Vergleichswerte

Von: , Frage gestellt am Mi, 28. Apr 2004

Hi!

Deutsche Arbeit ist zu teuer. Grundtenor unserer Zeit.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat jetzt ein paar Gehaltstarifzahlen zusammengestellt:

ungelernte/r Angestellte/r im Gartenbau in Sachsen
Stundenlohn: 2,74 € (bei 4 x 40 Stunden macht das 438,40 € im Monat)

Frisör/in in Thüringen
Stundenlohn: 3,18 €

Kosmetiker/in in Berlin
Stundenlohn: 4,22 €

Forstarbeiter/in in Nordrhein-Westfalen
Stundenlohn: 4,97 €

ungelernte/r kfm. Angestellte/r in Bayern
Stundenlohn: 5,42 €

ausgebildeter Schuhmacher in ganz Ostdeutschland
Stundenlohn: 5,70 € (macht immerhin 912 € im Monat)

(das sind keine statistischen Erhebungen, sondern offizielle Tariflöhne)

Zum Vergleich:

Abfindung Esser für die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone:
30.000.000,00 €
vermutete Abfindung Landau für die Übernahme von Aventis durch Sanofi:
20.000.000,00 bis 24.000.000,00 €

Forderung der Wirtschaft: Die Löhne müssen runter!

Grüße
Heinrich

59 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 39 Minuten hilfreich
    Lohnkalkulation

    Moin Heinrich,

    ohne Angabe, um welche Art von Löhnen es sich dabei handel (Brutto oder Netto etc) sind deine Zahlen leider unbrauchbar.

    Aber gehen wir dochmal von Arbeitskosten inkl. vollständiger Sozialabgabe von 1500 Euro für einen Handwerker aus.
    Von diesen 1500 Euro gehen 45% (675 Euro) für Sozialabgaben drauf, bleiben 825 Euro, davon nochmal 10% Lohnsteuer (82,5 Euro) bleiben 742,5 Euro. Bei einer 40 Stunden Woche ergäbe das für den Arbeitnehmer einen Netto Stundenlohn von ca. 4,64 Euro.
    Das bewegt sich ungefähr im Rahmen deiner Beispiele.

    Als Handwerksbetrieb kann ich aber nicht jede Stunde des Arbeitnehmers dem Endkunden auch in Rechnung stellen, schließlich gibt es Urlaubstage, Krankheitstage, Feiertage, Stunden für Arbeitsvorbereitung, Tage, wo mal wenig zutun ist etc. Eine Vorsichtige Kalkuklation setzt hier bei ca. 50-60% Stunden an, die ich an Arbeitskosten dem Endkunden tatsächlich in Rechnung stellen kann.

    Mit wieviel müsste ich also einen Arbeitnehmer einem Auftraggeber in Rechnung stellen, der selbst nur 4,64 Euro mit nach Hause nimmt ?

    Schaun wir doch mal: 1500 Euro Monatslohn geteilt durch 60% der Arbeitsstunden, die ich tatsächlich weiterberechnen kann sind 1500 Euro geteilt durch 96 weiterberechenbare Stunden 1500 ./. 96 = 15,63 Euro pro Stunde.

    Einem Netto-Lohn von 4,64 Euro pro Stunde ständen also weiterberechenbare Lohnkosten in Höhe von ca. 15,63 Euro gegenüber. DAS ist das eigentliche Problem in D.

    Wer wissen will, wieviel seine Arbeitsleistung tatsächlich für jemanden kostet, der diese in Anspruch nehmen will, der multipliziere seinen Netto-Stundenlohn mal eben mit 4. Dann kann er sich selbst ausrechnen, wie hoch wohl die Nachfrage noch solcher Tätigkeit bei derartigen Kosten sind.

    Gruß
    Marion

    • Antwort von nach 3 Stunden hilfreich
      * - owt

      [Dieser Artikel ist nicht fuer das Archiv freigegeben.]

    • Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
      Re: Lohnkalkulation

      Tach! ohne Angabe, um welche Art von Löhnen es sich dabei handel
      (Brutto oder Netto etc) sind deine Zahlen leider unbrauchbar.
      Ich schrieb: "Tarif" - ergo dürfte es sich um Bruttolöhne handeln. Aber gehen wir dochmal von Arbeitskosten inkl. vollständiger
      Sozialabgabe von 1500 Euro für einen Handwerker aus.
      Von diesen 1500 Euro gehen 45% (675 Euro) für Sozialabgaben
      drauf, bleiben 825 Euro, davon nochmal 10% Lohnsteuer (82,5
      Euro) bleiben 742,5 Euro. Bei einer 40 Stunden Woche
      ergäbe das für den Arbeitnehmer einen Netto Stundenlohn von
      ca. 4,64 Euro.
      Das bewegt sich ungefähr im Rahmen deiner Beispiele.
      Bei dir bzw. deiner Lohnbuchhaltung möchte ich nicht angestellt sein!

