Hallo,
kann mir jemand sagen, wie man die Musikrichtung nennt, in der die drei Mönche in dem Film „Via con dios“ singen? Wer hat solche Gesänge geschrieben und wo kann man mehr davon bekommen?
Alle liebe
Andaron
Hallo,
kann mir jemand sagen, wie man die Musikrichtung nennt, in der die drei Mönche in dem Film „Via con dios“ singen? Wer hat solche Gesänge geschrieben und wo kann man mehr davon bekommen?
Alle liebe
Andaron
Hallo, Andaron,
Ich würde mal sagen, das sind Gesänge „nach Art“ der Madrigale.
Unter Madrigal versteht man mehrstimmige strophische Lieder, die aus Italien kamen (Madrigal von Madre - Mutter, in der „Muttersprache“ gesungen). Eine der wichtigsten Musikformen der Renaissance und des Barock.
Unter Madrigal(e) findest du jede Menge Hörbeispiele im Netz.
Lieben Gruß aus Wien, jenny
‚Vaya con dios‘ auch gregorianisch
nochmal ich…
ich hab mich jetzt mal durch den soundtrack geklickt und behaupte mal, dass da auch ein gerüttelt Maß „nach Art“ der Gregorianischen Gesänge dabei ist…jedenfalls eine amüsante Mixtur.
Unter einem Gregorianischen Gesang verstand man ursprünglich den einstimmigen, unbegleiteten liturgischen Gesang, oft „responsorisch“ gesungen, das heisst, in einem Wechselgesang von Vorsänger und Chor.
Hörbeispiele:
Gregorianisch: z.B. hier:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B000026E63/qid…
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B000026FZ7/ref…
Madrigal: z.B. hier:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B000244PZU/ref…
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B00000J2PZ/ref…
LG.j.
nicht gregorianisch - auch kein Madrigal!
Hallo Jenny,
ich hab mich jetzt mal durch den soundtrack geklickt und
behaupte mal, dass da auch ein gerüttelt Maß „nach Art“ der
Gregorianischen Gesänge dabei ist…jedenfalls eine amüsante
Mixtur.
Ich würde mal so sagen: der Soundtrack möchte dem unbedarften Zuschauer den Eindruck vermitteln, es sei Gregorianik. Allerdings taucht im Film (soweit ich mich erinnere) kein einziger echter Gregorianischer Choral auf.
Die Trackliste umfasst die folgenden „alten“ Kompositionen:
Ist also alles drin im Soundtrack, von Vokalpolyphonie der Renaissance über den Lutherischen Choral bis zur Moderne. Nur keine Gregorianik … (amüsante Mixtur, in der Tat).
Madrigal: z.B. hier:
Momentemal … ein Madrigal ist immer ein weltlicher Gesang, ein Renaissance-Liebeslied! So einen großen Stilbruch haben sich nicht einmal die Macher des Soundtracks geleistet, die Mönche Madrigale singen zu lassen. Das geistliche Gegenstück zum Madrigal ist die Motette!
Hier übrigens ein interessanter kleiner Link zu einem Konzertprogramm der Original-Sänger des Film-Soundtracks (teilweise mit dem Soundtrack identisch):
http://www.thwittig.de/tusolus.html
Grüße
Wolfgang
Ach Wolfgang, du Retter in später Stunde:smile:
Ich wusste, dass ich da irgendwelche „Fische“ drin habe - habe sogar telefonische Hilfe gesucht…*lächel*
Ich würde mal so sagen: der Soundtrack möchte dem unbedarften
Zuschauer den Eindruck vermitteln, es sei Gregorianik.
Allerdings taucht im Film (soweit ich mich erinnere) kein
einziger echter Gregorianischer Choral auf.
Deswegen schrieb ich ja „nach Art“…das meinte ich…so wie du „es sei“.
Die Trackliste umfasst die folgenden „alten“ Kompositionen:
- Perrinet (15. Jh.), „Bonbarde“
- Josquin Desprez (1450-1521), „Tu solus“
- Igor Strawinsky (1882-1971), „Pater noster“
- anonymus, „Genealogia Christi“
- Georg Neumark/Tobias Gravenhorst, „Wer nur den lieben Gott
lässt walten“ (1657, Bearb. 2000)
So intensiv habe ich nicht hineingehört…das gestehe ich…allerdings hätte ich auch manches nicht gewusst.
Ist also alles drin im Soundtrack, von Vokalpolyphonie der
Renaissance über den Lutherischen Choral bis zur Moderne. Nur
keine Gregorianik … (amüsante Mixtur, in der Tat).Madrigal: z.B. hier:
Momentemal … ein Madrigal ist immer ein weltlicher Gesang,
ein Renaissance-Liebeslied! So einen großen Stilbruch haben
sich nicht einmal die Macher des Soundtracks geleistet, die
Mönche Madrigale singen zu lassen. Das geistliche Gegenstück
zum Madrigal ist die Motette!
Du meinst, die Beispiele sind falsch??? Denn dass ein Madrigal geistlich sei, habe ich nicht behauptet.
Danke dir:smile:)
Wieder viel gelernt!
Lieben nächtlichen Gruß, jenny
Frage
Servus nochmal:smile:
Hat nicht z.B. Monteverdi weltliche Madrigale quasi für kirchliche Texte umgewidmet?..Ist das Madrigal nicht nur die Bezeichnung für das mehrstimmige,begleitete Musikstück, das durchaus auch religiöse Motive haben kann? (nicht liturgische)?? Und was ist ein „geistliches Madrigal“?
