Hallo,
Trockenlegung ist übrigens nicht teuer, wenn man es selbst
macht.
Hast du da noch ein paar Tipps, worauf man achten muß, wenn
man es selbst macht? Hat man überhaupt eine Chance einen
(Mini-)Bagger so nah an der Wand einzusetzen, oder ist
Schaufel und Schubkarre angesagt?
Hallo Rene,
Aufgrabungen direkt am Gebäude sind eine Arbeit für schwielige Hände und nichts für Bagger.
Weil ich zu feuchten Wänden immer wieder befragt werde, habe ich für die Standardanfragen einen Standardtext geschnitzt. Vielleicht hilft er Dir:
Eine sichere Aussage über Ursachen der Kellerfeuchtigkeit und Maßnahmen zur Abhilfe sind ohne Besichtigung des Objekts unmöglich. Deshalb kann ich nur ein paar grundsätzliche Hinweise zur Vorgehensweise geben.
Vor Festlegung einer wirksamen Therapie ist stets eine genaue Diagnose erforderlich. Zunächst ist deshalb zu untersuchen, was die Ursache der Feuchtigkeit ist: Kondenswasser, Undichtigkeit der Kellerwände oder die Kombination beider Ursachenmöglichkeiten. Sowohl Kondenswasser als auch durch die
Wände eindringendes Wasser kann zur vollständigen Durchfeuchtung und über Kapillarwirkung zu Feuchtigkeit und Schimmelbildung bis in das darüber liegende Geschoß führen.
Kondenswasser:
Dadurch verursachte Feuchtigkeit tritt vorwiegend in der warmen Jahreszeit auf. Unabhängig von Außentemperaturen haben unter der Erdoberfläche liegende Kellerwände eine Temperatur von ca. 12 bis 14 °C. Gelangt wärmere Außenluft in den Keller, kühlt sich diese Luft an den Wänden ab. Die Fähigkeit der Luft, Wasser zu binden, ist temperaturproportional. Deshalb schägt sich Wasser beim Abkühlen der Luft nieder. Um durch Kondenswasser verursachte Feuchtigkeit zu vermeiden, muß richtig gelüftet werden. Richtig heißt in diesem Fall, daß nur gelüftet wird, wenn es draußen kühler als im Keller ist. Das wird hauptsächlich
nachts der Fall sein. Das Lüftungsverhalten der meisten Hausbesitzer ist an dieser Stelle grundfalsch. Gerade im Sommer werden tagsüber die Kellerfenster geöffnet, was nach einiger Zeit zur totalen Durchfeuchtung führt, die sich hartnäckig hält und erst im Winter zögerlich abtrocknet.
Eine optimale Kellerbelüftung ist manuell nur mit Aufwand zu bewerkstelligen, wobei Fehler sofort wieder zu Feuchtigkeitseintrag führen. Es muß also stets Außen- und Innentemperatur gemessen werden. Sobald die Außentemperatur über die Innentemperatur steigt, sind die Fenster zu schließen (das gilt NUR für unbeheizte Kellerräume, keinesfalls für andere Räume des Hauses). Sowas macht man vorteilhaft automatisch. Die Firma Isotec vertreibt entsprechende Einrichtungen. Isotec ist eine in ganz Deutschland vertretene Franchise-Kette.
Eine so optimierte Lüftung macht einen zuvor stets feuchten Keller, in dem alles vor sich hin schimmelt, in kurzer Zeit staubtrocken. Das Raumklima verbessert sich spürbar, die Belastung für Allergiker (Schimmelpilze) sinkt und weil kein
Wasser über Kapillarwirkung in die Wände des darüber liegenden Stockwerks dringt, wird sogar die Heizkostenrechnung positiv beeinflußt. Das alles macht natürlich nur Sinn im unbeheizten Keller, denn die automatische Lüftungssteuerung wird
sonst konsequent gegen die Heizung arbeiten.
Von außen drückendes Wasser:
Vorweg eine Warnung: Alle angepriesenen Mittel, die auf eine INNEN-Beschichtung der Kellerwände und auf eine wie auch immer geartete Verkleidung hinauslaufen, sind nicht nur völlig nutzlos, sondern in jedem Fall schädlich. Also unbedingt
Finger weg! Von außen eindringendes Wasser kann auch nur von außen ferngehalten werden. Es führt also in aller Regel kein Weg am Aufgraben der Kellerwände vorbei. Danach ist ein (unbedingt mehrfach!!) wasserdichter Anstrich mit einem dauerelastischen
Mittel aufzubringen. Wenn schon aufgegraben wird, sollte die Gelegenheit für das Verlegen einer Drainage genutzt werden. Danach mit Kies auffüllen. Deckschicht aus Kiesel und danach KEINE WIE AUCH IMMER GEARTETE BEPFLANZUNG unmittelbar an
der Hauswand! Die Materialkosten sind beinahe zu vernachlässigen. Es ist nur viel Arbeit.
Die zweitbeste Lösung gegen Feuchtigkeit von außen sollte nur angewendet werden, wenn das Aufgraben aus irgendwelchen Gründen nicht geht, z. B. in einer geschlossenen Häuserzeile oder weil die Fläche überbaut ist. Die zweitbeste Lösung besteht im Injizieren einer Flüssigkeit, die das Mauerwerk durchdringt und
abdichtet. Dazu wird das Mauerwerk von innen wie ein Schweizer Käse angebohrt und die dichtende Flüssigkeit hinein gedrückt. Diese Methode funktioniert auch als Feuchtigkeitssperre gegen
Wasser, das über das Fundament in die ansonsten abgedichteten Kellerwände steigt. Fundament und Fußboden bleiben dann aber feucht. Hier könnte die optimierte Lüftung, die eigentlich gegen Kondenswasser hilft, zumindest unterstützend wirken. Einer der Anbieter, die mit unterschiedlichen Verfahren abdichtende Chemikalien ins Mauerwerk einbringen, ist wieder die Isotec-Kette.
Daneben gibt es noch (sehr aufwendige) Verfahren der Mauerwerksabdichtung, indem eine Sperrschicht aus Bitumenpappe oder Edelstahl nachträglich ins Mauerwerk eingezogen wird. Dafür muß aber zuvor Stück für Stück ein Schlitz ein voller
Mauerstärke eingefräst oder gestemmt werden.
Auch schon passiert: Eine nachträglich durch Überputzen der Kellerinnenwand eingebaute Feuchtigkeitsbrücke. Das passiert, wenn die übliche Pappschicht auf der ersten Steinlage überputzt wird.
Häufig werden elektrische Luftentfeuchter, Gefäße mit irgendwelchen hygroskopischen Stoffen, meist Salzen, angeboten, die eine Trocknung bewirken sollen. Das tun sie auch und sind dennoch gegen Kondenswasser oder von außen drückendes Wasser völlig ungeeignet. Sie taugen nur zur Beseitigung vorübergehend
eingebrachter Feuchtigkeit, also etwa zur Trocknung von Löschwasser, nach Überschwemmungen oder nach Maurerarbeiten.
Noch ein paar grundsätzliche Bemerkungen: Alte Teppische, ausgediente Sofas und ähnliche Wasser aufnehmende Gegenstände sollten wenn möglich nicht längere Zeit im Keller gelagert werden. Modergeruch ist sonst unvermeidlich. Als Kellerfenster und Außentür sollten keine zugigen und klapprigen
Konstruktionen verwendet werden. Sie müssen dicht schließen, um erheblichen Wassereintrag an warmen Tagen zu vermeiden.
Gruß
Wolfgang