Steuern
Von: Оlіνеr, 9.1.2009 17:28 Uhr
Hallo,

ich habe mal jemanden sagen hören, man könnte mehr brutto, aber weniger netto verdienen. Geht das? Rein von der Einkommensteuer betrachtet und von sonstigen Änderungen abgesehen.

Ist es bei der Progression nicht so, dass z. B. 100 € mehr bei einem bisherigen Einkommen von 40 T€ niedriger besteuert werden als 100 € mehr bei einem bisherigen Einkommen von 70 T€? Aber das bisherige Einkommen bleibt davon unberührt, oder?

Wenn der Spitzensteuersatz ab einem Einkommen von 100 T€ 50 % beträgt (mal eine einfache Annahme), heißt es doch, dass jeder Euro darüber hinaus mit 50 % betsteuert wird, oder? Der Durchschnittssteuersatz ist natürlich entsprechend niedriger. Bei dieser Konstellation wird sich der Durchschnittssteuersatz dem Spitzensteuersatz von 50 % doch erst "im Unendlichen" annähern, oder?

Oliver



  1. Antwort von Wеrnеr Βruttеl 1
    Re: Mehr brutto, aber weniger netto?
    Hallo Oliver, ich habe mal jemanden sagen hören, man könnte mehr brutto,
    aber weniger netto verdienen. Geht das? Rein von der
    Einkommensteuer betrachtet und von sonstigen Änderungen
    abgesehen.
    Das würde bedeuten dass der Grenzsteuersatz + Sozialabgaben eine Belastung > 100% ergäben. Das gibt der derzeit gültige Steuertarif definitiv nicht her - das wäre nur möglich bei einer extrem steilen Progressionskurve oder Sprüngen in der Steuertabelle.

    Allerdings soll es früher mal (wann genau kann ich nicht mehr sagen, wenn ich mich recht erinnere müßte es so ungefähr in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts gewesen sein) so verrückte Steuertarife mit nicht-linearem Progressionsverlauf gegeben haben, die so etwas tatsächlich möglich machten. Damals sind wohl solche Behauptungen entstanden und werden wohl heute noch ungeprüft nachgeplappert.

    Gruß
    Werner
    • Antwort von kіrіbаtі 0
      Re: Mehr brutto, aber weniger netto?
      Hallo,

      ich habe mal jemanden sagen hören, man könnte mehr brutto,
      aber weniger netto verdienen. Geht das? Rein von der
      Einkommensteuer betrachtet und von sonstigen Änderungen
      abgesehen.
      Hallo Oliver!

      Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass es "sozusagen" möglich ist, allerdings nur unter gewissen Umständen:

      Z.B. das sogenannte Weihnachtsgeld oder irgendwelche Sonderzahlungen durch die man (eigentlich ja nur für diesen einen Monat) in eine höhere Steuerklasse rutschen könnte. Dadurch würde man dann unter Umständen von dem Bruttogehalt mehr abgezogen bekommen, so dass man am Ende (tatsächliche) Auszahlung "weniger rausbekommt" als vorher! Zwar nicht UNBEDINGT weniger als das Nettogehalt vorher, aber es kann durchaus vorkommen, dass man eine Gehaltserhöhung oder Sonderzahlung (oder sonstwas) bekommt und soviel abgezogen bekommt, dass sich am Ende (Auszahlung) nix verändert hat!

      Dann hat man zwar nicht zwingend weniger als vorher, aber es erscheint einem schon als "weniger" wenn man trotz Gehaltserhöhung oder Ähnlichem, nicht mehr netto ausgezahlt bekommt!

      Ist dann natürlich ärgerlich! Aber leider wohl (wie gesagt unter Umständen) möglich! Ist mir selbst auch schon so ergangen!

      Mfg,
      kiribati.
      2 Kommentare
      • von Αnоnүm (abgemeldet) 0
        Re^2: Mehr brutto, aber weniger netto?
        Servus,

        Steuerklassen gibt es in D bloß im Zusammenhang mit der Lohnsteuer. Da rutscht niemand, es wird die Lohnsteuerklasse angewendet, die auf der Lohnsteuerkarte steht. Und wer die Lohnsteuer nach Lohnsteuerklasse V abgezogen bekommt, bei dem geschieht das unabhängig davon, ob sein monatliches Salär 900 € oder 90.000 € ausmacht.

        Und gleiche Nettoauszahlung trotz Abrechnung einer Sonderzahlung? Das würde Abzüge von 100% auf die Sonderzahlung bedeuten.

