NOTFALL: Tauben Hund erziehen?

Hallo!
Grosses Problem: Nach einem einjährigen Überlegungssprozess haben wir uns entschlossen, uns einen Hund zuzulegen. Fündig wurden wir im hiesigen Tierheim. Leider hatte man „vergessen“ uns mitzuteilen, das er eine verkrüppelte (und schmerzende) Vorderpfote hat (er wurde wohl von seinem Vorbesitzern misshandelt, auch in der Rute ist ein schlecht verheilter Bruch zu sehen) und -wahrscheinlich- taub ist…jedenfalls reagiert auf keinerlei akustischen Reize (Gebell, Tür- oder Telefonklingel, Hupen etc) sondern nur auf das, was er sieht. Leider haben wir das mit der Taubheit auch erst später gemerkt.
Da wir in der zweiten Etage wohnen, kommt er nur sehr schwer die Treppe hoch und wieder runter…

Da meine Frau Anfängerin in der Hundehaltung ist, kam es zur Katastrophe: Bei einem -von Jerry falsch verstandenen- Erziehungsversuch hat er sie gebissen…und zwar so, das die Wunde genäht werden musste. Seit diesem Moment lässt er sich von ihr nicht mehr anfassen, nicht einmal mehr anleinen…und sie bekommt es mit der Angst zu tun, wenn er sie anknurrt…

Schwersten Herzens haben wir uns entschlossen, ihn wieder ins Heim zu bringen, da ich lange arbeite und sie nicht wusste, wie sie mit ihm Gassi gehen soll…im Tierheim wurden wir dann auch noch als schlechte Menschen, die sich „mal eben“ einen Hund holen hingestellt…ausser dummen Sprüchen a la „ich wusste es ja gleich“ kam da nichts…

Frage an die Gemeinde: Was tun? Wir würden unseren linken Fuss abnagen, um diesem kleinen Kerl wieder aus dem Heim zu holen…die einzige Problematik ist eben die, das wir einen schnellen Weg brauchen, damit er sich wieder von meiner Frau anfassen und tragen lässt…und sei es im Wäschekorb…aber wir wollen weder ihm durch das Treppensteigen Schmerzen bereiten, noch das meine Frau nochmals gebissen wird…wir sind für alle Tips und Erfahrungen dankbar, da wir ziemlich verzweifelt sind…der Kleine ist uns in den zwei Tagen verdammich ans Herz gewachsen und ist auch sonst der ab-so-lu-te Traumhund: Bleibt alleine, macht nichts kaputt, ist 1000%ig stubenrein und und und…

Danke im voraus für Eure Tips…und entschuldigt die epische Breite…
Gruss,

Karin & Nils

Hallo Ihr beiden,

puh, da habt Ihr Euch ja ein echtes Problem ausgesucht. Weniger wegen der Taubheit (es gibt viele taube Hunde, grade z. B. bei den Dalmatinern) und es ist eigentlich gar nicht soo schwierig damit klarzukommen und den Hund auszubilden. Da gibt es auch spezielle Seiten drüber, leider kann ich den link zur Zeit nicht posten, wenn es Euch interessiert, schick ich Euch den per Email sobald ich ihn wieder zu fassen kriege (wahrscheinlich heute oder morgen).
Mir scheint aber, daß die Taubheit und damit eine gewisse Unsicherheit/Schreckhaftigkeit des Hundes, wenn er bisher nicht seiner Behinderung entsprechend behandelt wurde (ich hab das so verstanden, daß das bisher unerkannt war?) nur das kleinste Problem ist (übrigens würde ich ggf. beim Tierarzt abchecken lassen, ob er wirklich taub ist oder vielleicht eine Ohrentzündung o. ä. hat, die man behandeln kann).
Viel gravierender finde ich die Sache mit der Pfote. Aus dem einfachen Grund, weil seine Reaktion auf Eueren Erziehungsversuch darauf hinweist, daß er mißhandelt wurde und daher diese Verletzung stammt.
ich finde es sehr gut, daß ihr Euch weiter um ihn bemüht. Ich denke aber, es gibt keinen Weg dies schnell zu lösen. Ich persönlich würde Euch raten in Absprache mit dem Tierheim erstmal so eine Art Patenschaft zu übernehmen, d.h. ihn möglichst oft zum Spaziergang und ähnliches zu holen. Fährt er gern Auto ? Da könnte man das hochheben üben (bitte erst nach mehreren Spaziergängen, wenn er wirklich vertraut mich Euch ist), denn er wird bald verknüpfen, daß das dazu gehört.
Außerdem wäre diese langsame Annäherung auch grade für Karin sehr wichtig, denn es ist ganz natürlich, daß man anders mit einem Hund umgeht, der einen schon mal gebissen hat. Und das spürt das Tier.
richtet Euch drauf ein, daß diese Phase bis er Euch vertraut einige Wochen dauern kann. Wenn Ihr das nicht möchtet oder das Tierheim sich nicht darauf einläßt, würde ich Euch doch raten, Euch für einen anderen Hund zu entscheiden. Denn grade bei einem doppelte behinderten und wahrscheinlich mißhandelten Hund ist die Vertrauensbasis das A und O. Es spricht auch wirklich nicht für das tierheim, daß sie Euch den Hund mitgegeben hat.
Würde mich aber sehr freuen, wenn es doch klappen würde, denn natürlich hat so ein Tier keine besonders guten Vermittlungschancen. Aber es auf Teufel komm raus zuhause mit ihm zu probieren, geht mit ziemlicher Sicherheit wieder schief. Und das ist dann wieder eine neue Wunde in seiner Seele.
Viele Grüße
Wilma

