Servus Jürgen,
vor zwanzig Jahren wäre hier Cotoneaster, das Standard-Begleitgrün für alle Böschungen, das Nonplusultra gewesen - ich persönlich find ihn ziemlich zuwider.
Süd-exponiert ließe sich da eine Art Thymianrasen gestalten - Thymian ist sehr reich an Zuchtformen in verschiedensten Ausrichtungen von Blattfärbung, Blüte, Aroma. Zu Beginn wärs gut, ihn jeweils nach Schneeschmelze z.B. mit der Heckenschere ziemlich nieder zu halten, damit er in die Breite geht und nicht vorzeitig vergreist. Die Thymianspielarten aus dem Mittelmeerraum, die flächendeckend wachsen (im Gegensatz zum buschigeren Deutschen Thymian), gehen im Winter in Ruhe und ein Schluck Schnee obendrauf macht ihnen nichts aus, wenn er bloß irgendwann Ende März weggeht.
Zu Thymian gehört Rosmarin als senkrechte Komponente. Der macht keine Polster, aber unter Schneelast mit den Jahren ganz scharmante Formen.
Farblicher Kontrast dazu Blauschwingel: Der bleibt wo er ist, aber er hält sich gut fest und bildet ein paar Ankerpunkte gegen die Regenfurchen.
Pionierpflanzen, die in sonniger Lage schnell Polster bilden, sind das gelbe und das rostrote Habichtskraut. Die kommen von Bergwiesen und sind Winter gewöhnt. Wenn die allerdings im dritten Jahr in Schwung sind, mögen sie nicht mehr so gern anderes neben sich haben.
Wenn der Boden selber einigermaßen durchlässig ist, kann man so eine Hanglage mit der Deutschen Schwertlilie Iris Germanica befestigen, die auch in Winterruhe geht. Bei der dauerts vielleicht zwei-drei Jahre, aber dann hat man die Bodenoberfläche mit dem knolligen Wurzelwerk sauber abgesichert.
Alle genannten kann ich mir in Kombination vorstellen, ohne daß das wie ein Sammelsurium wirkt.
Bis die ganze Sache eingewachsen ist, braucht es eine Abdeckung, die das Oberflächenwasser ableitet, ohne daß der Boden weggerissen wird. Leichte Strohmatten („Sichtschutz“) können da nützlich sein: in dem Maß, in dem sich die Pflanzen ausbreiten, werden sie nach und nach brüchig und gehen den Weg allen organischen Materials.
An entsprechender Stelle hab ich mir Mini-Terrassen aus den üblichen billichen Bambus-Pflanzenstäben eingerichtet: Kurze Abschnitte ca. 30cm gesägt, diese etwa 20cm tief jeweils zu zweit in den Boden gesteckt, dazwischen von Stütze zu Stütze jeweils vier oder fünf Stäbe gelegt: die, die in eine Richtung gehen, dienen als Abstandhalter für die in der anderen Richtung. Jupiterbart befestigt die Konstruktion an den empfindlichen Punkten, und wo Boden abgeschwemmt ist, gibts im Herbst ein paar Handvoll grob strukturierten Kommunalkompost oben drauf.
Wer auch solche Hanglagen gewöhnt ist, und bei Störung durch Auswaschen des Bodens an den seltsamsten Stellen aus dem Wurzelwerk austreibt - und auch mit Winter klarkommt: Lavendel. Wenn der einmal im zweiten-dritten Jahr ist, tut ihm keiner mehr was. - Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) hält rauheres Klima aus als der verbreitete Lavandin (Hybride aus L. angustifolia x L. latifolia). Einmal buschig und verholzt, bremst Lavendel die Gewalt von Niederschlägen und schützt den Abhang ganz ordentlich.
An den klassischen Posterbildnern sieht man sich schnell satt; Geschmackssache - vielleicht am ehesten Polsterphlox.
Ein erfreulicher Frühjahrsblüher, der ein paar Zentimeter unter der Oberfläche weitläufiges Wurzelwerk anlegt und damit befestigt, ist Huflattich. Das Blattwerk, das er über Sommer zeigt, gefällt allerdings nicht jedem: Es sieht ein bissel nach „Unkraut“ aus.
Schöne Grüße
MM