Wenn ihr euch hier langweilt

… möchte ich doch mal was fragen. Lese mich gerade ein bisschen über die Goten ein. Mir ist bisher nicht klar, warum die Goten, anders wie die übrigen germanischen Stämme, ein offensichtlich gutes Verhältnis zu den Hunnen hatten. Weiter wüsste ich gerne, warum der für ihre bzw. Wulfilas/Ulfilas Geschichte so wichtige Codex Argenteus ausgerechnet in Uppsala gelandet ist. Wenn ich richtig verstanden habe, waren die Goten zur Zeit der Entstehung des Textes schon über dreihundert Jahre aus Schweden ausgewandert. Und wie ich über diesen Text etwas mehr erfahren wollte, habe ich gesehen, das er aus 187 Blättern besteht. Wann hat man den angefangen, von der Rolle auf das Buch in der heutigen Form überzugehen?
Carsten

Codex argenteus Kriegsbeute.
Hallo !

Ganz einfach! Der Codex argenteus (Das Silberne Buch), die westgotische Evangelienhandschrift des 6. Jh. n. Chr. ist in Oberitalien entstanden; enthält die Evangelien in der Übersetzung Wulfilas; war urspr. im Besitz Kaiser Rudolfs II. 1648 von schwedischen Truppen erbeutet und wie so üblich, als Kriegsbeute mit nach Haus genommen. Heute in der Universitäts-Bibliothek Uppsala.
Wenn Du Interesse hast, kann ich Dir die Einbanddeckel schicken (als Foto natürlich nur!!).

Gruß Max

Danke Max
Wenn es dir nicht zu viel Mühe macht, würde ich mich über die Bilder freuen. Ich habe in einem Mittelalter-Lexikon nachgelesen, aber da sind keine Abbildungen drin. Weisst du, ob es zur Entstehungszeit schon so als „Buch“ vorlag, oder ist es eine auf Seitenformat geschnittene Rolle? Habe versucht eine Quelle zu finden, ab wann die Bücher die heute gewohnte Form angenommen haben, aber nichts gefunden.
Carsten

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Hallo Carsten!

Die Bibel ist schon unterwegs!

Gruß Max

Hallo !

Die Geschichte des Code Argenteus ist natürlich damit nicht beendet.
Hier ein Ausschnitt aus dem Buch : „Die Westgoten“ von Joseph von Aschbach. (!8801-1882) :

Wir haben nämlich unter dem Namen der silbernen Handschrift eine sehr alte, deutsche Evangelienübersetzung. Es wird ihrer zuerst am Ende des 16. Jahrhunderts erwähnt; sie befand sich damals in dem Kloster zu Verden in Westfalen. Zur Zeit des dreißigjährigen Krieges kam sie nach Prag, wo sie der Graf von Königsmark bei der Einnahme der Stadt 1648 erbeutete und sie dann der Königin Christine nach Stockholm schickte.
Schon im Jahr 1655 nahm Isaak Vossius, ungewiß, ob als Geschenk oder mittelst eigenmächtiger Zueignung, das Manuspript aus Schweden mit sich fort nach Holland, wo es der Graf Magnus Gabriel de la Gardie von Vossius für 400 Taler kaufte. Er ließ es in massives Silber binden und schenkte es im Jahr 1669 der Universität Uppsala, wo dasselbe sich gegenwärtig befindet.

Also hat der Codex Argenteus eine ziemlich bewegte Geschichte hinter sich. Und natürlich auch verschiedene. Und den guten Wulfilas nannte man auch schon mal „Ulphilas“.

Bei Interesse kann ich die Geschichte von Ulphilas auch scannen und schicken. Ca 10 Seiten. Ebenso das gotische Alphabet im Vergleich zu anderen Alphabeten.
Das sicherste ist aber, sich Bücher über die Goten zu kaufen, allein schon um zu verstehen, was denn der Arianische Glaube war. Eine für die heutigen Menschen eigentlich viel besser zu verstehende Lehre.

Gruß Max.

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Danke Max
Du hättest mir den Text nicht scannen müssen! Das Bild von dem Codex war Mühe genug, ich danke dir dafür. Lese Gerade Herwig Wolfram: Die Goten und ihre Geschichte, Beck Wissen. Das ist erst dieses Jahr erschienen und die Literaturliste ist aktuell. Von langen Texten am PC kriege ich einen weichen Keks. Es geht nichts über ein gutes Buch in der Hand.
Die Geschichte von diesem Codex ist damit wohl geklärt. Ich wüsste aber immer noch gerne, ab wann Bücher in der uns gewohnten Form in Umlauf kamen. Der älteste Prachteinband, der noch erhalten ist,scheint das Theodolinda-Evangeliar aus dem 7.Jh. zu sein. Die Lesegewohnheiten müssen sich irgendwann im Frühmittelalter geändert haben. Ich erinnere mich, dass Augustinus sich an einer Stelle wundert, dass einer seiner Lehrer las „ohne die Lippen zu bewegen“. Die Antike hat laut gelesen. Und von Buch-Rollen. Irgendwann im frühen M.A. las man dann leise für sich aus dem Buch. Wann?
Frohes Fest
Carsten