Fragen über Fragen…wird wieder eine lange Nacht…*lach*
LG.jenny
Hallo,
wie ich in dem anderen Posting unten schon schrieb, hat der Filmsoundtrack keine einheitliche Musikrichtung - die Musikstücke sind quer durch die Jahrhunderte gegriffen. Ein kleiner Schwerpunkt ist aber doch bei der Renaissance-Musik auszumachen, der Vokalpolyphonie.
Dazu ein paar kleine Tipps, nur so zum Einstieg:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B0000262DQ/
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B000059GLW/
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B0000073BK/
Grüße
Wolfgang
Hallo nochmal Jenny,
Ach Wolfgang, du Retter in später Stunde:smile:
LOL, ich rette doch gerne … 
Deswegen schrieb ich ja „nach Art“…das meinte ich…so
wie du „es sei“.
Hab ich auch so verstanden. Ich wollte es nur nochmal klar herausstellen.
So intensiv habe ich nicht hineingehört…das gestehe
ich…allerdings hätte ich auch manches nicht gewusst.
Hab vorhin auch nur den Abspann von der DVD abgetippt *grins*. Dass das ein bunter Stilmix ist, hatte ich allerdings noch vom ersten Anschauen des Films in Erinnerung.
Du meinst, die Beispiele sind falsch??? Denn dass ein Madrigal
geistlich sei, habe ich nicht behauptet.
Kommt darauf an, wie scharf Andaron die Musikrichtung umrissen haben möchte. Natürlich hat weltliche Renaissance-Musik auch ihren Reiz. Nur mit geistlicher Musik haben Madrigale eben nichts zu tun, insofern sind die Beispiele falsch, ja (leider).
Schöne Grüße und gute Nacht
Wolfgang
Auch servus, Jenny 
Hat nicht z.B. Monteverdi weltliche Madrigale quasi für
kirchliche Texte umgewidmet?
Doch, es gab zum einen Kontrafakturen , also Neu-Unterlegungen eines weltlichen Musikstücks mit einem geistlichen Text (oder auch umgekehrt), und zum anderen allgemein das Parodieverfahren , beispielsweise die Komposition einer Messe über das Thema eines weltlichen Liedes (z.B. „Missa l’homme armé“). Ob diese Verfahren auch auf Madrigale angewandt wurden, weiß ich allerdings nicht, zumindest fällt mir spontan kein Beispiel dazu ein.
Dass die beiden Gattungen des Madrigals und der Motette eng miteinander verwandt sind, soll auch gar nicht bestritten sein. Trotzdem wussten die Zeitgenossen da klar zu unterscheiden (schon wegen der Texte).
…Ist das Madrigal nicht nur die
Bezeichnung für das mehrstimmige,begleitete Musikstück, das
durchaus auch religiöse Motive haben kann? (nicht
liturgische)??
Eigentlich nicht.
Und was ist ein „geistliches Madrigal“?
In der Tat, ein Sonderfall. Aber, dass diese Stücke extra „geistlich“ genannt wurden, zeigt ja im Umkehrschluss auch, dass Madrigale in der Regel eben nicht geistlich waren (oder so, ist schon spät
)
_"Mehrere Musikwissenschaftler haben bereits darauf hingewiesen, daß der Umgang Palestrinas mit der Gattung des Madrigals von einer merkwürdigen und auffälligen Inkonsequenz geprägt ist. So distanziert sich der Komponist im Vorwort zu seinem 1584 entstandenen Buch fünfstimmiger Motetten gegenüber dem Widmungsträger Papst Gegor XIII. von der Vertonung weltlicher Texte, veröffentlichte aber bereits zwei Jahre später erneut eine Sammlung mit Madrigalen.
In dieser opportunistisch anmutenden Haltung manifestiert sich ein mentalitätsgeschichtlich bedeutsamer Zwiespalt, der die musikalische Produktion während der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts generell kennzeichnet: Einerseits entsteht in dieser Zeit mit der Villanelle eine Teilgattung des Madrigals, deren Textvorlagen sich unverkennbar durch eine Neigung zur volkstümlichen, oft von eindeutigen sexuellen Anspielungen begleiteten Derbheit auszeichnen. Andererseits gewinnen die mit der katholischen Gegenreformation verbundenen Bestrebungen an Einfluß, die Musik von allzu irdischem Gedankengut zu befreien.
Vor dem Hintergrund dieses Spannungsfeldes muß die Entstehung der ausschließlich für nichtliturgische Anlässe gedachten Sondergattung >Madrigali spirituali
Quelle: Harenberg Chormusikführer, p. 654, ISBN3611008176
Liebe Grüße
Wolfgang_
Hallo zusammen,
besten Dank für eure Mühen!
Kommt darauf an, wie scharf Andaron die Musikrichtung umrissen
haben möchte. Natürlich hat weltliche Renaissance-Musik auch
ihren Reiz. Nur mit geistlicher Musik haben Madrigale eben
nichts zu tun, insofern sind die Beispiele falsch, ja
(leider).
So genau muß es nicht sein. Nur wo ich suchen muß, wenn ich solche Stücke haben möchte. Ich finde die Gesänge einfach sehr schön, ob geistlich oder weltlich ist dabei nicht so wichtig. Ich schau mir jedenfalls die links mal an.
Herzliche Grüße
Andaron