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Utopische Stadt
Also...
ich habe zwar eine eher düstere Sicht auf unsere wirkliche Zukunft, aber wenn wir schon träumen, dann auch richtig. Meine utopische Stadt hat u.a. folgende Eigenschaften:
- Es ist zunächst keine sehr große Stadt, sondern überschaubar, keinesfalls mehr als vielleicht 50.000 Einwohner insgesamt. Sie hat eine um ein bis drei Kernbereiche herum aufgebaute organische Struktur. Diese Kernbereiche könnten z.B. sein ein Kontakthafen, von dem aus die Anbindung zu anderen Städten möglich ist (z.B. per einer Art Gleitbahn), als zweites vielleicht aber auch ein kleiner See am Fuße eines Wasserfalls, um den herum die Siedlung wie ein Amphitheater erbaut ist. (Dort in der Nähe könnte sich auch das Wasserkraftwerk befinden.)
- Es ist keine sehr laute Stadt, denn in meiner Utopie ist die akustische Umweltverschmutzung längst gelöst. Für weitere Transporte gäbe es ruhigere, kleine Kabinengleiter, die jedem nach Bedarf zur Verfügung stehen. Es ist aber gar nicht nötig, daß die alle gleich aussehen. Die Erben unserer heutigen Autobastler machen sich vielleicht z.T. ein Hobby daraus, diese Fahrzeuge individuell und originell zu gestalten. Das gute alte Zufußgehen hat sich (einer der Vorteile, daß die Stadt so klein ist) innerhalb der Stadt wieder durchgesetzt. Gegenstände könnten durch ein unterirdisches Beschickungssystem (wie eine große Rohrpost) versandt werden.
- Es ist eine grüne Stadt, von Parks und Grünanlagen durchzogen und flächig angelegt; dabei ist sie aber nicht zu ordentlich, ich stelle mir das eher in der Art eines Natur-, als eines Stadtparks vor. Um diese Zonen läuft der Verkehr herum oder unterirdisch unter ihnen durch.
- Die Häuser meiner Stadt sind sehr verschiedenartig, denn meine Stadt ist eher gewachsen als geplant worden. Sie werden aber die Tendenz haben, sich in die Natur zu integrieren, eher gerundet als eckig, manchmal vielleicht auch in Hügel integriert usw. Um jedes Haus herum gibt es ausreichend Platz.
- Die Häuser sind wohl eher aus Stein (mit wiederentdeckten und erweiterten Formen des dauerhaften Mauerns - kein oder sehr wenig Beton!) und auf Dauerhaftigkeit ausgerichtet; ab und an wird etwas restauriert oder erweitert, aber es geschieht selten, daß etwas neu erbaut wird - die Stadt hat eine in etwa konstante Größe.
- Die Häuser sind kein Privatbesitz, sondern Allgemeingut. Kleine Gruppen oder Wohngemeinschaften finden sich zu lockeren Verbänden zusammen; so könnte ein typisches Haus aus einer Handvoll abgetrennter Wohneinheiten bestehen (für jeweils eine Familie oder Wohngemeinschaft), aber mit gemeinsamem Innenhof oder Garten. Es werden selten mehr als vielleicht zwanzig Personen so zusammenwohnen. Die meisten Häuser werden so nach und nach Namen und eine Geschichte erworben haben und viele Generationen nacheinander beherbergen.
- Mit Holz als Baustoff wird man vorsichtig umzugehen gelernt haben, damit Raubbau verhindert wird. Holz ist wertvoll und wird entsprechend verwendet.
- Die Häuser sind innen sehr verschiedenartig: mal eher kuschelig-höhlig, mal eher weit, hell und offen - so ist für jeden in jeder Wohnphase etwas dabei. Es ist wichtig, daß den eigentlichen Wohnbedürfnissen der Menschen wieder mehr Beachtung gezollt wird, es gibt weniger überflüssige Technik (diese dafür zuverlässiger, weil erprobter) und sowohl Raum für Abgeschiedenheit wie für Gemeinsamkeiten.
Die Tendenz ist klar: meine utopische Stadt ist im Grunde so unstädtisch wie nur möglich, denn Städte sind m.E. nur in zweiter oder dritter Linie lebenswerter Wohnraum, sondern ökonomische Zentren mit einem ungesunden Eigenleben. Die wichtigste Eigenschaft meiner utopischen Stadt wäre, ökonomisch ebenso überlebensfähig zu sein wie ökologisch (was bislang wohl keine Stadt vermag), dabei zugleich den Menschen und anderen tierischen Bewohnern darin ein wirklich "artengerechter" (und daher naturnaher) Lebensraum zu sein. Die Menschen haben zwar begonnen, Städte als organische Strukturen zu begreifen, aber geschaffen haben sie bislang nur komatöse Parasiten, keine wirklich lebendigen Strukturen.
Gruß,
hendrik