Ob der Film realistisch ist oder nicht, willst Du
garnicht erst diskutieren.
Ganz falsch. Ich bin bereit, Baby.
Du magst bereit sein, die Formulierung ist trotzdem eine
Frechheit.
Jetzt leg mal nicht jedes Wort auf die Goldwaage, mir hat nur der Spruch in „American Beauty“ so gut gefallen.
Nichts weiter als ein rhetorischer Trick, um den
dümmeren 5% der Leserschaft einzureden, daß darüber ja
eh nicht mehr diskutiert werden muß.
Das kann ich leicht wiederlegen: Diskutieren wir darüber!
Du schreibst auch nicht, wie die „guten Gegenargumente des
Fachmanns“ aussehen.
Das kommt noch (siehe Antwort zu Krischan).
Ich fasse mal Deine Nachricht zusammen:
- Es gibt Deppen, die unverständlicherweise nicht Deiner
Meinung sind.
Falsch, es geht nicht darum, ob andere Leute meiner Meinung sind. Was ich gerne möchte, ist, daß die Leute OBJEKTIV mit dem Thema Gentechnik umgehen.
Daß sie unrecht haben, ist eh klar,
Also einiges, was so geäußert wurde/wird, macht nun echt nicht den Anschein einer ausgereiften Überlegung.
Dich
interessiert nur noch, „auf welcher Grundlage solche
Einstellungen zustande kommen“.
Ich weiß, was Dich daran stört. Daß ich den Eindruck vermittle die Grundlage zu kennen und daß die wenig schmeichelhaft ist. Ich habe natürlich eine bestimmte Vermutung, bin aber anderen Argumenten gegenüber aufgeschlossen. Aber worum es mir bei dieser Frage in Wirklichkeit geht: Daß die Leute SICH SELBST mal die Frage stellen und darüber klar werden, auf welcher Grundlage sie ihre Meinung über die Gentechnik gebildet haben und ob es da nicht vielleicht was zu überdenken gäbe.
- Argumente lieferst Du, wenn überhaupt, dann erst, wenn man
Dich darauf anspricht.
Ich kann auch nicht alles auf einmal schreiben! Statt in meinem ersten Statement meine Argumente explitzit auf 5 Seiten auszubreiten ziehe ich es eben vor, auf konkrete Reaktionen zu warten, und dann dazu die dazugehörigen Argumente zu bringen.
Darum mache ich erstmal die Aussage: Gattaca ist eine
realistische Darstellung der Zukunft.
Und auf welcher Grundlage kommst Du zu dieser
Einschätzung???
Siehe oben. Ich lasse mich nicht gern überfahren.
Du weichst aus!
Du hast allerdings nicht dazu Stellung genommen, daß jede
Technik von Menschen angewendet wird. Die können
Gentests auch dazu benutzen, um zu beweisen, daß der Amazonas
ein Seitenarm der Elbe ist. Historisches Material dazu findest
Du (außer an der offensichtlichen Stelle) beim
Schwarzenwahlrecht in den USA.
Kann doch wohl nur ein Scherz sein. Oder meinst Du es doch ernst?
Erklär mir doch mal bitte, wie das gehen soll. Da du von „historischem Material“ sprichst: so lange gibt es die Gentechnik doch noch gar nicht, als daß sie in irgendeinem historischen Material vorkommen könnte.
Wenn Du damit allerdings nur sagen willst, daß jede Technik auch mißbraucht werden kann, stimme ich Dir voll zu. Ist aber keine neue Erkenntnis.
(war übrigens auch nicht von 'nem Biotech-Unternehmen, sondern
einem „Zentrum für Ethik in Biowissenschaften“)
Wie finanziert sich das? Im Zweifelsfall genauso wie die CDU.
Das ist ja nun wohl echt etwas zu einfach, jede Gegenmeinung
als eigennützig zu diskreditieren. Ob sich jemand objekiv zu
einem Thema äußert, kann man sehr gut erkennen.
Gelächter. Das kann man sozusagen objektiv erkennen, ja? Also
sind wir wieder am Anfang: Da Du objektiv erkennen kannst, ob
jemand objektiv ist, hast Du Recht und das Gespräch ist
beendet.
