Soz. Theorien - Fremdenfeindlichkeit & Bildung

Gibt es soziologische Theorien, die die Fremden-(Ausländer-)Feindlichkeit durch den Bildungsabschluß erklären?

Wie z.B.: Personen mit hohem Bildungsabschluss stimmen seltener fremdenfeindlichen Aussagen zu als Personen mit niedrigem Bildungsstand.

Brauche Theorien bzw. theor. Ansätze. Vielen Dank im Voraus.

Hallo, aus dem Kopf heraus weiß ich ad hoc auch nichts, aber hier sind ein paar Links:

Bundeszentrale polit. Bildung (Quellenangaben beachten, meist sehr hilfreich):
http://www.bpb.de/publikationen/80QDJL,0,Ursachen_fr…

Kölner Zeitschrift f. Soziologie (falls man an ein gedrucktes Exemplar kommt, ansonsten leider kostenpflichtig):
http://www.springerlink.com/content/0023-2653/54/1/

Ich schätze doch, obwohl ich denke es hat mehr mit dem Entwicklungsniveau desjenigen.
Mehr lernen fordert die Entwicklung (des Gehirns) aber nur minimal.
Nehmen wir ein Vollidiot an, er kann lernen wieviel er will, er wird es bleiben und hassen alles was ihn angst macht.
Wird sich automatisch für etwas besseres halten und seine Mitmenschen das Leben schwer machen wo er nur kann.

Andersherum, ein kluger Mensch der nicht an die Bildung kommt,
wird toleranter sein und seine Mitmenschen probieren kennen zu lernen.

Die Erziehung spielt also nur eine sekundäre Rolle; Wichtig ist immer, Wie primitiv ist derjenige, der in Betracht kommt…

Hallo Zeruya,
leider habe ich nicht so viel Zeit und kann zu deiner Frage auch nichts aus dem Ärmel schütteln.
Eine soziologische Theorie, die Fremdenfeindlichkeit hauptsächlich oder ausschließlich über den Bildungsabschluß herzuleiten versucht, wäre doch etwas zu eindimensional und bestenfalls als Beispiel für einen unzureichenden Zugang zu betrachten.
Natürlich spielt in der Thematik der Einstellung zu Fremden die Variable Bildungsstand eine wichtige Rolle.
Nicht zuletzt gehen mit dem Bildungsstand größere subj. wahrgenommene Freiheitsgrade einher, so daß Probleme insb. durch den schnellen sozialen Wandel und Strukturverschiebungen auf dem Arbeitsmarkt nicht unbedingt nach Aussen projeziert werden müssen. Zum anderen steigt mit dem Bildungsgrad die Wahrscheinlichkeit, persönlichen Kontakt mit Ausländern aufzubauen (Universitäten in Großstädten, internationale Austauschprogramme, Auslandserfahrungen und Reisen), was auch einen Einfluß auf die Einstellung zu Ausländern im Allgemeinen hat.
Jörg Stolz bezieht in seinem Buch „Soziologie der Fremdenfeindlichkeit“ diesen Zusammenhang neben einer Reihe weiterer sozialpsychologischer und soziologischer Theorien mit ein. Sein theoretischer Ansatz, der den Bildungsstand u.a. als wichtige Variable behandelt, ist das „Traditionalismus-Syndrom“
bei der u.a. Fremdenfeindlichkeit durch das kontrafaktische Festhalten an sich auflösenden Traditionen als Reaktion auf den schnellen sozialen Wandel auftritt.

Wie gesagt, bin ich auf diesem Theoriegebiet kein Spezialist und habe mich nur mal schnell umgeschaut, wo du dich mal umschauen könntest. Dieses Buch halte ich für einen Zugang zu deinen Fragen für sehr fruchtbar:
Soziologie der Fremdenfeindlichkeit: Theoretische und empirische Analysen von Jörg Stolz und Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny von Campus Verlag (Taschenbuch - 10. Mai 2000)

Gibt es soziologische Theorien, die die
Fremden-(Ausländer-)Feindlichkeit durch den Bildungsabschluß
erklären?

