Gedanken zum 12. November

Von: , Frage gestellt am So, 14. Nov 1999

Gedanken zum 12. November

Am 12 November 1918 ist unsere Republik Österreich gegründet worden. Vorgestern, am 12 November 1999 sich einiges getan.
Etwa 50 000 Menschen haben in der Wiener Innenstadt gegen die ‚Koalition mit dem Rassismus' gestimmt. (Nach Angaben der Polizei 25 000, nach Angaben der Veranstalter 70 000) Mein Eindruck: Es war eine riesige Menschenmenge. Sie reichte vom Kohlmarkt über den Graben zum Stock im Eisenplatz über den Stephansplatz weit in die Kärntner Straße und die Rotenturmstraße. Nichts ging mehr (zumindest nicht vor und zurück) Ich habe von der Pestsäule am Graben bis zum Stock im Eisen Platz 30 Minuten gebraucht. (Sonst gehe ich die Strecke in 30 Sekunden.) Es war bewegend. Was mich besonders bewegt hat war die Rede von Marcus Omofumas Bruder. Gut ich persönlich hätte mir gewunschen, daß es für (Menschlichkeit etc.) allenfalls gegen etwas (Rassismus, Fremdenfeindlichkeit) und nicht gegen jemand (FPÖ, Innenminister) geht. Und so habe ich nicht ein rotes Blinklämpchen, sondern eine Kerze mitgehabt. Nach der Demonstration haben wir den Tag der Republik gefeiert.

Was ist an diesem Tag noch passiert? Jörg Haider hat sich bei den Opfern des 3. Reiches für mißverständliche Äußerungen entschuldigt, und sich von der Politik der NSDAP distanziert. Was mich persönlich betrifft: Entschuldigung angenommen. Wenn man sich die Hände schüttelt, werden aus Feinden Gegner und aus Gegnern Freunde mit verschiedenen Ansichten. (Schaue mir im Spiegel in die Augen, bin sehr blauäugig)

Nur, die Ausländer in unserem Land haben es auch ohne FPÖ in der Regierung schwer genug. In Kärnten, wo Jörg Haider Landeshauptmann ist, hat man selbst den Zuzug von Familienangehörigen eingestellt. Dazu paßt der ebenso am 12. November angelaufene Film ‚Geboren in Absurdistan'. (Hoffentlich auch in Deutschland und der Schweiz zu sehen) Es geht um zwei Familien deren Babys vertauscht werden. Eine Familie aus der Türkei, wird abgeschoben. Was dann folgt wird nicht verraten. Außer: es ist ein ausgesprochen rührender Film mit spaßigen Elementen. Mit Überraschungen wurde nicht gespart. Ich habe mich meiner Tränen nicht geschämt.

Tag der Republik, ich denke wir brauchen uns für unser Österreich nicht zu schämen, aber vieles muß noch getan werden: Für die Demokratie und die Menschlichkeit.

In Erwartung von Steinen von links und rechts
Shalom, Pax, Friede, Peace, Mir.
Euer Derdersichimmernochliberalnennt.

7 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 52 Minuten hilfreich
    Re: Gedanken zum 12. November

    Hallo Herbert! Gedanken zum 12. November
    hab ich mir auch gemacht. Am 12 November 1918 ist unsere Republik
    Österreich gegründet worden. Vorgestern,
    am 12 November 1999 sich einiges getan.
    Was mich
    besonders bewegt hat war die Rede von
    Marcus Omofumas Bruder. Gut ich
    persönlich hätte mir gewunschen, daß es
    für (Menschlichkeit etc.) allenfalls
    gegen etwas (Rassismus,
    Fremdenfeindlichkeit) und nicht gegen
    jemand (FPÖ, Innenminister) geht. Und so
    habe ich nicht ein rotes Blinklämpchen,
    sondern eine Kerze mitgehabt. Nach der
    Demonstration haben wir den Tag der
    Republik gefeiert.
    Kann ich gut nachfühlen.
    Habe mich über die Reaktion der Menge auf die Politikerreden gewundert. Was ist an diesem Tag noch passiert? Jörg
    Haider hat sich bei den Opfern des 3.
    Reiches für mißverständliche Äußerungen
    entschuldigt, und sich von der Politik
    der NSDAP distanziert. Was mich
    persönlich betrifft: Entschuldigung
    angenommen. Wenn man sich die Hände
    schüttelt, werden aus Feinden Gegner und
    aus Gegnern Freunde mit verschiedenen
    Ansichten. (Schaue mir im Spiegel in die
    Augen, bin sehr blauäugig)
    Das rechne ich Dir hoch an. Nur, die Ausländer in unserem Land haben
    es auch ohne FPÖ in der Regierung schwer
    genug. In Kärnten, wo Jörg Haider
    Landeshauptmann ist, hat man selbst den
    Zuzug von Familienangehörigen
    eingestellt. Dazu paßt der ebenso am 12.
    November angelaufene Film ‚Geboren in
    Absurdistan'. (Hoffentlich auch in
    Deutschland und der Schweiz zu sehen) Es
    geht um zwei Familien deren Babys
    vertauscht werden. Eine Familie aus der
    Türkei, wird abgeschoben. Was dann folgt
    wird nicht verraten. Außer: es ist ein
    ausgesprochen rührender Film mit spaßigen
    Elementen. Mit Überraschungen wurde nicht
    gespart. Ich habe mich meiner Tränen
    nicht geschämt.