Dein Gelächter verstehe ich nicht. Natürlich kann man an der Art und Weise, wie jemand über ein Thema spricht, welche Akspekte er beleuchtet, ob er das Für und Wider nennt oder nur einseitig argumentiert, ob er logische Brüche in seiner Argumentation hat, etc., einschätzen, ob er objektiv ist. Dein Versuch, das Ganze ins Lächerliche zu ziehen indem Du das Wort „objektiv“ in falschem Zusammenhang gebrauchst, ist ein bischen albern. Ich dachte, Du wolltest über die Sache diskutieren, hm?
Daß Pharmaunternehmen viel Geld in Lobbyarbeit stecken, ist ja
wohl bekannt. Insofern ist es vernünftig, in diesem
Zusammenhang nach der Finanzierung zu fragen.
Ja, aber nicht jeder Fachmann, der die Unsachlichkeit der Gentechnik-Debatte kritisiert, ist ein von der Pharmaindustrie bezahlter Lobbyist.
Mein Eindruck ist, daß es sich hier um ein Gefühl im
Bauch handelt, dem wissenschaftliche Fakten anscheinend leider
nichts anhaben können.
‚Gefühle aus dem Bauch‘ sind Fakten.
Das ist nun aber Quatsch. Gefühle aus dem Bauch haben mit
kognitivem Denken und objektiven Fakten wenig zu tun.
Wie jetzt? Wenn ich ‚Gefühle aus dem Bauch‘ habe, dann ist das
kein Fakt, sondern… Was? Eine Halluzination? Ein Traum?
Blähungen? Darmkrebs?
Ich werde mich präzisieren: was ich meine sind „objektive wissenschaftlich Fakten“; wenn jemand Bauchweh hat, ist es natürlich auch ein Faktum für denjenigen, sagt aber ziemlich wenig über Gentechnik aus. Da es anscheinend so schwer zu verstehen ist: „Gefühle aus dem Bauch“ (zu deren Zustandekommen ich ja schon einiges geschrieben habe und mich daher an dieser Stelle nicht wiederholen will) halte ich für keinen gute Grundlage, um eine exakte Wissenschaft und deren Risiken und Chancen zu beurteilen. Daher wünsche ich mir mehr Rationalität in der ganzen Gentecnhnik-Debatte.
Schon alleine durch Deine ausschließlich materialistische
Einstellung
Meine Einstellung ist nicht materialistisch, sondern rational (wie ich hoffe). Ich habe übrigens auch nichts gegen Emotionen, nur in dieser Debatte sind sie eher kontraproduktiv.
spreche ich Dir jede Eignung ab, über Gentechnik
nicht-technische Entscheidungen zu treffen. Hier geht es um
mehr als die Wahl des richtigen pH-Faktors.
Wie willst Du denn die Grenze ziehen zwischen technischen und „nicht-technischen“ (wie Du sie nennst) Entscheidungen? Kommt mir sonderbar vor.
Was für eine maßlose Selbstüberschätzung von Wissenschaftlern,
daß alleine meßbare Größen wahr sind.
Es geht hier nicht um den Begriff Wahrheit. Es geht z.B. um
eine möglichst realistische Einschätzung der Auswirkungen,
Chancen und Risiken der Gentechnik. Die Betonung liegt auf
„realistisch“.
Ich lege die Betonung auf wahr. Ob meine ‚Gefühle aus
dem Bauch‘ weniger wahr, realistisch oder wertvoll sind als
Deine Meßwerte, müßtest Du mir erst nachweisen.
(Alter, jetzt wird’s ja fett philosophisch.)
Dein Gefühle mögen ja all das sein, was zu hier aufführst, nur für eine realistische Einschätzung von … (siehe oben), sind sie keine gute Grundlage.
Da gebe ich Dir recht. Zu prinzipiellen ethischen Fragen
braucht man kein Fachwissen.
So. Jetzt mußt Du mich nur noch davon überzeugen, daß die
Weiterentwicklung der Gentechnik ausschließlich von
technischen Fragestellungen abhängt bzw. daß ethische Fragen
keine Rolle mehr spielen, dann bin ich ruhig.