Guten Tag Zeruya !

Es tut mir leid, bei deiner Frage kann ich nicht wirklich behilflich sein. Ich wünsche dir viel Glück !

Jutta

Hallo zeruya,

das ist leider nicht mein Fachgebiet. Allerdings könntest du mal überprüfen, ob der Prof. Wilhelm Heitmeyers Studien für dich interessant sein könnten.

Beste Grüße,

Sebastian

Hallo!
Der Zusammenhang zwischen Bildungsabschluß und Fremdenfeindlichkeit ist nicht mein Spezialgebiet; allgemein ist mir das Thema des „Fremden“ aus Simmels Soziologie bekannt, allerdings nicht in der heutzutage üblichen Form einer Kausalverknüpfung einer unabhängigen Variablen mit einer bzw. mehreren abhängigen Variablen („wenn a, dann b usw.“). Im soz. Wörterbuch von K.-H. Hille gibt es ein Lemma av. „Fremdenfeindlichkeit“ mit älterer soziologischer Literatur (bis Anfang der 1990er Jahre).
> Im 12. Band des von R. König herausgegebenen Handbuchs der emprischen Sozialforschung (Wahlverhalten, Vorurteile, Kriminalität) steht ein Abschnitt (m. älterer Literatur) über Vorurteile; ich fand da aber beim Querlesen nix zur Thematik.
> A. Giddens hat in seiner Soziologie einen umfangreichen Abschnitt zum Thema Ethnizität und Rasse, allerdings fand ich beim Querlesen keinen expliziten Hinweis auf den Zusammenhang zwischen Bildungsabschluß und Fremdenfeindlichkeit. Hier gibt es auch 2 interessante Literaturhinweise (engl.).
Nicht als Theorie, wohl aber als empirischer Befund der ALLBUS-Umfragen ist die Korrelation zwischen Bildungsabschluß und Einstellung gegenüber Fremden gesichert. Vgl. die Seite der F.-Ebert-Stiftung:
> URL: http://www.fes.de/fulltext/asfo/00256006.htm#E10E7
Wie mir scheint, wird die Thematik auch eher in die Sozialpsychologie thematisiert (jedenfalls aber dort, wo das Verhältnis von sozialen Gruppen thematisiert wird). Allerdings wird´s hier unübersichtlich: es gibt hier einen Haufen von unterschiedlichen Ansätzen: Gruppentheorien, (zB die von Tajfel/Turner 1979/1986 entwickelte Theorie der sozialen Identität), Attributionstheorien, Stereotypenforschung usw. Eher was für Spezialisten!
Um dir wenigstens ein wenig weiterzuhelfen, hab ich mal eine Mail an soziologisch/psychologisch bewanderte FreundInnen gestartet. Und in der Psychologie scheint das momentan jedenfalls ein durchaus aktuelles Thema zu sein:
> http://pss.sagepub.com/content/early/2012/01/04/0956…

Das wars. Mehr kann ich dir leider nicht anbieten. Allerdings kannste nachfragen, falls dich die sozialpsychologischen Befunde genauer interessieren (Merke: die SP versteht sich als eine experimentelle Wissenschaft!).

LG Jörg-U. MInx

Nachtrag 130112
Ein Pädagoge hat mich noch auf einen konflikttheoretischen Ansatz aufmerksam gemacht:
> die Desintegrationstheorie von Wilhelm Heitmeyer (vgl. zu seiner Person auch den wikipedia-Artikel)
LG Jörg-U. MInx

Rippl: Bildung und Fremdenfeindlichkeit in: KÖLNER ZEITSCHRIFT FÜR SOZIOLOGIE UND SOZIALPSYCHOLOGIE
Volume 54, Number 1 (2002), 135-146

Das kann höchstens das Ergebnis einer Studie sein. Aber so eine Theorie gibt es meines Wissens nicht.