Re: Austausch mit Brasilien
Hallo Kathi,
wo soll es denn hingehen und wie lange dauert der Aufenthalt? Es gibt gefährliche Gegenden in Brasilien und es gibt ungefährliche, das hängt ganz davon ab, wo dich deine Reise hinführt. Es ist natürlich ein riesiges Land, daher kann ich dir auch keine Gesamtempfehlung geben, sondern nur schildern, wie ich meine Aufenthalte dort empfunden habe. Ich war bis jetzt 3 mal jeweils für 6-9 Tage in Brasilien (Campinas, Curitiba, Ilha do Mel). Mein Eindruck ist: Es gibt neben ein paar reichen Leuten viele arme Leute, die extrem viel arbeiten müssen und daher ist die Freizeit-Infrastruktur sehr schlecht. (Ausnahme ist wohl Rio wegen der vielen Touristen) Sprich: Du willst was unternehmen (Sehenswürdigkeiten, Ausflüge usw.) und nach spätestens 3 Tagen hast du das Angebot ausgeschöpft. Durch die Armut im Land ist vieles halt nicht oder nur sehr schlecht erschlossen. Wir waren z. B. mal ein paar Tage auf der Ilha do Mel, das ist eine superschöne Insel vor Paraná und wir haben nichts gemacht außer wandern und Caipirinha trinken. Mehr konnte man auch nicht machen. Natürlich ist dort ein gigantisches Surfrevier, aber da wir keine eigenen Boards dabei hatten und es keine Möglichkeit gab welche zu leihen, wurde daraus natürlich nichts. Du konntest also nur rumhängen oder die 2 Geschäfte und 4 Kneipen auf der Insel besuchen. Es gab noch nicht mal irgendwo ein Volleyballnetz geschweige denn Bälle zu kaufen. Mit ein paar Wörtern portugiesisch konntest du gegen ein bisschen Bezahlung einen der Fischer auf der Insel bitten, dich zu den Delfinen raus aufs Meer zu fahren. Mehr gab es dort wirklich nicht zu tun.
So und ähnlich ist es uns auch in den großen Städten ergangen. Es gibt überall Kneipen, Discos und Restaurants, aber nur ganz wenige Möglichkeiten tagsüber mal etwas zu unternehmen. Außer du bist begeisterter Wanderer (und selbst das ist so ohne weiteres nicht immer möglich) oder nimmst in Kauf 200 km weit mit einem Taxi oder Bus zu fahren um evtl. Pferde zu mieten und einen Ausritt zu machen. Selbst in Curitiba, die als die Vorzeigestadt Brasiliens gilt, gibt es recht wenig zu tun. Und im Winter machen die sowieso alles dicht. Meine Mutter und ihr Mann haben im Februar 2 Wochen Urlaub in der Nähe von Fortaleza (im Nordosten) gemacht (ich hatte ihnen davon abgeraten)und sie waren auch nicht begeistert. Ihr Fazit: Schöne Gegend, schöner Strand, totale Langeweile. Sie konnten in dem Ort noch nicht mal ein Auto mieten um einen Ausflug zu machen. Versteh mich nicht falsch, ich bin ganz und gar nicht vergnügungssüchtig und mein Freund und ich reisen immer auf eigene Faust durch die Gegend und brauchen auch kein Animationsprogramm, aber in Brasilien ist es wirklich schwer, sich die Zeit zu vertreiben (außer du bist begnadete Disco- und Kneipengängerin). So ein Schüleraustausch soll ja nicht nur dazu führen, dass man die Sprache lernt, sondern man möchte ja in dem Land auch ein bisschen was erleben.
Gruß, Maja