Hab ich nie behauptet. Aber jetzt komm mir bloß nicht damit, das Du ein mit-dem-Bauch-denken als Ethik verbrämst.
Aber vielleicht sollte man schon genau wissen, was ein Embryo ist.
Selbst das ist nur fast richtig. Eine vage Vorstellung reicht
schon aus, um eine valide Meinung haben zu können.
Je geringer die Vagheit desto höher die Validität. Will heißen: Wenn man schon den hohen Anspruch hat, ethische Entscheidungen zu treffen, sollte man sich auch die Mühe machen gründlich drüber nachzudenken, hä?
Allgemein zur Gentechnik: Gentechnik ist etwas, das ich
‚exponentielle Technologie‘ nenne. Damit meine ich, daß man
mit sehr geringen Mitteln eine sehr große Gefährdung schaffen
kann.
Worin genau liegt denn Deine „große Gefährung“. Ich hab
allmählich diese schwammigen Formulierung satt, also werde mal
ein bischen konkret.
Ich meine das Ende der Menschheit.
Ich wollte nicht die große Gefährung benannt haben, sondern vor allem den konkreten (nicht schwammig, konkret!!!) Zusammenhang mit der Gentechnik wissen. Wenn ich es nicht logisch begründen muß, kann ich natürlich auch behaupten, das Silvesterfeuerwerk wird noch irgendwann zum Ende der Menschheit führen.
Das Gefährdungspotential ist deutlich höher als bei nuklearer
Waffentechnik.
Wie kommst Du denn bloß zu diesem Vergleich? Ist etwa so als
würde man Äpfel daraufhin untersuchen, die die Birnen dieses
Jahr Würmer haben werden. Ich sehe bei Gentechnik und nukleare
Waffentechnik nur eine Gemeinsamkeit: die hochkochenden
Emotionen.
Tja, daraus lernen wir, daß man ein wenig über den Tellerand
schauen sollte.
Richtig! Am liebsten über den Tellerrand der Bauchgefühle hinaus.
Der Vergleich kommt zustande, wenn man das
Gefährdungspotential betrachtet. Beide Technologien sind dazu
geeignet, große Teile des Lebens auf der Erde zu töten.
Zum Teufel, wie (wie wie wie !!) soll denn das gehen, daß die Gentechnik große Teile des Lebens auf der Erde tötet. Hast Du irgendeine Vorstellung ??? Na, die würde ich gerne erfahren.
Man achtet sehr genau darauf, wo sich
spaltbares Material, besonders waffenfähiges Plutonium,
befindet, um die Verwendung (inklusive Drohung der Verwendung)
einzuschränken. Das ist bei Gentechnik nicht möglich, also
sollte man besondere Vorsicht walten lassen.
Kein Wunder, daß es bei der Gentechnik nicht möglich ist, Gene
enthalten nun mal kein Plutonium.
Das war jetzt aber Absicht, oder?
Stimmt, der Vergleich war aber auch allzu blöd.
Nochmal langsam für Dich:
Für den Bau von Nuklearwaffen braucht man sehr seltenes, sehr
auffälliges und sehr schwer zu handhabendes Material.
(Tatsächlich war die Materialbeschaffung während des Manhattan
Project das größte Problem.) Diesen Umstand kann man auch
durch verfeinerte Fertigungstechniken nur sehr begrenzt
begegnen. Es gibt halt nicht viel von dem Zeuch, Punkt.
Für das Splicing von, sagen wir, ein paar AIDS-Genen in ein
Grippevirus brauchen wir in ein paar Jahren wahrscheinlich ein
kleineres Labor, einen Wissenschaftler und zwei Helfer; das
Rohmaterial befindet sich in jedem benutzten Taschentuch.
Anders ausgedrückt: Wenn Du nicht wissenschaftlich belegen
kannst, daß so etwas auch in vielen Jahrzehnten noch nicht
möglich ist, hast Du Unrecht.
Von Unfällen will ich mal nicht sprechen. Bei Plutonium sorgt
schon die Toxizität (sp?) dafür, daß man nicht nachlässig ist.
