Dachstuhl komplett oder nur teilweise reparieren

Liebes Expertenforum,

wir haben einen alten Bauernhof gekauft, an dem viel zu richten ist.

Die aktuelle Frage betrifft nun den Dachstuhl: bei dem Vorhaben, die Regenrinne zu ersetzen, erfolgte der Rat, die Leisten, in denen die Halteeisen verankert sind zu ersetzen. Soweit, so gut. Nun kommt die Empfehlung doch den kompletten Dachstuhl zu erneuern (15x50m, liegender Dachstuhl), da der auf der Längsmauer liegende Balken teilweise verfault ist. Soweit, so grausig. Der Dachstuhl ist alt, aus handbehauenen Balken/Sparren, zweigeschossig. Vor ca. 40 Jahren erfolgte eine Neu-Eindeckung, dabei ist offensichtlich auch mancher Sparren aufgedoppelt worden.

Es geht uns nicht um ein fertiges Konzept, sondern nur um die prinzipielle Frage, ob ein partieller Balkenersatz überhaupt möglich ist. Neben den finanziellen Überlegungen, spielt auch der Erhalt des alten Dachstuhls eine Rolle. Der Umstand, dass vorher zwei andere Zimmermanns-Leute den Dachstuhl angeschaut hatten und ihn für „Recht“ befunden hatten, steht nun im Gegensatz zur aktuellen Beurteilung.

Danke schon an dieser Stelle für eine Einschätzung.

Freundliche Grüße von der Schwäbischen Alb

Corinna

Hallo Corinna!

Also so einen riesigen Dachstuhl komplett neu zu bauen, wäre ja für viele Leute der finanzielle Ruin.

Ich hab auch so eine alte Bude, da hat mir ein auf denkmalgeschützte Gebäude spezialisierter Zimmermann auch einige verfaulte Balken ausgewechselt,
wo ich dachte, dass das nie möglich ist. Aber die Zimmerer- Meister wissen schon, wie das geht.

Wenn Du garnicht weiterkommst, könnte ich ev. Kontakt zu der Person herstellen, die sowas macht. Aber nur im absoluten Notfall, wenn Du keinen anderen findest. Derjenige arbeitet lieber regional.

Grüße, Steffen!

Hallo Corinna,

ich bin jetzt zwar kein Experte - lebe jedoch selbst in einem komplett renovierten Bauernhaus aus dem Jahre 1893…

Die Frage, die wir uns bei dem „fürs alter noch guten“ Dachstuhl gestellt haben war - wie lange ist er noch gut…

…er war auch ca. 40 Jahre „jung“ - man konnte den Zahn der Zeit zwar sehen, aber wie gesagt fürs Alter „noch gut, kann man noch so lassen“

Auf die Frage, wie lange noch kam nur „5 - 10 Jahre, mit viel Glück 15…“

An der Stelle haben wir uns dann überlegt, wollen wir in 5 - 10, mit viel Glück 15 Jahren im grunde unsere ganze Wohnung (wohnen im Dachgeschoss) quasi abreißen um nen neuen Dachstuhl setzen zu können - oder machen wir es lieber gleich.

Wir haben es gleich machen lassen… so sind (wenn alles nach plan läuft) erst unsere Kinder wieder dran…

Ich muss dazu sagen, wir hatten jetzt auch keinerlei Einschränkungen wegen Denkmalschutz o.ä.

Ach ja, die Größe hab ich jetzt gerade nicht im Kopf - aber es war halt damals Wohnhaus + Tenne. Wir haben jetzt 4 Wohneinheiten drin untergebracht…

Schönen Aben noch :smiley:

Die Frage, die wir uns bei dem „fürs alter noch guten“
Dachstuhl gestellt haben war - wie lange ist er noch gut…

…er war auch ca. 40 Jahre „jung“ - man konnte den Zahn der
Zeit zwar sehen, aber wie gesagt fürs Alter „noch gut, kann
man noch so lassen“

Auf die Frage, wie lange noch kam nur „5 - 10 Jahre, mit viel
Glück 15…“

Hallo Du!

