Schneebruch beim Apfelbaum

Liebe Experten,

der Winter hat meinem (einzigen) Apfelbaum im Garten arg zugesetzt: der schwere Schnee hat einen „Leitast“ so nieder gedrückt, dass er am Stamm ganz weit unten abgebrochen ist.

Gestern haben wir nun endlich diesen Ast ganz abgesägt. Allerdings klafft jetzt im Stamm eine riesige „Wunde“. Ist der Baum noch zu retten? Was muss ich tun, um diese Wunde zu verschließen?

Wer hat Tipps für mich?
Ich bedanke mich schon mal herzlich im Voraus.

Gruß
Uschi

Hallo, Uschi,
Das hängt natürlich sehr von der Größe der Wunde ab.
Wir gehen so vor: Den Bruch glatt abschneiden, etwaigen Pilzbefall bis ins gesunde Holz hinein entfernen, säubern und dann 1-2 cm über die freiliegenden Stellen hinaus abdecken. Entweder mit Baumwachs oder (vorzugsweise bei größeren Schäden) mit Tervanol (Dr. Stähler) einpinseln.
Beide Mittel erhältst du im gut sortierten Landhandel. (BayWa, Raiffeisen etc).
Wir haben damit sogar größere Baumwunden (bis ca 20 cm Durchmesser) erfolgreich behandelt.
Alles Gute Deinem Apfelbaum!
Gruß Eckard.

Vielen Dank, Eckard :smile:
Ja, die Wunde ist ziemlich groß, es war der unterste Ast, der abgebrochen wurde. Aber ich werde deine Tipps befolgen, denn der Baum, auch wenn er immer nur ein paar Äpfel trägt, ist mir doch ein bisschen ans Herz gewachsen - da kann man im Sommer so schön im Schatten drunter dösen…

Gruß
Uschi

wundverschluss ja oder nein?
hallo uschi,
über sinn und unsinn von wundverschlussmitteln bei bäumen gibt es haufenweise untersuchungen.
das problem ist nämlich: wenn UNTER dem ‚schutzmittel‘ pilzsporen sitzen, haben diese wiederum leichtes spiel, denn sie sind ja auch geschützt… vor allem vor ihrem grössten feind, der austrocknung. gerade unter baumwachs herrschen ideale bedingungen. es gibt von baumsachverständigen untersuchungen, die nachgewiesen haben, dass bereits eine sekunde frischluft an der wunde genügt (so schnell würde es keiner schaffen zu sägen und das zeug draufzuschmieren), um genug sporen, die ja überall in der luft sind, die möglichkeit der infektion zu geben.
hm… also was tun? am besten hilft sich der baum selber durch seine wundheilung. durch das richtige absägen des astes - also an der richtigen stelle im richtigen winkel - kann das erheblich gefördert werden. leider bin ich grad im urlaub und hab meine bücher nicht da, wo das gut beschrieben ist, sorry.
ich habe oft andere gärtner gefragt (obstbauer), wie sie es halten und die überwiegende mehrzahl plädiert eigentlich für dieses leuchtendrote flüssige zeugs (mist, auch diesen namen hab ich leider nicht im kopp… bin lange raus aus der praktischen arbeit AM baum)… wenn überhaupt was. die hardliner unter den alten gärtnern nehmen holzschutzmittel… ob das natürlich dem baum guttut, weiss ich auch nicht.
aber ich denke mal, dass dein apfelbaum das ganze gut verkraften wird. es kommt bei dir ja nicht auf ertrag an sondern auf den baum an sich. und in der natur ist es gang und gäbe, dass äste ausbrechen.
sorge halt dafür, dass das nicht nochmal passiert. lass mal jemand deinen baum schneiden, damit licht und luft in die krone kommen (fördert auch das tragen). so ist auch die angriffsfläche für nassschnee nicht so gross.
sorry, dass ich dir im mom nicht mehr sagen kann, wie gesagt, bin leider nicht daheim.
viele grüsse, muschel

Hallo, Muschel

über sinn und unsinn von wundverschlussmitteln bei bäumen gibt
es haufenweise untersuchungen.

So ist das - und unterschiedlich sind die Sichtweisen bei Erwerbsobstbauern und Baum"chirurgen", die Parkbäume erhalten müssen.

das problem ist nämlich: wenn UNTER dem ‚schutzmittel‘
pilzsporen sitzen, haben diese wiederum leichtes spiel, denn
sie sind ja auch geschützt… vor allem vor ihrem grössten
feind, der austrocknung. gerade unter baumwachs herrschen
ideale bedingungen.

Dieses Argument lasse ich nur sehr eingeschränkt gelten. Wenn bereits eine Sekunde den Baum Pilzsporen aussetzt, dann wird es das ständige Offenlassen der Schnittfläche erst recht tun. Wenn es sich nur um Abdecken handelt (Baumwachs) mag das vielleicht im Einzelfall weniger vorteilhaft sein. Die anderen Mittel zur Versorgung von Baumwunden enthalten jedoch auch Fungizide (weshalb auch einige nicht ganz unbedenklich sind).

durch das richtige absägen des astes - also
an der richtigen stelle im richtigen winkel - kann das
erheblich gefördert werden.

Da gebe ich Dir mal recht :smile: Allerdings gilt das eher für das geplante Entfernen von Ästen, bei Wind-/Schneebruch gilt es, die Wunde zu versorgen.

Ich habe mich mit meinem Schwiegervater (er ist Baumschul"lehrer") noch einmal beraten, und auch er ist der Meinung, dass es besser ist, jede Baumwunde die größer als ein 5-Mark-Stück ist, zu säubern und abzudecken.

Was die „normale“ Baumpflege betrifft (Auslichten usw), stimme ich Dir zu, aber da ist jetzt ja nicht die rechte Zeit dafür, man sollte es für den Spätherbst/Winter einplanen.

Gruß Eckard.

hi eckard,
hast recht, richtig erkannt, ich komm mehr von der baumpfleger-seite. eigentlich ist es teil meines jobs, die standsicherheit von bäumen zu beurteilen.
von wegen dauerndem sporen-ausgesetztsein bei nicht-verschliessens der wunde: ist natürlich logisch, da hast du wohl recht. nur: die lebensbedingungen sind schlechter für die pilze als unter wachs. so haben wir es jedenfalls in den schulungen gelernt und ich finds auch ziemlich nachvollziehbar.
ich wettere ja auch immer nur gegen den einsatz von baumwachs (lacbalsam und co). wie gesagt… wenn, dann lasse ich dieses giftig-rote zeugs anwenden, wo mir ums verrecken der name immer noch nicht einfallen will.
das mit dem 5-mark-stück als richtwert ist eine alte gärtnerregel, die kenne ich auch.
ich entscheide eigentlich immer individuell am baum, was ich mache … vielmehr machen lasse. das geht halt hier in reiner schriftform nicht.
viele grüsse, muschel

Hallo Muschel,

die Wunde an meinem Baum ist ungefähr 10 x 20 cm groß! D.h., der Ast ist leider bis in den Stamm hinein abgebrochen. Ich danke dir auch herzlich für deinen Rat, aber ich denke, ich werde erst mal Eckards Ratschlag befolgen.

Gruß
Uschi