Aha, jetzt ist die Sache schon verständlicher. Du beziehst Dich auf gentechnisch hergestellte Waffen, das wären ja dann wohl biolgische Waffen. Aber da muß man die Gentechnik doch nicht bemühen, das kann man auch einfacher haben. Die Natur war beim Hervorbringen von fiesen Krankheitserreger schon überaus effektiv, da kann man doch besser die schon vorhandenen nehmen. In dieser Hinsicht wird auch der klügste Gentechniker die Natur mir ihrer jahrtausendelangen Evolution kaum übertreffen können.
Und außerdem, wo gibt es denn ernsthafte Bestrebungen, so was zu machen? Wenn ein Staat einen anderen Staat wirklich auslöschen will, dann wirft er doch eher 'ne Atombombe, oder?
Ich behaupte auch nicht, daß alles was die Industrie sagt,
wahr ist, trotzdem würde ich ihr deshalb nicht jeglichen
Sachverstand absprechen.
Tja, ich befolge nur die Regeln, die sie selbst aufgestellt
haben. Die Frage war: Habt Ihr Ahnung von der Materie? Die
Selbsteinschätzung war vermutlich: Klar haben wir. Damit lagen
sie falsch. QED.
Du kannst zwar „Quod erat demonstandum“ drunterschreiben, bewiesen hast Du aber gar nichts, sondern nur eine Behauptung aufgestellt.
Was die Freisetzungsversuche nämlich auch gezeigt haben, ist,
daß die ganzen Horror-Szenarien, die im Vorfeld dieser
Versuche gemalt worden sind, nicht eintrafen (da hab ich
kürzlich sogar eine Meldung drüber gelesen) Welche Gruppe hat
denn nun hier nicht genügend Sachverstand bewiesen, hm?
Was weiß ich? Ist mir auch ziemlich egal. Ich bestreite weder,
daß alle möglichen Leute sich irren, noch daß Gentechnik
enorme Vorteile bringen kann. Alles was ich sage ist, daß man
exponentielle Technologien mit äußerster Vorsicht
behandeln sollte.
„exponentielle Technologie“ wenn ich das schon höre! Wieder so ein schwammiger Begriff, der überhaupt nichts aussagt. Wenn ich will, kann ich auch das Erkalten meines Kaffess hier auf dem Schreibtisch als einen exponentiellen Vorgang bezeichen. Jetzt reicht`s aber so langsam!
Ein Beispiel mit deutlich geringeren Folgen: Asbest ist ein
ganz hervorragender Werkstoff: Leicht, gut zu verarbeiten und
zu allem anderen auch noch feuerfest! Die deutsche Flotte hat
die britische im ersten Weltkrieg ordentlich vermöbelt, weil
ihre Schiffe moderner und eben auch mit Asbest ausgerüstet
waren. In den 30er Jahren gab es dann unter Marineangehörigen
ein paar Lungenkrebstote mehr als sonst.
Damit will ich nicht sagen, ob Asbest gut oder schlecht ist,
nur daß man bei neuen Technologien beinahe nie alle Folgen
abschätzen kann.
Was willst Du denn noch alles mit Gentechnik vergleichen? Natürlich kann man bei einer Technologie nie alle Folgen bis in alle Ewigkeit abschätzen. Gewisse Prognosen kann man aber doch immer darüber machen, was wahrscheinlich ist und welche Horrorszenarien unwahrscheinlich sind, weil sie sich nicht mit den wissenschaftlichen Fakten vereinbaren lassen.
Damit meine ich nicht , daß man Gentechnik verbieten
sollte. Mindestens solange es genetisch bedingte Krankheiten
gibt, würde man ein zu wertvolles Werkzeug aus der Hand geben.
Ja, zumindest im medizinischen Bereich ist die Akzeptanz der
Gentechnik gestiegen, weil die Leute hier angefangen haben,
mit dem Kopf zu denken. Immerhin.
Da ist es wieder: Wer Dir zustimmt, ist im Recht.
Nein, nicht wer mir zustimmt, sondern wer anfängt, mal mit dem Kopf zu denken.
Melissa