Religionswissenschaft
Von: Саrlоѕ Wurѕtеr, 29.12.2001 19:34 Uhr
Hallo liebe Forumsteilnehmer,

Wenn man einen Blick in die Bibel und den Koran wirft, wird man feststellen, dass es dort Passagen gibt, die sich auf einen "letzen Tag", bzw. eine "Endzeit" beziehen.
Ein Beispiel dafür ist z.B. in Matthäus das komplette Kapitel 24 oder Daniel Kapitel 12.

Bei den großen Kirchen spielt diese "Endzeit" heute keine Rolle mehr. Meine Fragen richten sich nun an euch.

1.) Wie versteht ihr diese Endzeit?

2.) Ist diese "Endzeit" für einen Juden, Christen oder Moslem eurer Meinung nach überhaupt relevant?

3.) Weshalb oder weshalb nicht?


Ich persönlich halte als Christ diese "Endzeit" für einen wichtigen Bestandteil des Christentums. Sie war für die ersten Christen ein wichtiger Lehraspekt und ich kann nicht nachvollziehen, warum dies heute nicht mehr der Fall sein sollte.

Gruß
Carlos



  1. Antwort von Τһоmаѕ Μіllеr (abgemeldet) 1
    Re: Endzeitaspekte bei Judentum, Christentum und I
    Hallo Carlos,

    eigentlich tut es mir Leid, dass ich Stellung beziehe, weil ich nicht weiß, ob mein Beitrag überhaupt religiös ist oder religiös verstehbar ist. Aber deine Frage sprach alle an. Insofern fühle ich mich entschuldigt. 1.) Wie versteht ihr diese Endzeit?
    "Endzeit" ist für mich ein psychologische Warnung. 2.) Ist diese "Endzeit" für einen Juden, Christen oder Moslem
    eurer Meinung nach überhaupt relevant?
    Sie ist für jeden relevant. 3.) Weshalb oder weshalb nicht?
    Weil sie nicht etwas Reales kennzeichnet, sondern eine psychologische Warnung. Das Entscheidende ist wohl, dass sie eine Kennzeichnung der Selbstüberschätzung darstellt: "Du kannst so gut sein, wie du willst, das letzte Wort haben Andere!" Diese Beschreibung kennzeichnet - aus meiner Sicht - ihre Gemeinsamkeit mit anderen Religionen - die Mahnung zur Bescheidenheit.

    Herzliche Grüße

    Thomas Miller
    • Antwort von Αnоnүm (abgemeldet) 0
      Re: Endzeitaspekte bei Judentum, Christentum und I
      Hallo Carlos,

      Wenn man einen Blick in die Bibel und den Koran wirft, wird
      man feststellen, dass es dort Passagen gibt, die sich auf
      einen "letzen Tag", bzw. eine "Endzeit" beziehen.
      Ein Beispiel dafür ist z.B. in Matthäus das komplette Kapitel
      24 oder Daniel Kapitel 12.

      oder Hesekiel, oder Offenbarung Bei den großen Kirchen spielt diese "Endzeit" heute keine
      Rolle mehr. Meine Fragen richten sich nun an euch.

      kein wunder. erstens weil sie diese nicht verstanden haben und zweitens müßten sie dann selber die hose runter lassen. 1.) Wie versteht ihr diese Endzeit?

      so wie geschrieben steht 2.) Ist diese "Endzeit" für einen Juden, Christen oder Moslem
      eurer Meinung nach überhaupt relevant?

      ja, sehr sogar. 3.) Weshalb oder weshalb nicht?


      ganz einfach. wir müssen unterscheiden zwischen juden und , nah sagen wir den rest.
      ich werfe einfach mal drei schlagwörter in das forum:
      entrückung, widerkehr, anerkennung des messias durch die juden. Ich persönlich halte als Christ diese "Endzeit" für einen
      wichtigen Bestandteil des Christentums. Sie war für die ersten
      Christen ein wichtiger Lehraspekt und ich kann nicht
      nachvollziehen, warum dies heute nicht mehr der Fall sein
      sollte.

      siehe oben. tiefgreifenderer ausführungen sprengen den rahmen, aber ich denke du weißt was ich meine. schon interessant, welche antwort erwartest du in einem weltlichen forum außer spott?
      ich weiß, ist eine provozierende frage Gruß
      B2
      • Re: Endzeitaspekte bei Judentum, Christentum und I
        Hallo Carlos

        Für mich ist der Begriff der Endzeit nur von geschichtlich/theoretischem Interesse, weil aus den Briefen des NT recht deutlich hervorgeht, daß Paulus und seine Mitchristen in der Naherwartung lebten. Aber praktisch hat dieser Begriff für mich heute nur noch begrenzt Bedeutung. Denn 2000 Jahre haben gelehrt, daß man Gott nicht so einfach in die Karten schauenm kann.
        1.) Wie versteht ihr diese Endzeit?

