Wieso ist Napster denn nun immer noch online?
Von: , Frage gestellt am Fr, 25. Aug 2000
Erst verboten, dann Berufung und dann hab' ich den Faden verloren...
Kann man da immer noch downloaden?
Erst verboten, dann Berufung und dann hab' ich den Faden verloren...
Kann man da immer noch downloaden?
Hallo, Cypher!
Hier ein paar Artikel aus der FAZ und SZ, die den Fall Napster noch einmal zusammenfassen.
Gruß!
Chris
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Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.08.2000
Wirtschaft, Netzwirtschaft im Überblick
Napster unter den 50 beliebtesten Web-Sites
NEW YORK, 23. August (dpa). Nach dem Rechtsstreit über ihre Zulässigkeit ist die Internet-Musiktauschbörse Napster in die Hitparade der beliebtesten 50 amerikanischen Web-Sites aufgestiegen. Wie die Medienagentur Metrix Media bekanntgab, verzeichnete Napster im Juli allein in den Vereinigten Staaten 5,4 Mio. Zugriffe und belegt damit Platz 47 in den Beliebtheitscharts bei amerikanischen Internet-Nutzern. Die Plazierung in den Top 50 ist ein wesentlicher Faktor für die Höhe der für Werbung auf den Seiten gezahlten Anzeigenpreise und die Popularität bei Werbekunden. Napster stellt Internet-Nutzern seit einem Jahr ein Programm zur Verfügung, mit dem Musikstücke im digitalen MP3-Format gefunden und gratis kopiert werden können. Am 30. Juli hatte ein Gericht in San Francisco in letzter Minute die drohende Schließung der Web-Site verhindert. Der amerikanische Musikindustrieverband hatte gegen die Tauschbörse geklagt mit der Begründung, das Online-Angebot wirke sich geschäftsschädigend auf die Musikindustrie aus. Über die Eröffnung eines Verfahrens soll nach weiteren Anhörungen entschieden werden.
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Süddeutsche Zeitung vom 08.08.2000
Plattenfirmen rüsten auf
Napster geht, Bertelsmann kommt
Die Tauschbörse Napster ist die populärste Musikadresse im Web. Doch zurzeit herrscht besonderer Andrang. Wie beim Sommerschlussverkauf stürmen Millionen von Surfern das Forum, um in den verbleibenden Wochen kostenlos Hitparadentitel aus dem Web zu laden. Spätestens Ende September, erwarten viele Beobachter, schließt der Server, der kein einziges Musikstück enthält, sondern nur die Daten von Anbietern speichert. Dennoch hatte ein Gericht in San Francisco entschieden, die Napster-Tauschbörse sei illegal, da sie urheberrechtlich geschütztes Material kostenlos unters Web-Volk streue. Ein anderes Gericht hat die Verfügung einstweilen wieder aufgehoben.
Geklagt hatten Vertreter der internationalen Musikindustrie, darunter die Bertelsmann Music Group und die Universal Music Group. Dem Vorwurf, ihnen gehe es nicht nur um Gerechtigkeit, sondern darum, den Napster-Boom kommerziell auszuschlachten, haben diese Firmen nun selbst neue Nahrung geboten: Universal und Bertelsmann werden Musik in digitaler Form im Internet zum Download anbieten gegen Gebühr.
Universal beginnt noch in dieser Woche eine Testphase mit Songs von Künstlern wie George Benson und Marvin Gaye sowie mit Arien von Luciano Pavarotti. Im Herbst soll der digitale Musik-Dienst, an dessen Aufbau auch Sony Music beteiligt ist, in vollem Umfang starten. Das dabei benutzte so genannte Bluematter-Format, eine Eigenentwicklung von Universal, überträgt nicht nur die Musik, sondern auch Informationen zum Künstler, Fotos, Songtexte und ähnliches.
Branchenriese Bertelsmann will seinen Dienst, der unter dem Namen musicdownload24 laufen soll, ab September testen. Auch die deutsche Firma verwendet nicht das MP3-Format, auf dem der Austausch bei Napster basiert. Stattdessen werden die Musik-Titel im Format Advanced Audio Coding angeboten, das eine bessere Klangqualität als MP3 gewährleisten soll. Das Projekt soll im November in die zweite Phase gehen.
