Kaspar, Melchior und Balthasar

Hiho,

noch eine weihnachtsorientierte Frage:

Wie die Heiligen 3 Könige heißen, weiß jedes Kind. Nur: Wer ist wer? Ich las heute mit meinem Sohn (3) ein Bilderbuch der Weihnachtsgeschichte, und er fragte: „Welcher is Kaspar? Welcher ist Melchior? Und wie heißt der schwarze Mann?“ Tjaaa…

Also, welcher war der „Mohr“? :smile:

Dankeschön,
Nike

Huhu,

eine wissenschaftlich fundierte Antwort habe ich auch nicht, aber ich kenne ein Weihnachtsgedicht, in dem folgende Verse vorkommen:

Der Balthasar, das war ein Mohr / Der kam mir etwas dunkel vor.

Spräche also auch für Balthasar…in Wirklichkeit hießen sie eh anders :smile:

Grüße
Sonja

Hallo,
ich war bisher immer der Ansicht, dass Melchior der dunkelhäutige sei. Ist das nicht ein „traditioneller“ Name für Mohren??? Ihr werft mein ganzes weihnachtliches Weltbild durcheinander:wink:! Seit meiner Kindheit ist Melchior schwarz. WErd mich wohl jetzt umorientieren müssen,

frohes Fest allerseits
Kay

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hallo Nike,
drei Antworten, drei möglichkeiten…

innerhalb unserer familiengeschichte ist caspar der schwarze, der gleichzeitig auch immer der jüngste und ohne bart ist.

melchior ist der älteste mit grauem bart und balthasar dann halt der mittlere mit schwarzem bart.

mit war bis eben gar nicht klar, das das nicht so eindeutig ist

irgedwie schwebt mir auch eine zuweisung der kontinente vor augen, das die damals bekannte welt dem jesuskind seine aufwartung gemacht hat.
junges afrika, altes europa und dazwischen asien? naja, etwas gar eurozentrisch diese sichtweise…

Viele grüsse, Sama

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Tach Nike,

zuerst werde ich mal ein bißchen historisch:

Daß es Könige waren, ist im NT nirgends behauptet; es ist im Gegenteil die Rede von Magoi, also Magiern, Astronomen, Astrologen oder was immer.
Auch daß es drei waren, ist erst eine spätere Konstruktion, rekurrierend auf die Dreizahl der Geschenke: Gold, Weihrauch, Myrrhe.
Die Kostbarkeit der Gaben hat dann auch zu der Annahme geführt, es seien Könige gewesen - wobei wohl auch der Gedanke im Hintergrund wirksam war, daß die Hoheit und Majestät Jesu umso deutlicher wird, je höher der Rang der Anbetenden ist.

Im 6. Jhdt tauchen zum ersten Mal die heute bekannten Namen auf, seit dem 9. Jhdt sind sie üblich.

Die Reihenfolge steht fest: Caspar, Melchior, Balthasar. Manchmal wird auch erzählt, die seien dem Alter nach aufgeführt, als Caspar der Älteste, Balthasar der Jüngste. Sie werden - wie hier jemand, den Namen hab ich jetzt nicht präsent, anmerkte - mit den drei Kontinenten in Vervindung gebracht: Asien, Europa, Afrika. Dann ist Balthasar der Schwarze.
Hin und wieder werden sie auch mit den drei Söhnen des Noah in Verbi9ndung gebracht, Sem, Ham und Japhet.

Und endlich wurden die Anfangsbuchstaben ihrer Namen - C M B - zur Abkürzung für den Satz „Christus Mansionem Benedicat“ - Christus segne das Haus -, mit dem die Sternsinger um die Häuser zogen und ziehen, um Gaben zu sammeln.

Bißchen viel Antwort für eine so einfache Frage, nicht wahr?

Eine gesegnete Adventszeit!

wünscht Rolf

Hi!

