der Kinder und Jugendlichen deutliche Ambivalenzen
erzeugt. Die besuchten Schulen sind von den Schülerinnen und Schülern meistens nicht als Institutionen, in denen relativ einheitliche nationalsozialistische Beeinflussung
versucht worden ist oder tatsächlich stattgefunden hat, wahrgenommen worden.

M. a. W.: In der Wahrnehmung bzw. Einschätzung der autobiografischen Berichter taucht selten das Bild
einer durch und durch nationalsozialistischen Schule auf.
Die meisten Berichterstatter begegneten zwar in den von ihnen besuchten Schulen jeweils einigen entschieden nationalsozialistischen Lehrerinnen und Lehrern und erlebten deren ns-parteilichen Unterricht. Aber daneben stand einerseits meistens eine größere Zahl traditionell- unpolitischer bzw. vermeintlich unpolitischer Lehrkräfte; andererseits erinnern sich viele, auffällig beeindruckt, an bestimmte Lehrerinnen und Lehrer, die - bisweilen offen, meistens formal kaschiert, inhaltlich aber für alle oder mindestens einen Teil der Schüler
erkennbar, - Distanz zum System oder Kritik an wesentlichen Systemelementen erkennen ließen. Obwohl die Zahl solcher Lehrerinnen und Lehrer gewöhnlich gering und ihre
systemkritischen Äußerungen naheliegenderweise selten erfolgten, hatten sie nach der Einschätzung der Berichterstatter in deren Wahrnehmung ein unverhältnismäßig hohes Gewicht; sie gaben Impulse mindestens zum kritischen Aufmerken und wurden als Bekundungen persönlichen Mutes registriert. Sie bewirkten oder
verstärkten Distanzierungstendenzen, sofern solche Tendenzen durch andere Sozialisationsinstanzen bereits angeregt worden waren. In diesen Fällen konnten solche Lehrerinnen und Lehrer auf dem Weg einzelner Berichterstatter zu zunehmender Abwendung vom
NS sogar herausragende Bedeutung erhalten.

—Zitat Ende----

aus: http://archiv.ub.uni-marburg.de/sonst/1998/0003/k11…

Eine interssante Facharbeit eines Schülers zu Schulbüchern im 3. Reich habe ich im Netz gefunden, er hat etwas andere Entdeckungen als Du gemacht. Auch diesen Link will ich dir nicht vorenthalten:

http://mitglied.tripod.de/MLH/index.html

beste Grüße,

barbara

Tach Wolfgang,

habe von meinem Grossvater (im 3. Reich Oberlehrer an einer kleinen fränkischen Schule) diverse Schulbücher und Unterrichtsmaterialien, u. a. Deutsch und Geschichte geerbt. Werde dir mal übers Wochenende das eine oder andere raussuchen.

Gruss
Feanor

btw…
…achso, ich wollte nur nochmal darauf aufmerksam machen, dass das Perfide an der NS-Jugendpolitik vor allem auch die Gleichschaltung war: Alle anderen Jugendorganisationen wurden verboten bzw. in den entsprechenden NS-Organisationen aufgelöst. In allen Alterklassen gab es irgendeine Art der Propaganda, die natürlich nicht jedesmal mit dem Holzhammer kam, aber ihren Mist wohldosiert verteilt hat: von antisemitische Kinderbücher über Matheaufgaben und Luther als „deutscharischen“ Mann…

…Juden durften nicht mehr in die allgemeinen Schulen (bis sie dann endgültig vernichtet wurden)…aber auch nichtjüdische Jugendliche kamen schlimmstenfalls in Jugendarbeits- und Konzentrationslager: wenn sie die falsche Musik hörten ( die berühmte Swingjugend), die falschen Bücher lasen oder sich mit den falschen Menschen einließen…

das nur nochmal zum Thema.

In diesem Sinne finde ich deine Gleichsetzung mit den Schulbüchern der Bundesrepublik absolut perfide. Es gibt in unserem Land weder Konzentrationslager noch Vertreibungen und Verfolgugen oder einen Ausschluss vom Unterricht für Kinder, die die falsche Religion haben.

gruss,

barbara

Hallo Wolfgang!

Warum diese Aufregung, daß es so war?!

In der guten Kaiserzeit sah die Sache nicht viel besser aus. Dort war der Franzose unser Erzfeind und am Tag der Schlacht bei Sedan war schulfrei. Die Schulbücher trieften nur so vor Nationalismus. Daß die Schulbücher politisch angehaucht/angeblasen waren, war einfach keine Erfindung der Nazis, sondern die Zeit war so. Man war im Ausgang und Anfang des 19.Jahrhunderts national angehaucht bis in die Knochen. Egal ob in Deutschland, Frankreich oder Polen.
Wir haben 1954 in der „Oberschule“ im Sport Stechschritt geübt. Heute würde man den Sportlehrer vors Gericht zerren. 1954 hat keiner gedacht, daß man einen Paradeschritt mit den Nazis gleichsetzt. Bei der Bundeswehr darf die flache Hand nicht an die Hosennaht gelegt werden, weil die Nazis das auch machten!! Welch ein Unsinn!!
Jeder, der will, kann den Sportunterricht auch heute noch als vormilitärisch betrachten.