      Ich habe dein Beispiel mal von der Gehaltsbuchhaltung durchrechnen lassen (mit 1500 Brutto bzw. 1200 Brutto - du gehst ja von Arbeitgeberzahlen aus)

      1500 Euro brutto AN-Lohn
      KV = 107,25 AN-Anteil (bei 14,3 %)
      PV = 12,75 AN-Anteil
      RV = 146,25 AN-Anteil
      AV = 48,75 AN-Anteil

      Summe = 315,00

      Steuern = 128,00 (Steuerklasse I, keine Kinder)
      Soli = 7,04
      Kirchensteuer = 11,52

      Summe = 146,56

      Nettoauszahlung = 1038,44
      Stundenlohn bei 160 Stunden = 6,49 ... Hoppla! Nix 4,64 !

      Okay, machen wir das Spiel mit 1250 Euro (plus 20% SozVers für den Arbeitgeber macht dann ja auch 1500 Euronen)

      1250 Euro brutto AN-Lohn
      KV = 89,38 AN-Anteil (bei 14,3 %)
      PV = 10,63 AN-Anteil
      RV = 121,88 AN-Anteil
      AV = 40,63 AN-Anteil

      Summe = 262,52

      Steuern = 61,58 (Steuerklasse I, keine Kinder)
      Soli = 0,00
      Kirchensteuer = 5,54

      Summe = 67,12

      Nettoauszahlung = 920,36
      Stundenlohn bei 160 Stunden = 5,75 ... Hoppla! Noch immer nix 4,64 !

      Die von dir berechneten 4,64 netto kommen erst bei einem Bruttomonatslohn von 949 Euro zustande.

      Damit bin ich bei einer Brutto-Differenz von 301 Euro (1250 zu 949).

      Aber ich rede bekanntlich ja nur Unsinn, gelle?

      Grüße
      Heinrich

      • Antwort von nach 5 Stunden hilfreich
        Re^2: Lohnkalkulation

        Ich schrieb: "Tarif" - ergo dürfte es sich um Bruttolöhne
        handeln.
        Jetzt fehlt nur noch die Quelle. Laß mich raten, Bild oder AOL? Ich habe dein Beispiel mal von der Gehaltsbuchhaltung
        durchrechnen lassen
        Da hast du die Kollegen aber unnötigt beschäftigt. Gehaltsrechner gibt es massenweise im Internet. ZB hier:

        http://www.nettolohn.de/

        Marion hat die Sozialversicherung mit vollen Beträgen gerechnet. Dadurch ist der Nettolohn natürlich zu niedrig, aber bezogen auf die Arbeitskosten ist das natürlich schon richtig. Die Kernaussage ist aber korrekt, die Arbeitskosten sind viel zu hoch und die Nettolöhne viel zu gering.

        Sehen wir uns denn nun zum Bier im Bagels, um die Sache mit Christian zu vertiefen?

        Gruß,
        Klaus

        • Antwort von nach 6 Stunden hilfreich
          Re^3: Lohnkalkulation

          Sehen wir uns denn nun zum Bier im Bagels, um die Sache mit
          Christian zu vertiefen?
          ???


          Ich muss heute abend noch arbeiten. Der Zweitjob im Archiv fordert sein Recht.

          Gut Schluckauf!

          Grüße
          Heinrich

          • Antwort von nach 6 Stunden hilfreich
            Weizenkalkulation

            Ich muss heute abend noch arbeiten. Der Zweitjob im Archiv
            fordert sein Recht.
            Hoffentlich für mehr, als € 4,50 in der Stunde. Gut Schluckauf!
            Danke und Prosit!

            Klaus

      • Antwort von nach 6 Stunden hilfreich
        Re^2: Lohnkalkulation

        Moin Aber gehen wir dochmal von Arbeitskosten inkl. vollständiger
        Sozialabgabe
        von 1500 Euro für einen Handwerker aus.
        Bei dir bzw. deiner Lohnbuchhaltung möchte ich nicht
        angestellt sein!
        Dich würde ich auch nicht einstellen. Rechnen sollte man schon können. Ich habe dein Beispiel mal von der Gehaltsbuchhaltung
        durchrechnen lassen (mit 1500 Brutto bzw. 1200 Brutto - du
        gehst ja von Arbeitgeberzahlen aus)
        Ich habe oben ganz deutlich geschrieben, wovon ich ausgehe (und jetzt nochmal für dich fett gemacht). Wenn du nicht in der Lage bist, 45% von 1500 zu errechnen, dann ist das nicht mein Problem. 1500 Euro brutto AN-Lohn
        KV = 107,25 AN-Anteil (bei 14,3 %)
        PV = 12,75 AN-Anteil
        RV = 146,25 AN-Anteil
        AV = 48,75 AN-Anteil