Die Firmen bauen ja auch gern mal was neues…

Bei uns im Wohnhaus ist der Dachstuhl noch von 1915, so Ende der 70er Jahre gab es mal einen krassen Wurmbefall,das wurde dann gründlichst bekämpft, und der Dachstuhl ist noch Ok. Zwar schon etwas geschädigt, aber noch haltbar.

In der Scheune nebenan ist der Dachstuhl auch ca. so alt, und der ist noch fast wie neu.
Da wurden nur weiter unten paar Balken ausgewechselt.

Man muss auch bedenken, dass das heutige Holz nicht mehr so gut ist, wie das, was vor 100 Jahren aus dem Wald geholt wurde. Das wurde früher im Winter oft bei Vollmond gefällt, mit der Hand entrindet, gelagert usw. Das alte Holz ist auch von der Faserstruktur irgendwie feiner und fester.

Aber wenn ich das lese, ein Dachstuhl mit 40 Jahren, + max. 15 Jahren Lebenserwartung, das ist ja wohl das letzte.

Wenn ich so überlege, da gibt es bei uns noch einige Häuser, da ist der Dachstuhl einige hunderte Jahre drauf…

Grüße, Steffen!

Guten Morgen,

danke für die Antworten.

Das Dach ist 150 + x Jahre alt. Das Problem ist natürlich die Größe bei einer „Radikalmaßnahme“. Da stellt sich natürlich gleich die Grundsatzfrage, nämlich die nach dem Abriss des kompletten Gebäudes… Noch sind wir „a bisserl“ optimistisch, dass sich der Dachstuhl punktuell sanieren lässt.

Viele Grüße

Corinna

Hallo Corinna,

an einem alten Dachstuhl gibt es nichts aber auch gar nichts was man nicht reparieren bzw. ersetzen kann!!!
Von mir sind beim Denkmalschutz schon die tollsten Dinge verlangt worden, wo ich selbst Kopfschütteln dagestanden habe und die Wirtschaftlichkeit meiner Arbeit angezweifelt habe, aber wie das eben so ist, das ist immer eine Frage der persönlichen Wertschätzung des „Alten Bestandes“.
es sind immer die Extreme der jeweiligen Bauherren, die es einem im Vorfeld der Entscheidung, die Kosten schlecht einschätzen lässt, denn man kann auf mehrere Arten Sanieren. Das eine Extrem ist die „nur funktionelle Sanierung“ das andere die „Sichtsanierung“, zwischen beiden klafft eine große finanzielle Kluft, geht es nur um das funktionelle dann ist die Entscheidung für oder gegen einen neuen Dachstuhl natürlich nur noch rein finanzieller Natur.
Solche Aussagen „der Dachstuhl hält nur noch 15 Jahre“ von einem anderen Poster sind absolut falsch (Holz hält 10-15 Jahre bei direkter Bewitterungund ohne Schutz) und bestimmt nur in Verbindung mit dem Auftrag eines neuen Dachstuhls gefallen. Ich kann mit jedem neuen Dachstuhl schneller Geld verdienen als mit einer Sanierung.
Das andere Extrem ist so zu sanieren, das man keinen Unterschied zwischen alt und neu erkennt (bei manchen Denkmalschützern sehr beliebt),bei meiner Arbeit suche ich immer den Mittelweg, sanierte Stellen darf und sollte man auch sehen, möglichst vorhandene Holzverbindungen nutzen bzw.wieder herstellen.
Ich weiß im Endeffekt geht es immer um das Geld aber man sollte es sich schon überlegen ob „das Alte“ nicht doch erhaltenswert ist, denn man freut sich doch auch wenn man mal ein schön saniertes altes Haus sieht.

Ach Gott ist nun doch wieder ein langer Text geworden wollt ich eigentlich gar nicht.

Beste Grüße

Ralf d.Z.

Denkmalschützer spinnen!

Ach Gott ist nun doch wieder ein langer Text geworden wollt
ich eigentlich gar nicht.

Hallo Ralf!