Als man in den 30er Jahren die Schulbücher mit Vormilitärischem füllte, glaubte die Bevölkerung an eine Einkreisung Deutschlands, an den Versailler Vertrag, an die bolschewistische Bedrohung usw.
Niemand kam auf die Idee, vormilitärisches/militärisches in den Schulbüchern als makaber zu empfinden.
Man muß immer daran denken, daß es damals nicht so viele Vorhersager gab wie heute. Heute, mit unserem Wissen, ist es leicht zu sagen, daß mußte man doch sehen, was da auf die zukommt!!

Gruß Werner

Hallo Barbara,

vielen Dank für die Links. Zu der Facharbeit: Interessant daran vor allem die Schlußbemerkung, daß es anscheinend keinerlei Sekundärliteratur zu dem Thema gebe. Nachdem diese Facharbeit ideologischen Charakter hat, wäre also mein einfacher Bericht über das Buch „Schulmathematik“ der erste wissenschaftliche Aufsatz überhaupt zu dem Thema.

Daß meine Ergebnisse dem von Dir hier zitierten Aufsatz, der wohl die offizielle Lesart darstellen dürfte, nicht gerade widersprechen, läßt die Frage aufkommen, warum dann das Schulbuchwesen in der veröffentlichten Meinung gegen die antifaschistische Diffamierung in Schutz genommen wurde.

Gruß

Wolfgang Berger

das nur nochmal zum Thema.

Ich merkte bereits an, daß das nicht mein Thema war.

In diesem Sinne finde ich deine Gleichsetzung mit den
Schulbüchern der Bundesrepublik absolut perfide. Es gibt in

Diesen Vorwurf verstehe ich nicht. Schulbücher der BRDeutschland habe ich überhaupt nicht erwähnt. Natürlich könnte eine umfassende Untersuchung der Schulbücher der NS-Zeit Erkenntnisse aus dem Vergleich sowohl mit heutigen hiesigen als auch mit damaligen ausländischen gewinnen.

unserem Land weder Konzentrationslager noch Vertreibungen und
Verfolgugen oder einen Ausschluss vom Unterricht für Kinder,
die die falsche Religion haben.

Auch ich bin der Meinung, daß es bei uns heute friedlicher zugeht als während der Kampfhandlungen des Weltkriegs.

Gruß

Wolfgang Berger

Ist damit die vorherrschende Meinung, wonach die Schulbücher
der NS-Zeit voller Hetzpropaganda waren, zunächst einmal

Hallo Wolfgang,

ist ein Lehrbuch eines naturwissenschaftlichen Fachs überhaupt
geeignet, um einen Rückschluß über die Durchsetzung von Hetze
und Propaganda im Schulunterricht zu ziehen?

Aber natürlich sind Textaufgaben für Propaganda geeignet. Daß algebraische Textaufgaben alleine schon zur Durchsetzung einer menschenverachtenden Ideologie ausreichen, wäre eine absurde These.

Wenn Du also etwas über den damals herrschenden Geist und über
ideologische Beeinflussung erfahren möchtest, dann verwende
geeignete Quellen, z. B. Bücher des Deutschunterrichts,
Unterrichtsmitschriften, Klassenbücher, Plakate, Protokolle
von Schulveranstaltungen, Mitteilungen an das Lehrerkollegium
etc.

Damit hast Du sicher recht, aber wenn ich zunächst etwas über die häufig und zuletzt noch von Barbara weiter unten behauptete ideologische Verseuchung bis hin zu den Mathebüchern wissen möchte, dann schauche ich halt erst mal da hinein.

Gruß

Wolfgang Berger

Gruß
Wolfgang

Hallo Feanor,

würde mich riesig über Leihgaben zum Fotokopieren freuen. Im voraus vielen Dank!

Gruß
Wolfgang Berger

Hallo Wolfgang

unserem Land weder Konzentrationslager noch Vertreibungen und
Verfolgugen oder einen Ausschluss vom Unterricht für Kinder,
die die falsche Religion haben.

