Deutsche Sprache
Von: idvwagner (abgemeldet), 10.6.2001 22:25 Uhr
Hallo, Gemeinde.

Wie kommt es eigentlich zu den "starken" und "schwachen" Verben im Deutschen, mit denen man einen lernwilligen Ausländer so schön zur Verzweiflung bringen kann?

Wie "singen-sang-gesungen", aber "bringen-brachte-gebracht"?
Oder "stinken-stank-gestunken", aber keinesfalls "blinken-blank-geblunken"?

Ist es so ähnlich wie im Englischen, wo sich im Laufe der Zeit die Verben abgeschliffen haben ("thou dost" sagt seit einiger Zeit keiner mehr, wenn er nicht gerade Wilhelm Schüttelschoppen zitiert)?

In Süddeutschland gibt es auch noch die mundartliche Färbung "genossen" statt "geniest", die zu Schillers Zeiten noch gängig war?

kw
<grübel>



  1. Antwort von Fritz Ruppricht 0
    Partizip II von radebrechen: geradegebrochen
    Hallo kw,

    die unregelmäßigen Verben, wie man diese Dinger besser nennt -

    stark und schwach ist eine Unterscheidung, die auf die Grimms zurückgeht, und eher zu Missverständnissen führt -

    sind eine Erscheinung, die in fast allen indoeuropäischen Sprachen zu beobachten ist.

    Ich habe unregelmäßige Verben in Griechisch, Latein, Englisch, Französisch und eben auch in Deutsch gelernt.

    Warum diese Sprachen diese Eigenart haben kann ich im Moment noch nicht sagen, werde mich aber umtun.
    Vielleicht weiß es einer unserer Experten.
    Gruß Fritz
    6 Kommentare
    • Zusatz zu geradegebrochen
      Es lässt sich noch sagen, dass die unregelmäßigen Verben älter sind als die regelmäßigen und dass es eine Tendenz zur Regelmäßigkeit gibt.
      Etwa: backen - buk - gebacken => backen - backte - gebackt.
      Fritz
    • von idvwagner (abgemeldet) 0
      Ebend!
      Hallo, Fritz.

      Genau das meinte ich mit meiner Anspielung auf den obskuren englischen Dichter ...
      Das Englische ist ja ein Sammelsurium aus Dänisch, Keltisch, Normannisch, Angelsächsisch, Lateinisch und Wasweißisch, und da hat dieses "Abschleifen" schon viel eher stattgefunden ...

      Gruß kw
    • von anonym (abgemeldet) 4
      Nur so
      Der Unverbesserliche

      Man fragte mich: "Heißt's fragte oder frug?"
      Ich sagte drauf: "Ich wähle immer fragte,
      da man ja auch statt sagte nicht spräch sug,
      was schlecht dem Ohr und Sprachgebrauch behagte."

      Der andre sprach: "Ich werde draus nicht klug,
      man sagt doch auch nicht schlagte oder tragte?"
      Ich sprach: Ausnahmen sind nur schlug und trug;
      doch tug, rug, zug, und wug noch keiner wagte.

      Nun, wird der Zweifel, der bisher Sie nagte
      und plagte - und nicht etwa gar nug und plug -
      behoben sein, ob richtig frug, ob fragte?"

      Der andere sprach: "Sie haben recht", und schlug
      sich an die Stirn, als ob ihm Licht nun tagte,
      "verzeihen Sie, daß ich so töricht frug."

      Unbekannter Verfasser
      (um 1900)

      Aus: Alles Unsinn, Heinz Seydel, Eulenspiegelverlag, Berlin 1974.

      Viel Spaß mit diesem Text wünscht
      Stefan
    • von Rainer Dick (abgemeldet) 0
      Re: Nur so
      Viel Spaß mit diesem Text wünscht
      Stefan
      Danke, Stefan, find ich klasse.
      ;-)
      Rainer
    • Re: Nur so und so!
      Ein schlechter Schüler

      Als ich noch zur Schule gehte,
      zahlte ich bald zu den Schlauen,
      doch ein Zeitwort recht zu biegen,
      bringte immer Furcht und Grauen.

      Wenn der Lehrer mich ansehte,
      sprechte ich gleich falsche Sachen,
      für die andern Schüler alle
      gebte das meist was zum Lachen.

      Ob die Sonne fröhlich scheinte
      oder ob der Regen rinnte:
      wenn der Unterricht beginnte,
      sitzt. ich immer in der Tinte.

      Als nun ganz und gar nichts helfte,
      prophezieh mir unser Lehrer:
      wenn die Schule ich verlaßte,
      wörde ich ein Straßenkehrer.

      Da ich das nicht werden willte,
      kommte ich bald auf den Trichter,
      stak die Nase in die Bücher,
      und so werdete ich Dichter


      Liebesleid

      Weil gar zu schön der Wein im Glas geblunken,
      hat sich der Hans dicht voll getrinkt.
      Drauf ist im Zickzack er nach Haus gehunken –
      Und seiner Grete in den Arm gesinkt.
      Die aber hat ganz zornig abgewunken
      und hat vor ihm die Türe zugeklunken.


      Fritz
    • von Nike 2
      Wundervoll! (oT)
      )
  2. Antwort von Camilla 0
    kleine Berichtigung u. kleine Frage

    Wie "singen-sang-gesungen", aber "bringen-brachte-gebracht"?
    Oder "stinken-stank-gestunken", aber keinesfalls
    "blinken-blank-geblunken"?

    Hallo!

    bringen - brachte - gebracht ist sogar weder schwach noch stark, sondern gemischt.....

    Kann mir jemand jetzt sagen, wie erkoren im Infinitiv heißt????

    fragende Grüße

    Camilla

    *diejedentagihreschülermitderdeutschengrammatikverrücktmacht*
    3 Kommentare
    • von Helene (abgemeldet) 1
      Re: kleine Berichtigung u. kleine Frage
      Servus Camilla!
      Kann mir jemand jetzt sagen, wie erkoren im Infinitiv
      heißt????
      erküren - erkor - erkoren

      Der Infinitiv wird aber in dieser Form, glaube ich, kaum verwendet, ich würde dafür nur "küren" nehmen, wenn überhaupt...

      Ciao!
      Helene
    • Meiner Meinung nach ...
      Hallo, Camilla!

      Ich meine, der Infinitiv heißt "erkiesen". Klar, ein im Infinitiv heute ziemlich ungebräuchliches Wort, und Du bist auch nicht die einzige, die sich das bisher gefragt hat. Aber so müsste es nicht nur meiner Erinnerung nach, sondern laut Mr. Check stimmen.

      Liebe Grüße!
      Chris