Antwort von
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Re^3: Sozialneid ??
Hi Sigi !
Sehe ich auch so. Solidarität wird
mittlerweile nur noch einseitig
gefordert, nämlich von "Reich" nach
"Arm". Wir ergehen uns nur noch in
Sozialneid.
Ich gebe dir recht, wenn du sagst, dass
Solidarität von den Reichen gefordert
wird. Aber sie müssen sie nicht üben, im
Gegensatz zu den unteren sozialen
Schichten, denen in den letzen Jahren
immer mehr gekürzt wurde.
Das Schlagwort vom Sozialneid zieht
nicht, denn ihm steht die Sozialgier
gegenüber. Und die schlägt den Sozialneid
in D um Klassen.
Das kommt auf den Standpunkt an. Wenn man
das gesamte Steuersystem betrachtet,
wurde nennenswert nur bei den
vermögenderen Leuten erhöht:
- höhere MWSt, da diese Leute auch mehr
konsumieren
also bitte! Schliesslich wird niemand zum
Konsum gezwungen !
Das Argument gilt eher andersrum: Die
Bezieher von niedrigen Einkommen sind
alleine für den Lebenserhalt gezwungen
einen wesentlich grösseren Prozentsatz
ihres Einkommens als die Grossverdiener
zu verkonsumieren. So gesehen ist die
Konsumquote und damit die Steuerquote bei
den Niedrigverdienern erheblich grösser !
Wie gesagt: es kommt auf den Standpunkt an.
Die Gruppe der sog. "Ultra-Consumer" setzt sich ausschließlich aus "Besserverdienern" zwischen 30 und 40 Jahren zusammen.
Das sind die Leute, die richtig Steuern abdrücken und dazu noch satt Geld ausgeben.
- höhere Grundsteuern
- höhere Gewerbesteuern (hier muß der
Staat unbedingt eine Obergrenze setzen,
denn die Länderfürsten schnappen da
teilweise über)
- Vermögenssteuer (noch gar nicht so
lange abgeschafft und bald wieder da)
???? Du rechnest als Belastung, was gar
nicht mehr existiert, nur weil es evtl.
wieder eingeführt werden könnte ??
O.K. Vergiss den Punkt. Aber ich sagte, dass die Abschaffung noch gar nicht so lange her ist.
u.s.w.
Das halte ich für ungerecht.
Tatsache ist, dass
dieser Eindruck nur deshalb entsteht,
weil seit Jahren das Volksvermögen von
unten nach oben umverteilt wird.
Das hältst Du für eine Tatsache ?
Ich nicht. Eher umgekehrt ist man in D
bereits ab DM 100.000 brutto p.a. ein
sog. "Besserverdienender" und daher
steuerliches Freiwild, nur weil jemand
mit dem halben Einkommen es als sein
staatsbürgerliches Recht empfindet, ein
EFH und einen BMW zu besitzen.
Das klingt schwer nach Stammtischparole.
Yep !
Und da stehe ich in diesem Fall absolut
zu.
Die wirklich gut verdienenden Leute gehen
ins Auslland oder in die Politik. In
beiden Fällen entfallen hier
Steuerzahlungen.
Ist das gerecht ?
Nein, aber genau die meine ich ja und
nicht den 100 000,- DM Verdiener, den du
angesprochen hast.
Dann nenne doch mal konkrete Zahlen, ab
welcher Summe Du jemanden als
"schröpfenswert" erachtest.
Zahlen zu nennen wäre wohl etwas
vermessen. Ich meine eigentlich gar nicht
die "Einzelpersonen" im Besonderen,
sondern hauptsächlich Unternehmen.
Aha. Nun sind wir zwar abgedriftet, der Punkt ist aber auch interessant.
Leider hast Du Dich verleiten lassen, alle Unternehmen in einen Topf zu werfen. Schade, weiter unten dachte ich, Du hättest es kapiert.
Wer hier die Steuerschweinereien dreht und Holdings im Ausland aufmacht, wobei er hier noch Subventionen kassiert, ist die Großindustrie.
Das Land wird aber nicht von diesen Leuten gefüttert, sondern vom Mittelstand. Und der kann sich solche Eskapaden gar nicht leisten. Vielmehr bezahlen fast alle Mittelständler in D brav Ihre 53% Steuern (insgesamt) und krebseb deswegen aufgrund von Kapitalmangel jahrzehntelang auf einer Stufe herum, während die Großindustrie nichts besseres zu tun hat, als die gesparten Steuern schleunigst ins Ausland zu transferieren.
Das ist ein Problem und wenn Du es so gemeint hast, pflichte ich Dir bei.