Ich geh das ganze mal von der Namenskundlichen Seite an, damit kenn ich mich ganz gut aus, vielleicht hilft dir das ja weiter…

Balthasar ist eine Variation der Romanisation Baltazar. Das ist ein alter Adelsname und bedeutet „Baal schütze den König“. Baal ist ein Gott aus dem semitischem Raum der in einigen Ländern verehrt wurde, explizit weiß ich aber grad nur Kanaan. Ich bin da geografisch leider etwas verwirrt. Jedenfalls war der einer von JHWH’s Gegnern da er der Obergott des kanaanitischen Pantheons war, zumindest der letzte in Gestalt, da El (der absolute Obergott) ihn als König der Götter eingesetzt hatte und später selbst mit Jahwe verschmolz. Baal war ein Vegetationsgott, aber auch oft Zornig und mit Sturm und Blitz gleichgesetzt. Seine Schwester Anat (kriegs/Liebesgöttin) war sein Bodyguard, sein Feind war Jam (Meeresgott) und dessen Mutter Aschera (Muttergöttin, ehemals Frau des El).
Dieser Baal soll also seinen Schutz über den König geben, sprich, dieser Name war den Königen erstmal vorbehalten.
Der Name selbst stammt aus von den Phöniziern.

Kasper/Caspar ist eine deutsche/niederländische Abwandlung von Jasper.
Jasper ist ein persischer Name und bedeutet „Schatzmeister“ oder auch „Behüter“ (von was Wertvollem)

Melchior wiederrum ist ein rein semitischer Name und bedeutet „Stadt des Königs“.

Dabei dürfen wir aber nicht vergessen dass sie in anderen Völkern ganz anders hießen, bei den Syrern Larvanad (Caspar), Hormisdas (Melchior; Hormisdas stammt von Hormazd und dieser Name ist persisch im Bezug auf Ahura Mazda) und Gushasaph (Balthasar).
Bei den Armeniern sind Kagba und Badadilma bekannt.

Weiterhin stammt die Darstellung aus Greis, Mann und Knabe aus der Kunst, es gibt keine Quelle dazu, und die Bezeichnungen „Der Weiße“ „Der Braune“ und „Der Schwarze“ beziehen sich auf die Bärte, nicht auf die Hautfarbe, es ist also nicht sicher dass überhaupt ein Schwarzer dabei war.

Wie schon erwähnt wurde wollen einige mit diesen Hautfarben die drei Kontintente darstellen, dies ist jedoch nicht belegt. Wer von denen schwarz sein soll, ist vollkommen uneinig, aktuell bildet sich aber oft Caspar als der jüngste und schwarze heraus.


Man sieht also die Namen bringen uns aufgrund ihrer Unsicherheit nicht weiter.
Nehmen wir aber mal an, die Namen stimmen in ihren Wurzeln.
Caspar ist persisch, Perser (im antiken Sinne) waren biologisch gesehen recht groß und hellhäutig, nicht weiß wie Nordeuropäer, aber heller als die arabischen Völker im durchschnitt.
(Schwer sowas politisch korrekt zu formulieren, also bitte nicht schreien wenn hier ein tiefschwarzer oder käseweißer Perser rumsurft, ich kann natürlich nur Standards beschreiben, die ohne Wertung vorliegen). Heutzutage werden alle Leute erstmal Perser genannt, die modernes Persisch sprechen.

Was Balthasar und die Phönizier betrifft kann man sagen, dass er ganz sicherlich nicht weiß war. Die Phönizier haben ihren Namen von einer griech. Wortwurzel die soviel wie „rot“ bedeutet. Also Rothäute, wenn man so will. Aufgrund ihres großteils semitischen Verbreitungsgebietes kann man aber davon ausgehen, dass sie nicht so schwarz waren, wie man es sich bei dem Wort „Schwarzer“ vorstellt, auch wenn einige amerikanische Bücher das ganz verbissen anders sehen.
Sie waren wahrscheinlich auch so im türkisch/arabisch, maximal südindischem Hautton, mehr ein Erdton der sehr wohl rötlich schimmern kann. Aber „Mohren“ waren sie nicht.