        Als die Zeit vor dem letzten Kommen Christi. Aber wann das der Fall sein wird, ist unbekannt, vielleicht morgen, vielleicht aber erst in einer Millionen Jahre. 2.) Ist diese "Endzeit" für einen Juden, Christen oder Moslem
        eurer Meinung nach überhaupt relevant?

        Für Christen indirekt. 3.) Weshalb oder weshalb nicht?

        Deshalb nicht direkt, weil niemand wissen kann, wann die Zeit zu Ende ist. Daher heisst es, beständig wachsam sein. Aber es liegt in der Natur der Menschen, daß beständige Wachsamkeit eine niedrigere Schwelle hat als wenn man ein Ereignis unmittelbar erwartet.
        Ich persönlich halte als Christ diese "Endzeit" für einen
        wichtigen Bestandteil des Christentums. Sie war für die ersten
        Christen ein wichtiger Lehraspekt und ich kann nicht
        nachvollziehen, warum dies heute nicht mehr der Fall sein
        sollte.
        Weil eben 2000 Jahre ins Land gegangen sind und immer wieder falsche Propheten auftreten - wie z.B. die ersten Zeugen Jehovas - die vorgeben, den Tag vorausberechnen zu können - und immer wieder damit reingefallen sind. Am Ende hat sich alles als Bauernfängerei erwiesen und als der Versuch, Gott ausrechnen zu wollen.

        Ich lebe in meiner persönlichen Endzeit, die endet, wenn ich den körperlichen Tod erleide, das ist für mich genug.

        Gruß
        Thomas
        • Antwort von Αnоnүm (abgemeldet) 0
          Re: Endzeitaspekte bei Judentum, Christentum und I
          Bei den großen Kirchen spielt diese "Endzeit" heute keine
          Rolle mehr.
          In der katholischen Liturgie wird am Ende des Jahreskreises und im Advent regelmäßig aus den Endzeitreden Jesu vorgelesen.
          Was sie uns bedeuten und ob sie unser Glauben und Leben beeinflussen, ist eine andere Frage. Pharisäer nannte Jesus die, die meinten, in dieser Hinsicht besser dazustehen als andere.

          Gruß,
          Pietro
          4 Kommentare
          • von ѕсrірtоr (abgemeldet) 1
            Pharisäer und andere.......
            Hallo Pietro

            Für was die Pharisäer schon zu meiner Schulzeit herhalten mussten.....

            Die Pharisäer standen für das "progressive" Judentum. Sie hielten sich an alle mosaischen Gesetze, nahmen aber in ihre Lehre Engel und die Wiederauferstehung auf. (Hörst Du die Glocken läuten?)Zur Zeit Jesu gewannen durch ihre Gesetzesschulen grossen Einfluss und nutzten diesen weidlich aus.

            Die Gegner der Pharisäer waren die Sadduzäer. Diese waren strenge Hüter, Wahrer und Lehrer der mosaischen Gesetze.

            Die dritte Richtung waren die Essener, deren Lehre Jesus als Wanderprediger schlussendlich unter die Leute brachte.
            Die Gleichnisse/Predigten von Jesu stammen nachgewiesenermassen aus der Lehre der Essener (Qumran-Textrollen, die immer noch unter die apokryphen Schriften eingereiht werden. Warum wohl?)

            Um zum ursprünglichen Thema zurückzukommen: Auch die Essener warnten vor einem kommenden "Weltgericht mit Feuer". Bei den großen Kirchen spielt diese "Endzeit" heute keine
            Rolle mehr.
            Seit wann? Die geben doch kein Gratishilfsmittel mit dieser Wirkung auf.

            Gruss + guten Rutsch
            Mäni
          • von Αnоnүm (abgemeldet) 1
            Re: Pharisäer und andere.......
            Hallo Mäni!

            Die Pharisäer sind zum Typus geworden. Die historischen Pharisäer haben dafür nur den Namen hergegeben. Pech für sie...
            Das uninformierte Geschimpfe über die "großen Kirchen", die entweder Apokalyptik leugnen oder sie propagieren, das eine wie das andere aber aus unlauteren Motiven, erfüllt den Typus jedenfalls sehr weitgehend.

