Hallo Ralph,
vorweg: Ich bin letztes Jahr aus England zurück nach Deutschland gekommen, habe vorher dort gearbeitet.
ich hoffe, ich bin im richtigen Brett. Also, ich habe durch
Zufall einige job-Angebote aus England gesehen, so z. B. ein
Customer Service Manager mit 2-5 Jahren Erfahrung, Ebene
Manager/Abteilungsleiter in Vollzeit Festanstellung, fuer den
22000-28000 Pfund geboten werden. Das erscheint mir doch arg
wenig zu sein, umgerechnet EUR 30000-38000 und England ist
nicht billig.
Das ist wahr. Allerdings gibt es nichtsdestotrotz erhebliche Unterschiede in den Lebenshaltungskosten je nachdem, wo du dich befindest. London ist unsäglich teuer und grob kann man sagen, je weiter man von London weg und je ländlicher man lebt, desto günstiger wird es. Zu beachten ist jedoch, dass die Engländer Langstreckenweltmeister im Pendeln sind. Die Einflugschneise zur täglichen Fahrt nach London erstreckt sich inzwischen bis in die Midlands.
Liegen denn die Loehne bei den Briten so tief
Ja, im Durchschnitt tun sie das und auch während meiner Zeit in England blieb es mir ein ewiges Rätsel, wie ein z.B. ein normaler Office Clerk es schafft, über die Runden zu kommen. Allerdings ist der Lebensstandard und somit auch die durchschnittliche Erwartung niedriger als bei uns Deutschen.
In Cambridge, wo ich gelebt habe, zum Beispiel, das fast so teuer ist wie London, ist es auch für nicht verheiratete Mittdreißiger noch recht normal in house shares (WGs) zu wohnen. Das Größte, was sich z.B. der durchschnittliche alleinstehende wissenschaftliche Angestellte der Colleges/Uni dort leisten kann, dürfte ein sog. studio apartment oder eine one bed flat (ca. 25 bis 35 qm) sein.
oder gibt es da noch Zusatzleistungen, die in den Anzeigen
nicht erwaehnt sind?
Nein, für „Standardjobs“ gibt es Zusatzleistungen meist höchstens in Form von Bupa (zusätzliche Krankenversicherung). Geht es um hochrangige Stellen, besonders auch im Vertriebsbereich, sieht es natürlich anders aus. Das wird dann allerdings normalerweise erwähnt.
Allerdings darfst du Folgendes nicht vergessen: Das nationale Gesundheitssystem NHS ist zwar erbarmungswürdig, aber (bzw. genau deswegen) kostenlos.
Der Unterschied zwischen Brutto und Netto ist außerdem weitaus geringer als in Deutschland. Bis zu einem Einkommen von £32,400 werden nur 22% abgezogen, für alles, was darüber hinausgeht 40%.
Trotzdem bleibt es dabei, dass man das Pfund nicht nach Wechselkurs umrechnen darf, wenn man seine Kaufkraft einschätzen möchte. Es sei denn, man lebt irgendwo in der Wallachei. Im Schnitt kann man schon sagen, dass £1 ungefähr die Kaufkraft von 1 Euro hat.
Grüße
Christiane