Hallo!
Grade stehe ich vor dem Problem, ob Trockenestrich oder feuchter Estrich in meine Wohnung kommen soll.
Was sind denn die Vor- und Nachteile?
Hat Trockenestrich irgendwelche gravierenden Nachteile? Soweit ich weiß nimmt man doch eher feuchten Estrich, oder?
Viele Grüße,
Amaryllis
Das ist ein himmelweiter Unterschied!
Unter „Estrich“ versteht man einen Mörtel oder eine pumpfähige Masse. Beispielsweise ein konventioneller Zementestrich, der besteht aus Anmachwasser, Zement und mineralischen Zuschlägen. Die Mischung wird über Schläuche vor Ort gepumpt und die Mischung sieht nach dem Austritt aus dem Schlauchende für den unbedarften Laien sehr gewöhnungsbedürftig aus. Dieser „Haufen“ wird danach vom Estrichleger auf der Schutzfolie über der Dämmschicht verteilt, verdichtet und geglättet.
Es gibt aber auch andere Estricharten, heißt: andere Bindemittel als Zement. Allen (außer Gußasphalt) eigen ist das notwendige Anmachwasser, welches die Bindemittel zum Aushärten (das ist eine chemische Umsetzung) benötigen. Das ausgehärtete Produkt nennen wir Sachverständige auch „Lastenverteilungsschicht“, weil es die wirksamen Lasten -statisch oder dynamisch- , resultierend aus der Nutzung des Fußbodens, verteilt.
Der Begriff „Trockenestrich“ ist eher ein Oberbegriff für eine Vielzahl von Lastenverteilungsschichten, welche ohne Wasser auskommen. Das sind beispielsweise Holzspanplatten, OSB-Platten, Gipsfaserplatten mit und ohne rückseitig kaschierte Trittschalldämmung etc.
Befindet man sich in der (Neu)Bauphase, so kommt im Regelfall ein Standard-Estrich zum Einsatz.
In der Altbausanierung jedoch finden wir anstelle einer tragfähigen Betondecke häufig Holz-Tragbalken und eine hierauf aufgebrachte Dielung als direkte oder indirekte Nutzschicht.
Diese letztgenannte Bauweise ist häufig kritisch, da die Auflasten durch einen Zementestrich bei rund 45mm Dicke mit 80 bis 100kg/m² zu Buche schlagen. Es sind also statische Aspekte, welche hier zum Umdenken zwingen. In diesem Fall dann entscheidet man sich besser für ein wesentlich leichteres Lastenverteilungssystem aus sogenannten Fertigteileelementen (siehe vor), oder: einen Trockenestrich. Der kann auch zum Einsatz kommen, wenn die notwendigen Aufbauhöhen für einen Standard-Estrich mit den Dämmschichten nicht zur Verfügung stehen.
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mfg Sachverständigenbüro für Fußbodenkonstruktionen