Bei Melchior kann man den Ursprung nicht näher untersuchen, da nur bekannt ist, dass es sich um eine semitische Wurzel handelt. Es gab aber sehr viele Völker, die semitische Sprachen sprachen, so auch die Phönizier. Und Juden gab es damals viele, heutzutage gibt es sogar Fachbegriffe für Weiße Juden, Schwarze Juden, Braune Juden… da enthalte ich mich mal jeden Kommentars.

Nun, da wir nicht weiterkommen, wir haben ja noch die Geschenke.
Diese werden wie folgend zugeschrieben:
Kaspar - Myrrhe
Melchior - rotes Gold
Balthasar - Weihrauch.

Die Myrrhe stammt ursprünglich aus Jemen, Äthiopien, Sudan und Somalia. Das sind ja schonmal schön schwarze Gebiete.

Die Ägypter benutzten sie dann allerdings auch schon seit 3000 Jahren, und die sind keine „Mohren“.
Von den Ägyptern hatten dann wahrscheinlich die antiken Juden die Myrrhe in ihre Rituale aufgenommen. Myrrhe und Aloe gehörten zum Bestattungsritual. Diese kam also wahrscheinlich nicht von weit her. Es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, das Kaspar auch nur ansatzweise schwarz gewesen ist, es sei denn er wäre wirklich aus einem der oben genannten Länder gekommen (bzw. deren damalige Equivalente), doch das ist genauso wenig nachweisbar, wie ob sein Namen auch stimmt.

Bei Melchior und dem Roten Gold müssen wir aufpassen, ob man wirklich rotes Gold meinte, oder das Wort „rotes Gold“ für Rubine. Dazu müsste man die hebräische Wurzel kennen, da kann ich leider nicht helfen.
Nehmen wir mal an es war Rotgold. Gold kam zunächst mal in Ägypten vor, Kupfer ebenfalls, das schon seit 9000 Jahren. Melchior ist also die diffuseste Gestalt von den Dreien weil man ihn durch nichts festnageln kann. Man kann aber die These aufstellen, dass er entweder Ägypter war, oder ein ägyptischer Israelit. Schwarz war er dann aber auch nicht.

Weihrauch war zwar den Babyloniern, Persern und Sumerern bekannt, wurde vor allem aber auch von den Ägyptern und Kanaanäern in ihren Tempeln (Baal~ *sing*) verbrannt und deshalb von den Israeliten/Juden erstmal abgelehnt, bis es auch dort in die Tempelkultur einlass fand. Wichtig finde ich hier den Ursprung der Kanaanäer, da Balthasar ja nach einem kanaanäischem (nitischen?) Gott benannt ist.

Fazit:
Man kann folgende These aufstellen:
Die Namen sind unsicher, doch auch die Geschenke sind aus dem typisch jüdischen Leben und nicht von weit her importiert worden. Wenn man aber animmt, sie werden von ihrem Ursprung gebracht, ergibt sich folgendes Schema:

Kaspar: Persischer Name + Myrrhe = ägyptisch/persisch mit einer Möglichkeit der weiteren Herkunft aus Schwarzafrika. Wahrscheinlich ist dies jedoch nicht.

Melchior: semitischer Name + Gold (althergebracht) = diffuse Gestalt, am ehesten ein lokal Ansässig, ist NICHT von weit her gereist, und König war er wahrscheinlich auch nicht. Aber das ist bei den Hl. drei Königen eh nicht gesichert, sie werden auch drei Weise oder drei Magier genannt.

Balthasar: kanaanitisch geprägter Name + kanaanitisch/israel. Geschenk = Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit stammte Balthasar aus Kanaan. Eventuell war er dunkler getönt als die anderen, aber sicher ist das nicht.

Ergebnis: Keiner der Heiligen Drei Könige war schwarz, nachweisbar ist es jedenfalls nicht. Die Gestalt der HDK ist allerdings insgesamt so diffus, das man wenig sehr sicher über sie sagen kann.