    Tag der Republik, ich denke wir brauchen
    uns für unser Österreich nicht zu
    schämen, aber vieles muß noch getan
    werden: Für die Demokratie und die
    Menschlichkeit.
    Mehr Menschlichkeit wäre in unseren Ausländergesetzen wirklich angebracht. Aber die stammen gar nicht von der FPÖ. Das hat unsere langjährige Koalition vermurkst. In Erwartung von Steinen von links und
    rechts
    Shalom, Pax, Friede, Peace, Mir.
    Euer Derdersichimmernochliberalnennt.
    Soll sich einer unterstehen, einen Stein zu werfen!!!

    Shalom

    Harald

    • Antwort von nach 3 Stunden hilfreich
      Re^2: Gedanken zum 12. November

      Servus Harald
      Mehr Menschlichkeit wäre in unseren
      Ausländergesetzen wirklich angebracht.
      Aber die stammen gar nicht von der FPÖ.
      Das hat unsere langjährige Koalition
      vermurkst.
      Das stimmt. Ich habe viele Freunde, die darunter leiden. Wenn Du's noch nicht getan hast, dann schau Dir 'Geboren in Absurdistan' an. In Erwartung von Steinen von links und
      rechts
      Shalom, Pax, Friede, Peace, Mir.
      Euer Derdersichimmernochliberalnennt.
      Soll sich einer unterstehen, einen Stein
      zu werfen!!!
      Tanx
      Shalom
      Herbert Shalom

      Harald

  2. Antwort von nach einer Stunde hilfreich
    Re: Gedanken zum 12. November

    Ich war zwar so weit hinten im Zug, daß ich die ganzen Reden nicht mitbekommen habe, aber ich stimme Dir zu, daß es etwas nervend war, daß sich im Vorfeld der Demo so viele auf einzelne Politiker eingeschossen hatten.
    Und eine Politikerin während der Rede mit Eiern zubewerfen ist auch nicht gerade ein Zeichen tiefster Toleranz.
    Aber abgesehen davon herrschte eine friedliche Atmosphäre. - Haider hatte ja vor den "fanatischen Gutmenschen" gewarnt. Ein führender FPÖ-Politiker hatte sogar befürchtet, daß mit dieser Demo die Grundlagen für einen Bürgerkrieg gelegt werden ("Das kann der Startschuß für einen bürgerkriegsähnlichen Zustand werden, in dem Österreicher gegen Österreicher aufgehetzt werden", Hans J. Schimanek).

    Dazu nur ein großes :))

    Zur "Entschuldigung" Haiders möchte ich noch anmerken, daß er eine durchaus originelle Formulierung verwendet hatte: er entschuldigte sich nicht für Aussagen, die er getätigt hatte, sondern für Aussagen, "die ihn zugeordnet wurden". Aber mehr war bei ihm wohl nicht drinnen...