            Gruß,
            Pietro
          • von Ιrіѕ 0
            Re^2: Pharisäer und andere ... Vorurteile
            Hallo Pietro,

            danke für Deinen Hinweis, den ich noch durch den Verweis auf einen Artikel ergänzen möchte, für diejenigen, die Lust haben sich über den Unterschied zwischen antijudaistischen Projektionen und Wirklichkeiten zu beschäftigen:

            eine Geschichte von Mißverständnissen:
            der Talmud und die Pharisäer
            http://www.judentum.org/judenmission/judenmission/bi...

            Viele Grüße

            Iris
          • Re^2: Endzeitaspekte bei Judentum, Christentum und
            Hallo Pietro, In der katholischen Liturgie wird am Ende des Jahreskreises
            und im Advent regelmäßig aus den Endzeitreden Jesu vorgelesen.
            Was du hier schreibst, kommt wie ein Hammerschlag für mich. Ich bin katholisch aufgewachsen und war als Kind und Jugendlicher regelmäßig in der Kirche. Von der Endzeit war dabei niemals die Rede.
            Jetzt muss ich dir eine provokante Frage stellen. Wenn ich in deiner Gemeinde einem normalen Gemeindemitglied, also nicht jemand, der sich in einem Bibelkreis betätigt, zur Zeit des Endes frage, werde ich dann Auskunft bekommen?
            Wird mir dieses Gemeindemitglied sagen können, was Jesus dazu prophezeit hat? Wird er vielleicht auf die Offenbarung verweisen oder gar einen der alttestamentarischen Propheten zitieren? Was sie uns bedeuten und ob sie unser Glauben und Leben
            beeinflussen, ist eine andere Frage. Pharisäer nannte Jesus
            die, die meinten, in dieser Hinsicht besser dazustehen als
            andere.
            Johannes 7:47-49
            47 Darauf antworteten die Pharisäer: "Ihr seid doch nicht etwa auch irregeführt worden? 48 Es glaubt doch niemand von den Vorstehern oder den Pharisäern an ihn? 49 Diese Volksmenge aber, die das GESETZ nicht kennt, verfluchte Leute sind sie."

            Es war die Aufgabe der Leviten, das Volk über die religiösen Gesetze zu belehren. Die Leviten sind dieser Aufgabe nicht nachgekommen. Die Pharisäer setzten sich an ihre Stelle (Matthäus 23:2). Anstatt die Menschen anhand der Thora zu belehren begannen sie die Menschen mit ihrem mündlichen Gesetz zu traktieren (Matthäus 15:9). Sie verlangten Dinge, die Gott niemals geboten hatte und verachteten die ungebildeten Volksmassen, anstatt sie zu schulen.

            Meine Kritik geht dahin, dass die religiöse Bildung in den Amtskirchen anscheinend sehr elitär ist. Viele Grundlehren des Christentums werden in der Messe nicht oder nur rudimentär angesprochen. In den paar Stunden Kommunionsuntericht lernt Kind auch nicht so viel. Von den alttestamentarischen Grundlehren ganz zu schweigen.

            Wie aber sollen sich die Menschen eine Meinung bilden, wenn sie nicht die Grundlagen kennen.

            Gruß
            Carlos
        • Antwort von Dеmеtrіuѕ Dеgеn 0
          Endzeit
          Hallo Carlos,

          Die Endzeit ist eine Bewußtseinsstufe - wie so vieles in der Bibel die Bewußtseinsstufen des Menschen bei seiner Entwicklung zur Volendung verdeutlicht.

          Genau ist es die 18. Stufe

          Eben das, was die Plagen in Ägypten, die Sintflut, und der Tod des Jesus am Kreuz bedeutet.

          MfG,

          Demetrius [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
          • Antwort von Саrlоѕ Wurѕtеr 0
            Herzlichen Dank für eure Antworten
            Hallo allerseits,

            herzlichen Dank für eure Antworten.

            Ich finde es bemerkenswert, mit welcher Spannbreite die Antworten ausfielen.

            Ihr haltet den Aspekt der Endzeit direkt oder indirekt für relevant. Somit sollte er bei einer christlichen Unterweisung auf jeden Fall ein Bestandteil sein.(Von muslimischer oder jüdischer Seite kam leider kein Kommentar).

            Der Knackpunkt ist die Interpretation. Hier gab es keine zwei gleichartigen Antworten. Die Meinungen differieren dermaßen, dass sich nicht einmal Fraktionen bilden lassen.

            Ich vermute, dass bei diesem Thema einfach noch ein großer Diskussionsbedarf insbsondere zu Teilaspekten besteht.


            Gruß
            Carlos