Reisen
Von: Bolo2L, 6.4.2004 16:11 Uhr
Hallo Reisende,

gestern um halb fünf aufgestanden, um auch rechtzeitig am Flughafen zu sein.
Warten am Gate. Zeit zum Eisteigen. Durchsage: "Leider ist Wasser ins Cockpit
eingedrungen. Wir wissen noch nicht, was das bedeutet, aber innerhalb der
nächsten 20 Minuten werden Sie weitere Informationen bekommen."
Nach knapp einer Viertelstunde eine männliche Ansagestimme, durchaus freundlich
und humorvoll, obwohl man an ein paar Stellen der Wortwahl anmerken konnte, dass
ihr Besitzer eher vor Zorn bebte: "Ich bin Ihr Kapitän auf dem LH-Flug nach ... -
genauer gesagt, ich bin's gewesen. Es handelt sich um eine überaus peinliche
Angelegenheit: Wer immer dafür verantwortlich war, hat gestern Abend beim
Abstellen der Maschine ein Fenster am Cockpit aufgelassen. Und nachdem es heute
Nacht ja in Strömen geregnet hat, ist reichlich Wasser in die
Steuerungselektronik gelaufen. Ich habe mir das angesehen und festgestellt: Mit
dieser Maschine ist nicht zu fliegen. Sie müssen jetzt leider 1 1/2 Stunden
warten, bis eine Ersatzmaschine aus Hamburg kommt."
Von der Stewardess erfuhr ich später, dass es sich nicht um ein normales Fenster
gehandelt hat, sondern um eine Art Luke unter den Airbus-Cockpitfenstern, wohl so
eine Art Revisionsklappe, die zu der Elektronik führt.
"Wer immer dafür verantwortlich war" wird da ziemlich was zu hören bekommen
haben. Denn selbst wenn die Elektronik zu retten war, dürfte dies teuer sein:
Trocknung, Durchchecken, Maschine fällt aus, Flüge verschieben sich, Crews machen
Überstunden ...
Und wir saßen da und bekamen nicht mal ein Frühstück zum Ausgleich ...
"Peinlich" ist schon der richtige Ausdruck, auch ist auffällig, dass in allen
Details erzählt wurde, was los ist (sowas wird sonst eher verbrämt: "Probleme mit
der Elektronik" - der Typ war echt stocksauer).
Umbuchen war auch nicht, alle Maschinen proppenvoll.
Na ja, es "menschelt" halt überall ...
Schönen Tag und trockene Elektronik wünscht Euch
Bolo2L