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Re^2: Gedenken an die Opfer und Aufrechnung
Hi
Ich kenne nicht die Intention des Fragestellers, aber für mich geht es nicht um Aufrechnung. Wie Du schon schreibst, haben Deutsche gemordet, gefoltert, vergewaltigt, gebrandschatzt und geplündert. Dies ist unbestritten und wird von deutscher Seite jedes jahr gedacht und erinnert und man versucht, wenn dies überhaupt möglich ist, durch Gedenkveranstaltungen, Entschuldigungen weltweit und Zahlungen dies zu Sühnen. Das verhalten der Deutschen in diesem Punkt ist wichtig, verkommt aber in meinen Augen mittlerweile zu einer instrumentalisierten Form des Erinners, bei der es nur noch auf das ob und wie, aber nicht mehr auf das warum ankommt.
Solche Artikel, auch solche, die Vergangenheit für Haßtiraden
auf den heutigen politischen Gegner instrumentalisieren,
betrachte ich als unappetitliche Erscheinung
erkenntnisresistenter Zeitgenossen. Nimm es einfach hin: Jeder
Krieg läßt die niedersten Instinkte, zu denen Menschen fähig
sind, von der Leine - bei allen Beteiligten. Übrig bleiben
neben zahllosen Toten noch mehr physische und psychische
Wracks, die ihre davongetragenen Schäden niemals überwinden
können - auch bei allen Beteiligten.
richtig. in jedem krieg und auf jeder seite.
Die Nachbarn wurden als Untermenschen bezeichnet und
genau so behandelt. Wer erwartet, daß die Überfallenen lauter
Sanitäter und Gelehrte schicken, hat das Wesen von Krieg nicht
begriffen.
Ich denke das erwartet keiner. Und wie Du schreibst, setzt der Krieg die niedrigsten Instinkte frei. Das bei Deutschen aber auch bei Russen. Man kann die Taten aus dem Blickwinkel dann vielleicht erklären aber nicht verstehen.
Aber: Zu sagen "die deutschen sind selber schuld, die greueltaten an den deutschen waren gerechtfertigt oder zumindest verständlich" wird der ganzen sache nicht gerecht. Das ist dann nämlich geschichtsverfälschung nur von der anderen seite. Was konnte das 14 jährige Mädchen aus Schlesien dafür das es von einem sowjetischen SOldaten vergewaltigt wird? Was konnte das Neugeborene Pommersche Kind dafür als es auf der Flucht gen Westen gestorben ist? Man erwartet, und das zu Recht, das der von deutschen Ermordeten gedacht wird, aber haben nicht auch die anderen Toten ein Recht darauf, dass man sich an sie erinnert? Dabei will doch keiner die deutsche Schuld schmälern durch Aufrechnung sondern das Leid unserer Eltern und Großeltern (das es ja definitiv gab) erinnern. Und "Erinnerung" ist grenzenlos und wertfrei. Wenn ich den toten Deutschen gedenke heißt das nicht, das kein Platz mehr da ist auch den toten Russen, Juden, Polen, Tschechen, etc. zu gedenken. Wir müssen endlich lernen unverkrampft mit unserer Geschichte umzugehen, dazu gehört auf der einen Seite, dass wir nicht immer innerlich zusammenzucken wenn wir das Deutschlandlied hören und auch, dass wir die Kriegsjahre ohne Scheuklappe betrachten können. Denn: Jeder Tote war einer zuviel, egal welche Nationalität, Relgion oder "Rasse" er angehörte...
grüße
Raoul