Behörden
Von: mіріасе, 29.8.2004 13:31 Uhr
Hallo,

ab wann gibt es eigentlich Krankengeld?

Mir ist nur bekannt, wenn man mehr als 6 Wochen am Stück (!) krankgeschrieben ist, ab dann zahlt quasi die Krankenkasse.

Wie ist es aber, wenn man z.b. mit ein und derselben Diagnose erstmal 2 Wochen krankgeschrieben ist, dann 2 Wochen nicht mehr, dann gehts wiedermal gar nicht und man wird für 5 Wochen krankgeschrieben.

Damit hätte man ja für ein und dieselbe Diagnose mehr als 6 Wochen Krankschreibungen, in, sagen wir mal, einem Zeitraum von einem Vierteljahr.

Heißt dass dann, wie mir mal jemand sagte, dass es dann auch Krankengeld gibt, sobald die 6 Wochen - wenn auch mit Unterbrechungen - Krankschreibungen gegeben sind (selbe! Diagnose)?

Ich kann mir das nicht recht vorstellen.


Und andere Frage:
wie viele Wochen gibt es insgesamt Krankengeld am Stück?

Bei Arbeitslosigkeit ist das Krankengeld laut Kasse gleich hoch wie das Arbeitslosengeld. Weiß jemand, wie hoch es dann bei Hartz IV ist?


danke
mipiace



  1. Antwort von Νеnа 13
    Re: Ab wann gibt es Krankengeld und wie lange?
    Hallo, Mir ist nur bekannt, wenn man mehr als 6 Wochen am Stück (!)
    krankgeschrieben ist, ab dann zahlt quasi die Krankenkasse.
    jein. Die Krankenkasse tritt dann mit Krankengeld ein, wenn die (gesetzliche oder freiwillige) Lohnfortzahlung des Arbeitgebers aufhört. In manchen Berufen/bei manchen Arbeitgebern und schon lange Zeit bestehenden Beschäftigungsverhältnissen kann es u.U. auch mal sein, dass die Lohnfortzahlung länger als 6 Wochen geht, und dann zahlt natürlich die Krankenkasse nicht zusätzlich zum Gehalt noch Krankengeld. Wie ist es aber, wenn man z.b. mit ein und derselben Diagnose
    erstmal 2 Wochen krankgeschrieben ist, dann 2 Wochen nicht
    mehr, dann gehts wiedermal gar nicht und man wird für 5 Wochen
    krankgeschrieben.
    Heißt dass dann, wie mir mal jemand sagte, dass es dann auch
    Krankengeld gibt, sobald die 6 Wochen - wenn auch mit
    Unterbrechungen - Krankschreibungen gegeben sind (selbe!
    Diagnose)?
    Aufeinanderfolgende Arbeitsunfähigkeitszeiten werden bei der Berechnung der Leistungsdauer (für Lohnfortzahlung UND Krankengeldbezug) zusammengerechnet. Wenn der Arbeitgeber schon mal 2 Wochen für diesselbe Erkrankung weitergezahlt hat, braucht er innerhalb einer bestimmten Frist das nächste Mal nur noch 4 Wochen bezahlen, d.h. die letzte Woche müsste die Krankenkasse einspringen.

    Der Gesetzgeber spricht allerdings nicht von "dieselbe Diagnose", sondern "dieselbe Erkrankung", d.h. wenn ein "innerer Zusammenhang" gegeben ist. Wenn du z.B. wegen einer Erkrankung starke Medikamente nehmen musst, und deshalb eine Magenerkrankung auftritt, ist es "diesselbe Krankheit", obwohl du vorher "Migräne" hattest und dann "Magendurchbruch". Wenn du dir aber 2 Wochen nachdem der Gips ab ist, das selbe Bein wieder brichst, ist es zwar dieselbe Diagnose, z.B. "Fraktur linkes Sprunggelenk", aber nicht diesselbe Erkrankung. Und andere Frage:
    wie viele Wochen gibt es insgesamt Krankengeld am Stück?
    für maximal 78 Wochen innerhalb von 3 Jahren. Dabei werden Lohnfortzahlungszeiten abgezogen, d.h. wenn du 6 Wochen LFZ hattest, kriegst du noch für 72 Wochen Krankengeld.