Auch ich bin der Meinung, daß es bei uns heute friedlicher
zugeht als während der Kampfhandlungen des Weltkriegs.

ich hoffe doch schwer, dass du da was falsch verstanden hast oder es anders meinst: Judenverfolgungen und Verfolgungen von Jugedlichen aus den im og. Posting genannten Gründen hat nichts mit den „Kampfhandlungen im Weltkrieg“ zu tun. Die Juden wurden zudem schon vor Ausbruch des Krieges vom Unterricht an den allgemeinen Schulen ausgeschlossen. Auch ohne den Krieg war das NS-Regime ein Horrorland für Andersdenkende, Liberale und Juden sowieso. Da wollen wir dochmal nichts beschönigen

gruß,

barbara

Hallo Werner,

du verstehst mich miß. Bei meiner Untersuchung über das weitverbreitete Vorurteil einer menschenverachtenden Durchseuchung der mathematischen Textaufgaben der NS-Zeit habe ich es widerlegt.

Gruß

Wolfgang Berger

Hallo Wolfgang,

ich würde deinen Beitrag nicht als wissenschaftlich bezeichnen. Dazu gehört schon etwas mehr, als mal ein Buch durchzublättern. Ich sehe auch nicht, wo deine Herangehensweise weniger „ideologisch“ wäre, als die des Schülers, der die Facharbeit geschrieben hat. Wenn überhaupt ist seine Arbeit dann die erste „wissenschaftliche“, nicht deine.

Daß meine Ergebnisse dem von Dir hier zitierten Aufsatz, der
wohl die offizielle Lesart darstellen dürfte, nicht gerade
widersprechen, läßt die Frage aufkommen, warum dann das
Schulbuchwesen in der veröffentlichten Meinung gegen die
antifaschistische Diffamierung in Schutz genommen wurde.

Wer nimmt das Schulbuchwesen in Schutz?

zudem: „antifaschistische Diffamierung“ ist natürlich höchst ideologischer Wortschatz :smile:…was soll denn das sein?

gruss,
barbara

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Ergänzung
Ja klar,

Andersdenkende, Liberale und Juden sowieso. Da wollen wir
dochmal nichts beschönigen

Ich wollte noch sagen:
6 Millionen Juden wurden von den Nazis ermordet, 4 Millionen davon in den Gaskammern von Auschwitz. Der zweite Weltkrieg begann, als Hitlerdeutschland urplötzlich das friedliche Polen überfiel.

Gruß

Wolfgang Berger

Hallo Barbara,

ich würde deinen Beitrag nicht als wissenschaftlich
bezeichnen. Dazu gehört schon etwas mehr, als mal ein Buch
durchzublättern. Ich sehe auch nicht, wo deine
Herangehensweise weniger „ideologisch“ wäre, als die des
Schülers, der die Facharbeit geschrieben hat. Wenn überhaupt

Du hast natürlich recht, daß man die wissenschaftlichen Formalien noch wesentlich ausführlicher befolgen müßte, aber Du findest bei mir eine ergebnisoffene Fragestellung und Ansätze zur operationalen Definition. Wenn Du mir ein unwissenschaftlich ideologisches (NS-verharmlosendes) Erkenntnisinteresse unterstellst, dann mußt Du zugeben, daß ich widerlegende Evidenz gezielt suchte und fand.

Daß meine Ergebnisse dem von Dir hier zitierten Aufsatz, der
wohl die offizielle Lesart darstellen dürfte, nicht gerade
widersprechen, läßt die Frage aufkommen, warum dann das
Schulbuchwesen in der veröffentlichten Meinung gegen die
antifaschistische Diffamierung in Schutz genommen wurde.

Wer nimmt das Schulbuchwesen in Schutz?

Entschuldigung, es fehlt ein „nicht“ zwischen „Meinung“ und „gegen“.

zudem: „antifaschistische Diffamierung“ ist natürlich höchst
ideologischer Wortschatz :smile:…was soll denn das sein?

Wer von einem Schulbuch sagt, daß es faschistische Ideologie enthält und das verwerflich sei, der äußert eine antifaschistische Meinung. Wenn es dann nicht stimmt, kann es u.U. eine Diffamierung, d.h. Verleumdung sein.

Gruß

Wolfgang Berger

NS-Propaganda in Schulbüchern
hallo,

also ich hab jetzt ein bisschen gesucht und folgendes Buch bei mir aufgetrieben: Köllng-Löffler: Mathematisches Unterrichtswerk für höhere Lehranstalten Band 1 für Klasse 1 und 2, 1939. Dafür, das es sich um eine Mathebuch handelt, hatte ich gar nicht damit gerechnet, dass es so dermaßen politisiert war!