        Wenn man jetzt mal die Beitragsbemessungsgrenze hernimmt, bis zu der Sozialversicherung und Krankenversicherung in vollem Umfang einbehalten werden: Die ist für 2008 3.600 €. Da liegt nach der ungünstigen Lohnsteuerklasse V, die man niemals für sich alleine betrachten darf, weil der Ehegatte mit der Fünferkarte für den mit der Dreierkarte die Steuer mit bezahlt, die Steuerbelastung (Lohnsteuer und Soli, ohne die freiwillige Kirchensteuer) bei 44,30 € pro 100 €.

        Wenn man jetzt 44,30 € plus (ungünstig angenommene) 24 € für Sozialversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung addiert, kommt man zu einer Belastung von 68,30 € pro 100 €.

        Da fehlt noch ein Stücklein zu 100 €, finde ich.

        Kannst Du benennen, in welcher Konstellation zusätzliches Brutto mit 100% Abgaben belastet wird?


        Schöne Grüße



        MM
      • von Ѕtеfаn80 (abgemeldet) 0
        Re^3: Mehr brutto, aber weniger netto?
        Das ist die typische Diskussion von Arbeitnehmern. Wenn sie hundert Euro im Monat mehr netto bekommen merken sie das nicht, aber wehe es fehlt ein Euro......

        Aber im Ernst: Die - ebenfalls typische - Aussage "Ich bekomm hundert Euro brutto mehr und hab dadurch netto 50 Euro weniger als vorher" kann es schlicht und einfach nicht geben, wenn alle steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Daten unverändert geblieben sind und auch keine Korrekturen von Vormonaten erfolgt sind.

        Das ist genau wie die Diskussion mit der kalten Progression: "Bei der kalten Progression hab ich durch eine Gehaltserhöhung weniger Geld zur Verfügung als ohne Gehaltserhöhung".
    • Antwort von Αnоnүm (abgemeldet) 0
      Re: Mehr brutto, aber weniger netto?
      Servus, ich habe mal jemanden sagen hören, man könnte mehr brutto,
      aber weniger netto verdienen. Geht das?
      Das geht nur in besonderen Fällen, wenn in einer Gehaltsabrechnung Korrekturen auf vorangegangene Monate erfolgen: Wenn z.B. die unterbliebene Versteuerung von Sachbezügen nachgeholt wird, oder teilweise steuerpflichtige Sachbezüge wie Kantinenverpflegung abgerechnet wird. Daher sollte man als treuer Rechenknecht die Lohnsteuergläubigen nicht schockieren und derlei Operationen nicht in den Monaten vornehmen, in denen irgendwelche 14,125ten Gehälter, fiktives Teilaltersversorgungsbrutto oder andere Tarifakrobatik abgerechnet werden.

      Es gibt auch Fälle, in denen die ohnehin nicht nützliche Betrachtungsweise "Brutto-Netto" noch extra unsinnig wird, wenn nämlich in nennenswertem Umfang Sachbezüge im Spiel sind (Wohnung, Kleidung, Fahrzeug etc.): Man kann nicht den Kuchen als Kuchen essen und gleichzeitig dafür noch Geld bekommen wollen.

      Eine Grenzsteuerbelastung von über 100% kennt das deutsche Steuerrecht nicht.

      Schöne Grüße



      MM
      • Antwort von Јеаnnе (abgemeldet) 0
        Re: Mehr brutto, aber weniger netto?
        Hallo Oliver,

        ich erinnere mich, als sei es gestern gewesen, als meine Mutter mir erzählte, sie verdiene nun mehr brutto aber hätte netto weniger.
        Es blieb mir im Gedächtnis haften, weil ich es so unglaublich fand.
        Sie arbeitet(e) im öffentlichen Dienst und rutschte aufgrund ihres Alters oder ihrer Dienstjahre eine Gehaltsklasse weiter hoch, gleichzeitig veränderte sich dummerweise die Steuerabgabe (ich weiß den Fachbegriff nicht. Meine den Betrag, ab wieviel Einkommen man wieviele Steuern zahlen muss). Sie musste nun mehr Steuern zahlen als sie ein Mehr an Einkommen erhielt und bekam so letztendlich weniger raus.

        Nicht sehr fachmännisch,
        aber wahr,
        jeanne
        1 Kommentare
        • von Ѕtеfаn80 (abgemeldet) 0
          Re^2: Mehr brutto, aber weniger netto?
          ich erinnere mich, als sei es gestern gewesen, als meine
          Mutter mir erzählte, sie verdiene nun mehr brutto aber hätte
          netto weniger.
          Wie schon weiter unten geschrieben: Das kann nicht sein.