Auf der
Strecke bleiben dann die sozial
Schwachen,
denen geht es hier im europäischen
Vergleich mehr als gut. Es kann eben
nicht alles umverteilt werden, denn
Leistung muß sich lohnen !! (ist zwar
abgedroschen aber deshalb nicht minder
wahr).
Abgedroschen und auch nicht immer
richtig! Woran wird Leistung gemessen ??
An der Zeit die einer arbeitet ? Am
Umsatz ?
Leistet der Vorstandschef von Chrysler
das zigfache des Vorstandes von Daimler ?
Die Kohle kriegt er immerhin dafür.
Der wird in den USA bezahlt, wo derartige
Summen absolut üblich sind. Würde man ihm
das nicht bezahlen, wäre er morgen bei
Ford.
Du weichst der Frage aus! Ich wollte
wissen, ob der den auch das zigfache von
dem leistet, was der Schremp leistet. Die
Behauptung Leistung müsse sich wieder
lohnen stammt von dir. Allerdings beweist
das, dass Leistung und die Bezahlung
dafür offensichtlich relativ sind, denn
sonst könnte es diesen Unterschied nicht
geben. Schliesslich leiten die beiden den
gleichen Konzern.
Sprechen wir nun von Deutschland oder von globalen Gehaltsvergleichen ?
Ich bin zwar völlig unchristlich, aber
weils so gut passt: Hat Mutter Theresa
soviel weniger geleistet wie Jürgen
Schremp ?
Die wollte kein geld. Sie hätte es haben
können. Memoiren zu verkaufen hätte für
drei Leben gereicht.
Woher weisst du das ?? Ich habe nie
gehört, dass Mutter Theresa für indische
Kinderheime kein Geld genommen hätte.
Ausserdem hast du nicht auf die Frage
geantwortet: Hat Mutter Theresa weniger
geleistet als Jürgen Schremp ??
Sie hatte etwas anderes geleistet. Nur eben nicht in der Wirtschaft.
Sie hat sich, kaltschnäuzig ökonomisch gesehen, den Luxus geleistet, anderen zu helfen.
Natürlich sehe ich das nicht so, nur ist ihre Leistung eben schwer messbar, da sie "nur" für das Unternehmen Menschheit erbracht wurde.
Sag erst mal wie Leistung definiert ist,
dann kann man drüber reden, ob sich diese
Art von Leistung lohnen soll.
Jemand leistet etwas, sobald er
Verantwortung übernimmt und ein
überdurchschnittliches Arbeitspensum mit
hohen Entscheidungsbefugnissen
absolviert.
jemand leistet etwas, wenn er
zukunftsweisende und zukunftssichernde
Ideen in sein Unternehmen einbringt und
eine leitende Position mit allen
Pflichten gegenüber den unterstellten
Mitarbeitern wirklich ausfüllt.
Diese Leute tun mehr, tragen mehr
Verantwortung, also werden sie eben auch
besser bezahlt.
Der Typ, der am Presslufthammer steht,
arbeitet bestimmt auch viel und hart, nur
trägt er die Verantwortung für sich
selbst und höchstens noch für eine
familie. Er ist kein Visionär, kein
Lenker, der sich auch nachts noch
Gedanken um das Weiterlaufen der Firma
machen muß.
Daher verdienen solche Leute mehr und
haben es nicht verdient, schamlos
abkassiert zu werden, um ein marodes
System mit x Sozialbetrügern zu
finanzieren.
Halt halt halt, jetzt ergehst du dich
noch mehr in Stammtischparolen.
O.K., sorry.
Richtig, ich sollte sachlich bleiben.
Deine Beschreibung passt auch auf jeden
Politiker, verdienen die also zuwenig ?
Nein, da sie in den seltensten Fällen wirkliche Visionäre sind und auch seltenst Verantwortung übernehmen.
Siehe Stoiber und Sautter.
Die Art Leistung, die du beschreibst ist
zudem abhängig von den Fähigkeiten. Du
spricht Leuten mit niedriger Intelligenz
oder auch nur mit schlechter Ausbildung
die leistungsfähigkeit ab. Das ist ja
wohl kompletter Nonsens! Da fällt mir
doch gleich wieder Mutter Theresa ein:
Sie passt in keinster Weise in deine
Kriterien, hat sie also nichts geleistet
?
Das habe ich oben erklärt.
