Junger Hund hasst Austräger (Brief, Prospekte usw)

Hallo,

die Rottweiler-Mischung Berci (ca. 6 Monate, aus Ungarn) rastet aus, wenn Briefträger und Co. was einwerfen.
Unsere Idee (der Hund gehört dem Bruder meiner Freundin und dessen Frau, wir sind nur Abend-Ausführer): den Hund am Samstag vormittag abzuholen und sozusagen ausser Haus auf den Briefträger zu warten.
Und da mussten wir leider feststellen, dass Berci auch auf die Schüler „los gehen will“, die irgendwelche Werbeblätter (auch in fremde Häuser!!) verteilen.
Ich hielt den Hund, meine Freundin ging zu den Schülern, holte sich einen Prospekt, liess den Hund daran schnuppern, dann beruhigte sich der. Also hier herrscht noch Übungsbedarf!
Eine neue Idee von uns: Wir parken unser Auto eine Strasse weiter entfernt, laufen zu „seinem“ Haus, klappern mit dem Briefkasten und werfen etwas ein.
Hat jemand einen weiteren Vorschlag, eine Idee?

Danke
Konrad

Hallo!

Ich finde es schon mal ganz ganz toll, dass ihr versucht dem Hund sein „angeblich so dominantes Getue“ abzugewöhnen. Ich glaube aber, das ist nichts als Angst. Wichtig wäre dazu zu wissen wie alt der Hund ist, und wie er aus Ungarn nach Deutschland gekommen ist. War er ein „Mitleidskauf“ oder aus einer unbekannten Zucht, dann wirds schon mal schwierig. Der Hund muss in seiner Prägungsphase als Welpe wenig oder keine Kontakte zu fremden Menschen gehabt haben. Gerade das wäre für eine Rasse wie der Rotti eine ist, absolut notwendig. Aber was passiert ist, kann man nicht mehr ändern. Es ist jetzt wichtig, dem Hund Sicherheit zu geben, aber UNBEDINGT auch konsequent zu sein und ihm zeigen, dass man für ihn da ist und fähig ist ein guter Alpha zu sein (indem man in Schreckreaktionen ruhig bleibt, den Hund nicht „tröstet“ oder „beruhigt“ wenn er sich aufregt, sondern ihn ganz sachlich und emotionslos (aber bitte bitte ohne Gewalt) zurechtweist). Begrüsst den Postboten freundlich, ignoriert den Hund, so gut es geht, wenn er tobt. Oder sollte er sich beruhigen mit der Zeit, kann man auch einen Boten mal um Hilfe bitten. Der Bote sollte dem Hund ein Leckerchen geben, so als eine Art „Bestechung“. (Aber nur, wenns für den Boten wirklich gefahrlos ist! Nicht dass der Hund ihn beisst!) Ich finde eure Methoden ganz toll, macht weiter so!
Liebe Grüsse
Semiramis

hi konrad,
erstmal hat semi schon wichtiges gesagt. ich kann nur anmerken,
was mich etwas stutzig macht:

Unsere Idee (der Hund gehört dem Bruder meiner Freundin und
dessen Frau, wir sind nur Abend-Ausführer): den Hund am
Samstag vormittag abzuholen und sozusagen ausser Haus auf den
Briefträger zu warten.

der hund ist jung. weiß er schon, zu welchem rudel er gehört?
wer ist der boss? du, deine freundin, der bruder? solange das
tier hier nicht klar sieht, ist alles fremde erstmal potentiell
feind und gehört gestellt bzw. beeindruckt. so sind hunde
nunmal.
dies junge tier sollte erstmal lernen, wo es hingehört (das
scheint bei euch etwas unklar).
also wäre mein rat: ein alphatier muß her, und zwar nicht so
nebenbei, sondern mit viel gefühl.
als chef hat man verantwortung, und klein berci wird darauf
vertrauen. aber: es kann nur einen geben…
dann klappts auch mit der post.

