Re: Heiraten wegen Kind - ja oder nein.
Hi,
mein Standardspruch zu dem Thema: Wenn das Kind ein Anlass ist, ja, wenn es ein Grund ist, nein! Soll heißen: Wenn man ohnehin schon eine Weile gut zusammenlebt und vorhat auf Dauer fest zusammen zu bleiben und eine Heirat ohnenhin immer schon mal ein Thema war, ist ein Kind ein prima Anlass, die Sache mal in trockene Tücher zu bringen. Ist die bevorstehende Geburt aber der einzige Grund zu heiraten, würde ich mal dringend davon abraten. Das sind dann oft die Fälle, in denen eine ohnehin absehbar scheiternde Beziehung durch ein Kind gekittet werden soll, und da tun sich dann alle Beteiligten keinen Gefallen damit, die Situation auch noch mit einer ebenfalls zum Scheitern verurteilten Ehe zu belasten. Die Auflösung der Ehe ist schließlich nicht so ganz einfach und kostenlos.
Interessant ist natürlich immer die Frage, warum der eine Partner heiraten will, und der andere nicht. Ist es Angst vor der festen Bindung oder eher eine Ablehnung der Institution Ehe gegenüber?
Ich finde es eigentlich ganz natürlich (nenn mich altmodisch), wenn eine Familiengründung ansteht, dass man dann auch überlegt dem ganzen einen entsprechenden Rahmen zu geben und so auch nach außen zu demonstrieren, dass man eine Familie ist. Dagegen wird gerne vorgetragen, dass die Eheschließung vor dem Standesamt ja so spießig sei, und man über solchen Dünkel doch erhaben sei. Klingt progessiv, ist aber (aus meiner unmaßgeblichen Juristenmeinung heraus) vollkommen falsch. Das Gegenteil ist der Fall. Mit der Eheschließung wird ein ganz einfaches Standardregelwerk zur Anwendung gebracht, dass sich im Großen und Ganzen über 100 Jahre bewährt hat, und dass man im Bedarfsfall auch z.B. durch Wahl des Güterstands oder Ehevertrag modifizieren kann. Für alle Eventualitäten gibt es somit familien- und ehepartnerfreundliche Regelungen, ohne dass man sich darüber viel Gedanken machen muss, oder dass man selbst aktiv werden müsste. In allen Lebenslagen ist klar, wie der eine für den anderen handeln darf oder für den anderen da zu sein hat.
Auf der anderen Seite stehen die Freigeister, die dies natürlich viel zu spießig finden, und alles ganz frei und ohne Zwang, Gesetze und Verträge gestalten möchten. Die Folge ist, dass sie wegen hunderten von Einzelfällen selbst aktiv werden müssen, die sie ohnehin nicht anders regeln, als dies im Rahmen einer Ehe auch der Fall wäre. Die Gefahr ist allerdings, dass einem natürlich immer erst viel zu spät einfällt, welchen der Einzelfälle man noch vergessen hat. Dies reicht von Problemen mit Miet- und Kaufverträgen (gerade bei Wohnungen) über das Sorgerecht, den Unterhalt, Zeugnisverweigerungsrechte, Stellvertretung und Auskunftsrechte im Krankheitsfall, Rechtsnachfolge von Todes wegen, ... (die Liste ist nahezu endlos). Nicht umsonst heiraten viele Paare, die dies erst vollkommen abgelehnt hatten, nach überstandenen Krisensituationen, in denen ihnen mal wieder vor Augen geführt worden ist, was sie an Regelungen vergessen hatten, bzw. welche Rechte eben nur einem Ehegatten zugestanden hätten. Und auch im Trennungsfall ist es eben so, dass bei einer Ehe beide genau wissen (können), wie es dann weitergehen wird, während bei einer sonstigen Partnerschaft oft weit mehr Streit entsteht, da eben keine bzw. nicht ausreichende Vereinbarungen existiert haben. Da rächt sich dann die oft auffällige Konfliktermeidung durch Problemverdrängung.
Und was die Steuern angeht: An anderer Stelle versucht man Vater Staat immer jeden Cent vorzuenthalten, wo es nur geht. Aber wenn man sechs Jahre ohne Trauschein zusammengelebt hat, hat man sicher in Größenordnung eines netten Autos Geld verschenkt, nur weil man, aus welchen Gründne auch immer, nicht geheiratet hat.
Gruß vom Wiz
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