Ich sehe das hier in der Diskussion mal vom rein wirtschaftlichen Standpunkt aus, denn ich möchte hier auf keinen Fall ins philosophische abdriften. Das wäre ein anderes Thema.
und letzten Endes
wahrscheinlich auch viele von diesen
Egomanen, die sich jetzt einbilden, jeder
sei seines eigenen Glückes Schmied. Auch
viele von ihnen werden ihren Egotrip
nicht bis ins hohe Alter durchhalten
können und sind dann froh, wenn die junge
Generation nicht den gleichen Mist macht
wie sie heute.
Das sehe ich anders. Gerade das
Abschieben der probleme und Hoffnungen
auf die jeweils nächste Generation hat
uns all die Probleme beschert, unter
denen heute alle zu leiden haben.
Die junge Generation wird sich noch mehr
als die mittlere damit beschäftigen, Ihre
persönlichen Dinge ins Lot zu bringen.
Man fühlt sich nicht mehr irgendeinem
ungerechten (für die Arbeitenden !!)
Steuer- und Rentensystem verpflichtet,
sondern sich selbst und seiner Familie.
Na klar, es bleibt ihr auch nichts
anderes übrig, weil die Sozialsysteme
politisch und vor allem WIRTSCHAFTLICH
gewollt ruiniert werden.
Das sagt aber überhaupt nichts über die
Qualität dieser Systeme als solches aus.
Nein, aber ändern wird das wohl niemand
mehr. Wie gesagt: jeder schiebt es auf
die nächste Generation, nur die ist nicht
mehr da, um Sozialschmarotzer und fette
faule Vorruheständler zu finanzieren.
Ich jedenfalls verdiene mein Geld ab
04/2000 in den USA.
Und jeder fette, benzfahrende Rentner
hier kann mich mal !
Sorry, aber das musste raus.
Armer Reicher ! Ich hoffe du hältst dem
rauen amerikanischen Wind stand bis ins
Alter. Solltest du allerdings scheitern
und im Alter zurückkommen um bei uns
Sozialhilfe zu kassieren.....dann darf
ich dich schon als Sozialschmarotzer
bezeichnen, oder ?
Natürlich. Nur erstens bin ich nicht reich und zweitens ist nicht jeder Renzner in den USA ein armer Hund, nur weil er keine staatliche Rente bezieht.
Vielmehr sind in den USA die Renten über freiwillige Fonds organisiert, die teilweise so reich sind, daß jedes Mitglied theoretisch mit 50 Jahren in rente gehen könnte. Dafür sind hochmotivierte, da hochbezahlte, Fondsmanager verantwortlich.
Unser System ist damit wohl kaum zu vergleichen, da hier viel zu viele Leute dranhängen, die nichts einbezahlt haben und sich, was ich besonders verwerflich finde, auch noch Leute zweckfremd am Rentensystem bedienen.
Jeder sollte sich eben selbst darum können und müssen.
Die Solidarsysteme dieser Gesellschaft
könnten durchaus funktionieren, wenn die
die viel haben auch viel einzahlen.
Ich kritisiere, dass die Relationen nicht
mehr stimmen.
Das stimmt. Aber m.E. diametral
entgegengesetzt.
Wer viel hat, zahlt noch mehr ein. Soweit
ist es bereits. Wenn die Steuern für
vermögende nicht gesenkt werden, leben
die bald woanders und hier gibt es nichts
mehr umzuverteilen.
So ? Warum ziehen die "Reichen" dann
nicht nach Afrika oder nach Polen ?? Da
wären ihre gering versteuerten Einkünfte
am allermeisten wert.
Sie ziehen nach Spanien, in die USA oder
nach Canada.
Es gehört eben mehr zur Lebensqualität,
als nur die quantitative Höhe des
Einkommens. Glaubst du wirklich ein
Michael Schumacher hätte es wirklich
nötig D zu verlassen, damit von seinen
geschätzten 100 Mio Jahreseinkommen 70
Mio anstatt 50 Mio für ihn übrig bleiben
? Auch 50 Mio kann er in D nicht
ausgeben.
Trotzdem zahlt er seine Steuern in der
Schweiz...
Du weichst schon wieder aus! Wer es bei
einem Einkommen von 100 Mio jährlich
nötig hat 10 oder 20 Mio Steuern zu
sparen und deshalb seine Heimat verlässt
ist für mich ein gieriger Kleingeist.
Nötig hätte er es wohl nicht, also kann
es nur die Gier sein.
Das stimmt, aber so ist das nun mal.
Also sollte man sich nicht darüber echauffieren, sondern nach Lösungen suchen.
Siehe Österreich. Dort bezahlen Spitzensportler, Musiker u.s.w. meines Wissens pauschal 25% ESt. Damit können sie leben und bleiben im Land. So bekommt Österreich wenigstens einen Teil und nicht etwa gar nichts.