alles gute & versteht das tier,
frank

Ich schließe mich Franks Meinung unbedingt an! Wenn der Hund keinen Rudelboss hat und dadurch verunsichert ist, nützen alle guten Versuche, den Hund an Postboten, etc. zu gewöhnen nichts.
Denn der Rudelboss ist verantwortlich für das Wohlergehen des Rudels. Der junge Hund warnt instinktiv sein Rudel vor dem Eindringling. Nun wäre es Aufgabe des Alpha-Tieres, die Situation zu beherrschen und den jungen Hund zurecht zu weisen, bzw. ihm Sicherheit durch eigenes sicheres Auftreten zu geben.
Da dieses Alpha-Tier aber womöglich fehlt, steht der Hund vor einem Dilemma. Rein instinktiv muss er weiter warnen, denn es gibt niemanden, der ihm eines Besseren belehrt.
Falls ein „Alpha-Tier“ jedoch vorhanden ist, sollte es dem Hund durch ruhiges, seriöses Auftreten Sicherheit geben. Der Hund wird beim kurzen Anschlagen kurz gelobt und bei jedem weiteren Bellen etc. zurecht gewiesen. Denn im Grunde ist es positiv, dass der Hund bellt und das Rudel somit vor dem Eindringling warnt. Seine Leistung sollte also kurz anerkannt werden, damit der Hund weiß, dass man seine Warnung bemerkt hat und die Situation nun übernehmen kann. Jedes weitere unnötige Anschlagen wird danach allerdings verboten (kurzes „Nein“ oder den Hund auf seinen Platz schicken). Das verleiht dem Rudelführer Autorität und der Hund lernt, sich in für ihn brenzligen Situationen auf den Rudelboss zu verlassen. Der Postbote sollte normal begrüßt werden und der Hund bei Ruhigbleiben ausgiebig gelobt werden.
Vielleicht hat man einen Mutigen Postboten (oder einen Bekannten, den der Hund noch nicht kennt), der dem Hund an der Tür Leckerchen geben könnte. Dann verbindet der Hund Postboten mit etwas Positiven. Mein Postbote hat selber einen Hund und immer kleine Leckerchen in der Tasche. Mein Hund ist daher ganz vernarrt in Menschen mit gelben Jacken.
Gruß, Galli

Hi Frank,

der Bruder ist der Boss und das weiss der Hund genau. Und wir - meine Freundin und ich - haben Kontakt mit Berci, seit er in Deutschland ist.

Er freut sich, wenn wir kommen, begleitet und spielt mit uns (lässt sich auch das Spielzeug „weg nehmen“ usw.) gehorcht…

Wir können ihn inzwischen frei laufen lassen (ausserorts) und er kommt zurück, wenn wir rufen. Leute, die uns entgegen kommen, interessieren ihn nicht sonderlich. Bei Radfahrern oder Joggern ist das etwas anders, die würde er gerne verfolgen. Aber das ist schon besser geworden.

Berci besucht seit längerer Zeit die Hundeschule (die letzten 4 x mal mit uns). Aus welcher Zucht (Umfeld) der Rotti stammt, weiss vermutlich das Alphatier selbst nicht so genau…

Der Bruder (Alpha) arbeitet die ganze Woche und hat auch am Abend nicht immer Zeit für das Tier (ja, ich weiss…, wieso dann einen Hund?). Seiner Frau fehlt es an Durchsetzungsvermögen, sei es körperlicher oder „akustischer“ Art. Und meine Freundin (auch ich) wollen dafür sorgen, dass der Rotti wenigstens „ein bisschen“ erzogen wird. Derzeit schmökern wir Bücher und die Idee mit der Hundeschule war (anfangs) auch die Idee von uns.

Dass der Hund „sein Haus“ bewacht, ist ja ok, die Frage ist nur, wieso verbellt er in „fremden“ Strassen Austräger von Prospekten oder Post? Wir überlegen uns schon, ob er von Kids (als WinzHund) mal geärgert wurde?

Übrigens: Berci kann man sehen unter www.urselundco.de

Gruss
Konrad

Hallo !

Ein Hund hasst niemanden! Er verteidigt sein Revier und das ist auch ein fremdes Haus.

Eine Geschichte zu unserem ersten Schäferhund, eine treudoofe Hündin, die täglich an der offenen Haustür lag, niemanden biß, sich über niemanden aufregte.
Nur, wenn sie in unserem Kfz saß, allein oder mit uns, dann rastete sie aus, wenn nur irgend jemand mit dem Kopf zu nahe an die Scheibe kam. Selbst als der Ex meiner Frau, der diesen Hund als Welpen gekauft hatte, ihn zum so freundlichen Hund großgezogen hatte, einmal zu nahe kam, hätte unsere/seine frühere Hündin ihm fast die Nase abgebissen. (Leider zog er sie rechtzeitig zurück!).