Hab das nur in Stichproben durchgegangen ( als mathematisch Uninteressierte hab ich jetzt echt kein Bock, das ganze Buch durchzulesen *grins*):

S. 8, Aufgabe 7: Deutschtum im Ausland: Bestimme nach Bild 4 die Zahl der Menschen deutschen Stammes, die in den nichtdeutschen Staaten östlch der Reichsgrenze in Europa wohnen! ) plus Grafik)

S. 15 (…)Du musst für deine Tat einstehen, sonst bist du kein ganzer Kerl! Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die „Probe“ für die Richtigkeit einer Rechnung zu machen (…)

S. 17, Nr. 6. Großkundgebung. Am 28.9.1937 waren 450.000 Personen auf dem Berliner Maifeld, 150.000 im Olympiastadion zusammengeströhmt, um den Führer und Mussolinie sprechen zu hören. (…)

Weiter gehts mit Berechnungen der Abstimmungssiege Hitlers bei den Volksabstimmungen…, Saarabstimmung, „erfolgreiche Arbeitsschlacht“…fast jede weitere Textaufgabe hat entweder Jungmädelschar oder Hitlerjugend als Thema auf den folgenden Seiten (oder Auslandsdeutsche uswusf)

S. 39, Nr. 7 „Versailler Diktat“ a) Das Deutsche Reich verlor…b) Rechne für 1913 auf die gesamten deutschen Kolonien als Einwohnerzahl…c) die Provinz Schlesien hatte vor dem 1. Weltkrieg 40335 qkm Fläche…es folgen Beispiel von Sudetengau, den deutschen Bergen und deutschen Wäldern, Großdeutschland…Luftschutzhauswarte und das Volumen des Sandes (S. 52)…„Erzeugungsschlacht“ ( es geht um Milcherzeugung im Vierjahresplan, S. 53)…immer wieder der Vergleich von sportlichen Leistungen bei diversen „Kampfspielen“ und Olympia, ständig kriegerische Vergleiche …

S. 87, Nr. 9 Kosten Geisteskranker. Nach sorgfältigen Berechnungen verursachen Geisteskranke dem Staat etwa 1500 RM jährlich Kosten. Für die Hilfsschüler bezahlt der Staat für diesselbe Zeit 1/5 für einen Volksschüler 1/15 und für einen Schüler auf mittleren oder höheren Schulen 1/6 dieser Summe.

…sobald es um Textaufgaben geht, ist fast immer von Krieg, HJ, BMD, KdF, Großbombenflugzeugen, Meldehunden, Wehrmacht, RAD, Winterhilfswerk, immer wieder „Deutschtum in der Welt“ ( nach „Blut und Rasse“) und anderem die Rede.

Fazit: Noch mehr NS-Propaganda wäre eigentlich nicht möglich gewesen.

Und das in einem Mathebuch!!!

Ich habe hier auch noch ein Geschichtsbuch da liegen, v. 1940 "Deutschlands Schicksalsweg 1919-1939.

Es fängt an: ZITAT „Im Frühherbst 1918 hat der Marxismus, nach dem Zusammenbruch des Zweiten Reiches und mangels nationaler Geschlossenheit unter einer einheitlichen Idee und Führung, das Ziel seines ersten Kampfabschnitts erreicht: der demokratische Marxismus hat, unterstützt von der bürgerlich-freimaurerisch-pazifistischen Demokratie und vom politischen Katholizismus, den Eintritt in die Reichs- und Staatsregierung erzwungen; der radikale Marxismus hat, unterstützt von volksfremden Elementen, die Wehrkraft des deutschen Volkes von innen und außen unterwühlt.“

…das war der erste Satz. Mehr muss ich m.E. nach nicht schreiben.

Die Bücher sind voller Propaganda, und auch noch recht geschickt.

Wobei ich finde, dass es Goebbels wesentlich geschickter und weniger offensichtlich verpackt hat. Wir reden hier nicht vom Stürmer Niveau, das hat viele abgestoßen, sondern von z.B. Filmen wie Jud Süß…

gruss,

barbara

Hallo Barbara,

daß Du ein von Propaganda geprägtes Mathebuch hast, will ich nicht bezweifeln. Zwar wäre es mir mit Deiner nicht wissenschaftlichen sondern journalistischen Herangehensweise ein leichtes, das derzeit in der gymnasialen Unterstufe in Bayern verwendete Buch als einen Ausbund an alkoholistischer und automobilistischer, in ihrer Kombination mithin massenmörderischer Propaganda hinzustellen, aber in unserer Diskussion kämen wir damit nicht weiter.

Offenbar ist nach meinem jetzigen Kenntnisstand ein Teil (nach meiner dürftigen Quellenlage drei Viertel) der Schulliteratur zweifellos nahezu ideologiefrei, der andere nicht (unbedingt).

Mein Buch ist 4 Jahre jünger als Deines und wurde (wenn man von einer reichseinheitlichen Lehrmittelversorgung ausgeht) offenbar anschließend an Dein Buch durchgenommen. Offenbar gab es da ein gewisses Maß an Pluralität.

Ich gebe Dir zu, daß die von Dir zitierten Stellen dafür sprechen, daß der von mir verwendete, überkritische operationale Ansatz auf Dein Buch nicht mehr angewendet werden sollte (ich hatte z.B. bereits die Nennung eines Kaufmannes namens Adam als antisemitische Propaganda eingestuft).

