ich bin auf der Suche nach Quellen über die Beseitung von Unrat, Müll, Kadavern, Fäkalien im Mittelalter. Am meisten interssieren mich alte Gesetzestexte, in denen man sowas nachlesen kann, aber auch haarsträubende Geschichten oder allgemeine Infos würden mir sehr weiterhelfen. Am dankbarsten wäre ich über Quellen im Internet.
Mal schauen, was in den ‚Pestordnungen‘ steht
Gesetze, die mit der Abfallbeseitigung zusammenhängen, waren die „Pestordnungen“, die von den mittelalterlichen Stadträten erlassen wurden, wenn die Pest oder eine andere Seuche im Anzug war. Außer Anrufungen Gottes, „Erklärungen“ für den Ausbruch der Seuche, Bestimmungen über Isolation der Kranken etc. waren meist auch Vorschriften über die Wegschaffung des Unrats usw. enthalten.
Merker, Handbuch für Polizeibeamte …
Habe schöne „Quelle“ in meinem Bücherschrank gefunden:
(Polizeirat) Merker: Handbuch für Polizeibeamte im ausübenden Dienst, 1818.
Das ist zwar nicht mehr das Mittelalter, aber wenn es in relativ modernen Gesellschaften schon so aussah, wie sich aus dem folgenden Worten ergibt, dann war es im Mittelalter bestimmt nicht besser.
Zitat -
Abschnitt
Verfahren zur Handhabung der Straßenordnung
Punkt 709 ((Worauf die Polizisten achten sollen))
n) daß die Wegschaffung der Düngerhaufen in möglichst kürzester Zeit erfolge;
o) daß Dünger und Unflat nur des Nachts aus den Häusern herausgeschafft und daß solche auch sofort abgefahren werden;
p) daß niemand sich erlaube, Unreinlichkeiten, krepiertes Vieh oder ähnliche Gegenstände des Ekels und der Unsauberkeit auf die Straßen zu schütten oder zu werfen;
q) Gegenstände dieser Art aber, wenn dies dennoch geschehen wäre [!], sofort weggeschafft werden …
eine Geschichte des Geruchs" lautet der Titel des exzellenten Buches von Alain Corbin, die u.a. die Wahrnehmung & Definition von „Unrat“ im Lauf der Zeiten analysiert.
Auszug -
aus dem Berliner „Pestregiment“ von 1576
nach: Doz. Dr. med. Wolfgang Clemens: Die Pest in Berlin. 1998
(Orthographie modernisiert)
Erstlich soll eine gute politische (!) Ordnung an allen Orten in der Stadt und den Gemächern in den Häusern / mit Säuberung / Reinigung / von aller stinkenden Materie und Unrat gehalten / der Mist ab den Straßen geführet / auch allezeit so oft der Mond voll wird / sauberen Sand, Grien oder kleine Kießling Steinlein in die Brunnen werfen / wodruch sich das schleimige Wasser purgiere / auch kein Wasser von gewaschenem Fleisch oder Fischen / also [ebenso] den Harn / Seifenwasser / und anderen Unrat / nicht auf die Gassen schütten / sondern solches soll in die Spree getragen / und darein gegossen werden.
Man soll die Hund / Schafe / und andere Tier / so in den Häusern bei den Menschen wohnen / alle Wochen zweimal baden / in fließendem Wasser / und die Gemach mit frischem Wasser begießen / und oft sauber kehren.
Die Schweineställ / vor oder in den Häusern / sollen hinweg getan / oder aber sonst rein und sauber gehalten / auch die Schwein alle Wochen zweimal gebadet werden.
Die Gemächer in den Häusern / beräuchern die Armen mit Eichenlaub / Wacholderholz und -beeren / Nußschalen / Bibernellenwurz / Rosmarin / Die Reichen aber mit Weihrauch / Mastix / und Räucherkerzlein.