Ein Hund, der so reagiert, der in allen Situationen friedlich bleibt, nur in einer ganz bestimmten agressiv ist, hat irgendwann mal ein Erlebnis gehabt, welches ihn jetzt so reagieren läßt.
Wahrscheinlich haben die Zusteller sehr menschlich reagiert, nämlich sind immer davongelaufen, als sie ihn sahen. haben sich ihm gegenüber nicht „freundlich“ gezeigt, sondern ängstlich. Und wenn er hinter der Tür zu sehen war, haben sie ihn wahrscheinlich auch zusätzlich geärgert.

Man kann jetzt so oft man will, mit dem Hund nach draußen gehen, auf den Zusteller warten, dem Zusteller vorher Hundekekse geben, die er dann dem Hund gibt. Wird alles funktionieren, aber sobald er wieder vom Inneren des Hauses den Zusteller sieht, wird er wieder ausrasten.
Es ist das Gleiche mit der Türklingel. Schrillt sie durch das Haus, rasten einige Hunde aus bis zum Herzinfarkt.

Abstellen kann man alles nur durch Training. Immer wieder Klingeln und ihn dabei beruhigen. Immer wieder Zeitung bringen lassen und ihn dabei beruhigen, aber auf keinen Fall an der Halskette festhalten. Niemals dem Hund das Gefühl geben, man hält mich fest, damit ich nicht durch die Tür springe. Ein Hund an der Leine oder festgehalten an der Halskette, ist agressiv. Läßt man ihn von der Leine, geht er meist seinen Weg, ohne sich um andere Hunde zukümmern. (Jeder Hundebesitzer kennt die Situation : Hund an Leine trifft Hund an Leine, dann wirds gefährlich und Hund nicht an Leine und es bleibt friedlich).

Es gibt für dieses Problem kein genormtes Vorgehen. Ist der Hund „eigentlich“ ein friedlicher, müßte man es durch Training und Heranführen an die menschliche Person in den Griff kriegen.
Es ist ja in den seltendsten Fällen nur der „Zuträger“, in fast allen Fällen ist es jede Person, die den Hund aufregt. Erst, wenn er mit dem Geruch klar kommt, also diesen zuordnen kann, wird er wieder ruhig. Hat er den Zuträger erst mal richt beschnüffelt, wird er ihn nicht mehr angreife, aber durch die Tür durch anbellen.
Zum Hund gehört das Sehen aber an erster Stelle das Riechen.

Gruß Max

Der Bruder (Alpha) arbeitet die ganze Woche und hat auch am
Abend nicht immer Zeit für das Tier (ja, ich weiss…, wieso
dann einen Hund?). Seiner Frau fehlt es an
Durchsetzungsvermögen, sei es körperlicher oder „akustischer“
Art. Und meine Freundin (auch ich) wollen dafür sorgen, dass
der Rotti wenigstens „ein bisschen“ erzogen wird. Derzeit
schmökern wir Bücher und die Idee mit der Hundeschule war
(anfangs) auch die Idee von uns.

Das ist sehr lobenswert von euch und dem Hund sicher eine große Hilfe! Dennoch ist hier das Problem des fehlenden Alphatieres vorhanden! Denn es ist ja kaum da! Das Alphatier ist nicht etwa dasjenige, dem der Hund gehört. Rudelboss ist der, der am meisten Zeit mit dem Hund verbringt, ihn am meisten erzieht, sich am besten durchsetzen kann. Meiner Meinung nach bist du wahrscheinlich im Moment das Alpahtier! Ein Hund braucht unbedingte Konsequenz, und die kann ihm niemand geben, der kaum da ist. Scheint mir mittlerweile tatsächlich so, als hätte der Hund vielleicht mal ein schlechtes Erlebnis mit Zeitungsausträgern gehabt. Vielleicht ist er mal geärgert worden, mit der Zeitung geschlagen worden, etc.
Dann nützt nur eins: den Hund umkonditionieren!
Im Moment scheint er schlechte Erfahrungen mit Zeitungsausträgern zu verbinden, und reagiert entsprechend. Mit viel Geduld (!) kann man dem Hund einen Zeitungsausträger aber auch wieder symphatischer machen. Hunde sind bestechlich. Beobachtet, was dem Hund am meisten Spaß macht und lenkt ihn in entsprechenden Situationen damit ab. Leckerchen oder Spielen usw. Dann wird der Hund die für ihn an sich gefährliche Situation schnell mit etwas positivem verbinden. Immer wenn der Zeitungsträger kommt, wird gespielt, bekomme ich zu fressen, etc.
Konditionieren klappt bei Hunden hervorragend!
Viel Glück!!
Galli