Ich hoffe ich habe dir ein wenig weitergeholfen,

lg
Kate

PS: Irgendwie hätt ich jetzt lust ne Facharbeit drüber zu schreiben…

Das hast Du toll gemacht, Kate!

Da habe auch ich gelernt.

Und das alles klingt so logisch, so folgerichtig, so stringent - wenn denn die Weisen historisch wären und wenn sie wirklich die Namen gehabt hätten, die ihnen zugeschrieben werden.

So muß ich, so schön ich diese Geschichten und Legenden finde, als Historiker sagen: So war es nicht.

Aber toll ist Deine Ableitung trotzdem!

Gruß - Rolf

winzig kleines Korrektürchen
Hallo Kate

Das ist mal eine ergiebige Experten-Antwort, Respekt
und Stern!

Die Myrrhe stammt ursprünglich aus Jemen,
Äthiopien, Sudan und Somalia.

Zum Jemen: kann ich aus eigener Anschauung bestätigen.
Auf den Märkten wird Myrrhe (dort Myra genannt) in
grossen Brocken kiloweise angeboten.

Das sind ja schonmal schön schwarze Gebiete.

Wenn du damit schwarz häutig meinst, so trifft
dies auf den Jemen nicht zu. Die meisten Jemeniten sind
deutlich heller, etwa wie die Äthiopier.
Etwas dunkleren Nomaden bin ich im Wüstengebiet «Rub al
Khali» zwischen Marib und Shabwa begegnet.
Es gibt im Küstengebiet am Roten Meer tiefschwarze
Leute, aber die sind vom «gegenüber» liegenden Afrika
zugewandert.

PS: Irgendwie hätt ich jetzt lust ne Facharbeit drüber
zu schreiben…

Ist doch schon beinahe beisammen ;–)

Grüsse
Rolf

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weiteres winziges Korrektürchen
Hi Kate,

dein Ableitungsversuch in allen Ehren, fleißg fleißg.

Bei der Namensanalyse muß man aber schon im Ansatz stocken, wenn man an die Quellen der 3-Königsgeschichte geht. Sie stammt nicht aus dem 9. sondern aus dem 3. Jahrhundert. Ihr Urspung ist nämlich das sog. „Armenischen Kindheitsevangelium“, wie ich schon mehrfach bei diesen Fragen erwähnte.

Dort werden also aus den in Mt 2.1-12 erwähnten magoi (worunter in der Zeit der Abfassung zarathustrische Priester zu verstehen waren, wobei man nicht übersehen darf, daß diese Funktion auch oft von - parthischen, medischen, persischen - Königen ausgeübt wurde)

Die drei sind dort folgende drei Königsbrüder:

  1. Melqon, König von Persien
  2. Balthasar, König von Indien
  3. Gaspar, König von Arabien

Der Name Melqon ist nicht übersetzbar, die spätere Version Melchor, Melchior aber ist semitisch, und zwar eindeutig aramäisch/syrisch/hebräisch (_ml k _ König, also „König des Lichts“, hebr. _ml q _ dagegen würde „kneifen“ heißen *g*)

Der Name Balthasar (hebr. beltschazzar) ist auch semitischen Ursprungs, aber babylonisch/assyrisch (bel scharra ussur: " Ba’al schütze den König". Die hebräische Version aber ist in dieser Form nicht mehr übersetzbar.

Gruß

Metapher

4 Like

.

Dort werden also aus den in Mt 2.1-12 erwähnten magoi
(worunter in der Zeit der Abfassung zarathustrische Priester
zu verstehen waren, wobei man nicht übersehen darf, daß diese
Funktion auch oft von - parthischen, medischen, persischen -
Königen ausgeübt wurde)

Die drei sind dort folgende drei Königsbrüder:

  1. Melqon, König von Persien
  2. Balthasar, König von Indien
  3. Gaspar, König von Arabien

Hi!

