Behörden
Von: Carlos Wurster, 25.7.2004 00:03 Uhr
Hallo Allerseits,

ich habe da mal eine prinzipielle Frage, wie selbstgenutzes Wohneigentum behandelt wird, wenn jemand in die Arbeitslosenhilfe/Sozialhilfe rutscht. Muss er sein Wohneigentum verkaufen und in eine Mietwohnung ziehen?

Selbst wenn das nicht der Fall ist und für das Wohneigentum noch Krditabzahlungen anfallen. Werden die dann wie die Mietbeihilfe betrachtet?

Gruß
Carlos



  1. Antwort von Sarah (abgemeldet) 1
    Re: Wohneigentum nach Hartz IV
    Hallo Carlos ich habe da mal eine prinzipielle Frage, wie selbstgenutzes
    Wohneigentum behandelt wird, wenn jemand in die
    Arbeitslosenhilfe/Sozialhilfe rutscht.
    Du meinst Hartz IV, also ab 01.01.05? Muss er sein
    Wohneigentum verkaufen und in eine Mietwohnung ziehen?
    Selbst wenn das nicht der Fall ist und für das Wohneigentum
    noch Krditabzahlungen anfallen. Werden die dann wie die
    Mietbeihilfe betrachtet?
    Nein. Kreditabzahlungen werden nicht übernommen und auch nicht in der Berechnung berücksichtigt. Heute nicht und auch nicht ab 01.01.05 mit Einführung von ALGII (HartzIV)

    Bei selbst bewohnten Eigenheimen oder Eigentumswohnungen werden als Kosten der Unterkunft bezahlt:
    - Schuldzinsen für Hypotheken
    - Grundsteuer
    - Wohngebäudeversicherung
    - Erbbauzins
    - Nebenkosten wie bei Mietwohnungen.
    NICHT übernommen werden die Kreditraten!


    D.h., die Kreditraten sind "Privatvergnügen" und müssen vom Regelsatz (345 Euro), mit dem alle Lebenshaltungskosten einschliesslich Strom- und Warmwasserverbrauch zu besteiten sind, bezahlt werden.

    MfG
    Sarah
    7 Kommentare
    • von GünterW (abgemeldet) 0
      Re^2: Wohneigentum nach Hartz IV
      Hallo,

      nach Auslegung des Gesetzes hast Du bereits entsprechende Hinweise bekommen. Ein Tipp. Dem Eigentümer steht - analog dem Wohngeld - ein Kostenzuschuss über die Wohngeldstelle zu. Lasse Dich bitte beraten.

      Gruss Günter ich habe da mal eine prinzipielle Frage, wie selbstgenutzes
      Wohneigentum behandelt wird, wenn jemand in die
      Arbeitslosenhilfe/Sozialhilfe rutscht.
      Du meinst Hartz IV, also ab 01.01.05? Muss er sein
      Wohneigentum verkaufen und in eine Mietwohnung ziehen?
      Selbst wenn das nicht der Fall ist und für das Wohneigentum
      noch Krditabzahlungen anfallen. Werden die dann wie die
      Mietbeihilfe betrachtet?
      Nein. Kreditabzahlungen werden nicht übernommen und auch nicht
      in der Berechnung berücksichtigt. Heute nicht und auch nicht
      ab 01.01.05 mit Einführung von ALGII (HartzIV)

      Bei selbst bewohnten Eigenheimen oder Eigentumswohnungen
      werden als Kosten der Unterkunft bezahlt:
      - Schuldzinsen für Hypotheken
      - Grundsteuer
      - Wohngebäudeversicherung
      - Erbbauzins
      - Nebenkosten wie bei Mietwohnungen.
      NICHT übernommen werden die Kreditraten!


      D.h., die Kreditraten sind "Privatvergnügen" und müssen vom
      Regelsatz (345 Euro), mit dem alle Lebenshaltungskosten
      einschliesslich Strom- und Warmwasserverbrauch zu besteiten
      sind, bezahlt werden.

      MfG
      Sarah
    • von Sarah (abgemeldet) 0
      Re^3: Wohneigentum nach Hartz IV
      Hallo, Ein Tipp. Dem Eigentümer steht - analog dem
      Wohngeld - ein Kostenzuschuss über die Wohngeldstelle zu.
      ab 01.01.05 gibt es für Bezieher von ALG II kein Wohngeld mehr, da die "angemessenen" Unterkunftskosten von den Kommunen übernommen werden.

      MfG
      Sarah
    • von GünterW (abgemeldet) 0
      Re^4: Wohneigentum nach Hartz IV
      Hallo, Ein Tipp. Dem Eigentümer steht - analog dem
      Wohngeld - ein Kostenzuschuss über die Wohngeldstelle zu.
      ab 01.01.05 gibt es für Bezieher von ALG II kein Wohngeld
      mehr, da die "angemessenen" Unterkunftskosten von den Kommunen
      übernommen werden.

      Hallo Sarah,

      so sehe ich das neue Gesetz nicht. Angemessene Unterkunftskosten werden zwar von den Komunen übernommen, aber nach meiner Kenntnis werden die anteiligen Unterkunftskosten als "verrechnetes Wohngeld" pauschal der Komune ersetzt. Hier ist dann aber abzuleiten, dass dies auch für die Aufwendungen der Wohnungseigentümer so anzuwenden ist, wobei die Tilgung auf jeden Fall als Ausgabe gelten muss. Zumindest sehe ich die Rechtsgrundlage so. Jede andere Handhabung gegenüber Eigentümern ist ansonsten aus meiner Sicht ein Verfassungsverstoss.