        Summe = 315,00
        Und das Geld für den Arbeitgeberanteil fällt vom Himmel oder was ?
        Ich dachte eigentlich, ich hätte die Rechnung ausreichend einfach gehalten, damit sie von jedem nachzuvollziehen ist. Selbstverständlich fallen in die Lohnkosten auch der Arbeitgeberanteil für die Sozialversicherungen mit rein, das wird aber von den meisten vergessen. Das was der Arbeitnehmer an Sozialabgaben hat, macht grob gesagt lediglich die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge aus, die der Staat für ihn kassiert. Aber ich rede bekanntlich ja nur Unsinn, gelle?
        Hm..nicht immer, aber in diesem Fall schon.
        Mir ging es darum, einmal die Lohnkosten, die ein Unternehmen für einen Arbeitnehmer aufwenden und somit seinen Kunden in Rechnung stellen muss (und das ist das, was in Deutschland teuer ist), den Beträgen gegenüberzustellen, die der Arbeitnemer dann netto mit nach Hause nimmt. Und das ganze dann noch ohne jeglichen Gewinn für das Unternehmen. Bei meiner Rechnung oben hat das Unternehmen noch keinen müden Euro verdient, das ist sozusagen der Selbstkostenpreis.

        Gruß
        Marion

  2. Antwort von nach einer Stunde hilfreich
    wertlos

    Abfindung Esser für die Übernahme von Mannesmann durch
    Vodafone:
    30.000.000,00 €
    vermutete Abfindung Landau für die Übernahme von Aventis durch
    Sanofi:
    20.000.000,00 bis 24.000.000,00 €
    Geleistete Arbeitsstunden in Deutschland in 2003:
    ca. 66 Mrd.

    Bei mehreren Euro Unterschied im Stundenlohn zum Ausland machen € 54 Mio. angeblicher Verschwendung den Kohl natürlich fett. Aber danke, daß Du mich noch einmal auf die Sinnlosigkeit der Diskussion hingewiesen hast. Ganz offensichtlich geht es nicht um Rationalität oder Zahlen, sondern um dumpfes Austauschen Klischees und das Erzeugen und Ausnutzen von Stimmungen.

    Es geht auch nicht um die Diskussion über eine sinnvolle Wirtschaftspolitik, sondern es geht immer wieder nur um eines: Die Wirtschaft ist böse und beutet die Arbeitnehmer aus und wenn das nicht ausreichend klappt, verschiebt sie unsere ach so schönen Arbeitsplätze ins Ausland.

    Daß "die Wirtschaft" alle umfaßt, d.h. Privathaushalte und Unternehmen, geht irgendwie völlig unter. Komischerweise hören die Diskussionen immer wieder an einer Stelle auf. Nach dem nachfolgenden Argument kommt regelmäßig keine Antwort mehr, sei es von Torsten oder Dir, den Rächern der Entrechteten, oder von Frank, dem wasauchimmer: Wenn ein Unternehmen keine ausreichende Kapitalverzinsung erzielt, geht das Kapital dahin, wo es besser verzinst wird, und das Unternehmen ist über kurz oder lang pleite.

    Insofern ist ein Gewinnstreben u.U. inkl. Personalabbau absolut notwendig, um wenigstens einige Arbeitsplätze zu erhalten. Die im Mittelstand erzielte Kapitalrendite liegt derzeit irgendwo zwischen 0 und 5%, d.h. die Gesellschafter gehören eigentlich verdroschen, weil sie ihr Kapital nicht in eine Bundesanleihe o.ä. investieren. Daß das nicht massenweise der Fall ist, sollte im übrigen ein Signal dafür sein, daß "die Wirtschaft" an sich nicht ganz so böse ist.

    Nebenbei bemerkt: Die Eigenkapitalrendite der Deutschen Bank als Inbegriff des Bösen lag 2003 bei 4,7%. Das ist lächerlich und auf mittlere Sicht ein Problem.

    Es muß sich die Erkenntnis durchsetzen, daß es hier nicht darum geht, den Arbeitnehmern möglichst viele Rechte zu Lasten der Unternehmen zuzubilligen, sondern es muß eine langfristige Strategie her, wie der Standort Deutschland gesichert bzw. attraktiver gestaltet werden kann.

    Solange die entscheidenden Fragen in der Bevölkerung und in diesem Forum bleiben, ob man selbst im Quartal 10 Euro oder ein gewisser Esser nun 30 Mio. Euro mehr oder weniger in der Tasche hat, ist dieses Land nicht zu retten und dieses Forum geht qualitativ weiter den Bach runter und zwar mit Marx, BILD und dem großen Sankt Verschwöribus als Götzen auf den Fahnen.

    Resignierend,
    Christian



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