Es müßten also realistischere Kriterien her.

Man kann es sich hierbei ganz einfach machen und eine scharf antinationale (ich nenne das manchmal „sozialpädagogische“) Gesinnung als ideologiefreies Vergleichsnormal hinstellen. Viel mehr an Erkenntnis als das Unverständnis darüber, warum das die Menschen damals offenbar nicht wahrhaben wollten, kann dabei allerdings kaum herauskommen.

Jedoch, wenn man etwas erkennen will, dann muß man die Augen aufmachen, auch auf die Gefahr hin, etwas zu sehen, das einem nicht gefällt. Gewinnbringende Ideologiekritik an anderen Epochen und Ländern setzt ein Bewußtsein der hier und heute herrschenden Ideologie voraus.

S. 8, Aufgabe 7: Deutschtum im Ausland: Bestimme nach Bild 4
die Zahl der Menschen deutschen Stammes, die in den
nichtdeutschen Staaten östlch der Reichsgrenze in Europa
wohnen! ) plus Grafik)

Lügt Bild 4?
Ist Demographie verwerflich?
Wäre die selbe Frage bezogen auf die heutigen Verhältnisse OK?

S. 15 (…)Du musst für deine Tat einstehen, sonst bist du
kein ganzer Kerl! Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die
„Probe“ für die Richtigkeit einer Rechnung zu machen (…)

Ist Verantwortungsbewußtsein verwerflich?
In wieweit kann sich ein Mädchen den genannten moralischen Anspruch zu eigen machen, ohne sich diskriminiert zu fühlen?
Wie war das Geschlechterverhältnis in der gymnasialen Unterstufe damals und heute?

S. 17, Nr. 6. Großkundgebung. Am 28.9.1937 waren 450.000
Personen auf dem Berliner Maifeld, 150.000 im Olympiastadion
zusammengeströmt, um den Führer und Mussolini sprechen zu
hören. (…)

…und wenn es z.B. Migg Jagger gewesen wäre?

Weiter gehts mit Berechnungen der Abstimmungssiege Hitlers bei
den Volksabstimmungen…, Saarabstimmung, „erfolgreiche
Arbeitsschlacht“…fast jede weitere Textaufgabe hat entweder
Jungmädelschar oder Hitlerjugend als Thema auf den folgenden
Seiten (oder Auslandsdeutsche uswusf)

Es ist auch mein Eindruck, daß heutzutage Textaufgaben Abstand von sozialkundlichen Themen halten. Interdisziplinärer Unterricht ist wohl irgendwie aus der Mode gekommen.

S. 39, Nr. 7 „Versailler Diktat“ a) Das Deutsche Reich
verlor…b) Rechne für 1913 auf die gesamten deutschen
Kolonien als Einwohnerzahl…c) die Provinz Schlesien hatte
vor dem 1. Weltkrieg 40335 qkm Fläche…es folgen Beispiel
von Sudetengau, den deutschen Bergen und deutschen Wäldern,

Die Verluste an Gut und Leben waren so tatsächlich wie die im/nach dem 2. Weltkrieg. Ist es ideologischer, sie zu nennen oder sie zu verschweigen?

„Kampfspielen“ und Olympia, ständig kriegerische Vergleiche

Kriegerische Vergleiche waren immer schon gang und gäbe, z.B. besonders in den USA der letzten 20 Jahre. Wir in der BRDeutschland sind Ausnahme.

S. 87, Nr. 9 Kosten Geisteskranker. Nach sorgfältigen
Berechnungen verursachen Geisteskranke dem Staat etwa 1500 RM
jährlich Kosten. Für die Hilfsschüler bezahlt der Staat für
diesselbe Zeit 1/5 für einen Volksschüler 1/15 und für einen
Schüler auf mittleren oder höheren Schulen 1/6 dieser Summe.

Das ist ein relativ hartes Beispiel und geht so pauschalierend entschieden zu weit.

Ich habe hier auch noch ein Geschichtsbuch da liegen, v. 1940
"Deutschlands Schicksalsweg 1919-1939.

Es fängt an: ZITAT „Im Frühherbst 1918 hat der Marxismus, nach
dem Zusammenbruch des Zweiten Reiches und mangels nationaler
Geschlossenheit unter einer einheitlichen Idee und Führung,
das Ziel seines ersten Kampfabschnitts erreicht: der
demokratische Marxismus hat, unterstützt von der
bürgerlich-freimaurerisch-pazifistischen Demokratie und vom
politischen Katholizismus, den Eintritt in die Reichs- und
Staatsregierung erzwungen; der radikale Marxismus hat,
unterstützt von volksfremden Elementen, die Wehrkraft des
deutschen Volkes von innen und außen unterwühlt.“

Das enthält, Du erwähntest es bereits, die sog. Dolchstoß-Legende. Ich bin nicht informiert genug, um dazu etwas kompetentes zu sagen, nur scheint mir, daß sich die konventionelle Zeitgeschichtsforschung geradezu fassungslos darüber zeigt, daß die Menschen damals so einen kranken Unsinn hätten für bare Münze nehmen können. Sowas macht mich allerdings zunächst mal mißtrauisch.