      Gruss Günter
    • von TeeBird (abgemeldet) 0
      Re^5: Wohneigentum nach Hartz IV
      Hallo,
      das verstehe ich auch so. Defacto wird der Steuerzahler dann die
      Immobilie mit finanzieren.
      Bei einem Mieter ist das genauso. Nur erhält nicht der Mieter,
      sondern der vermietende Eigentümer die Immo dann vom Steuerzahler
      finanziert.
      Zumindest würde ich das als Gerechtigkeit empfinden, andenfalls hat
      nur der gewerblich vermietende Eigentümer etwas davon.

      Gruß
      TeeBird .....Hier
      ist dann aber abzuleiten, dass dies auch für die Aufwendungen
      der Wohnungseigentümer so anzuwenden ist, wobei die Tilgung
      auf jeden Fall als Ausgabe gelten muss. Zumindest sehe ich die
      Rechtsgrundlage so. Jede andere Handhabung gegenüber
      Eigentümern ist ansonsten aus meiner Sicht ein
      Verfassungsverstoss.

      Gruss Günter
    • Worum es mir ging
      Hallo Sarah,

      danke für deine genaue Auskunft. Bei selbst bewohnten Eigenheimen oder Eigentumswohnungen
      werden als Kosten der Unterkunft bezahlt:
      - Schuldzinsen für Hypotheken
      ... NICHT übernommen werden die Kreditraten!
      Was ist hier der Unterschied zwischen einer Hypothek und einem Kredit, dem man zum Erwerb einer Immobilie aufnimmt? Ich dachte immer das wäre das Gleiche.

      Glücklicherweise muss ich mir um meine Arbeit derzeit keine Sorge machen. Aber ich habe mir versucht vorzustellen, was das für manche Arbeitnehmer bedeutet. Da hat jemand ein Haus gebaut und sich jahrelang krummgemacht. Er wird arbeitslos und bekommt keine Arbeit mehr (z.B. zu alt, nicht fit genug, usw.).

      Vielleicht muß er nur noch wenige Jahre abzahlen und sobald die Hütte abgezahlt ist, entfällt ja das Äquivalent zur Kaltmiete. Wenn jetzt das Sozialamt sagen würde, verkauf deine Hütte, egal wie der Immobilienmarkt ist, such dir eine Mietwohnung und von dem was nicht an die Bank geht kannst du leben bis alles aufgebraucht ist.
      Es wäre halt bitter.

      Gruß
      Carlos
    • von Sarah (abgemeldet) 1
      Re: Worum es mir ging
      Hallo Carlos Was ist hier der Unterschied zwischen einer Hypothek und einem
      Kredit, dem man zum Erwerb einer Immobilie aufnimmt? Ich
      dachte immer das wäre das Gleiche.
      Sicher, und eben diese Tilgung der Hypothek wird nicht übernommen. NUR die Hypotheken-ZINSEN. Sodann Nebenkosten, wie Heizung ("angemessen"), Müllabfuhr, Gebäudeversicherung, Grundsteuer, etc. Aber ich habe mir versucht vorzustellen, was das
      für manche Arbeitnehmer bedeutet. Da hat jemand ein Haus
      gebaut und sich jahrelang krummgemacht. Er wird arbeitslos und
      bekommt keine Arbeit mehr (z.B. zu alt, nicht fit genug,
      usw.).
      .....Wenn jetzt das Sozialamt sagen würde, verkauf deine
      Hütte, egal wie der Immobilienmarkt ist, such dir eine
      Mietwohnung und von dem was nicht an die Bank geht kannst du
      leben bis alles aufgebraucht ist.
      Es wäre halt bitter.
      So einfach gehts zum Glück nicht. Ich zitiere:

      "Was unter "angemessenem" Wohnraum zu verstehen ist, entscheidet jede Kommune (Landkreis bzw. kreisfreie Stadt) selbst. Die Kriterien werden in den kommenden Wochen festgelegt. Neben der Quadratmeterzahl ist auch der Mietpreis pro Quadratmeter mit ausschlaggebend. Bei Mietwohnungen wird eine Einzelperson Anrecht auf etwa 45 Quadratmeter - 15 für jede weitere Person - haben. Bei Einfamilienhäusern sind 130 Quadratmeter, bei Eigentumswohnungen 120 im Gespräch. Ob ein als nicht angemessen eingestuftes Haus verkauft werden muss, hängt auch vom erzielbaren Preis ab. Liegt dieser unter 90 Prozent des Zeitwertes, bleibt es dem bisherigen Eigentümer erhalten. Grund ist dann die "offensichtliche Unwirtschaftlichkeit".
      (mdr.de/nachrichten/reformen/1469219.html#absatz6)

      MfG
      Sarah
    • Re^2: Worum es mir ging
      Hallo Sarah, Sicher, und eben diese Tilgung der Hypothek wird nicht
      übernommen. NUR die Hypotheken-ZINSEN. Sodann Nebenkosten, wie
      Heizung ("angemessen"), Müllabfuhr, Gebäudeversicherung,
      Grundsteuer, etc.
      JETZT habe ich es verstanden. Das ist die sinnvollste Lösung.
      Der Staat hilft dem Sozialhilfeempfänger nicht beim Immobilienerwerb, was berechtigten Neid auslösen könnte. Auf der anderen bleibt dem Empfänger die Immobilie erhalten und er kann sie, wenn er wieder erwerbstätig wird weiter abzahlen. Die Bank erhält mehr Zinsen, weil sich die Kreditdauer verlängert. Und für den Staat kommt Lösung möglicherweise günstiger als die Unterhaltung einer Mietwonung.

      Gruß
      Carlos