Wichtig ist beiden Plattenfirmen, dass ihre Musikstücke kopiergeschützt bleiben, obwohl sie über das Internet vertrieben werden. Weniger wichtig scheint es dagegen, ein universelles Format für das Angebot zu finden. Universal und Bertelsmann haben jeweils andere Abspielprogramme für die Musik empfohlen. Eine Sprecherin von UMG sagte zudem, Bluematter werde während der Testphase nicht mit anderen Musikformaten kompatibel sein.
Seit langer Zeit dümpelt eine Initiative der Musikindustrie dahin, einen gemeinsamen Standard für den Vertrieb über das Internet zu entwickeln. Die Zeit drängt: Sollte Napster wirklich bald schließen, stehen die Nachfolger schon bereit. Programme wie Gnutella leisten womöglich noch mehr und verzichten dabei auf den Zentralrechner, der die Daten der Tauschwilligen bereithält. Stattdessen treten die Nutzer direkt miteinander in Verbindung. Um das zu stoppen, müsste die Plattenindustrie ihre Kunden verklagen.
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Süddeutsche Zeitung vom 31.07.2000
Napster ruft Fans zum Protest
Berufungsgericht setzt Schließung von Internet-Musikbörse aus
New York - Die Musiktauschbörse Napster hat ihre Fangemeinde aufgerufen, mit Briefen an die Chefs der großen Musikkonzerne gegen die drohende Schließung des beliebten Internet-Dienstes zu protestieren. "Schreibt an die Chefs der Musikkonzerne und sagt ihnen, dass ihr ihre besten Kunden seid und dass ihr gegen die Schließung von Napster seid", heißt es in einem Appell auf Napsters Website. Über Napster laden Millionen Internet-Nutzer Lieder von Mozart bis Madonna kostenlos auf ihre Computer herunter. Zwar hatte ein Berufungsgericht in San Francisco am Freitag kurz vor der Schließung der Web-Site entschieden, dass Napster vorerst weitermachen darf. Branchenbeobachter glauben aber nicht, dass sich durch den Aufschub grundsätzlich etwas geändert habe. "Die Schließung wird nur hinausgezogen, das ist alles", sagte Dave Goldberg, Chef der Firma Launch Media, einer Internet-Musikfirma, die mit neuen Medien und auch mit der traditionellen Musikbranche arbeitet.
Napster sucht jetzt die Hilfe seiner Fans. Die Firma nennt Namen, Anschrift und E-Mail-Adressen der fünf Konzerne - BMG (Bertelsmann), EMI, Sony Music Entertainment, Time Warner und Universal Music Group - sowie der beiden Branchenverbände Recording Industry Association of America (RIAA) und National Music Publishing Association (NMPA). "Zeigt den Bossen Eure Macht, indem ihr nur Künstler kauft, die Napster unterstützen", heißt es in dem Aufruf weiter. Eine Liste von 33 Künstlern ist beigefügt.
Mit dem Napster-Programm kann der Nutzer seit einem Jahr im MP3-Datenformat problemlos Musikstücke in allen Bereichen kopieren und in CD-Qualität über seine Rechner-Lautsprechanlage abspielen. Nach Angaben der Rating-Firma Nielsen Net Rating benutzen in den USA täglich 500 000 bis 800 000 Menschen den Napster-Dienst, oder etwa eins bis zwei Prozent der Internet-Surfer und weltweit sind es nach Napster-Schätzungen um die 20 Millionen. Der Dienst sollte bereits am Freitag Mitternacht per einstweilige Verfügung dicht gemacht werden, weil er - so der Befund der niedrigeren Instanz - ausschließlich zum Zweck illegaler Raubkopien eingerichtet worden sei.
Die höhere Instanz hat nun zu Gunsten Napsters entschieden. Die von dem 19 Jahre alten Shawn Fanning gegründete Firma hat bis zum 18. August Zeit, ihre Position darzulegen, während die RIAA angewiesen wurde, bis zum 8. September weitere Argumente für die Schließung einzubringen. Napster widersprach der Behauptung des Klägers, dass der Austausch von Musiktiteln das Gesetz verletze. Es sei auch schwierig, aus der Vielzahl der Musiktitel jene herauszufiltern, die urheberrechtlich geschützt seien. Die Musikindustrie bezeichnet Napster als einen mit gestohlenem Geistesgut angefüllten Flohmarkt, auf dem täglich zwischen 12 bis 30 Millionen Titel ausgetauscht würden.
Erst verboten, dann Berufung und dann hab' ich den Faden
verloren...
vermutlich ist ende september schluss
Kann man da immer noch downloaden?
momentan schon.