Also soweit mir bekannt ist, ist überhaupt nicht geklärt ob es Könige, Priester o.ä. überhaupt waren und somit auch nicht ob es Brüder waren, da man ja noch nichtmal (wie erwähnt) die richtige Anzahl weiß.

Mich würde allerdings interessieren wie das mit Persien/Indien/Arabien funktionieren soll, vor allem zu dieser Zeit.
Zum einen tangiert mich, wie drei Brüder (wenn es nicht völlig unter „geistlichen Bruder“ sprich Priester gesehen wird) über drei so große (nunja, kommt drauf an was man unter Arabien versteht) so verschiedene, so weit auseinanderliegende herrschen sollen.

Die Geschichte zeigt, dass sowas gar nicht gut gehen kann, wenn das also stimmt, müsste man die Herkunft und damit die Identität dieser drei doch eigentlich nachweisen können?

Und zweitens… warum ausgerechnet Indien? Ich bin jetzt mit Indien zu dieser Zeit überhaupt nicht vertraut aber… war das nicht ein völlig anderer Kulturraum? Die ersten Übersetzungen aus dem Sanskrit kamen mWn erst auf, als sich bereits eine arabische Schriftsprache gebildet hatte, und das war recht spät.

Auf jeden Fall schonmal Danke für deine Ergänzungen, vor allem die Namenskundlichen.
Da sich mein Beitrag auf die sehr wacklige Annahme von korrekten Namen/korrekter Betitelnung und überlieferten Geschenken stützt, ist er natürlich als rein Theoretisch anzusehen :smile:

lg
Kate

Libanon und Smyrna
Hi Kate,

Die im Mt.-Ev. als magoi Bezeichneten (ohne daß dort eine Anzahl erwähnt wird) sind nicht Könige, sondern in dieser Zeit verstand man unter magoi Priester des zarathustrischen Kultes. Manchmal wird spekuliert, daß es sich um babylonische Astrologen gehandelt haben könnte, aber das ist unwahrscheinlich, weil die Zeit der chaldäischen Astrologie längst vorbei war.

Mich würde allerdings interessieren wie das mit
Persien/Indien/Arabien funktionieren soll, vor allem zu dieser
Zeit.
Zum einen tangiert mich, wie drei Brüder (wenn es nicht völlig
unter „geistlichen Bruder“ sprich Priester gesehen wird) über
drei so große (nunja, kommt drauf an was man unter Arabien
versteht) so verschiedene, so weit auseinanderliegende
herrschen sollen.

Was spielt das denn für eine Rolle, ob das sein kann? Es gibt nun mal diesen Text (= das sog. „Armenische Kindheitsevangelium“), und DORT nimmt die Legende von den drei Königen ihren Anfang. Und dort werden sie halt so beschrieben.

Es ist eine niedergeschriebene Legende, und eine Legende kümmert sich kaum darum, ob etwas sein kann. Diese hier nimmt vom Evangelientext nur ihren Ausgangspunkt. Und später wurde sie irrtümlich für biblisch gehalten.

Auf jeden Fall schonmal Danke für deine Ergänzungen, vor allem
die Namenskundlichen.
Da sich mein Beitrag auf die sehr wacklige Annahme von
korrekten Namen/korrekter Betitelnung und überlieferten
Geschenken stützt, ist er natürlich als rein Theoretisch
anzusehen :smile:

Auf jeden Fall sind deine Überlegungen zu den Geschenken sehr interessant. Sie sagen aber nichts über die Identität der magoi des Evangeliums aus. Auch diese Erzählung hat bereits Legendencharakter. Zur Ergänzung deiner Überlegungen ist vielleicht interessant, wie die Geschenke im Mt. in der Ursprache lauten:

Weihrauch = libanos
Myrrhe = smyrna

Gruß

Metapher

Hallo Nike,

zunächst einmal ganz wichtig - die Geschichte ist eine (wenn auch schöne!) Legende und - noch wichtiger - die drei „Heiligen“ wurden nie von der Röm.-Kath. Kirche kanonisiert, d.h. heilig gesprochen; auch wenn ihre angeblichen sterblichen Überreste z. B. in Köln verehrt werden. Sie wurden nie in das „Martyrologium Romanum“ (also das offizielle Verzeichnis aller von der RKK anerkannten und kanonisierten Heiligen) aufgenommen.

