Nicht ganz…
Hallo,
etwas oberflächlich betrachtet hast Du schon recht. Die filmmusik ist
sicher näher an der „Klassik“ dran als z.B. an der Popmusik, allein
durch ihre Mittel (Instrumente, Orchester, Form des Stückes,
Motivisch-thematische Kompositionsarbeit usw.)
Allerdings, und das erklärt auch, warum unikum mit der Filmmusik mehr
anfangen kann als mit Mozart und Beethoven:
Filmmusik ist viel mehr auf die pure Vermittlung von emotionen
ausgerichtet. Sie macht sich unsere Hörgewohnheiten zunutze, zielt
darauf ab, dass wir z.B. Moll traurig und fetzige Trompeten
majestätisch empfinden.
Filmmusik ist dadurch leichter zu begreifen, besitzt nicht viel
neueEinfälle, geht sehr traditionalistisch an die Sache heran, das
ist auch der Grund, weshalb sie unter den „Klassikern“ ein klein
wenig verpönt ist.
Beethoven und Mozart hingegen zeichnen sich gerade dadurch aus, dass
ihre Musik SOWOHL auf Emotionen als auch auf den Verstand abzielt.
Sie ist einerseits im traditionellen Rahmen geschreiben (wie das die
Zeit halt so wollte: 4 Sätze, Sonatenhauptsatzform, blabla),
andererseits schafft sie es auch, immer wieder neue, passende
Wendungen zu finden, wer sie vom Kopf her analysiert, wird begeistert
sein, weil alle Kompositionsregeln eingehalten worden sind, und doch
so wahnsinnig viele neue Ideen drinstecken. Um zu Beethoven & Co.
Zugang zu finden, ist es in vielen Fällen notwendig (behaupte ich
jetzt mal), mit dem ganzen Genre schon vertrauter zu sein. Filmmusik
ist wesentlich klarer gestrickt, deswegen wirkt sie auch schneller
auf Leute ohne „Orchestermusik-Gewohnheiten“.
Nun nimm mal den STAR-WARS-SOUNDTRACK oder JURASSIC-PARK. Im
gesamten finden sich eben diese aspekte hier auch wieder.
John Williams ist also quasi der veritable nachfolger von
größen wie z.b. verdi etc.
Hier ist eben der unterschied: John Williams nutzt noch 100 Jahre
nach Verdi das, was damals eben auch schon funktioniert hat.
Man könnte es böse ausdrücken: er fährt die bewährte Schiene.
Filmmusik geht keine großen Risiken ein.
Auch wenn John Williams Verdi mehr ähnelt als z.B. anderer
zeitgenössischer Musik: Von williams wird man (im gegensatz zu Verdi)
in 100 Jahren nix mehr hören, ganz einfach deswegen, weil er nichts
wirklich neues erschaffen hat. Ich sehe dann eher Komponisten
zeitgenössischer Musik, die anspruchsvoll ist, doch nicht abgehoben,
die Spaß macht, ohne ein Abklatsch von tausend ähnlichen Varianten zu
sein (und so ist Filmmusik nun mal), als veritable Verdi-Nachfolger.
(Beispiel gefällig? Mark-Anthony Turnage. kaum bekannt, wird aber
mehr Eindruck hinterlassen als sonst wer)
Solltest du also musik suchen, die an eben die filmkomponisten
vom schlag eines john williams erinnern, musst du einfach nur
bei den großem „klassikern“ suchen…
Es gibt einige Stücke bei den großen Klassikern, die mit Filmmusik zu
vergleichen sind, das sind dann meustens die bekannten: Grieg
Morgenstimmung, die erwähnte Moldau, Barber Adagio, …
Sie sind deswegen so bekannt, weil sie eben emotionaler angelegt sind
als vieles andere, aber es bleiben Einzelstücke der Komponisten, ihr
Gesamtwerk besteht nicht nur aus den eingängigen stücken, sonst
hätten sie nicht überlebt.
Liebe Grüße
Judith
(ich will damit keinem die Klassik-„Hits“ oder gar die Filmmusik
madig machen - im Gegenteil: ich mag sie auch sehr, aber um neben den
Klassikern zu bestehen, ist Filmmsuik einfach nicht unangepasst
genug. Man könnte auch sagen: massentauglich.)