Segelphysik fuer Dummies

Von: , Frage gestellt am Do, 2. Mär 2000

Hallo jungs und maedels

Zumersten mal habe ich dieses Jahr den Americas cup verfolgt ( Zufall) und mit erschrecken festgestellt dass ich mir nicht erklaeren kann wie so ein Boot vorwaerttskommt. Ausser Spinnacker fahren ist mir die sonstige Physik ein kleines Raetsel ( hat wohl was mit dem Fluegel/Aufwind prinzip zu tun oder?)
Wer kann mir das erklaeren oder eine gute Seite ( moeglichst mit tollen Zeichnungen) sagen
Danke schoen
Euer

Dennis Connor

4 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einem Tag hilfreich
    Re: Segelphysik fuer Dummies

    Hallo "Dennis", ;-)

    wenn Du Dich wirklich KOMPLETT über alles informieren willst, was mit Segeln zu tun hat, kann ich Dir das Buch "Seemannschaft - Handbuch für den Yachtsport" empfehlen (Verlag Delius Klasing) ISBN 3-7688-0523-9 [Buch anschauen].
    Hier gibt es auch ein Kapitel über die Therie des Segelns (Vortrieb, wahrer und scheinbarer Wind usw.), aber auch jede Menge praktische Infos. Es ist sozusagen die "Segelbibel" (ich habe die 24. Auflage).

    Infos, die man dort nicht findet, werden sehr schwer zu bekommen sein ...

    Grüße
    Sebastian

  2. Antwort von nach 13 Tagen hilfreich
    Re: Segelphysik fuer Dummies

    Also, Du hast eigentlich mit dem Flieger gar nicht so unrecht. Wenn ein Segelboot zur Windrichtung, also gegen den Wind fährt nutzt es den " Vortrieb" den die Segel erzeugen. Du musst Dir das so vorstellen, daß auf den windzugewandte Seite des Segels ein Überdruck entsteht, und auf der anderen dementsprechend ein Unterdruck. Durch die Segelform, die ja flügelähnlich ist, kommt es zum " Druckausgleich" und damit zum Vortrieb.
    Da gibt es ein gutes Buch vom Klasing Verlag, das glaube ich "Die Aerodynamik des Segels" heisst.

    Viel Spaß [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  3. Antwort von nach 14 Tagen hilfreich
    Re: Segelphysik fuer Dummies

    Als Ergänzung zu den Ausführungen meines Vorredners:

    Vor dem Wind (Wind kommt von hinten) ist es klar, der Wind schiebt das Boot vor sich her. Auf diesem Kurs kann das Boot auch nicht schneller werden als der Wind.

    Bei halbem Wind (von der Seite) oder höher (schräg von vorne) strömt der Wind das Segel von seiner Kante aus an. Das Segel ist gewölbt, also ist der Weg für den Wind auf der Rückseite länger als auf der Vorderseite, es entsteht ein Unterdruck auf der Rückseite. Genau dieser Effekt tritt auch bei Flugzeugtragflächen auf und zieht das Flugzeug in die Höhe.

    Die Kraft wirkt im 90-Grad-Winkel zum Segel, also schräg nach vorne. Mit Hilfe des Schwertes oder Kiels wird die Kraft in Fahrtrichtung umgelenkt. Je größer der Winkel zwischen Kraftvektor des Segels und der Längsachse ist, desto mehr Kraft muß vom Schwert/Kiel umgelenkt werden und umso mehr krängt das Boot (legt sich zur Seite).
    Auf diesen Kursen (speziell bei halbem Wind) kann ein Boot erheblich schneller fahren als der Wind weht (bevorzugt Katamarane oder Trimarane). Segler auf dem Land oder Eis (hier ist der Widerstand viel geringer als im Wasser) erreichen bis zu 200 km/h, und das bei 50 km/h Windgeschwindigkeit.
    "Der geltende Geschwindigkeitsweltrekord
    für Segelboote wurde übrigens 1993
    von der "Yellow Pages Endeavour" in
    Australien aufgestellt. Er liegt bei 46,52
    Knoten, das sind 86,16 Kilometer pro
    Stunde." (Die ZEIT, Bildung und Wissen, nachzulesen unter http://www3.zeit.de/zeit/tag/stimmts/19971010.stimmt...)

    Aufgrund dieses "Auftrieb"-Effektes kann man auch die Kraftentwicklung des Segels durch dessen Krümmung ("Bauch") steuern: Je flacher das Segel getrimmt ist, desto weniger Kraft entfaltet der Wind. Wenn also richtig kachelt, trimmt man flach, bei wenig Wind bauchiger, hoch am Wind (Winkel groß) flach, bei halbem Wind oder noch achterlicher = weiter von hinten (Winkel klein) bauchiger.

    Jetzt könnte man noch erklären, was der Unterschied zwischen wahrem und scheinbarem Wind ist: Wahrer Wind ist der Wind, den ein stillstehender Beobachter messen kann, scheinbarer Wind ist der, der an Bord des fahrenden Segelbootes gemessen wird. Letzterer setzt sich zusammen aus dem wahren Wind und dem Fahrtwind, der durch die Eigenfahrt entsteht. Aus diesem Grund ändert sich die Windrichtung auf einem Boot, wenn dieses Fahrt aufnimmt. Der Fahrtwind nimmt zu, der scheinbare Wind weicht vom wahren ab.

    So, genug für heute erstmal. Wenn Du noch konkrete Fragen hast ...

    Grüße
    Sebastian

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