Hallo nochmal,

habe den link doch gefunden:
http://dalmatiner-in-not.de

Übrigens ist mir noch eingefallen, ich würde auf jeden Fall auch mal die Sache mit der Pfote überprüfen lassen. Vielleicht hat er ja auch noch akute Schmerzen ?
Gruß
Wilma

Hallo Karin und Nils,
Eure Erfahrungen mit dem Tierheim sind offensichtlich schlimmer
als die mit dem Hund. Ich erfahre es immer wieder, dass
Tierheime, die doch von engagierten Idealisten gemanagt werden,
unsorgfaeltig arbeiten, wie z.B. Problemfaelle an Anfaenger
vermitteln, Krankheiten verschweigen oder gar falsch
diagnostizieren. Nun gut, man pokert da sicher z.Teil mit der
schnell erwachenden Liebe zu so einem armen Wesen, und Euch hat
es ja auch schon „gepackt“. Wenn Euch also Eure innere Stimme
raet, ihn mit allen Wenns und Abers zu adoptieren und keinen
„pflegeleichteren“ zu suchen, dann stehen einige Punkte an:

Ausfuehrlicher Gesamt-Gesundheitscheck bei einem oder besser
zwei Tieraerzten Ð nicht im Tierheim! Hier bekommt ihr
Anleitung, wie zu therapieren und anzufassen ist und was ihr dem
Tier zumuten koennt (z.B.Treppensteigen, Laufen etc.) Evtl. auch
Adressen von Spezialkliniken, z.B. in Goettingen fuer
Operationen am Ohr u. dgl.

Das Treppensteigen: wenn der Hund nur eine kaputte Pfote
hat, krabbelt er viel besser auf drei Beinen ueber die Treppen
als sich in einem Korb (ohne Bodenhaftung!) einem Menschen zu
ueberlassen, zu dem er kein Vertrauen hat (viele Hunde meistern
ihr ganzes Leben mit nur drei Beinen). Falls der Tierarzt aber
zum Tragen raet, muesst ihr ihn an das Transportmittel
gewoehnen: am besten den Korb erst mal ganz zu seinem Bettchen
machen. Es gibt auch grosse, leichte Hundetransporttaschen, die
sich gut als Koerbchen verwenden lassen. So kann man ihn erst
mal in der Wohnung ans Getragenwerden gewoehnen. Auf jeden Fall
muss er von alleine da einsteigen. Wenn er mal Vertrauen gefasst
hat, laesst er sich dann unter den Arm nehmen.

Allgemein gilt besonders fuer ein misshandeltes Tier: so
wenig wie moeglich mit den Haenden daran rummachen (nur reaktiv
beruehren, wenn er z.B. mit der Schnauze Kontakt aufnimmt, mit
den Haenden antworten). Dazu gehoert auch, dass er von der Leine
verschont bleibt, die ihn ganz an den Menschen ausliefert (zu
dem er ja erst noch Vertrauen fassen muss). Das hoert sich viel
verlangt an (und es wird „Hundeexperten“ geben, die mir da
widersprechen), fuehrt aber viel schneller zum Erfolg als wenn
ihr physische Kontrolle ausuebt. Ich selbst habe (nach vielen
anderen Hunden) einen tauben Hund aus dem Tierheim sozialisiert,
der voellig verwahrlost war, und erfahren, dass sich behinderte
Hunde noch staerker auf ihren Rudelinstinkt besinnen und darauf
achten, nicht den „Anschluss“ zu verlieren.

