Tipps zu Geschichtsverständnis der Türkei

Von: , Frage gestellt am Di, 19. Apr 2005

Ich habe gerade auf Spiegel Online einen Artikel über den Antrag der CDU/CSU zur Einrichtung eines Gedenktages bezüglich der Morde an den Christlichen Armeniern ab dem 24. April 1915 gelesen ( http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,352... ) und muss sagen, dass ich überrascht und schockiert bin über die Reaktion der Türkei auf diesen Antrag.
Offensichtlich weigert sich die Führung in Ankara den Völkermord der 1894 begann und 1915 - 1918 seinen Höhepunkt hatte (mindestens 1 Millionen Menschen wurden ermordet) als solchen anzuerkennen. Auf der Webseite des Türkischen Kultusministeriums heißt es:
"Der 24. April, an dem die Diaspora-Armenier dem sogenannten "Jahrestag des armenischen Völkermordes" gedenken, ist nichts anderes als das Datum, an dem 2345 Mitglieder der Komitees verhaftet wurden. http://www.kulturturizm.gov.tr/portal/default_de.asp...

Die Türken waren zu dieser Zeit mit dem Deutschen Kaiserreich verbündet und das Massaker galt dem dritten Reich als Vorbild:
"Adolf Hitler befahl seinen Truppen, ob SS oder Wehrmacht, gnadenlos gegen slawische und jüdische Europäer vorzugehen, sie auszurotten. Denn, "wer erinnert sich schließlich noch an die Ausrottung der Armenier?"." http://www.gfbv.it/2c-stampa/2005/050408de.html

Sicherlich ist der Antrag der CDU/CSU nur vordergründig darauf gerichtet die Türkei "in die europäische Erinnerungskultur mit einzubeziehen" (Christoph Bergner, CDU), aber man muss sich tatsächlich die Frage stellen, ob ein Land, dass nach 90 Jahren nicht bereit ist begangenes Unrecht einzugestehen, akzeptabel ist für privilegierte Beziehungen mit der EU oder gar eine Mitgliedschaft.
Ich bin mal gespannt, wie die SPD auf diese Vorgänge reagiert (Sie hatten selbst beabsichtigt einen derartigen Antrag einzureichen dann aber aus Rücksichtnahme auf die Türkei darauf verzichtet) - wenn sie dem Antrag zustimmt und der 15.04. ein Gedenktag wird verliert sie wohl einen großen Teil ihrer Türkischen Stammwählerschaft, wenn sie ihn jedoch ablehnt verliert sie auch noch den letzten Funken Glaubwürdigkeit.

Geschichte wird von den Siegern geschrieben und viele Gräueltaten in vielen Ländern dieser Erde werden verdreht und verharmlost. Aber sich für den Beitritt in einer Gemeinschaft zu bewerben deren große Mehrheit Christen sind und gleichzeitig den Massenmord an Christen zu vertuschen, ist schon sehr unverfroren...

OSU

P.S.: In Berlin gedachten übrigens vor vier Wochen Türken des früheren Innenministers des Osmanischen Reiches, Mehmed Talaat Pascha. Es gab eine Kranzniederlegung, die vom Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Berlin, Tacittin Yatkin organisiert wurde, der Talaat als einen Märtyrer bezeichnete. Talaat wurde nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches mit deutscher Hilfe nach Berlin geschleust. Er gilt als einer der Hauptverantwortlichen der Massaker und wurde am 15. März 1921 von einem jungen Armenier auf der Hardenbergstraße in Berlin erschossen.

13 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 20 Stunden hilfreich
    Ich liebe Gedenktage

    Moin,

    super, ich finde wir sollten jeden Tag für irgend ein Massaker, irgend einen Vöklermord, Genozid etc. einen Gedenktag haben. Unsere Geschichte sollte ausreichend hergeben, um 365 Tage zu füllen. Einzige Bedingung: Die Vorkommnisse sollten möglichst so lange her sein, dass weder direkte Überlebende, noch Täter noch am Leben sind.

    So können wir dann die Nachrichten mit beschütterndem Erinnerungsgedusel füllen und die aktuellen Völkermorde, Genozide, Massaker, Kriege etc. rücken zusammen mit den jeweiligen Tätern in die Sparte "ferner liefen". Dafür können dann die folgenden Generationen einen entsprechenden Gedenktag einlegen.

    *kerzchen anzünd*
    Marion

  2. Antwort von nach einem Tag hilfreich
    Re: Deutsche Politiker

    aller Coleur zu dem Thema: Das Wort Völkermord wird peinlichst vermieden, man will ja mit den Türken drüber reden und nicht die Tür zuschlagen..... mann, mann wo sind wir nur hingekommen......
    LG
    Mikesch

  3. Antwort von nach 13 Tagen hilfreich
    Re: Geschichtsverständnis der Türkei

    Bist du Armenier?

    • Antwort von nach 58 Tagen hilfreich
      Re^1: Geschichtsverständnis der Türkei

      Hier mal eine Stellungnahme der türksichen Internet Community, welche die türksiche Haltung in der Sache ziemlich gut darstellt.

      Stellungnahme der Türkischen Internet Community zum Genozidvorwurf an den Armeniern

      [MOD: Artikel wegen Copyrightverstosses durch Link ersetzt -mkl-]
      http://www.turkcom.org/content.php?article.23


      Ich persönlich glaube keinem der beiden Seiten. Die Türkei ist sicher nicht das Unschuldslamm in der Sache, aber auch nicht die Armenier. Was mich aber immer wieder wundert ist, dass man den Armeniern alles aufs Wort glaubt obwohl sie schon mehrmals versucht haben gefälschte Belege vorzulegen. Auch die Tatsache dass sich die Armenier weigern eine internationale Historikerkommision an die Sache ranzulassen stinkt. Und dann wären da noch die Malta-Prozesse. Alle Angeklagten dieses Prozesses wurden freigesprochen weil man einen Genozid nicht beweisen konnte obwohl man uneingeschränkten Zugang zu den osmanischen Archiven hatte. Warum nicht?



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