Hi Frieda!
An sich stimme ich Max zu. Dennoch muss ich korrigieren: wenn sich (angeblich) 99% der Hundehalter mit diesem Problem beschäftigen, dann haben sie irgendetwas in der Erziehung verpasst. Bei uns jedenfalls sind es niemals 99%!
Ich bin der Meinung, dass der Hund durchaus anständig (nicht in Vorschriftsmässig auf der richtigen, sprich linken Seite in millimetergenau abgemessenen Abstand zum Bein) laufen können sollte. Das hat nichts mit unnatürlich, sondern mit Erziehung zu tun. In einem Wolfsrudel darf jedes subdominante Tier (also rangniedere Tier) auch nicht tun und lassen was es will! Und wenn ich wirklich ein würdiger Alphahund sein möchte, setze ich meinem Freund auch klare Grenzen. Dazu kann auch durchaus mal gehören, dass er eben für ein paar Minuten ohne Zerren nebenher läuft.
Wohlverstanden, das schreckliche Beispiel, das Max anspricht, also die Schäferhündin, die einen fast das Bein abgerubbelt hat, weil sie so verklemmt nah lief, ist nicht mein Ziel! Auch wenn es viele nicht wissen, oder wahrhaben wollen: Man kann einem Hund das "Fuss"-laufen nicht nur verderben, nein, es kann ihm auch Spass machen!
Ich jedenfalls arbeite darauf hin, dass die Hunde mit denen ich arbeite sich freiwillig in meine Nähe begeben und sich da wohlfühlen. "Fuss" ist für sie nicht wie die meisten Hunde ein Anlass zu "och, du meine Güte, jetzt muss ich mich wieder am Hals rucken und umherschubsen lassen... bitte nicht!" Sondern mein Ziel ist, dass sich die Hunde da wohlfühlen!
Selbstverständlich muss jeder Hund schnüffeln können und Kontakte mit anderen Hunden haben und jeder Hundehalter ist unvernünftig, wenn er in solchen Momenten seinen Hund kurz an der Leine "Fuss" hält. Der hat nichts verstanden.
Was ich dir also rate, Frieda:
Sorge dafür, dass der Hund mit Freude (!) neben dir laufen lernt, investier Zeit in diese wichtige Übung, gib dem Hund die Sicherheit (und nicht nur das Gefühl!) dass er in deiner Nähe sicher ist und dort auch Hund sein darf. Er soll schnüffeln dürfen, aber nur, wenn du es ihm erlaubst. Das ist für ihn äusserst wichtig, dass er weiss, mit dir zusammen kommt er ans Ziel.
Folgende Übung schlage ich dir vor: Da der Hund ja ansonsten gut läuft, gehst du mit ihm zu einem Ort, wo du weisst/merkst, dass der Hund da gerne schnüffeln möchte. Achte nun gut auf ihn. Sobald er beginnt zu dem Ort hinzudrängeln, bleibst du stehen. Kein Rucken, kein Ziehen. Auch kein Kommando. Er wird eine Weile lang versuchen doch dahin zu gelangen. Du aber bleibst bockstill stehen und lässt ihn nicht an den Ort heran. Warte, bis er sich nach dir umsieht. Dann gehst du in die Knie und lockst ihn zu dir an. Kommt er nicht, ruckst du ein wenig(!). Hol ihn zu dir heran. Ist er bei dir, kriegt er ein Leckerli. Will er das nicht, lass es sein, lobe ihn aber mit Worten und streichle ihn. Vermutlich rennt er gleich wieder los. Sei darauf gefasst und lass ihn ja nicht die Stelle erreichen! Mache das ganze Spiel nochmals, bis er sich voll auf dich konzentriert und nicht mehr zieht. Dann gehst du einen Schritt, zwei Schritte, drei... STOPP! Wahrscheinlich zieht er jetzt schon wieder. Und was machst du? Natürlich, du hältst an und beginnst wieder von vorne. Bis er mit lockerer Leine, ohne zu ziehen an den Fleck kommt und den erreicht, den er so spannend findet. Warte nun auf ihn, lass ihn ausgiebig schnüffeln und lobe ihn. Lenke ihn aber beim Schnüffeln nicht ab! Er soll merken, dass es sich lohnt auf dich zu warten. Mit dir erreicht er alles, ohne dich, da läuft nichts.
Alles klar?
Viel Erfolg und liebe Grüsse,
Christine
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