Der Hund ist insofern wie ein Kind, als er nicht fuer Euch
da ist, sondern Ihr fuer ihn, und nicht Ihr was von ihm wollt,
sondern er was von Euch will. Wenn ihr darauf vertrauen koennt,
habt ihr schon „die halbe Miete“. Also: es reicht erst mal, wenn
er bei euch „Rudelanschluss“, ein warmes Plaetzchen und Fressen
bekommt. („Erziehen“ koennt ihr spaeter). Da er Karin nicht als
„Beschuetzer“ begreift, kann Nils vielleicht erst mal die Rolle
des „Alphatiers“ uebernehmen und mit ihm (vor und nach der
Arbeit) runtergehen, und Karin nur, wenn er darum bittet. D.h.,
im Ernstfall auch aushalten, dass er eher in die Wohnung macht,
als sich Stress einzuhandeln. Das gleiche gilt fuer Karin: Lass
ihn lieber in Ruhe, als Dir Stress einzuhandeln, also
Kontakt/Fressen/Spazierengehen nur gewaehren bzw. anbieten, aber
nicht „antragen“(er fordert das von selbst, sobald er sich
traut). So baut sich Euer beider Angst voreinander am
schnellsten ab. Es ist uebrigens viel „erquicklicher“, ein paar
Mal die Wohnung zu putzen, als sich so einen Spannungsstress zu
machen (man muss ihn ja nicht in alle Raeume lassen und kann
Zeitung auslegen. Die Hunde, die ich aus dem Tierheim hatte,
konnten es sehr lange „anhalten“, weil sie nur einmal am Tag
rausgelassen wurden, und ein Hund nicht gern in „seine Wohnung“
macht).

Die Taubheit stellt eigentlich kein besonderes Problem dar.
Der Hund laesst sich genausogut mit Handzeichen erziehen und
wird sich, wie gesagt, mehr als hoerende Hunde bemuehen, den
Kontakt mit dem Rudel nicht zu verlieren. Ich habe meinen tauben
Hund mit einem ferngesteuerten Vibrationsalarm (kleines
Kaestchen am Halsband) darauf konditioniert, seine
Aufmerksamkeit unterwegs auf mich zu richten, wenn ich ihm
ploetzlich was „sagen“ muss. Es gibt viele Tricks, wie man
solche Hunde trainiert. Auch ein Forum im Internet, wo man sich
austauschen kann. (www.tauberhund.de)

Also: am Anfang gilt es einige Opfer zu bringen: Verzicht
auf die Art von emotionaler Intensitaet und Interaktion, die man
eigentlich mit dem Hund gerne haette, und Zeitaufwand, um
eingefleischtes Verhalten umzuprogrammieren und Vertrauen
wachsen zu lassen. Im Uebrigen stehe ich gerne fuer Fragen zur
Verfuegung.

Gruesse
Elke

HI, Ihr drei.

Zuerst einmal scheint der Hund noch einen Schock zu haben. Die Apathie, dass er nicht reagiert ist nicht unbedingt auf eiene Taubheit zurückzuführen.
Wenn er einen Schreck oder Schock hatte, so müßte zuert dieser behandelt werden. Das ist mit einem klassischen Schockmittel öglich. Entweder diese Rescuetropfen aus der Bachblüten-Therape,
mit denen ich selbst aber keine Erfahrungen habe, nur von einer Kollegin weiß. Dann gibt es das Schockmittel aus der Hildegardapotheke, das ist Hirschzungenfarn (zerrieben). Und letztlich die drei klassischen Schreckmittel aus der Homöopathie, wie z. B. Aconitum. Das auch bei nachbleibenden Leiden mit Erfolg eingesetzt wird.
Da es sich so anhört, als wenn der Hund praktisch daliegt und immer noch grübelt, würde ich Euch eine Anamnese empfehlen um das genaue Mittel für ihn herauszufinden.

Sollte die Schwerhörigkeit anhalten gibt es auch dafür Mittel.
Wenn ihr wollt kann ich Euch über meine e-mail kostenlos helfen.Nur die Mittel (durchschnittlich 9,00 DM) müßtet ihr selbst besorgen. Wenn Euch das zu teuer ist kann ich aber auch welche zuschicken.

Gruss Carnmen

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