„Wenn jemand sucht“, sagte Siddhartha, „dann geschieht es leicht, daß sein Auge nur noch Dinge sieht, das er sucht, daß er nichts zu finden, nichts in sich einzulassen vermag, weil er nur immer an das Gesuchte denkt, weil er ein Ziel hat, weil er vom Ziel besessen ist. Suchen heißt: ein Ziel haben. Finden aber heißt: frei sein, offen stehen, kein Ziel haben. Du Ehrwürdiger, bist vielleicht in der Tat ein Suchender, denn, deinem Ziel nachstrebend, siehst du manches nicht, was nah vor deinen Augen steht.“
aus: http://www.marcwelk.de/kultur/zitate/hesse/
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_Ignazio Silone
aus : vino e pane (Brot und Wein) - Brief an Christina
„Christina“, schrieb er, „es ist richtig, daß man besitzt, was man hingibt, aber wem und wie soll man geben? Unsere Liebe, unsere
Bereitschaft zum Opfer und zur Selbstverleugnung trägt nur Frucht, wenn sie in die menschlichen Beziehungen hineingetragen wird.
Die moralischen Kräfte wachsen und gedeihen nur im praktischen Leben. Wir sind nicht nur für uns selbst verantwortlich, sondern
auch für die anderen.
Wenn wir empfinden, daß um uns herum Böses herrscht, können wir nicht untätig bleiben und uns mit der Aussicht auf eine
überirdische Welt trösten. Das Böse, das bekämpft werden muß, ist nicht das abstrakte Wesen, das man den Teufel nennt; das
Böse ist all das, was Millionen von Menschen hindert, im wahren Sinne menschlich zu sein. Und dafür sind wir verantwortlich…
Ich glaube nicht, daß ein Mensch heutzutage eine andere Möglichkeit hat, seine Seele zu retten. Er rettet sie, wenn er seinen
Egoismus als Person, als Familienmitglied, als Angehöriger einer bestimmten Kaste überwindet und wenn er sich von dem
Gedanken frei macht, daß die Herrschaft des Bösen unabänderlich ist.
Liebe Christina, man darf nicht besessen sein von dem Gedanken der Sicherheit, nicht einmal der Sicherheit der eigenen
Tugenden. Geistiges Leben und gesichertes Leben sind unvereinbar. Man muß wagen, um zu gewinnen.“_
Gruß
H.
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