Wobei ich finde, dass es Goebbels wesentlich geschickter und
weniger offensichtlich verpackt hat. Wir reden hier nicht vom
Stürmer Niveau, das hat viele abgestoßen, sondern von z.B.
Filmen wie Jud Süß…

Den Film würde ich gerne mal sehen, er soll ja seit langem nicht mehr verboten sein.

Gruß

Wolfgang Berger

These und Hinweise zum wissenschaftlichen Arbeiten
Hi Wolfgang,

nur ganz kurz,

muss gleich los, vielleicht komme ich später nochmal zu mehr. Als These, die mir gerade gekommen ist: 1943 war diese Vehemenz bei der antisemitischen Propaganda nicht mehr nötig, die Juden war längst alle weg. Die antisemtimitsche Propaganda in den 30er Jahren diente ja vor allem dazu, die Bevölkerung auf die Stigmatisierung, Vertreibung, schließlich Vernichtung der Juden einzuschwören. Das mal als These, die wirklich spannend wäre zu untersuchen.

Wenn das Buch, dass ich in der Hand hatte, propagandistischer als deines ist, finde ich es wesentlich spannender, alle NS-Schulbücher zu vergleichen und zwar auch die verschiedenen Ausgaben und Jahrgänge und Entwicklungen zu untersuchen.

Es könnte sehr interessant sein, was dabei herauskommt. Als gelernte Historikerin fänd ich das ein gutes Thema zum Forschen.
Wenn man das wissenschaftlich ordentlich machen würde, dass heißt eine empirisch siginifankte Anzahl an Bücher, die überhaupt einen Vergleich ermöglichen, hinzuzieht, eine ordentliche Fragestellung hat, kann das Sinn machen.
Interessant fänd ich auch einen Vergleich der Schulsysteme: Wurden Gymnasiasten mehr indokriniert? uswusf.

Natürlich kann man auch einfach ein Schulbuch von 1943 mit einem Schulbuch aus dem Jahr 1967 vergleichen. Fragt sich nur , ob da was spannendes bei rauskommt. Gewährleistet müsste sein, wenn man wissenschaftlich Arbeiten will: gleiches Schulsystem (z.b. zwei Bücher für Gymnasien), gleiche Jahrgangsstufe (z.B. 7. Klasse), hinzukommt, dass in der Bundesrepublik Schule Landessache ist, auch ein Punkt, den man bedenken muss: wurde ein Buch an allen Schulen verwendet im Reich, oder nur an wenigen? ( d.h. wie wurde es rezipiert?) Vielleicht haben viele Lehrer es auch gar nicht verwendet oder sich selbst Textaufgaben ausgedacht, etcpp.

…nur mal so als Denkanstöße, was historisch-„wissenschaftlich“ bedeuten würde…, wenn ich die Zeit hätte, nochmal ernsthaft historisch zu arbeiten, wäre das ansich echt ne spannende Sache.

S. 17, Nr. 6. Großkundgebung. Am 28.9.1937 waren 450.000
Personen auf dem Berliner Maifeld, 150.000 im Olympiastadion
zusammengeströmt, um den Führer und Mussolini sprechen zu
hören. (…)

…und wenn es z.B. Migg Jagger gewesen wäre?

Der Vergleich hinkt, wenn müsstest die Frage lauten: Mit wieviel Prozent wurde Schröder zum Kanzeler gewählt ? Oder: Wieviel jubelnde Zuschauer waren zugegen, als Schröder und Blair ein…aber du siehst, solche propagandistischen Massenveranstaltungen mit internationalen Besuch gibt es heute nicht in der Form. Dann Frage: Wieviel Demonstranten haben sich am …an die Gleise von Gorleben gekettet. *grins*…aber so politsiert ist sicher keines unserer Mathebücher. Wir haben auch nicht solche gleichgeschalteten Jugendorganisationen, die dann ständig in den Mathebüchern wieder präsent sind…„wissenschaftliches“ Arbeiten heißt immer, den historischen Kontext erstmal zu sondieren, nur so können wir sinnvolle Ausagen über z.B. Rezipienten machen.

Bei deinen Rechtfertigungen und Erklärungen ( ad. Ausdruck Kampfspiele)kommst du dann auf einmal mit Amerika und meinst, das wäre nur bei uns nicht so, lenk also mal nicht vom Thema ab, sondern bleib auch bei deinem urspünglichen Ansinnen, sonst komme ich doch noch auf die Idee, dass es dir an Objektivität hapert…;-D

Den Film würde ich gerne mal sehen, er soll ja seit langem
nicht mehr verboten sein.