Wer weniger tut, hat eben auch weniger.
Da sehe ich kein Problem.
Wohlgemerkt: es geht mir hier nicht um
die Kreation einer
Ellenbogengesellschaft, sondern um eine
wirklich gerechte Verteilung der Lasten.
Immer nur nach der Schröpfung der sog.
"Reichen" zu schreien, ist perfide.
Natürlich soll der, der weniger tut auch
weniger haben. Aber die Möglichkeiten
sollten dann schon vorhanden sein, was zu
tun. Bei 4 Mio Arbeitslosen kann man beim
Besten Willen nicht mehr davon reden, das
jeder seines Glückes Schmied ist.
Genau wegen unseres unbezahlbaren
Sozialsystems haben wir die überhaupt !
Wer kann es sich denn noch leisten, in
Deutschland Arbeitsplätze zu schaffen ?
Bei den horrenden Lohnnebenkosten
(Arbeitgeberanteil) hier, und das noch
mit der Option auf mehr lt. DGB, wird
sich jeder ausländische Investor dreimal
überlegen, ob die vielgepriesene deutsche
Ausbildung das wirklich wert ist.
Den Grossverdienern wird Steuerflucht zu
leicht gemacht.
Das stimmt. Aber in einem fairen System
will gar keiner flüchten. Wäre das nicht
die bessere Lösung ?
Na klar, aber wie unsere Diskussion
unschwer zeigt scheint der Begriff "fair"
unterschiedlich deutbar zu sein.
Fair wäre für mich zB die Arbeit besser
zu verteilen. Grossunternehmen stärker an
der Steuerlast zu beteiligen....
Sehr gut !
Großunternehmen ! Endlich mal nicht die
Wirtschaft insgesamt verpönt !
Siemens zahlt weniger Steuern, als die
Firma Subventionen erhält. Das ist falsch
und da gebe ich Dir recht !
Gut, dass du Siemens als Beispiel nennst:
Glaubst du allen Ernstes, die könnten es
sich nicht leisten, neue Arbeitsplätze zu
schaffen ? Wegen der Tarifverträge, die
die Arbeitgeber selber mit abgeschlossen
haben? Oft wird vergessen, dass
Tarifverträge in beiderseitigem
Einvernehmen entstehen. Und die
Lohnnebenkosten hat wohl die
Kohlregierung erhöht.
...und vorher schon die regierung Schmidt u.s.w.
Was außerdem immer vergessen wird ist, dass die Regierung Kohl mit weitaus schwierigeren Rahmenbedingungen zu kämpfen hatte als die Regierung Schmidt.
Außerdem sind Tarifverträge nicht frei verhandelbar, denn der DGB hat eine sehr starke Machtposition und ein harter Arbeitskampf ist nicht im Interesse der Industrie. Warum speeren die wohl niemals aus ?
Sozialmissbrauch, mit dem
sich soweit ich weiss noch keiner eine
goldene Nase verdient hat, gilt als
schwerstkriminell, während
Steuerhinterziehung in Milliardenhöhe ein
Kavaliersdelikt ist.
Nur wird Sozialmißbrauch gar nicht erst
verfolgt. Und die sog. "Goldene Nase"
gibt es in vielen Fällen.
Solche Fälle müsstest du mir wirklich
nennen. Ich kenne keine, bei denen die
erschwindelte Summe über den vier- oder
fünfstelligen Bereich gestiegen wäre
Nachher, muß mal wieder was tun...
Also:
1.) allein drei alleinerziehende Mütter in meinem Bekanntenkreis, deren Kinder alle über 6 Jahre alt sind und die locker wieder arbeiten könnten. Sie tun es nicht, denn die Sozialhilfe ist höher als das, was sie verdienen könnten.
2.) heute in der AZ München:
Sozialhilfeempfänger-Pärchen macht bei der Hausratsversicherung nach einem Einbruch Wertgegenstände wie Teppiche, Gemälde, Silberbesteck und elektronische Geräte im Wert von über DM 200.000 geltend.
3.) Ein Asylbewerber aus Ghana kassiert Essensgeld und wohnt im Asylantenheim. Allerdings besitzt er eine Eigentumswohnung (vermietet) und einen Mercedes Jahreswagen.
u.s.w.
Und bitte, komme mir jetzt nicht mit dem Begriff "Einzelfälle".
Würde man hier hart durchgreifen, könnte man sich angemessen um die wirklich Bedürftigen kümmern.
Von unseren Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern sind das vielleicht 60%.
Gruß,
Mathias