    Jedenfalls war es so, als ich noch in der Krankenkasse gearbeitet habe, was allerdings schon ein paar Jährchen her ist. Habe aber nie gehört, dass sich da dran was geändert hätte... Bei Arbeitslosigkeit ist das Krankengeld laut Kasse gleich
    hoch wie das Arbeitslosengeld. Weiß jemand, wie hoch es dann
    bei Hartz IV ist?
    Das wissen die Götter - und vielleicht noch nicht einmal die ;-/

    LG, Nena
    3 Kommentare
    • Re^2: Ab wann gibt es Krankengeld und wie lange?
      Hallo Nena,

      das hätte ich nicht besser schreiben können - tolle Antwort -
      fühle dich gelobt.

      Gruss

      Günter Czauderna
    • Arbeitslos -> Lohnfortzahlung -> Krankengeld
      Hallo,

      super, danke für die tolle Beschreibung.

      Um noch ins Detail zu gehen und den Fall einzuschränken, unabhängig von "normalen" Arbeitgebern, wie ist es wenn jemand arbeitslos ist (Arbeitslosengeld):

      a) aus psychischen Gründen vom Psychiater 2 Wo. krank geschrieben wird

      b) dann kann derjenige z.B. wieder 2 Wo. arbeiten, bis er wieder zusammenbricht

      c) dann wird er vom Psychiater doch nochmal 6 Wo. krankgeschrieben (beispielsweise)

      d) wie verhält es sich dann mit Vater Staat als "Arbeitgeber" in Sachen Lohnfortzahlung (6 Wochen und Schluss?), und springt dann in welchem Zeitraum das Krankengeld ein, da ja die Krankheit immer die selbe ist, wenn ich das richtig verstanden habe?

      Ist es dann praktisch unerheblich, was der Arzt als Diagnoseschlüssel verwendet (also mal "Angststörung" oder mal "Zwangsstörung", als Beispiel), denn psychische Störungen gibts ja viele ?


      danke
      mipiace
    • Re: Arbeitslos -> Lohnfortzahlung -> Kranken
      Hallo,
      nach der derzeitigen Rechtslage kennt die Bundesagentur für
      Arbeit keine anrechenbaren Vorerkrankungen.
      Deshalb wird immer wieder für sechs Wochen gezahlt sofern
      der grundsätzliche Anspruch noch besteht.
      Da du Diagnosen angegeben hast, will ich hier auf die neuen
      Arbeitsunfähigkeitsrichtlinien (ab 1.1.2004) hinweisen.
      Dort werden gerade die Arbeitslosen (Leistungsempfänger)
      besonders bedacht.
      Grundsätzlich heisst es ja arbeitsunfähig und (zugegebenermaßen
      sehr schlicht ausgedrückt) da ein Arbeitloser nicht arbeitet
      wenn er gesund ist kann er theoretisch auch nicht arbeitsunfähig
      sein.
      Es wird nun nach der Vermittlungsfähigkeit bzw. Belastbarkeit
      gefragt. Wenn der Arzt feststellt, dass der Patient in der Woche
      für mindestens 15 Stunden belastbar (vermittelbar) ist, wobei
      die Art der Belastbarkeit (Tätigkeit) keine Rolle spielt, darf
      er ihn eigentlich nicht arbeitsunfähig schreiben.
      Wir als Krankenkasse bzw. der medizinische Dienst befasst sich aber
      mit diesen Fälle nur wenn es um Krankengeldzahlen geht.

      Gruss

      Günter Czauderna