Ich hab den Film gesehen.

Gruß,

barbara

3 „Gefällt mir“

Hallo Barbara

nur ganz kurz,
muss gleich los, vielleicht komme ich später nochmal zu mehr.

Würde mich freuen.

Als These, die mir gerade gekommen ist: 1943 war diese
Vehemenz bei der antisemitischen Propaganda nicht mehr nötig,

Dann hätte es also im NS-Kultus- und/oder Propagandaministerium sowas ähnliches wie Arbeitsgruppen zur Zurückdrängung des Antisemitismus gegeben. Ich will das nicht von der Hand weisen. Was andererseits die vorherige Vehemenz der antisemitischen Propaganda anbelangt, so habe ich angesichts der geringen Anzahl der in den Massenmedien verbreiteten Beispiele auch hier so meine Zweifel.

Wenn das Buch, das ich in der Hand hatte, propagandistischer
als deines ist, finde ich es wesentlich spannender, alle
NS-Schulbücher zu vergleichen und zwar auch die verschiedenen
Ausgaben und Jahrgänge und Entwicklungen zu untersuchen.

Ganz Deiner Meinung!

Wenn man das wissenschaftlich ordentlich machen würde, dass
heißt eine empirisch signifikante Anzahl an Bücher, die

Es handelt sich ja eigentlich um ein geschlossenes Sammelgebiet.

Natürlich kann man auch einfach ein Schulbuch von 1943 mit
einem Schulbuch aus dem Jahr 1967 vergleichen. Fragt sich nur
, ob da was spannendes bei rauskommt. Gewährleistet müsste

Naja, meine Stichprobe ergab vorläufig, daß heutzutage weniger mit Textaufgaben gearbeitet wird, was immer man daraus folgern mag.

bedenken muss: wurde ein Buch an allen Schulen verwendet im
Reich, oder nur an wenigen? ( d.h. wie wurde es rezipiert?)

Vorläufig wäre ich von einer allgemeinen „Gleichschaltung“ ausgegangen; interessant, daß man da offenbar so wenig Kenntnis hat.

Vielleicht haben viele Lehrer es auch gar nicht verwendet oder
sich selbst Textaufgaben ausgedacht, etcpp.

Ja, aber wohl nur sehr vielleicht.

Blair ein…aber du siehst, solche propagandistischen
Massenveranstaltungen mit internationalen Besuch gibt es heute
nicht in der Form. Dann Frage: Wieviel Demonstranten haben

Da kommen wir, was die Ideologiekritik anbelangt, zu einer von vielen Fragen, über die Konsens zu finden, seit der Kapitulation wohl noch überhaupt nicht der Versuch gemacht wurde.
Ist das Abhalten propagandistischer Massenveranstaltungen mit internationalem Besuch (vom Inhalt der Propaganda abgesehen) für sich schon verwerflich, ideologisch etc.? Und macht man es in der heutigen BRDeutschland aus diesem Grunde nicht mehr oder wegen des Fernsehens?

sich am …an die Gleise von Gorleben gekettet. *grins*…aber
so politsiert ist sicher keines unserer Mathebücher. Wir haben
auch nicht solche gleichgeschalteten Jugendorganisationen, die
dann ständig in den Mathebüchern wieder präsent

„Solche“?, wie gleichgeschaltet sind die Jugendorganisationen denn bei uns? Wie ist eine minimale, ein bißchen, eine mäßige usw. Gleichschaltung zu bewerten? Um diesen Fragen vorerst auszuweichen, interessiere ich mich besonders für die Textaufgaben.

sind…„wissenschaftliches“ Arbeiten heißt immer, den
historischen Kontext erstmal zu sondieren, nur so können wir
sinnvolle Ausagen über z.B. Rezipienten machen.

Ja, doch genau das wird zumindest in der konventionellen zeitgeschichtlichen Populärwissenschaft immer mißachtet.

Bei deinen Rechtfertigungen und Erklärungen ( ad. Ausdruck
Kampfspiele)kommst du dann auf einmal mit Amerika und meinst,
das wäre nur bei uns nicht so, lenk also mal nicht vom Thema
ab, sondern bleib auch bei deinem urspünglichen Ansinnen,
sonst komme ich doch noch auf die Idee, dass es dir an
Objektivität hapert…;-D

Natürlich lädt die Zeitgeschichte stets dazu ein, vom Thema abzukommen…
Wer jedoch als BRDeutscher an einer ideologiekritischen Würdigung des 3. Reiches arbeitet, kommt an einer ideologiekritischen Hinterfragung der BRDeutschland nur unter Inkaufnahme des Erkenntnisverzichts vorbei. Und für erstere ist vergleichendes Vorgehen üblich.