Das ist aber wirklich so, wie Du schreibst.
Ich hab mich da auch schon gewundert, was die Denkmalschützer mit unser allem Geld machen…

Bei uns in Zwickau wurde kürzlich ein altes Stadtschloss restauriert, und neugierig , wie ich bin, hab ich mir das mal angesehen. Beim Tag der offenen Baustelle. Ich bin dann auch bis auf das Dach geklettert. Die Zimmerleute haben da den alten Dachstuhl auch „saniert“, also zu 99 % neu gebaut, da waren nur einige ganz kleine Stückchen vom alten Holz dringeblieben.
Hab dann die Zimmerleute auch befragt, was der Blödsinn soll, die sagten dann , ehe die mit der Säge einen einzigen Schnitt machen, muss das vom Denkmalamt abgesegnet werden.

Weiter geht es mit dem alten total verfallenen Kornhaus daneben, das ist ein ca. 400 Jahre altes, riesiges Gebäude, an dem man seit 1990 garnichts mehr gemacht hat.Vorher, in der DDR hat man zumindest die eingefallenen Stellen im Dach noch notdürftig mit Planen oder Wellblech zugedeckt.
Nun geht die Sanierung los, das ist wohl ein spätgotischer Dachstuhl, mit 5 Zwischenböden, vielleicht 50 m lang und 20 m breit. Das Holz ist völlig hinüber, Schwamm ist drin,
aber auch das wird saniert und nicht neu gebaut.
Nur die Notsicherung, damit der Dachstuhl vor oder während der Bauarbeiten nicht zusammenfällt,kostet 500 000€.

Darüber war in unserer Tageszeitung einiges zu lesen, Architekten meinten, dass ein komplett neuer Dachstuhl drauf muss, weil der alte zu 100 % erneuert werden muss.
Aber die Frau vom Denkmalamt meint, der historisch wervolle Dachstuhl wird saniert,koste es was es wolle, und basta.
Fein, wie mit dem Steuergeld umgegangen wird…

Grüße, Steffen!

hallo corinna,

wenn ich das alles so lese und mit unseren eigenen erfahrungen (haus aus den 30ern) verbinde, kann ich nur sagen: sanieren. und zwar nur das, was wirklich notwendig ist.
es stimmt schon: kompletter neuaufbau kostet dich und bringt dem zimmerer mehr geld. und macht ihm weniger arbeit. denn: auch handwerker müssen leben und denken und handeln eigen-ökonomisch…
am besten mal einen zimmerer zu rate ziehen, der sich auf die sanierung alter gebäude (dachstuhl, tragebalken etc.) spezialisiert hat (internet oder handwerkskammer).
wir haben jedenfalls - anstelle einer totalkaputtsanierung - zwei balken „teilauswechseln“ lassen (nicht mal im ganzen). der rest des dachstuhls ist noch „pfenniggut“ und wird noch etliche jahrzehnte halten, wenn nicht grade der wurm dran nagt! die alten sachen sind bei weitem nicht so schlecht, wie sie teilweise von handwerkern gemacht werden - bei uns ist nach über 70 jahren sogar noch das tragegebälk tipp-topp!

grüße, boris

Hallo,
kann mich den Vorrednern nur anschließen. Ich würde den Dachstuhl nur teilweise ausbessern. Erstens ist das gar nicht so schwer wie mancher „Dachdecker“ sagt und billiger als ein komplett neuer Dachstuhl (der einzige der sich hier freuen würde ist der Dachdecker über den guten Auftrag).
Wir haben auch ein 70 Jahre altes Haus und die Balken in unserem Dachstuhl wurden behandelt. Einer vom Fach hat unseren Dachstuhl gesehen und gesagt, dass ich die Erneuerung woll nicht mehr erleben werde und ich bin 32…
Früher wurde im Vergleich zu jetzt qualitativ hochwertigeres Holz verwendet und mit ein wenig Pflege, Wartung und Liebe zum Haus kann so ein Dachstuhl auch problemlos 150 Jahre alt werden.

Gruß
Micha

OT Früher war das Holz besser?

Früher wurde im Vergleich zu jetzt qualitativ hochwertigeres
Holz verwendet

hallo Micha,

verzeih die vielleicht blöde Nachfrage.

Da hat doch schon vor dir ein Antworter hier gesagt, früher war das Holz besser.
(ja ich weiß, du hast eine andere Wortwahl gewählt)

Deshalb meine nachfragen:

a) ist Holz daß heute geschlagen wird „schlechter“ als das wie vor 150 Jahren?

b) was meinst du mit qualitativ hochwertiger, früher Eichenholz, jetzt k.A. das Zeugs von Dachlatten?

c) oder werden die alten Regeln nicht mehr befolgt daß man Holz erstmal liegen lassen soll und erst nach jahren einbauen?