Ob ein „Mohr“ überhaupt dabei war, ist von Interpretation zu Auslegung unterschiedlich. Das ein Schwarzer dabei war, soll nur als Symbol gedeutet werden, daß Jesus als König von „Königen“ (in diesem Fall ein „König“ aus Afrika) verehrt wurde und damit quasi eine Legitimation seiner Herrschaft auch auf Erden erhielt.

Sehr gute Informationen zu den drei „Heiligen“, deren Tradition, Legende und damit verbundene Feste und Gebräuche findest Du unter: http://www.heiligenlexikon.de/BiographienB/Balthasar…

pace & bene

fr. Christian

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

ich war mal Sternsinger und habe dabei folgenden Spruch aufgesagt:

„Auch ich stell mich geziemend (?) vor,
ich heisse König Melchior
Am Kongo-Strom steht mein Palast,
wie tut mir gut die kurze Rast.“

…übrigens schwarz geschminkt und von der katholischen Kirche angestiftet :smile:

Nun ja, für mich ist Melchior auch dunkelhäutig.

VG,

Birgit

Danke an alle Antwortenden :smile:
Hi Kate, Metapher und alle anderen,

vielen Dank für Eure Mühen. Ich fand einige Eurer Antwort sehr interessant zu lesen.

Daß die Legende der heiligen drei Könige eine ebensolche ist und ihre Gebeine nicht im Kölner Dom liegen, war mir natürlich selbst klar. :smile:

Mir ging es auch vornehmlich darum, meinem Sohn keinen Quatsch zu erzählen (bitte jetzt keine Bemerkungen à la „Das ist ja eh alles Quatsch“, ok?).

Er bekommt momentan (in Einzelteilen, in seinem Adventskalender) eine Playmobil Krippe, und da sind nun mal ein alter Mann mit weißem Bart, ein junger Mann mit schwarzen Bart und ein Schwarzer (bzw. dunkelhäutiger) die drei Könige - wer will es Playmobil verdenken? :smile:

Ich werde dann einfach mal Kaspar den schwarzbärtigen sein lassen, Melchior den Alten und Balthasar den Mohren - und bin zumindest beruhigt, daß es keine gar so dumme Frage war. :smile:

Die ethymlogische Ableitung finde ich sinnvoll - und besonders spannend.

Liebe Grüße,
Nike

Daß es Könige waren, ist im NT nirgends behauptet; es ist im
Gegenteil die Rede von Magoi, also Magiern, Astronomen,
Astrologen oder was immer.
Auch daß es drei waren, ist erst eine spätere Konstruktion,
rekurrierend auf die Dreizahl der Geschenke: Gold, Weihrauch,
Myrrhe.
Die Kostbarkeit der Gaben hat dann auch zu der Annahme
geführt, es seien Könige gewesen.

Hallo, sicher ist die Legende mehr symbolisch als real zu sehen, wobei ich mir gut vorstellen kann, dass ein wahrer Kern dran ist. Die Magoi wären demnach zoroastrische Priester bzw. aus Babylon gewesen. Als Begründer der Astronomie und Astrologie reisten sie anlässlich einer Jupiter-Saturn-Konjunktion (erscheint am Himmel als ein großer, heller Stern) oder einer Jupiter-Mondfinsternis etwa 7 v.Chr. nach Bethlehem. Dort überbrachten sie die drei Geschenke. Gold steht für die politische Macht, Weihrauch für die spirituelle, Myrrhe für die irdische. Jesus nahm alles an was ihn als „König der Könige“ kennzeichnete, der über allem steht. Er sagte später dazu: Ich bin ein König. Doch mein Reich ist nicht von dieser Welt.