Gruß

Wolfgang Berger

Hi Wolfgang,

Als These, die mir gerade gekommen ist: 1943 war diese
Vehemenz bei der antisemitischen Propaganda nicht mehr nötig,

Dann hätte es also im NS-Kultus- und/oder
Propagandaministerium sowas ähnliches wie Arbeitsgruppen zur
Zurückdrängung des Antisemitismus gegeben. Ich will das nicht
von der Hand weisen. Was andererseits die vorherige Vehemenz
der antisemitischen Propaganda anbelangt, so habe ich
angesichts der geringen Anzahl der in den Massenmedien
verbreiteten Beispiele auch hier so meine Zweifel.

*grins*. man kann jemand auch absichtlich falsch verstehen, ich halte es für recht unwahrscheinlich, dass es NS-Arbeitsgruppen gab, die Antisemitismus zurückdrängen wollten. Ab 1942 lief die totale Vernichtungsaktion (nach der Wannseekonfernez und so, you know?), es gab so gut wie keine Juden mehr in Deutschland, die Vertreibung und Vernichtung war in der Bevölkerung hingenommen worden: Die antisemitische Propaganda hatte gute Arbeit geleistet.

bedenken muss: wurde ein Buch an allen Schulen verwendet im
Reich, oder nur an wenigen? ( d.h. wie wurde es rezipiert?)

Vorläufig wäre ich von einer allgemeinen „Gleichschaltung“
ausgegangen; interessant, daß man da offenbar so wenig
Kenntnis hat.

ich weiss nicht, ob „man“ davon keine Kenntnisse hat, ich habe es nicht und du offensichtlich auch nicht. Wenn dich das Thema so brennden interessiert, solltest du dich zunächst mit der NS-Schul- und Jugendpolitik allgemein beschäftigen, um wenigstens grob eine Idee von den Rahmenbedingungen zu haben.

Vielleicht haben viele Lehrer es auch gar nicht verwendet oder
sich selbst Textaufgaben ausgedacht, etcpp.

Ja, aber wohl nur sehr vielleicht.

Das war nur ein „vielleicht“ begründet auf meinen Erfahrungen, meine Lehrer hatten früher oft selbst Kopiertes verwendet und in einigen Jahrgangsstufen haben wir damals gar nicht in den vorgeschriebenen Bücher geguckt. Oft sind die Teile ja auch schwer veraltet ( naja, vielleicht nicht gerade in Mathe *grins*)…

Blair ein…aber du siehst, solche propagandistischen
Massenveranstaltungen mit internationalen Besuch gibt es heute
nicht in der Form. Dann Frage: Wieviel Demonstranten haben

Da kommen wir, was die Ideologiekritik anbelangt, zu einer von
vielen Fragen, über die Konsens zu finden, seit der
Kapitulation wohl noch überhaupt nicht der Versuch gemacht
wurde.
Ist das Abhalten propagandistischer Massenveranstaltungen mit
internationalem Besuch (vom Inhalt der Propaganda abgesehen)
für sich schon verwerflich, ideologisch etc.?

Es geht doch beim wissenschaftlichen Forschen nicht um ein moralisches Verurteilen oder ein moralisches Rechtfertigen, sondern um eine Bestandsaufnahme, eine Analyse. Am Ende kann ich dann Urteile abgeben. Als Historikerin bin ich aber nicht an moralischen Urteilen interessiert. Das ist dann Aufgabe der Gesellschaft, wie sie mit dem erworbenen Wissen umgeht. Das nur zu meinem Selbstverständnis. Wie du das angehst, ist natürlich dein Bier.

Das heißt: Wenn ich diese Mathe-Aufgaben untersuche, geht es mir nicht darum, zu beweisen, dass Hitler „böse“ war ( das wäre ja nun nicht so eine spannende neue Sache, außerdem sind das keine historisch-wissenschaftlichen Kategorien: gut-böse), sondern ich untersuche, ob und wie er seine Macht zementiert hat, wie der Faschismus die ganze Gesellschaft durchdrungen hat. Eben auch die Schulen.

„Solche“?, wie gleichgeschaltet sind die Jugendorganisationen
denn bei uns? Wie ist eine minimale, ein bißchen, eine mäßige
usw. Gleichschaltung zu bewerten?

Es wäre mir neu, dass wir eine staatliche Jugendorganisation haben, in der die verschiedenen christlichen und konfessionlosen Pfadfinder, die evangelischen, katholischen und parteilichen Jugendorganisationen aufgelöst wurden. Soweit mir bekannt ist, haben wir hier Pluralismus.

Wer jedoch als BRDeutscher an einer ideologiekritischen
Würdigung des 3. Reiches arbeitet,

Was ist jetzt nochmal eine ideologiekritische Würdigung - sags nochmal für Blondinen im Geiste ;-D,

Gruss,

barbara

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