    Mike

    • Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
      Re^2: Gedanken zum 12. November

      Servus Mike Ich war zwar so weit hinten im Zug, daß
      ich die ganzen Reden nicht mitbekommen
      habe, aber ich stimme Dir zu, daß es
      etwas nervend war, daß sich im Vorfeld
      der Demo so viele auf einzelne Politiker
      eingeschossen hatten.
      Und eine Politikerin während der Rede mit
      Eiern zubewerfen ist auch nicht gerade
      ein Zeichen tiefster Toleranz.
      Das stimmt. Das Lichtermeer hat mir deswegen besser gefallen. Aber abgesehen davon herrschte eine
      friedliche Atmosphäre. - Haider hatte ja
      vor den "fanatischen Gutmenschen"
      gewarnt. Ein führender FPÖ-Politiker
      hatte sogar befürchtet, daß mit dieser
      Demo die Grundlagen für einen Bürgerkrieg
      gelegt werden ("Das kann der Startschuß
      für einen bürgerkriegsähnlichen Zustand
      werden, in dem Österreicher gegen
      Österreicher aufgehetzt werden", Hans J.
      Schimanek).

      Dazu nur ein großes :))
      Ja, die einzigen Gewalttägtigen, waren die Leute, die auf den Füßen der anderen standen. :-) Zur "Entschuldigung" Haiders möchte ich
      noch anmerken, daß er eine durchaus
      originelle Formulierung verwendet hatte:
      er entschuldigte sich nicht für Aussagen,
      die er getätigt hatte, sondern für
      Aussagen, "die ihn zugeordnet wurden".
      Aber mehr war bei ihm wohl nicht
      drinnen...
      Stimmt! Das nennt man Dialektik oder so. So hat er für seine ganz rechten Wählerschaft eine Ausrede parat.

      Servus
      Herbert Mike

  3. Antwort von nach 5 Stunden hilfreich
    Re: Gedanken zum 12. November

    Gedanken zum 12. November

    Am 12 November 1918 ist unsere Republik
    Österreich gegründet worden. Vorgestern,
    am 12 November 1999 sich einiges getan.
    Etwa 50 000 Menschen haben in der Wiener
    Innenstadt gegen die ‚Koalition mit dem
    Rassismus' gestimmt. (Nach Angaben der
    Polizei 25 000, nach Angaben der
    Veranstalter 70 000) Mein Eindruck: Es
    war eine riesige Menschenmenge.
    Es freut mich ganz besonders, dass so viele junge Menschen gekommen sind (nicht nur frustrierte 68!!!) Es wundert mich auch, dass nur zwei Leute umgekippt sind, denn ich stand fast genau vor der Bühne. Kam mir vor wie in einer U-Bahn in welcher keiner mehr Platz hat und trotzdem noch Menschen hineingeschoben werden. (Es waren ganz sicher fast 50 000) Die offiziellen Angaben stammen nur von der Menschenmenge vor dem Parlament.
    Aber diese Demonstration war erst der Anfang des Widerstandes gegen den Rassismus!!!
    Gruß Ina

    • Antwort von nach 12 Stunden hilfreich
      Re^2: Gedanken zum 12. November

      Hi Ina! Es freut mich ganz besonders, dass so
      viele junge Menschen gekommen sind (nicht
      nur frustrierte 68!!!)
      Das gibt Hoffnung! Hat mich besonders gefreut. Es wundert mich
      auch, dass nur zwei Leute umgekippt sind,
      denn ich stand fast genau vor der Bühne.
      Kam mir vor wie in einer U-Bahn in
      welcher keiner mehr Platz hat und
      trotzdem noch Menschen hineingeschoben
      werden. (Es waren ganz sicher fast 50
      000) Die offiziellen Angaben stammen nur
      von der Menschenmenge vor dem Parlament.
      Ich denke, selbst die Veranstalter haben den Andrang völlig unterschätzt. Viele kamen erst um 18h (Arbeitszeit) und hatten keine Chance zum Stock im Eisenplatz vorzudringen. Vielleicht wäre es besser gewesen, die Veranstaltung am Heldenplatz abzuhalten. Aber diese Demonstration war erst der
      Anfang des Widerstandes gegen den
      Rassismus!!!
      JA!

      Servus Euer Herbert Gruß Ina

  4. Antwort von nach 16 Stunden hilfreich
    *schnüff*

    In Erwartung von Steinen von links und
    rechts
    Shalom, Pax, Friede, Peace, Mir.
    Euer Derdersichimmernochliberalnennt.
    Wer wollte da noch mit Steinen werfen?

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