Sorry, bin da grad verwirrt.

Gruß
Reinhard

So unrecht haben die Denkmalschützer nicht! Denkmalgeschützte Gebäute sollen ja nicht verändert werden, sondern in 500 Jahren möglichst genauso sein, bie bei der Erbauung. Sonst hätte das ja keinen Sinn. Bei meinem Haus Bj. ca.1860 aufgestockt ca.1930 sind von 9 Pfostenstockfenstern 6 Stück defekt und eines war schon ca. 1990 defekt, und wurde, leider gegen ein Isolierglasfenster ausgetauscht. Alle 7 Stück werdern durch, vom Tischler angefertigte Pfostenstockfenster ersetzt. Alles andere wäre eine in meinen Augen eine Verunstaltung. Das selbe mit meiner Eingangstüre und meiner Küchentüre. Kosten: >20k€, die ich aus meiner eigenen Kasse bezahle. Dei den Fenstern wurden, was ich nicht bedacht habe, gelb passivierte Beschläge und Schrauben verwendet. Die werden jetzt auf normale verzinkte Beschläge und Schlitzschrauben ausgetauscht. Es werden auch die Wände wieder buckelig und die Ecken wieder rund verputzt. Die Wasserinstallation, wird wir früher des Östeten gemacht, wurde aufputz installiert. Ein altes haus soll ja seine „Seele“ behalten.
Wenn Denkmalgeschützte Gebäude restauriert werden, begrüße ich das. Bei uns in Österreich bleibt der Denkmalschutz von Gebäuden leider auf der Strecke. Es handelt sich hier um Kulturgut, welches für die Nachwelt geflegt gehört. Aber heute zählt ja nur das Hypermodern ist und was 40, 50, 60 Jahren geschoffen worden ist ist einfach nur Uralt gehört weg. Daß all dies nach dem Krieg in Schwerstarbeit von Hand geschaffen wurde,an das denkt keiner. All dem verdanken wir, daß wir es jetzt so „schön“ haben können. Wenn man sich rundum alles genauer ansieht, merktman, daß ich das Wort >>schön

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Hallo
Gegen Holzwürmer hilft Firnis oder Sprühkleber.
Lg,

Hallo!

Ich hab kein Problem, sowas von einem 21 jährigen zu lesen.

Ich wohne selbst in einem alten Bauerngut, wo ich in den letzten Wochen meinen kompletten Urlaub mit der Fachwerksanierung der Scheune verbracht habe.
Auch ohne Denkmalschutzauflagen, Fördermittel usw. Und ich hab da keine Mühen und Kosten gescheut, und das vom feinsten gemacht.

Was mich an dem von mir geschriebenen Beispiel stört:

Man hat in Zwickau das riesige Gebäude erstmal 20 Jahre lang vergammeln lassen.
Der Dachstuhl ist sozusagen völlig verfault und halb eingefallen.

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, und wird angerichtet, das ist klar, damit habe ich auch kein Problem.
Ich habe blos ein Problem damit, wie das gemacht wird.

Die vernünftigste Möglichkeit wäre, den kompletten Dachstuhl aus neuen Holz originalgetreu nachzubauen, weil von dem alten Holz eh nichts mehr zu gebrauchen ist.

Leider wird es aber so gemacht, wie es derzeit aussieht, dass da Balken für Balken einzeln ausgewechselt wird, und irgendwo wird mal ein Stück altes Holz gefunden, was noch nicht durchgefault bzw. vom Schwamm befallen ist, das bleibt dan halt als „Kulturgut“ erhalten. Ich hab das im Nebengebäude gesehen, da sind 2 Balken a 2 m dringeblieben.

Und das ganze kostet Millionen von Steuergeldern,
nur dass da mal paar Meter 400 Jahre alter Balken drinbleiben, die eh kein Mensch zu sehen bekommt.
Ein komplett neuer, originalgetreu nachgebauter Dachstuhl würde bestimmt nur die Hälfte kosten, als das ganze stückchenweise zu erneuern.

Grüße, Steffen!